Partizipative Aufarbeitung der Transformationszeit nach 1989 in Deutschland und Osteuropa mit neuen Konzepten für die europäische politische Bildung.

Das Netzwerk „Transition Dialogue“ behandelt die gesellschaftliche Aufarbeitung der postsozialistischen Transformationszeit in Zentral- und Osteuropa nach 1989, um deren Auswirkungen auf die heutige Demokratiefähigkeit der betroffenen Gesellschaften zu bewältigen. Am Beispiel von sieben Ländern Zentral-, Ost- und Südosteuropas schauen wir uns genauer an, wie die Umbruchszeit in öffentlichen Diskursen und im Schulunterricht behandelt wird.

In den Jahren 2019 bis 2021 sind in Teilen Europas 30 Jahre seit dem Beginn der Transformationszeit sowie dem Fall der Berliner Mauer vergangen. In anderen Teilen Osteuropas werden in zwei Jahren dreißig Jahre seit dem Zerfall der Sowjetunion sowie dem Beginn der Jugoslawienkriege vergangen sein. Zeitzeug*innen und aktive Beteiligte dieser Ereignisse prägen noch immer das gesellschaftliche, politische und kulturelle Leben.

Zeitgleich wuchs inzwischen eine Generation heran, welche weder direkte Erinnerungen an den Kommunismus noch an die Transformationszeit hat. Deren Wissen und Wahrnehmungen der jüngsten Vergangenheit basieren vorrangig auf den Erzählungen der älteren Generationen, sowie politisierten, instrumentalisierten Debatten. Als Historiker*innen sowie Lehrende der politischen Bildung möchten wir zwei der Bereiche, welche die Entstehung von Wissen und Wahrnehmungen der jüngsten Vergangenheit am meisten prägen, näher betrachten – die öffentliche Debatte sowie die Vermittlung der Transformationszeit im Unterricht.

Wir arbeiten:

· national (in einer Auswahl von Partnerländern)

· lokal (in jedem der Länder außerhalb der großen Städte in ländlichen Regionen) und

· international (Vernetzung, Wissensaustausch und Erkenntnisabgleich)

Am Ende des Prozesses erhoffen wir uns ein facettenreiches, nuanciertes Verständnis über den Einfluss der Transformationszeit auf die Gesellschaften Osteuropas, und darüber, wie historische und politische Bildung helfen können, damit umzugehen. Einige der zentralen Fragen sind, ob die heutigen Diskurse die Vielfalt von Perspektiven und Stimmen abbilden und wie es möglich ist, die verschiedenen Gesichtspunkte in Einklang zu bringen. Welche Rolle spielt internationaler Austausch für ein besseres Verständnis der nationalen Kontexte? Welche Formate und Methoden sind anwendbar, um der gesellschaftlichen Mitte Zugang zum Thema zu verschaffen und ein breiteres Publikum an einer differenzierteren Debatte zu beteiligen?

Um diese Fragen zu beantworten, arbeitet das Projekt auf zwei Ebenen:

1. Innerhalb des öffentlichen Diskurses durch eine Auswahl von Events, Diskussionen und Methoden in sieben Ländern Zentral-, Ost- und Südosteuropas

2. Innerhalb formeller und informeller Bildung, um zu vergleichen, wie die Transformationszeit gelehrt wird und welche Narrative in den sieben Ländern vorherrschen

Unsere Arbeit beinhaltet die Analyse von Lehrmaterialien und Textbüchern, um herauszufinden, wie die Transformationszeit im Bildungswesen und offiziellen Bildungsinstitutionen gelehrt wird.

Das Projekt wird durch die Bundeszentrale für Politische Bildung finanziert.

 

Kontakt im DRA:

Alexander Formozov, Projektkoordinator 
alexander.formozov@austausch.org 
Tel: +49 (0)30 446 680 26

Nora Korte, Projektkoordinatorin
nora.korte@austausch.org
Tel: +49 (0)30 446 680 15