Radikalisierungsprävention im Nordkaukasus stärken

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Das Projekt

Der russische Nordkaukasus war in den letzten Jahrzehnten immer wieder Schauplatz von Kriegs- und Gewaltereignissen. Insbesondere die Geiselnahme von Beslan (2004), der über 300 Menschen zu Opfer fielen, hat sich tief in das Bewusstsein der russischen Öffentlichkeit eingeprägt. Prozesse ideologischer Radikalisierung unter nationalen und religiösen Vorzeichen entfachen nach wie vor eine destabilisierende Wirkung. Vor dem Hintergrund unzureichender sozioökonomischer Perspektiven sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene gefährdet radikalen Dogmen zum Opfer zu fallen. 

Hier setzt das Projekt „Radikalisierungsprävention im Nordkaukasus stärken“ an, das der DRA zusammen mit zivilgesellschaftlichen Partnern aus Russland und Frankreich umsetzt. In allen drei Ländern besteht der Bedarf, über die Tätigkeit von Polizei und Justiz hinaus, präventiv tätig zu werden. Entsprechende Maßnahmen, die von Beratungsangeboten der Jugend- und Sozialarbeit über schulische und außerschulische Bildungsarbeit bis hin zur sozialpsychologischen Opfer- bzw. Täterarbeit reichen, können Kindern und Jugendliche frühzeitig erreichen und verhindern, dass sie zu Opfern oder Tätern ideologisch begründeter Gewalt werden. 

Wie in Deutschland und Frankreich gibt es auch in Russland Ansätze zur methodischen Entwicklung von Maßnahmen der Radikalisierungsprävention. Fundierte Strukturen sind in diesem Bereich jedoch noch nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Auch in Deutschland und Frankreich ist deren Aufbau noch lange nicht abgeschlossen. Angesichts des grenzüberschreitenden Charakters des Problems fehlt es bisher an internationalem Fachaustausch zwischen Akteur/innen dieses Arbeitsfeldes.

Projektziele

  • Aufklärung und Sensibilisierung zu den Themen religiös begründeter Extremismus, seiner Ideologie sowie Ursachen und Folgen von Gewaltverhalten;
  • Früherkennung der Ausdruckformen von Radikalisierungsprozessen. Verhinderung oder Umkehr von Radikalisierungsprozessen  bzw. Abbau von demokratie- und menschenfeindlichen Einstellungen und Gewaltverhalten bei jungen Menschen sowie Opferschutz und Opferprävention;
  • Nachhaltige Aktivierung und Vernetzung von Fachkräften zur Stärkung der Präventionsarbeit im Nordkaukasus. Einbindung in internationale Netzwerke zur fachlichen Weiterentwicklung und Vertiefung der Arbeit im Bereich der Radikalisierungsprävention;
  • Sensibilität und Steigerung der Offenheit für den Einsatz von präventativen Maßnahmen bei allen Beteiligten in Russland;
  • Rolle von NGO’s in der Radikalisierungsprävention in Russland stärken.

Wie machen wir das?

Das Projekt ermöglicht erstmals eine umfassende interregionale und internationale Vernetzung von Fachkräften zum gegenseitigen Wissens-  und Erfahrungstransfer. Aus diesem Zusammenschluss soll ein Präventionsnetzwerk auf- und ausgebaut werden, das dauerhaft einen schnellen fachlichen Austausch zum Thema Radikalisierungsprävention in der Jugendarbeit ermöglichen soll. Die Akteure stammen aus sechs als besonders risikobehaftet geltenden russischen Förderationssubjekten (Tschetschenien, Inguschetien, Dagestan, Nordossetien, Kabardino-Balkarien und Tatarstan). Ferner umfasst das Projekt Fachkonferenzen und Weiterbildungen für Fachkräfte, die auf Basis der Schulungsmaßnahmen geeignete Präventionsmaßnahmen im Bereich der Jugendarbeit entwickeln.  

Projektpartner

Women for development (WfD), Tschetschenien, arbeiten seit 2002 zu Gendermainstreaming, Radikalisierungsprävention, juristischer und Sozialer Beratung im Nordkaukasus und führen Weiterbildungen zum Empowerment von Frauen, zur Aufklärung über die Rechte von Frauen, den Kampf gegen häusliche Gewalt und zu Methoden der Radikalisierungsprävention durch. 

Destination EST (D’EST), Frankreich, wurde als Dialogplattform zwischen russischer Zivilgesellschaft und französischen Aktivist*innen und Politiker*innen gegründet. Sie entwickelt Bildungsprogramme für junge Menschen zur Festigung der bilateralen, zivilgesellschaftlichen Beziehungen und fördert vielfältige Austauschprogramme zwischen beiden Ländern.