„Im Alltag – In Everyday Life“: Fotografisches Zeugnis des ukrainischen Lebens im Krieg eröffnet in Berlin
Am 20. Februar 2026 wurde die Fotoausstellung „Im Alltag – In Everyday Life“ im Stasi-Museum in Berlin offiziell eröffnet. Sie bietet Besucher:innen einen intimen und eindrucksvollen Einblick in den Alltag von Menschen in der Ukraine während des russischen Angriffskrieges. Die Ausstellung findet in der Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie, Haus 22 (Ruschestraße 103) statt und ist bis zum 13. März 2026 für die Öffentlichkeit zugänglich.
Durch eine Reihe sehr persönlicher Fotografien und Klangaufnahmen zeigt die Ausstellung gewöhnliche Momente, die außergewöhnliche Widerstandskraft sichtbar machen: alltägliche Routinen, stille Reflexionen, Trauer und Hoffnung. Statt sich ausschließlich auf die Frontlinien zu konzentrieren, richtet das Projekt den Blick auf die Rhythmen des täglichen Lebens – auf Momente, die trotz der allgegenwärtigen Realität des Krieges weiterbestehen.
Die Ausstellung wurde im Rahmen des Werner Schulz Initiative Fellowship entwickelt und wird mit Unterstützung von Dva Svity e.V., Austausch e.V. und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. realisiert.
Das kuratorische Konzept der Ausstellung konzentriert sich darauf zu dokumentieren, wie Menschen in der Ukraine trotz des Krieges weiterleben, arbeiten und träumen. Zlata Zhuravlova, Kuratorin, Künstlerin und Stipendiatin der Werner Schulz Initiative, erläutert die Idee hinter der Ausstellung:
„Diese Ausstellung heißt ‚Im Alltag – In Everyday Life‘ und unser Ziel ist es zu zeigen, wie der Alltag in der Ukraine aussieht. Wir haben Geschichten verschiedener Menschen und ihre Routinen gesammelt – was sie tun, wie sie leben und wovon sie träumen.“
Die Fotografien entstanden während Recherche- und Arbeitsreisen in die Ukraine in den Jahren 2024 und 2025, als das künstlerische Team durch verschiedene Regionen des Landes reiste, um das Leben von Menschen unterschiedlicher Hintergründe und Generationen zu dokumentieren. Der Fotograf Jonathan Benjamin Small beschreibt die Verantwortung, die mit der Dokumentation solch sensibler Situationen verbunden ist:
„Man muss sehr vorsichtig sein, die eigenen Grenzen nicht zu überschreiten oder Menschen noch mehr Schmerz zuzufügen – besonders wenn man Situationen wie Beerdigungen fotografiert oder Menschen im Krankenhaus besucht. In solchen Momenten braucht es ein besonderes Maß an Sensibilität.“
Die Ausstellung verbindet Fotografie mit einer immersiven Klanglandschaft, die Besucher:innen näher an die Atmosphäre des Alltags in ukrainischen Städten und Dörfern heranführt. Marta Pysanko, Künstlerin und Regisseurin, beschreibt den Ansatz des Projekts:
„Wir haben versucht, mit sehr unterschiedlichen Menschen zu sprechen – mit älteren Menschen und Kindern, Soldaten und Freiwilligen, mit Menschen, denen wir einfach auf der Straße begegnet sind. Viele Situationen waren spontan, weil die Umstände in der Ukraine unvorhersehbar sind. Genau das möchten wir auch hier in Berlin zeigen.“
Um die Geräuschkulisse des Alltags einzufangen, nahm Pysanko während der Reisen zahlreiche Umgebungsgeräusche auf: Generatoren, die Strom erzeugen, Musik auf den Straßen, U-Bahn-Stationen, die als Schutzräume dienen, sowie die stetigen Hintergrundgeräusche einer Gesellschaft, die sich an die Bedingungen des Krieges anpasst.
Der Sounddesigner David Willy Gladisch integrierte diese Aufnahmen in eine kontinuierliche Klangkomposition, die die Bilder begleitet und die emotionale Wirkung der Ausstellung vertieft.
Die Ausstellung reflektiert zudem die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Alltags im Krieg. Rebecca Harms, Mitglied des Vorstands des European Centre for Press and Media Freedom, betont, dass das Aufrechterhalten des normalen Lebens selbst eine Form des Widerstands ist:
„Ein normales, alltägliches Leben in ukrainischen Dörfern und Städten zu führen, während dieser schreckliche Krieg andauert, zeigt, dass die Ukraine ein funktionierender Staat bleibt. Jeder Tag, an dem Ukrainerinnen und Ukrainer aufstehen und Schulen, Krankenhäuser, Busse, Eisenbahnen und öffentliche Institutionen am Laufen halten – während sie zugleich ihr Land verteidigen – ist ein Tag des Sieges über Russland.“
Ihre Worte unterstreichen eine zentrale Botschaft der Ausstellung: Resilienz ist kein abstrakter Begriff – sie zeigt sich in den Handlungen des Alltags.
Für viele Europäer:innen ist der Krieg in der Ukraine längst kein fernes Ereignis mehr. Millionen Ukrainer:innen haben in ganz Europa Zuflucht gesucht, darunter mehr als eine Million Menschen in Deutschland. Igor Mitchnik, Geschäftsführer von Austausch e.V., betont die Bedeutung von Projekten, die das Verständnis zwischen Gesellschaften fördern:
„Eine Million Ukrainerinnen und Ukrainer sind nach Deutschland geflohen. Viele wollten zunächst nur vorübergehend bleiben, doch inzwischen werden sie Teil unserer Gesellschaften. Diese Geschichten werden zu gemeinsamen Geschichten. Projekte wie dieses helfen dabei, diese Erfahrungen miteinander zu verbinden und stärker in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen.“
Indem ukrainische Geschichten in Berlin sichtbar gemacht werden, schafft die Ausstellung einen Raum für Reflexion, Empathie und Dialog zwischen verschiedenen Gemeinschaften.
Besuch der Ausstellung
📍 Ort: Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie, Haus 22
Ruschestraße 103, Berlin
📅 Ausstellungszeitraum: 20. Februar – 13. März 2026
Besucher:innen sind eingeladen, die Ausstellung zu erleben und sich mit den persönlichen Geschichten hinter den Bildern auseinanderzusetzen – Geschichten, die zeigen, wie das alltägliche Leben selbst im Schatten des Krieges weitergeht.








