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Hier finden Sie die Version der INKuLtur-Programmseite für Screenreader-Nutzer_innen und Menschen mit Sehbehinderungen. Über Rückmeldung dazu würden wir uns sehr freuen!

Lasst uns gemeinsam für kulturelle
und gesellschaftliche Vielfalt eintreten!

Das DRA-Projekt INKuLtur - Förderung des Zugangs zu Kulturangeboten für Menschen mit Behinderung (2018/2019) wird seit Januar 202vom DRA е.V. in Zusammenarbeit mit seinen Partnern aus Russland, der Ukraine und Deutschland als trilaterales Programm fortgesetzt. 

Das Programm INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ (2020-2022) besteht aus zwei Projekten und wird aus Mitteln der Europäischen Union sowie des Auswärtigen Amtes gefördert. Beide Projekte sind inhaltlich eng verbunden und ergänzen sich in ihren Methoden, um die Ziele des INKuLtur-Programms zu erreichen. 

Unser zentrales Anliegen ist es, Menschen mit Behinderung in Russland und erstmals auch in der Ukraine einen gleichberechtigten Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen.

Es gibt viele alltägliche Situationen, in denen Menschen mit Behinderung auf Probleme stoßen, die ihre gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft erschweren oder unmöglich machen: das betrifft z.B. Rollstuhlfahrer:innen, Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung oder auch Menschen mit geistiger Behinderung. Viele von ihnen waren noch nie in ihrem Leben in einem Museum oder in einem Kino - nicht, weil sie es nicht wollen, sondern weil die passenden Angebote dafür fehlen und weil sie durch ihre Umgebung und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eingeschränkt werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich viele Menschen fragen: „Aber warum sollte ein blinder Mensch ins Museum gehen können, wenn er dort eh nichts sehen kann?” Nicht weniger groß, als die physischen Barrieren sind daher die sogenannten „Barrieren in den Köpfen“ der Menschen.

Diese Situation möchten wir mit unserem internationalen Programm „INKuLtur–für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ ändern.

 

 

 

Neuigkeiten aus dem Programm

“Darum fordern wir ein Design für ALLE” - Interview mit INKuLtur-Expertin Christiane Schrübbers
Christiane Schrübbers @Faceland

INKuLtur: Liebe Frau Schrübbers, Sie bieten Seminare und Beratungen im Bereich der Barrierefreiheit in Museen und Gedenkstätten. Auch in unserem Programm „INKuLtur“ waren Sie vor kurzem als Referentin für dieses Thema im Einsatz. Können Sie sagen, was ist für Sie das Herausfordernde und das Faszinierendste an dieser Arbeit?

Christiane Schrübbers: Ich bin Pädagogin im Museum. Museum soll ein identitätsstiftender Ort sein. Das heißt, wer kommt, soll dort reden dürfen. Ich arbeite dafür, dass alle Museumsbesucher reden und mitreden können.  Für mich ist es faszinierend zu sehen, wie die elitäre und akademische Einrichtung Museum durch die Umsetzung von Barrierefreiheit niederschwellig wird und trotzdem gehaltvoll bleibt. Eine Herausforderung ist die Arbeit an Texten: in einfacher Sprache und gutem Stil die Gedanken klar zu machen und auf den Punkt zu bringen.

INKuLtur: In einem Seminar im Rahmen des Programms haben Sie vor kurzem mit Mitarbeiter:innen der Kultureinrichtungen in Russland über die „Barrierefreie Öffentlichkeitsarbeit“ gesprochen. Was bezeichnet, Ihrer Meinung nach, eine erfolgreiche und effektive barrierefreie Öffentlichkeitsarbeit?

Christiane Schrübbers: Eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit transportiert die Willkommenskultur, die in einem Haus herrscht. Wenn jeder Besucher, jede Besucherin vor dem Betreten des Hauses weiß, dass sie umfassenden Nutzen vom Aufenthalt erwarten kann und dass der Besuch komfortabel sein wird, dann ist Öffentlichkeitsarbeit effektiv.

INKuLtur: Können Sie für Menschen, die mit dem Konzept der Barrierefreiheit noch nicht wirklich vertraut sind, kurz erklären, was Sie unter der Inklusion im Kulturbereich verstehen?

Christiane Schrübbers: Inklusion heißt: Vielfalt fördern und darstellen. Wir leben am Ende einer Epoche, in der man dachte, jeder Mensch ist 170 cm groß, 75 Kilo schwer, hat einen scharfen Blick wie ein Adler und zehn kräftige Finger. Darum waren alle Tische entsprechend hoch, Stühle entsprechend breit und die Buchstaben lieber elegant als klar. Wir leben gleichzeitig am Anfang einer Epoche, in der man sieht: Jeder einzelne sieht anders aus, hat verschiedene Talente und braucht verschiedene Dinge. Weil wir für Gleichberechtigung sind, wollen wir, dass alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben, sich einbringen, es mitgestalten. Eine möglichst große Vielzahl verschiedener Menschen soll mit einem Produkt, einer Dienstleistung, der Architektur oder dem öffentlichen Raum gut zurechtkommen. Also muss man für das Sitzen und Lesen, das Laufen und Hören Alternativen zum alten Standard anbieten. Darum fordern wir ein Design für ALLE, bei dem so oft wie möglich mindestens zwei Kanäle zur Rezeption angeboten werden. Ich nenne drei Beispiele:

  1. ein Lesebuch ist auch als Hörbuch zu haben. Das mögen Leute, die lieber hören als lesen und die, die nicht lesen können, weil sie entweder Seheinschränkungen oder kognitive Einschränkungen haben oder einfach leseunlustig sind.
  2. Ein Film wird zusätzlich mit Gebärdensprache, Audiodeskription und Untertiteln versehen. Dann können auch Menschen ihn erfahren, die nicht hören und nicht sehen können, außerdem Schwerhörige und solche Menschen, die die Originalsprache des Films nicht gut beherrschen.
  3. Ein Ausstellungsstück in einem Museum wird zum Berühren und Betasten freigegeben. Oder ein Nachbau oder ein Modell wird daneben platziert. Das hilft den blinden Menschen, denen mit kognitiven Einschränkungen und auch denen, die einen stark haptischen Impuls haben, die durch Berühren besser begreifen.

INKuLtur: Liebe Frau Schrübbers, wir danken Ihnen für das Gespräch, es war sehr aufschlussreich.

This interview was produced with the financial support of the European Union. Its contents are the sole responsibility of author and do not necessarily reflect the views of the European Union.

Trilaterales Programm „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ gestartet

Zum Auftakt des DRA-Programms „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ fand im März das Auftakttreffen zwischen den DRA-Koordinatorinnen und den Hauptpartner:innen des Projektes in Russland statt, bei dem die Zusammenarbeit aller beteiligten Partnerorganisationen und Schritte zur Vorbereitung der Aktivitäten besprochen wurden. Aufgrund der Corona-Krise wurde die Zusammenkunft online und nicht wie ursprünglich vorgesehen in St. Petersburg durchgeführt. 
 
Das Programm „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ besteht aus zwei Projekten, die sich inhaltlich und methodisch ergänzen. Im Fokus sowohl des im Januar gestarteten EU-Projektes „INKuLtur – Stärkung der Beteiligung von Menschen mit Behinderungen am Kulturleben“ („Promoting the participation of people with disabilities in cultural life“, Laufzeit bis Juni 2022) als auch des am 1. März begonnenen Projektes „INKuLtur – Inklusion und kulturelle Teilhabe stärken“ (Förderung: Auswärtiges Amt, Laufzeit bis Dezember 2021) steht die Pilot-Arbeit mit ausgewählten russischen Kultur-Einrichtungen in Jekaterinburg, Pskov, Omsk, Kaliningrad und weiteren Städten. Sie werden einen Analyse- und Evaluationsprozess durchlaufen, um vorhandene Barrieren für Menschen mit Behinderungen zu identifizieren, Wege für deren Abbau zu entwickeln sowie Fachpersonal vor Ort zu sensibilisieren. Des Weiteren sind in beiden Projekten Rundtischgespräche zu sektorübergreifender Vernetzung und Kooperation in den Projektregionen in Russland und in der Ukraine geplant, um gemeinsam mit Akteuren aus Staat und Zivilgesellschaft die regionalen Bedarfe von Menschen mit Behinderung zu erkennen und ihre Anliegen zu unterstützen. 
 
In dem von der EU geförderten Projekt werden darüber hinaus inklusive Kunstprojekte wie etwa Theateraufführungen oder Ausstellungen entwickelt und umgesetzt, um die Zusammenarbeit zwischen Künstler:innen mit und ohne Behinderung, den Kultur-Piloteinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zu fördern. Des Weiteren werden kleinere Projekte zur Verwirklichung von Barrierefreiheit in Kultureinrichtungen gefördert und mehrere Vor-Ort-Studien unter Einbeziehung von Kultureinrichtungen und NGOs aus der Behindertenhilfe durchgeführt, um die überregionale und fachliche Vernetzung und damit den Wissenstransfer zu stärken. 
 
Im Rahmen des vom Auswärtigen Amt geförderten Projektes wird ferner eine multimediale Wanderausstellung entwickelt, die den Umgang mit Menschen mit Behinderungen von den Jahren des Nationalsozialismus und des Stalinismus bis heute und zugleich beispielhaft die inklusive Gestaltung von Ausstellungen zeigen soll. Dazu kommen verschiedene Weiterbildungsmodule zu Inklusion und Diversität in Russland und erstmals auch in der Ukraine. Dazu ist u.a. im Herbst 2020 eine trilaterale Bildungsreise für Teilnehmer:innen aus Russland und der Ukraine nach Deutschland geplant. 

 

Kultur-Piloteinrichtungen

Weiterbildungsseminar „Eine Bibliothek als inklusive Kulturinstitution“ in Pskow
Foto: Maria Makarowa. Alle Rechte vorbehalten.

Vom 19 bis 22 Oktober 2020 fand in der wissenschaftlichen Regionalbibliothek in Pskow das internationale Seminar „Eine Bibliothek als inklusive Kulturinstitution“ statt. Die Pskower Bibliothek ist eine der 4 Piloteinrichtungen, die seit September 2020 am Programm „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ teilnimmt. 

Internationale und russische Expert:innen arbeiteten mit den Teilnehmenden innerhalb von 4 Tagen intensiv in den Bereichen Inklusion, Barrierefreiheit und Zugänglichkeit.  

Eeva Rantamo, Inklusionsexpertin und Gründerin des Büros “Kulturprojekte - Inklusive Kulturarbeit” (Dortmund) erzählte über die grundlegenden Prinzipien von Kommunikation und Zusammenarbeit mit Besucher:innen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Außerdem gab Eeva Rantamo einen Überblick über inklusive Öffentlichkeitsarbeit, erklärte die wichtigsten Kriterien für eine inklusive und barrierefreie Bibliothek und die Organisation von inklusiven Veranstaltungen.   

Julia NaumowaLeiterin des Laboratoriums für inklusive und soziale Projekte an der russischen staatlichen Bibliothek für Jugendliche (Moskau, Russland) stellte moderne Methoden der Arbeit mit Jugendlichen mit geistigeBehinderung vor 

Aleksandra Isaewa, Gehörlosenpädagogin und Spezialistin für die Anpassung von Museumsprogrammen für Gehörlose und Schwerhörige sowie Museumsführerin in der „Eremitage“ (Sankt Petersburg, Russland) erzählte über die Besonderheiten der Interaktion mit Menschen mit einer Hörbehinderung und über die Überwindung von existierten Stereotypen. Darüber hinaus konnte Frau Isaewa ihre eigenen Erfahrungen mit einer Hörbehinderung in die Diskussionen und Prozesse des Seminars mit einbringen.  

Am ersten Tag diskutierten die Teilnehmenden das Konzept für Barrierefreiheit der Bibliothek. Das Konzept beinhaltet neue Parkplätze für Besucher:innen mit Behinderung, einen elektrischen Aufzug, einen Fahrstuhl, taktile Fliesen für sehbehinderte und blinde MenschenDarüber hinaus erhielten die Teilnehmenden Informationen über die langjährigen Erfahrungen in der Arbeit mit Leser:innen von der “Pskower Regionalbibliothek für Kinder und Jugendliche mit Behinderung Kaverin und der “Pskower Regionalen Spezialbibliothek für Blinde und Sehbehinderte.” 

Innerhalb des Seminars wurden vielfältige Fragen zu Barrierefreiheit in der Praxis behandelt: 

  • Ist die Atmosphäre der Bibliothek für Besucher:innen angenehm? (wie wurde ich empfangen, ist die Informationstheke gut eingerichtet, gibt es ein Sitzplatz, wo ich bei Bedarf sitzen kann, gibt es ein Ort, wo ich mein Stock gegebenenfalls aufhängen kann?) 
  • Ist die dargestellte Information für alle klar? (ist die Schrift groß genug, ist die Sprache verständlich?) 
  • Was bedeutet inklusive und barrierefreie Öffentlichkeitsarbeit? 
  • Ist die Webseite der Bibliothek für alle Besucher:innen barrierefrei?  
  • Kennen sich die Mitarbeiter:innen mit der Kultur der gehörlosen Menschen aus? 
  • Gibt es einen Unterschied zwischen Gestensprache und Gebärdensprache? 

Die Arbeit wurde in Form von (Online-) Seminaren und Workshops durchgeführt. In einem praktischen Workshop von Julia Naumowa wurden die Teilnehmenden in Kleingruppen aufgeteilt und sollten eine inklusive Veranstaltung für Menschen mit Behinderung vorzubereiten.  

Außerdem hatten alle Interessiertedie Möglichkeit, die Seminare online zu verfolgen 

Das Seminar wurde im Rahmen des trilateralen DRA-Programms „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ organisiert, welches in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen aus Russland, der Ukraine und Deutschland umgesetzt und aus Mitteln der Europäischen Union und des Auswärtigen Amtes gefördert wird. 

 

Analysephase – das Innovative Kulturzentrum

Das Innovative Kulturzentrum in Perwouralsk als eine der INKuLtur-Piloteinrichtungen wurde vier Tage lang von internationalen Expert:innen besucht. Diese untersuchten alle Standorte des Zentrums, beurteilten, welche physischen Barrieren es für Menschen mit verschiedenen Behinderungen gibt, und sprachen mit den Mitarbeiter:innen des Zentrums. Sie bewerteten die laufenden Aktivitäten und Programme des Zentrums in Bezug darauf, inwieweit Menschen mit Behinderungen involviert sind und welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.

Darüber hinaus gab es an allen vier Tagen Seminare über die Gestaltung von Inklusion im Kulturbereich.

So sprach beispielsweise Lada Talyzina über die Arbeit mit Menschen mit geistigen Behinderungen. Sie hat einen Masterabschluss in Pädagogischer Psychologie, ist Methodikerin und Pädagogin der Wohltätigkeitsstiftung Downside Up und Expertin für die Anpassung von Texten für Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Vlad Kolesnikov, der Leiter der Abteilung für Barrierefreiheit und die Umsetzung inklusiver Programme am Staatlichen Historischen Museum und Pädagoge für Zusatzausbildungen an der Schule für Gehörlose und Schwerhörige Nr. 52 (Moskau), stellte die Kultur der Gehörlosen vor und sprach darüber, wie Museen für alle zugänglicher gemacht werden können.

Die Museumspädagogin Dr. phil. Christiane Schrübbers, schaltete sich online dazu und erläuterte, wie Informationen über Exponate für alle zugänglich gemacht werden können. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei „Kulturprojekte Berlin“ GmbH, entwickelt Konzepte für barrierefreie Ausstellungen, für Führungen in Kultureinrichtungen und für moderne Vermittlungsformate und ist Mitbegründerin der Zeitschrift „Durchblick – Forum für Museumspädagogik in Berlin und Brandenburg“.

Interessierte Mitarbeiter:innen von Kultureinrichtungen aus anderen Städten konnten online an den Seminaren teilnehmen.

Darüber hinaus erörterten die Fachleute des Innovativen Kulturzentrums mit den Expert:innen, wie Veranstaltungen des IKZ in Zukunft für alle zugänglich, interessant und hilfreich gestaltet werden können.

Text: Pressestelle des IKZ

Vlad Kolesnikov hält Vortrag, auf Präsentationsfolie steht Zitat von Christine Sun Kim auf Englisch: If Sign Language was considered equal, we'd already be friends
Vlad Kolesnikov beim Vortrag
Diese Kultureinrichtungen werden zu Vorreitern der Inklusion in ihrer Region

Die Gewinner des Auswahlverfahrens für die Teilnahme am internationalen Programm „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ stehen seit Anfang September fest! Unter Kultureinrichtungen aus verschiedenen Regionen Russlands, wie aus Jekaterinburg und der Swerdlowsker Region, aus Pskow und der Pskower Region, aus Omsk und der Omsker Region und aus Kaliningrad und der Kaliningrader Region wurden vier ausgewählt, um Piloteinrichtungen für den Ausbau eines inklusiven Umfelds in ihrer Region zu werden.

Die Gewinner der Ausschreibung sind:

Die Arbeit mit den Piloteinrichtungen dient der Einführung inklusiver Strukturen und dem Abbau von Barrieren sowohl in den genannten Institutionen als auch in anderen regionalen Kultureinrichtungen durch den Transfer von Wissen und Erfahrung.

In der jetzigen Phase wird eine internationale Expert:innengruppe gebildet, die die Einrichtungen auf ihre Stärken und Schwächen hin analysieren und bewerten wird, Maßnahmen zum Ausbau eines inklusiven und barrierefreien Umfelds bestimmen und einen individuellen Umsetzungsplan ausarbeiten wird. Das Personal jeder Piloteinrichtung wird darin geschult werden, die Barrierefreiheit der Institutionen und ihrer Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung zu gewährleisten.

„Für uns war es sehr wichtig, gerade die Einrichtungen auszuwählen, die Inklusion als Chance zum Wachstum und zur Verbesserung ihrer Arbeit sehen, die verstehen, dass es bei einem barrierefreien Umfeld nicht in erster Linie um Rampen geht, sondern um die Einstellung zum Menschen“, bemerkte die INKuLtur-Programmkoordinatorin Nataliia Zviagintseva (DRA e.V.).

Ein kurzes Wort zu jeder Einrichtung:

Die Regionale Wissenschaftliche Bibliothek Pskow / Псковская областная универсальная научная библиотека schreibt ihre Geschichte seit 1833. Sie ist nicht nur den Bewohner:innen der Stadt Pskow ein Begriff, sondern auch in der ganzen Region bekannt. Sie ist ein methodisches Zentrum für das gesamte Bibliothekennetz der Pskower Region, dem 293 Bibliotheken angehören. Außerdem wurde das Gebäude der Bibliothek kürzlich umfassend renoviert. Seit dem 1. September 2020 hat es wieder geöffnet und ist nun auch für Mitbürger:innen mit geringer Mobilität zugänglich.

Der Eingang der Bibliothek, ein längliches Gebäude mit vielen Fenstern, davor herbstliche Sträucher

Die Regionale Wissenschaftliche Bibliothek Pskow. Aus dem Fotoarchiv der Bibliothek.

 

Das Innovative Kulturzentrum (IKZ) / Инновационный культурный центр (ИКЦ) wurde 2016 in Perwouralsk auf dem Gelände des früheren „Demidow“-Eisenwerks gegründet. Seit seiner Gründung arbeitet das IKZ mit NGOs und Vereinigungen von Menschen mit Behinderung, mit dem Ministerium für Sozialpolitik der Region Swerdlowsk und mit Freiwilligenorganisationen zusammen. Es gründete die Freiwilligenorganisation „IKZ-Freundesliga", die auch Menschen mit Behinderung einschließt. Für Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen ist das Zentrum barrierefrei und bietet Arbeitsplätze. Das junge Team hat sich zum Ziel gesetzt, das Zentrum vollständig inklusiv zu gestalten, und arbeitet aktiv daran, Erfahrungen mit der Durchführung inklusiver Veranstaltungen zu sammeln.

Eine Grafik des Innovativen Kulturzentrums, ein futuristisch anmutendes Gebäude in Form eines stehenden Kreises mit Glasfassade, umgeben von einem großen Parkplatz und Grünanlagen

Aus dem Fotoarchiv des IKZ.

 

Das Regionale Bernsteinmuseum Kaliningrad / Калининградский областной музей янтаря wurde 1979 eröffnet und ist eine der „Visitenkarten“ der Region. Die Einrichtung empfängt jährlich 200.000 Besucher:innen, weshalb es vor der wichtigen Aufgabe steht, ein universell zugängliches Umfeld zu schaffen. So erlaubt es das besondere Projekt „Museum im magischen Buch", dreidimensionale virtuelle Kopien von 30 einzigartigen Ausstellungsstücken in Ausstellungen und Präsentationen zu zeigen, die sich an weiter entfernten Orten befinden, darunter Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen für Kinder.

Der Eingang zu einer Burg aus Backsteinen gebaut, mit einem Wehrgang mit Zinnen. Die Burg ist umsäumt von Bäumen. Davor steht eine Schlange von wartenden Menschen.

Das Regionale Bernsteinmuseum Kaliningrad. Aus dem Fotoarchiv des Museums.

 

Das Stadtmuseum „Omsker Kunst“ / Городской музей «Искусство Омска ist eines der jüngsten und mobilsten Museen der Stadt Omsk. Aktiv entwickelt es alle Bereiche der Museumswesens und führt auch Ausstellungs-, Forschungs-, Aufklärungs- und Publikationstätigkeiten aus. Das Museum ist bereit, neue Arbeitsformen einzuführen und verfügt bereits über gewisse Arbeitserfahrung mit Menschen mit Behinderung, sowohl als Autor:innen als auch Besucher:innen der Museumsausstellungen.

Белое продолговатое здание с яркими зелеными крышами. У входа висит плакат, на котором виден номер 140. Окруженный парком.

Das Stadtmuseum "Omsker Kunst". Aus dem Fotoarchiv des Museums.

 

 

 

 

Auswahl der Kultur-Piloteinrichtungen in russischen Regionen Jekaterinburg, Pskow, Omsk und Kaliningrad

Im Programm “INKuLtur - für Inklusion und kulturelle Teilhabe” stellt die Pilot-Arbeit mit russischen Kultur-Einrichtungen in den Regionen Jekaterinburg, Pskov, Omsk und Kaliningrad einen wichtigen Schwerpunkt darSeit April 2020 ist diese Arbeit mit Kultur-Piloteinrichtungen in vollem Gange.  

In jeder Region wird eine Piloteinrichtung über eine Laufzeit von mehr als einem Jahr von jeweils einem internationalen Expert:innen-Team begleitet mit dem Ziel, bestehende Barrieren zu identifizieren, abzubauen und inklusive Strukturen in den Einrichtungen herzustellen. Außerdem sollen Mitarbeiter:innen-Schulungen stattfinden und in der breiten Öffentlichkeit mehr Akzeptanz für die gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderung hergestellt werden. Basis ist das im Vorprojekt erarbeitete „Konzept für Barrierefreiheit“ für Kultureinrichtungen in Russland.  

Kultureinrichtungen konnten sich über eine offene Ausschreibung als Piloteinrichtung bewerben. Trotz der Tatsache, dass Kultureinrichtungen und lokale Behörden aufgrund der COVID-19-Pandemie und darauf anschließenden ökonomisch instabiler Lage größtenteils geschlossen blieben, haben uns insgesamt 19 Bewerbungen erreicht: 9 aus Jekaterinburg & dem Swerdlowsker Gebiet, 4 aus Pskow, 3 aus Omsk und 3 aus Kaliningrad. Die Bewerbungen waren qualitativ sehr hochwertig. Erfreulich ist die Vielfalt an kulturellen Einrichtungen, so erreichten uns Bewerbungen von Museen, Bibliotheken, Theatern und Konzerthäusern und KinosAus Jekaterinburg bewarben sich beispielsweise das über die russischen Grenzen hinaus bekannte Jelzinzentrum, die Swerdlowsker Bibliothek für Menschen mit Sehbehinderung und der Tierpark Jekaterinburg. Aus Pskow erreichten uns Bewerbungen des Theater- und Konzerthauses “Dom Ofizerov und aus dem in Mikhailovskoe gelegenen Freiluftmuseum Pushkinskiy Zapovednik. In Kaliningrad bewarben sich unter anderem das Museum für bildende Künste und das staatliche Theater, aus Omsk das städtische Museum und das “independent” Kino “Dom-Kino”. 

Nach einer zweiten Auswahlphase mit Interview wird Ende August für jede Region eine Piloteinrichtung feststehen. Diese beginnen dann mit Hilfe eins internationalen Teams von Expert:innen die aktive Analysephase, um eine auf die Einrichtung zugeschnittene Strategie für mehr Inklusion zu erarbeiten und mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung umzusetzen! 

Das trilaterale DRA-Programm INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ wird in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen aus Russland, der Ukraine und Deutschland umgesetzt und aus Mitteln der Europäischen Union und des Auswärtigen Amtes gefördert. 

 

Multimediale Wanderausstellung

Das II. Expertentreffen zur Entwicklung der Wanderausstellung „Überzeugen – Geschichten von Menschen mit Behinderung“
Das Treffen der Expert:innen in St. Petersburg

Es kursiert die Behauptung, dass die Geschichten von Menschen mit Behinderung nur sehr wenig mit den Geschichten von Menschen ohne Behinderung zu tun haben – nur während Ausnahmesituationen, wie Kriegen oder internationalen Krisen werden die Gemeinsamkeiten ihrer Leben sichtbar.   

Wo waren Menschen mit Behinderung, als der zweite Weltkrieg ausgebrochen ist? Wie erlebten Menschen mit Behinderung den Zusammenbruch der SowjetunionWie fühlten sie sich in Momenten der globalen Veränderungen? Genau diese und ähnliche spannende Fragen wurden im Rahmen des Arbeitstreffens für die Entwicklung der multimedialen Wanderausstellung „Überzeugen – die Geschichten von Menschen mit Behinderung“, das vom 22 bis 24 Oktober 2020 in Sankt Petersburg stattfand, diskutiert 

An dem Treffen nahmen etablierte Inklusionsexpert:innen teil, darunter der Petersburger Journalist Yurii Kuznetsov; Sergei VanschinGeneraldirektor der Allrussischen Gesellschaft der Blinden "Reakomp"; Viktor PalennyiExperte für Geschichte und Kultur von Gehörlosen in Russland; Tatiana Redina, Expertin für schulische Inklusion; Alexander Ivanov, Leiter des Kunststudios der St. Petersburger Wohltätigkeitsorganisation Perspektivy”; Vera SimakovaLeiterin der Partnerorganisation „Blagoe delo; sowie Maria Sarycheva und Vlad Kolesnikov – die Kuratoren der Ausstellung.   

„In einer freundlichen und professionellen Atmosphäre wurden viele guten Ideen entwickelt, die mich schon viele Jahre beschäftigen. Wir erlebten ein sehr produktives Brainstorming, in welchem wir bereits die Konturen der zukünftigen Ausstellung zeichnen konnten. So vor allem, wie wir die persönlichen Lebensgeschichten von Menschen mit Behinderungen in der Ausstellung verarbeiten können. Wir haben uns viele persönliche Geschichten der möglichen Protagonist:innen aus der Vergangenheit und Gegenwart durch den Kopf gehen lassendie sich aktiv für Menschen mit Behinderungen eingesetzt haben”, so Tatiana Redina. 

„Überzeugen – die Geschichten von Menschen mit Behinderung“ ist eine multimediale Wanderausstellung, die eine aufwendige Recherche zu Lebensgeschichten von Menschen mit Behinderung in der Ukraine, Russland und Deutschland kreativ verarbeitet 

Die Wanderausstellung wird im Rahmen des DRA-Programms „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ entwickelt. Das Programm wird in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen aus Russland, der Ukraine und Deutschland umgesetzt und aus Mitteln der Europäischen Union und des Auswärtigen Amtes gefördert. 

 

 

 

Podiumsdiskussion “75 Jahre Kriegsende - 75 Jahre Behindertenrechte? Die Entwicklung der Rechte von Menschen mit Behinderung in Deutschland, Russland und der Ukraine”

Am 18. Juni 2020 fand im Rahmen des DRA-Programms „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ eine Online-Diskussion zum Thema “75 Jahre Kriegsende - 75 Jahre Behindertenrechte?? Die Entwicklung der Rechte von Menschen mit Behinderung in Deutschland, Russland und der Ukraine” statt. 

Zusammen mit Expert:innen aus Deutschland, Russland und der Ukraine wurden sowohl der Status quo der Behindertenrechte als auch die historischen Entwicklungen besprochen. Dadurch wurde ein Rückblick auf die letzten 75 Jahre geworfen und der Frage nachgegangen, wie sich die Sicht auf Behinderung in der Gesellschaft seit dem Ende des 2. Weltkrieges veränderte 

Die Veranstaltung begann mit einer Begrüßung durch die Programmleiterin Irina Bukharkina und einem Eingangsstatement des Moderators Constantin Grosch.  

„Wenn heute Behinderte und ihre Verbände in Russland, der Ukraine und Deutschland mehr Rechte fordern, geht es seltener um die nackte Existenz, als vielmehr um das Einfordern von gleichen Rechten, Selbstbestimmung und Hilfen zur gesellschaftlichen Teilhabe. So schleichend die Erinnerung und das Gedenken an die finstersten Zeiten Europas verblassen, so beständig nimmt die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen zu“ (Zitat von Constantin Grosch). 

Phillip Rauh, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich für Medizingeschichte am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Technischen Universität München, fing mit einer kurzen Einführung zur Lage von Menschen mit Behinderung am Anfang des 20. Jahrhunderts an. Dabei betonte Herr Rauh, dass  im Ersten Weltkrieg 70 Tsd. Patient:innen von Behinderteneinrichtungen und psychiatrischen Einrichtung  an den Folgen von durch Hunger verursachten Erkrankungen starben, „also Tausende Leute mehr als die normale Sterblichkeit in den Jahren davor und danach“, so Rauh. Aus dieser Entwicklung entstanden die ersten ganz konkreten Diskussionen um die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ in den beginnenden 1920-er Jahren in Deutschland.  

Anschließend berichtete Tatiana DorokhovaDozentin für Sozialpädagogik an der Staatlichen Pädagogischen Universität Ural aus Russland, über die Situation von Menschen mit Behinderung nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in der gegründeten Sowjetunion, vor allem aber in der Russischen Sowjetrepublik. Die Schwierigkeiten, mit denen Menschen mit Behinderung damals konfrontiert waren, waren größtenteils durch sozio-ökonomische Faktoren bedingt. Auf der einen Seite entstanden in den 1920-er Jahren die ersten Gesellschaften von Menschen mit Behinderung, vor allem für Kriegsveteranen, was zur sozialen Sicherstellung und Vorzugsbeschäftigung beitragen sollteAuf der anderen Seite gab es im Land aufgrund des Krieges nicht genügend Mittel um die marginalisierten Gruppen zu unterstützen. 

Über ähnliche Erfahrungen von Menschen mit Behinderung in der sowjetischen Ukraine berichtete die ukrainische Expertin Juliia Sachuk, die sich aktiv mit dem Thema der Rechte von Menschen mit Behinderung beschäftigt. Allerdings wies Frau Sachuk darauf hin, dass sich die Perspektive auf Menschen mit Behinderung immer von der allgemeinen sowjetischen unterschied, da Entwicklungen in Europa den westlichen Teil der Ukraine schneller erreichten.

Des Weiteren diskutierten die Panelist:innen über die möglichen Änderungen, die das Ende des Krieges in den Alltag von Menschen mit Behinderung mit sich brachten. Der Zweite Weltkrieg verschlechterte die Lage von Menschen mit Behinderung in allen drei Ländern, dessen Auswirkungen sowohl in Deutschland als auch im postsowjetischen Raum immer noch nicht genug aufgearbeitet sind.  

Die offizielle Politik der nationalsozialistischen Rassenhygiene, der "Euthanasie" und Zwangssterilisationen in Deutschland und in den besetzten Gebieten hat mit dem Ende Zweites Weltkrieges zwar geendet, dennoch wurden in der ersten Nachkriegsmonaten viele Bewohner:innen der Heil- und Pflegeanstalten und psychiatrischen Einrichtungen durch vorsätzliche Vernachlässigung, Hunger und Medikamente getötet. Die späteren Auseinandersetzungen mit der nationalsozialistischen Rechtfertigungsargumentation zu diesen Verbrechen hatte dramatische Auswirkungen auch für die Opfer der NS-Zwangssterilisierung, die in den Jahren 1933 bis zum Kriegsende auf Grundlage des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" erfolgte. Dabei betont Philipp Rauh: „dieses Gesetz wurde […] lange Zeit nicht als dezidiertes NSU-Rechtsgesetz angesehen, sondern […] wurde ab 1945 einmal nicht mehr angewandt und wurde auch nicht mehr zurückgenommen. Und bis in die 50-60er Jahre wurde argumentiert, dass das eben kein spezifisches NS-Gesetz war“.

In dieser Zeit gab es in der Sowjetunion, laut Tatiana Dorokhova, keine gezielte Politik gegen Menschen mit Behinderung, aber sie wurden unterschiedlich wahrgenommen. Einerseits gab es viele Veteran:innen, die durch den ersten und zweiten Weltkrieg Verletzungen erlitten habenDiese Gruppe wurde heroisiert und wertgeschätzt. Andererseits gab es Menschen mit geistiger Behinderung und psychisch kranke Menschen, die öfters als „Narr in Christo“ (‚юродивый‘ auf Russisch) gesehen wurden. 

Auch die sowjetische Ideologie spielte zu dieser Zeit eine große Rolle, und weil sie sich in erster Linie mit dem Klassenkampf beschäftigte, gab es für Menschen mit Behinderung keine zusätzliche Vernachlässigung. Doch war die Ressourcenknappheit ein dringendes Problem, so dass die Existenzgrundlage für viele Menschen erstmal schwierig war, auch für Menschen mit Behinderung

Anschließend betonte Juliia Sachuk, dass die Lage von Menschen mit Behinderung in der Ukraine in den Nachkriegszeiten sehr schlecht aussah, teilweise auch, weil die Regierung mit der hohen Zahl an behinderten Veteran:innen nicht zurechtkam Es kam zu verschiedenen zwanghaften Manipulationen seitens der sowjetischen Regierung, um diese Zahl zu verhindern. Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung erfolgte öfters aufgrund des starken Arbeitskräftemangels unter ungeeigneten BedingungenGleichzeitig wurden vielen Menschen mit Behinderung zwangsläufig in spezialisierte Internate gesperrt: offiziell – zur Behandlung, inoffiziell – zur "Räumung" der Bettler:innen aus den Straßen.  

Aus heutiger Sicht hat sich die Situation für Menschen mit Behinderung substanziell geändert. Auch wenn in Russland, laut Frau Dorokhova, noch nicht alle dazu bereit sind, eine Person mit Behinderung als gleichwertig wahrzunehmen, gewinnen inklusive Prozesse, trotz Mangel an Rampen und Aufzügen, immer mehr an Bedeutung. 

Dank der progressiven Behindertenrechtspolitik, die mit der Bewegung von Menschen mit Behinderung und mit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention anfing, und dank der Aktivist:innendie einen Beitrag dazu leisten, die nicht behinderte Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren, können Menschen mit und ohne Behinderung einen gemeinsamen Dialog auf  Augenhöhe führen und ihre Selbstbestimmung ernstnehmen. 

Frau Sachuk, selbst eine Frau mit Sehbehinderung, beobachtet heute diese Wahrnehmungsänderung auch in der ukrainischen Gesellschaft. 

„Es wurde ein Paradigmenwechsel vorangetrieben, weg von dem medizinischen pathologisierten Blick auf Behinderung hin zu der Sichtweise auf Behinderung als soziales Konstrukt. Und das ist gerade für die Forschung der Geschichte der Behinderung sehr fruchtbar“, so Philipp Rauh 

Organisiert wurde das Podiumsgespräch im Rahmen des trilateralen DRA-Programms INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“, das in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen aus Russland, der Ukraine und Deutschland umgesetzt und aus Mitteln der Europäischen Union und des Auswärtigen Amtes gefördert wird. 

 

Die Veranstaltung wurde vom Auswärtigen Amt unterstützt und fand in Kooperation mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin statt. 

Expert:innentreffen zur Erarbeitung eines Ausstellungskonzeptes

Am 25.-29. Mai 2020 trafen sich sechs Expert:innen aus Russland, Deutschland und der Ukraine aus den Bereichen Geschichts- und Geisteswissenschaft, Inklusionsförderung und Ausstellungskonzeptiofür das erste Expert:innentreffen zur Erarbeitung eines Ausstellungkonzeptes, das vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie online stattfand. 

Drei Tage lang haben die Expert:innen und das INKuLtur-Team intensiv an den Grundlagen des Ausstellungkonzeptes gearbeitet und wichtige Schritte für das weitere Vorgehen vereinbart. 

Die Expert:innen aus der Ukraine – Yuliia Sachuk und Irina Tekuchova von der NGO Fight for Right (Kyiv, Ukraine) – warfen einen Blick auf die Rechts- und Sozialkontexte der Lage von Menschen mit Behinderung in der Ukraine in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Marianna Muravyova (Helsinki, Finnland) und Elena Yarskaya-Smirnova (Moskau, Russland) erzählten, wie sich die Situation mit Menschen mit Behinderung in Russland innerhalb letzten 70 Jahren entwickelte. 

Petter Holm, Experte im Bereich der Inklusionsförderung und Sozialpädagogik (Bergen, Norwegen), stellte sein Konzept der Paradigmen (Segregation, Normalisierung, Integration, Inklusion) dar, die in verschiedenen Phasen der Entwicklung der Sozialpädagogik im 20. und frühen 21. Jahrhundert existierten. Diese Paradigmen sollen die Struktur der Ausstellung bestimmen.  

Die Kuratorin vom Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst Julia Franke (Berlin, Deutschland) sprach über ihre Erfahrungen mit der Konzipierung von Ausstellungen und deren Zugänglichkeit. Dabei betonte sie, dass jegliche Ausstellung mit einem Universellen Design gestaltet werden sollte. Dadurch ist sie für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen zugänglich. 

Des Weiteren wurde der kulturelle Kontext der Ausstellung mit Mikael Davtian (Sankt-Petersburg, Russland)Ausstellungskurator vom Russischen Staatlichen Museum in Sankt-Petersburg, besprochen.   

Die Ausstellung Faces of inclusion“ (Arbeitstitel) widmet sich der Lage der Menschen mit Behinderung, die unter Kriegsbedingungen und sozialer Abneigung gelebt hatten. Ein weiterer Hauptaspekt der Ausstellung ist die Auseinandersetzung mit dem Geschehen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs,  mit den Phasen der Rehabilitation und der Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft, bis hin zur Idee einer inklusiven Gesellschaft heute. Beispielhafte Biografien von Menschen mit Behinderung werden sich durch die gesamte Ausstellung ziehen.  

Das INKuLtur-Team in Berlin:

Irina Bukharkina, Programmleiterin

Polina Dolgova, Programm- und Finanzkoordinatorin
polina.dolgova@austausch.org
Tel: +49 (0) 30 446 680 12

Nataliia Zviagintseva, Programmkoordinatorin und Zuständige für Öffentlichkeitsarbeit
nataliia.zviagintseva@austausch.org
Tel: +49 (0) 30 446 680 13

Carina Spreitzer, Programm- und Finanzkoordinatorin
carina.spreitzer@austausch.org
Tel: +49 (0) 30 446 680 12

Die auf dieser Seite zum Ausdruck gebrachten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder des Auswärtigen Amtes wider.