Herbstgespräche: Gerechtigkeit und Recht für Post-Konflikt-Gesellschaften – europäische Erfahrungen und Perspektiven, 14. November, Rotes Rathaus, Berlin |

Die diesjährigen Berliner Herbstgespräche des DRA finden am Mittwoch, den 14. November, im Roten Rathaus von Berlin statt. Die Tagung thematisiert europäische Erfahrungen mit der sog. Übergangsjustiz („transitional justice“), das heißt neben der juristischen auch die gesellschaftliche und historische Aufarbeitung von Gewaltkonflikten, Diktaturen oder Militärregimes. Zugrunde liegt die Notwendigkeit, tragfähige Lösungen auch für ein künftiges Kriegsende in der Ostukraine sowie andere gesellschaftliche Konflikte in der Region vorzubereiten. Erörtert werden etwa Erfahrungen nach den Kriegen in Ex-Jugoslawien, etwa in Bosnien-Herzegowina, nach dem Nordirlandkonflikt, Ansätze für Konfliktbearbeitung in Armenien, Georgien oder im russischen Nordkaukasus. Betrachtet werden sollen auch Erfahrungen aus der Überwindung der Nazizeit in Deutschland nach 1945 und der autoritären Vergangenheit in Mittel-/Osteuropa. Im Mittelpunkt stehen Erkenntnisse aus jahrelangen Vorbereitungsprozessen, bei denen zivilgesellschaftliche Akteur/innen eine wichtige Rolle spielen.

Konkret ist u.a. zu diskutieren: Welche Menschenrechts- und Kriegsverbrechen sollen bestraft werden und welche unter eine Amnestie fallen? Wie sollen Opfer rehabilitiert und entschädigt und wie die Folgen für sie minimiert werden? Welche Fragen sind für eine Verständigung in der Gesellschaft zu lösen und was ist sie als „Gerechtigkeit“ langfristig zu akzeptieren bereit, damit der Neustart nicht in Widerspruch zu Rechtsprinzipien gerät? Zu erörtern ist auch, wie eine Versöhnung der Gruppen vor Ort und wie die „Wahrheitsfindung“ – also die offene, multiperspektivische Diskussion über Fakten und Narrative des Konflikts – organisiert werden können. Nicht zuletzt steht das Problem im Raum, dass gerade hochrangige Täter/innen oft straffrei bleiben und sogar geschützt werden, um eine Konfliktbeendigung überhaupt zu ermöglichen. 

Wir bitten um Anmeldung zu der Tagung unter herbstgespraeche@austausch.org. Die Berliner Herbstgespräche sind diesmal Bestandteil des 1. Internationalen Ostukraine-Forums, das der DRA und die internationale NGO-Plattform CivilM+ künftig jährlich organisieren werden. Im Rahmen des Forums 2018 finden auch ein Expertengespräch im Roten Rathaus zum Thema der Übergangsjustiz am 15. November statt sowie das Jahrestreffen von CivilM+ mit den Mitglieds-NGOs, weiteren NGOs und Think Tanks. Bei Interesse an einer Teilnahme an den Maßnahmen von CivilM+ bitten wir um Nachricht an civilmplus@austausch.org.

Die Berliner Herbstgespräche werden von der Heinrich Böll–Stiftung und der ZEIT-Stiftung unterstützt, das Ostukraine-Forum insgesamt auch vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Projektes „Dialog für Verständigung und Recht: Europäische NGOs gemeinsam für die Konfliktbewältigung in der Ostukraine“.

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