DRA Newsletter Oktober 2014


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hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Kommentar: Mit dem Petersburger Dialog zum Europäischen Haus?

Vor genau 25 Jahren führte die friedliche Revolution in der DDR zur größten Demonstration in der Geschichte des Landes und schließlich zum Fall der Mauer. Die Überwindung des Eisernen Vorhangs war das welthistorische Ereignis – der Bürgeraufstand gegen die Unfreiheit eine der Voraussetzungen dafür, wie auch die Demokratiebewegungen in Mittel- und Osteuropa, die Perestrojka und Michail Gorbatschows Bereitschaft, den imperialen Vormachtanspruch der Sowjetunion über andere Länder zugunsten einer anderen Vision aufzugeben: Sie besteht in der Verwirklichung eines gemeinsamen Europäischen Hauses, in dem alle Bürger und Länder frei, demokratisch, in historischem Bewusstsein friedlich miteinander leben und bei durchlässigen Grenzen zusammenarbeiten, mit dem Grundsatz der „Glasnost“ – Transparenz und Offenheit. Für diese Ziele engagieren sich unzählige zivilgesellschaftliche Organisationen, nicht zuletzt der Deutsch-Russische Austausch. Der „Petersburger Dialog“ (PD) – seit 2001 unter staatlichem Patronat als jährliche deutsch-russische Großveranstaltung organisiert und dazwischen von den Lenkungsausschüssen beider Seiten geleitet – beschreibt sich selbst in dieser Tradition als „offenes Diskussionsforum“ zur „Verständigung zwischen den Zivilgesellschaften“. Aber folgt er auch ihren Prinzipien? In diesem Monat begann um den PD eine neuerliche Debatte, nachdem Vertreter mehrerer deutscher NGOs, darunter des DRA, erklärten, an dem kurzfristig für Ende Oktober in Sotschi angesetzten Jahrestreffen nicht teilzunehmen (siehe Brief an den PD). Dies war explizit keine Absage an den Dialog mit der russischen Gesellschaft, den alle Beteiligten in ihrer Arbeit jeden Tag vielfältig praktizieren. Es war eine Reaktion darauf, dass der Petersburger Dialog, wie er 2001 geschaffen wurde und sich seither entwickelt hat, noch immer weit davon entfernt ist, tatsächlich die Basis für einen offenen Dialog zu bieten. 2014 war dies besonders relevant: Während die russische Führung einen Teil der unabhängigen Ukraine dem eigenen Staat einverleibt hat und russische Kräfte bewaffnete Separatisten im Nachbarland unterstützen, während sie die Demokratie weiter geschwächt und unabhängige NGOs und Medien neuen Beschränkungen und Repressionen ausgesetzt hat, hat der Petersburger Dialog geschwiegen und zum Beispiel beim Zwischentreffen im April in Leipzig das Thema Ukraine praktisch unterbunden. Damit beschädigt er den Gedanken eines gemeinsamen Europäischen Hauses. Zugleich sind seine Strukturen verschlossen und intransparent, etwa hinsichtlich der Benennung von Mitgliedern, Teilnehmern und Themen. Die deutsche Seite betont, dass schwierige Fragen lieber nicht oder erst viel später thematisiert werden sollten – wegen vermuteter Empfindlichkeiten von Vertretern des russischen Staates und in Rücksicht auf beiderseitige korporative Interessen. Doch was in der zwischenstaatlichen Diplomatie als taktisches Verhalten akzeptabel und bisweilen gar notwendig sein kann, ist im zivilgesellschaftlichen Dialog nicht haltbar. Wer seine Bereitschaft zu solcher Nachsicht mit den Delikten etwa der USA und anderer Länder begründet, sollte sie nicht als Berechtigung für neue Vergehen akzeptieren, sondern besser für eine offenere Diskussion darüber auch in der EU eintreten – nicht zuletzt im Petersburger Dialog. Zweifellos liegt beim Petersburger Dialog ein großes Potential darin, dass sich verschiedene Sektoren der Gesellschaft, von Politik und Wirtschaft über NGOs, Medien, Religionsgemeinschaften bis zu akademischen und Kulturinstitutionen treffen und vernetzen. Deshalb halten wir eine Reform des PD für wichtig und sinnvoll und sind bereit, sie konstruktiv zu begleiten. Die Angst vor Bürgerbewegungen auf Seiten der russischen Führung darf jedoch nicht dazu führen, dass wir selbst uns nicht mehr wie aktive und unabhängige Bürger verhalten. Wir würden sonst der Entwicklung in beiden Gesellschaften schaden – und der Verwirklichung der Idee eines gemeinsamen Europäischen Hauses, zusammen mit allen anderen Ländern des Kontinents.

2) Korruption überwinden?: Namhafte ReferentInnen bei den 19. Herbstgesprächen am 7./8.11.

Zahlreiche namhafte ReferentInnen werden bei den „19. Deutsch-Russischen Herbstgesprächen“ am 7. und 8. November zum Thema „Korruption: Schneller Vorteil, langes Nachsehen?“ in Berlin erwartet, zu der der DRA und die Evangelische Akademie Berlin noch einmal herzlich einladen. Die Gespräche werden dieses Jahr durch einen Ukraine-Fokus erweitert. Wie stark beeinflussen irreguläre Mechanismen Politik, Business und soziale Strukturen in Russland, der Ukraine und auch in Deutschland? Wieweit tragen sie etwa zur Monopolisierung der Elite in Russland bei, welche Chancen auf Verminderung der Korruption hat die Ukraine nach den Parlamentswahlen, was sind bremsende Momente? Die zivilgesellschaftliche Sicht vertritt u.a. Elena Panfilova, Gründerin von Transparency International (TI) in Russland und seit Mitte Oktober Vizepräsidentin des internationalen TI-Dachverbandes. Andrey Schubin, geschäftsführender Direktor des Unternehmerverbandes „OPORA Rossii“, wird die Perspektive der Wirtschaft beleuchten. Zu den Gästen zählen auch die investigativen Journalisten Andrej Suchotin von der Moskauer Zeitung “Novaya Gazeta“ und Oleg Chomenok vom Internetportal YanukovychLeaks, das korrupte Aktivitäten des früheren ukrainischen Präsidenten aufdeckt, sowie der Rechtsanwalt Wolfgang Schaupensteiner mit jahrzehntelanger Erfahrung in Korruptionsbekämpfung und der investigative Journalist und Buchautor Jürgen Roth, die sich beide regelmäßig mit der Verquickung von Wirtschaft und Politik in Deutschland befassen. Die Konferenz findet in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin-Mitte in deutscher und russischer Sprache (mit Simultanübersetzung) statt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist bis zum 31. Oktober erforderlich. Das Programm und weitere Informationen finden Sie auf www.austausch.org. Die Konferenz findet in Kooperation und mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung, der Zeit-Stiftung, der Bundeszentrale für Politische Bildung und der TOWAE-Stiftung statt.

3) EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum: Rund 80 NGOs Treffen sich vom 27.-29.11. in Tallinn

Am 25. Oktober 2014 endete die Anmeldefrist für die 5. Generalversammlung des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums (CSF) vom 27. bis 29. November 2014 in Tallinn (Estland). Mit mehr als 150 Anmeldungen gab es deutlich mehr Interessenten als Plätze. Deshalb konnten leider nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden. Eröffnet wird die Veranstaltung vom Präsidenten der Republik Estland, Toomas Hendrik Ilves, vom Leiter des Präsidialrates für Zivilgesellschaft und Menschenrechte, Michail Fedotov, sowie dem Leiter der EU-Delegation in Russland, Vygaudas Ušackas. Vor dem Hintergrund der aktuellen internationalen Spannungen werden in den Plenarsitzungen u.a. die Themen „EU und Russland – gemeinsam oder getrennt?“ und „Solidarität und Zivilgesellschaft” diskutiert. Im Anschluss an die Diskussion über die aktuelle EU-Russland-Agenda werden die Forumsmitglieder dessen interne und externe Entwicklung und Strategie besprechen. Bereits am 26. November steht die Frage „EU-Russland-Ukraine: Wo ist der Ausweg aus der Sackgasse?“ im Mittelpunkt. Außerdem veranstalten Mitgliedsorganisationen des Forums Workshops zur Freiheit des Internets als gesellschaftsübergreifendes Anliegen und zu Chancen und Risiken zivilgesellschaftlicher Initiativen durch neue Medien (IREX Europa, Lyon, bzw. „Bürgerkontrolle“, St. Petersburg). Weitere Informationen zu Programm und TeilnehmerInnen der Generalversammlung. Die Tagung wird vom CSF-Sekretariat vorbereitet, das seit Jahresbeginn im Büro des DRA tätig ist, und wird von der Open Society Foundation und der Europäischen Kommission finanziell gefördert.

4) Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Dritter Sektor: Gemeinsames Seminar mit dem EESC in Brüssel

Das EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) und das European Economic and Social Committee (EESC) haben eine dauerhafte Kooperation vereinbart. Im EESC – dem Dachverband der Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Dritter-Sektor-Organisationen in der EU – sind diese drei Gruppen aus allen 28 Ländern paritätisch vertreten. Am 7. Oktober trafen sich CSF und EESC zu einem gemeinsamen Seminar über die „Position und Rolle der Zivilgesellschaft in der EU und Russland“ in Brüssel. Das CSF war durch MitarbeiterInnen von acht NGOs aus Polen, Russland, Deutschland und den Niederlanden vertreten, darunter Stefan Melle für den DRA, Anna Sevortian als Direktorin des CSF-Sekretariats sowie aus Moskau die Agentur für Soziale Information und das Zentrum für Soziale und Arbeitnehmerrechte, aus St. Petersburg die Umweltschutz-NGO Bellona und das Antidiskriminierungszentrum Memorial, das seine Tätigkeit als juristisch registrierte NGO nach der Eintragung als angeblicher „ausländischer Agent“ im Sommer zunächst eingestellt hat. In Vorträgen erläuterten VertreterInnen von CSF und EESC Einzelaspekte zivilgesellschaftlicher Tätigkeiten in den jeweiligen Ländern. So kamen neue Tendenzen ebenso wie der teils massive staatliche Druck gegen unabhängige NGOs in Russland zur Sprache, aber beispielsweise auch die große Zahl sowie die starke Vernetzung und Online-Arbeit von NGOs in Estland und der teilweise sehr effektive Kampf von NGOs gegen Korruption in Rumänien. Das EESC hatte in Russland bis dahin nur mit der Gesellschaftskammer zusammengearbeitet. Die CSF-VertreterInnen trafen in Brüssel außerdem Repräsentanten der EU-Kommission, EU-Parlamentarier, darunter den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses Elmar Brok, sowie VertreterInnen weiterer europäischer NGOs.

5) Fachaustausch zu queeren Lebensweisen in Moskau und Berlin/Podiumsgespräch am 5.11.

Vom 2. bis 8. November werden im Rahmen einer vom DRA organisierten Studienreise zu queeren Lebensweisen 16 VertreterInnen von Moskauer Initiativen zahlreiche Einrichtungen und Organisationen in Berlin besuchen. Auf dem Programm stehen Treffen mit Lesben- und Schwulenberatungen, Sport- und Selbsthilfegruppen, der Deutschen und der Berliner AIDS-Hilfe sowie ein Besuch beim Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Zudem wird es eine Projektschmiede für die Entwicklung gemeinsamer Projektideen von Berliner und Moskauer Organisationen sowie hilfreiche Tipps zu deren möglicher Finanzierung geben. Am Mittwoch, den 5. November, findet im Rathaus Schöneberg um 19.30 Uhr ein öffentliches Podiumsgespräch mit anschließendem Empfang statt. Gesprächspartnerr sind Volker Beck (B´90/Die Grünen) sowie Teilnehmer der Gruppe aus Moskau. Bereits am Sonnabend, den 3. November, findet eine Vernissage und Buchvorstellung zum Fotoband „Boys of St. Petersburg“ im Schwulen Museum statt, auf der die Möglichkeit besteht, mit den TeilnehmerInnen der Studienreise ins Gespräch zu kommen. Der Fachaustausch findet im Rahmen der Initiative „Raduga-Brücke Berlin-Moskau“ statt, die im November 2013 von zahlreichen Berliner Organisationen, darunter dem DRA, ins Leben gerufen wurde, um den Austausch zwischen den queeren Communities in Berlin und Moskau zu stärken. Die Studienreise wird aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert.

6) Projekt zur Förderung der politischen Jugendbildung in der Ukraine gestartet

Für die Menschen in der Ukraine stehen die größten Herausforderungen für eine demokratische Entwicklung nach dem Euromaidan sowie den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen erst noch bevor. Das in den vergangenen Monaten gewachsene Interesse der jungen Generation an politischen Zusammenhängen eröffnet dafür besondere Chancen. Der DRA und die Kiewer „Agentur für die Entwicklung der Bildungspolitik“ haben dazu ein bilaterales Fachaustausch-Projekt gestartet, das dabei helfen soll, das Demokratie- und Pluralismus-Verständnis ukrainischer Jugendlicher durch eine entsprechende Grundwertevermittlung in der nichtstaatlichen Jugendarbeit zu stärken. Bis Ende Dezember 2014 sind unter Mitwirkung von ExpertInnen beider Länder ein Netzwerktreffen und ein Workshop in Kiew sowie eine Studienreise nach Berlin geplant. Letztere soll VertreterInnen von NGOs und Verbänden aus Kiew die Kontaktanbahnung und den Austausch mit deutschen KollegInnen aus der politischen Jugendbildung ermöglichen. Das Auftakttreffen zur inhaltlichen Abstimmung fand am 28. Oktober in Kiew beim ukrainischen Partner, der Agentur für die Entwicklung der Bildungspolitik, statt.

7) Inguschetien: Zweites Zentrum für Gewerbegründer und lokale Verständigung eingerichtet

Ökonomische Selbstständigkeit vermitteln, Toleranz stärken – nun auch in Inguschetien: Im September hat ein zweites Bildungszentrum zur Unterstützung von Kleingewerbegründern im Nordkaukasus seine Arbeit aufgenommen. Eröffnet wurde es von der NGO „Svoje Delo“ („Die eigene Sache“) mit Unterstützung des DRA in dem Ort Ordschonikidze im an Tschetschenien grenzenden Sunshenskij-Bezirk. Die Regierung der muslimisch geprägten Teilrepublik hat ihre Unterstützung bei einem Treffen am 24. Oktober bekräftigt. Vorbild ist das im benachbarten Nordossetien (Prigorodnyj-Bezirk) bestehende Zentrum, das seit 2007 vom Moskauer Menschenrechtszentrum Memorial und dem DRA gemeinsam aufgebaut wurde und aus dem heraus „Svoje Delo“ als Initiative zur Armutsbekämpfung im ländlichen Raum gegründet wurde. In dem neuen Zentrum werden zunächst bis zum Frühjahr 2016 Kurse zur Unternehmensgründung und anderen berufsrelevanten Themen angeboten, aber auch Veranstaltungen organisiert, darunter für SchülerInnen und junge Erwachsene zu Fragen des Zusammenlebens verschiedener Völker – in dem Gebiet leben vor allem Inguschen und Tschetschenen – sowie für Frauen zur persönlichen Entwicklung und Chancengleichheit. Bisher wurden die Räume renoviert und ausgestattet, die MitarbeiterInnen ausgewählt und eingewiesen. Die offizielle Einweihung ist für den 30. November vorgesehen. Der Aufbau und die Arbeit des Zentrums werden durch das Programm „Brot für die Welt“ finanziell unterstützt. Inguschetien ist nach offiziellen Angaben die einkommensärmste Region Russlands.

8) EU-Study-Week Pjatigorsk untersucht völkerrechtliche Prinzipien im Widerspruch

Vom 10. bis 12. Oktober fand das vierte und letzte Seminar der „EU Study Weeks“ dieses Jahres statt – in Pjatigorsk (Gebiet Stavropol) und damit erstmals im Kaukasus. 30 Studierende und AbsolventInnen aus Südrussland und dem Nordkaukasus widmeten sich den EU-Russland-Beziehungen. Das bedeutete dieses Mal: der aktuellen Beziehungskrise aufgrund des Ukraine-Konflikts. ReferentInnen waren u.a. Vygaudas Ušackas, der Leiter der EU-Delegation in Russland, die Politologin und Europa-Expertin Prof. Irina Busygina vom Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO) und der Ukraine-Korrespondent des Londoner Daily Telegraph, Roland Oliphant. Mittels eines Vortrags von Maria Nozhenko (Europäische Universität St. Petersburg) und eines Rollenspiels wurden die – zuweilen in Widerspruch stehenden – völkerrechtlichen Prinzipien der territorialen Integrität und des Rechts von Nationen auf Selbstbestimmung untersucht. Vertreter des dänischen Flüchtlingsrates aus Grozny berichteten von ihrem dortigen Einsatz zum Wiederaufbau Tschetscheniens nach den zwei Kriegen und ihrer Arbeit für die Opfer des Konflikts. Die erste EU Study Week 2015 wird im Februar in der litauischen Hauptstadt Vilnius stattfinden.

9) Berlin-Moskau: „Meine, deine, unsere Geschichte“ über NS-Zeit und Totalitarismus

Im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau sind im November zwei Jugendbegegnungen in Berlin geplant, die vom DRA organisiert und durchgeführt werden. Vom 3. bis 7. November befassen sich unter dem Motto „Meine, Deine, Unsere Geschichte“ TeilnehmerInnen aus dem Multifunktionalen Jugendzentrum des Kulturdepartements Moskau und von ihren Berliner Partnern, der Jugendfreizeiteinrichtung „Bungalow“ und dem Kinder- und Jugendhaus Mariendorf (Kijum), mit Aspekten des Totalitarismus und Nationalsozialismus sowie konkret der Geschichte des Konzentrationslagers Ravensbrück. Das Zusammentreffen der Jugendlichen aus beiden Ländern macht zugleich verschiedene Herangehensweisen im Umgang mit Totalitarismus in Deutschland und Russland erfahrbarer. Außerdem bleibt natürlich Zeit für ein gemeinsames Kennenlernen des heutigen Berlins und für persönliche Gespräche. Bereits 2013 hatten Jugendliche der Berliner Einrichtungen Moskau besucht. Am 29. November findet das 14. Berliner jugendForum statt, an dem fünf Moskauer Jugendliche teilnehmen. Dort diskutieren sie mit Gleichaltrigen aus Berlin und stellen eigene Projekte und Formate zur Partizipation in der Gesellschaft vor. Mit insgesamt neun Diskussionsgruppen und vier Workshops z.B. zu Beteiligung, Migration und Integration sowie sexueller Aufklärung in der Schule bietet das jugendForum eine breite thematische Vielfalt. Die Moskauer Gäste erhalten zudem die Gelegenheit Kontakte zu anderen Teilnehmern zu knüpfen und mögliche bilaterale Projektideen zu besprechen. Im Abschluss-Plenum werden die Ergebnisse der Diskussionen und Workshops im Abgeordnetenhaus von Berlin vorgestellt. Unterstützt werden die Jugendbegegnungen von der Senatskanzlei, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin und dem Kulturdepartement der Stadt Moskau.

10) RNEI beteiligt sich an Konferenzen zu Klimaanpassung und Stadtentwicklung in St. Petersburg und Moskau

Am 27. und 28. Oktober wurde in Puschkin bei St. Petersburg mit Unterstützung und Beteiligung von RNEI das Seminar „Die Folgen des Klimawandels und Adaptation. Zugänge zu regionalen Anpassungsstrategien“ im Rahmen der 7. Energie- und Klimakonferenz des russischen sozial-ökologischen Verbands (RSOES, Rossijskij sozialno-ekologitscheskij sojus) durchgeführt. An dem Seminar nahmen 40 VertreterInnen von Umweltorganisationen aus 25 Regionen teil. Diskutiert wurden globale ebenso wie lokale Perspektiven: Aleksej Kokorin von WWF Russland gab einen allgemeinen Überblick über die internationalen Klimaverhandlungen; Angelina Davydova von RNEI erläuterte die Ergebnisse des Ban Ki Moon-Gipfels in New York. Auf lokaler Ebene wurden die Risiken des Klimawandels und Anforderungen an eine Anpassung in Städten wie St. Petersburg untersucht und bewertet. Die NGO-VertreterInnen formulierten weiterhin eine gemeinsame Position der russischen Klima- und Naturschutzorganisationen für die nächste Verhandlungsrunde der UN-Klimagespräche in Lima/Peru im Dezember. Für RNEI wird Angelina Davydova ebenfalls nach Lima reisen, um die Verhandlungen zu verfolgen und von dort zu berichten. In Moskau findet am 30. und 31. Oktober die internationale Konferenz „Grüne Wirtschaft und Lebensqualität in der Stadt“ statt, die gemeinsam von RNEI, der Friedrich-Ebert-Stiftung Moskau, der Hochschule für Wirtschaft Moskau und dem Institut für Medien, Architektur und Design „Strelka“ organisiert wird. An der Konferenz nehmen Experten aus Deutschland, Großbritannien und Holland teil, sowie VertreterInnen föderaler Ministerien aus Russland, der Moskauer Stadtverwaltung, Forschungseinrichtungen sowie zivilgesellschaftlicher Organisationen und Initiativen. Zu den diskutierten Themen gehören die Qualität sowohl des menschlichen Lebens als auch der Umwelt. Im Fokus stehen grundlegende Prinzipien einer nachhaltigen Verkehrspolitik und die Entwicklungsperspektiven der Moskauer Verkehrsinfrastruktur. Weiterhin wird auf der Konferenz versucht, die Möglichkeiten und Formate für das Leben in einer modernen Metropole zu analysieren sowie Verfahren zur Messung und Definition einer „gesunden“ Stadt zu finden. In drei Arbeitsgruppen sollen mit Hilfe der internationalen Experten Empfehlungen für die weitere Stadtentwicklung Moskaus erarbeitet werden.

11) Vom Staunen zum Verstehen: Interreligiöses Projekt des DRA auf Moscheebesuch

Für einige der jungen TeilnehmerInnen war es unerwartet: „dass es muslimische Theologinnen gibt“, „dass in der Moschee eine Uhr anzeigt, wann man beten muss“, „wie ähnlich Judentum und Islam sind“. Sie erfuhren es am 28. September in einem weiteren Workshop des Projekts „glauben. leben. in berlin“, das der DRA in Kooperation mit dem muslimischen IZDB und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin verwirklicht. Dieses Mal galt der Besuch zwei Moscheen in Berlin-Wedding. Am Vormittag wurden in der Bilal-Moschee kontroverse Thesen diskutiert, wie „Gemischtreligiöse Ehen sind kein Problem!“ oder „Es ist notwendig, die Grundgedanken einer Religion in die Gegenwart zu übertragen!“ Am Nachmittag führte der Beauftragte für interreligiösen und interkulturellen Dialog der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), Reyhan Kamaran, durch die Yunus-Emre-Moschee und beantwortete viele Fragen zum Islam und der eigenen Gemeinde. Unterstützt wurde er dabei durch den Vorstandsvorsitzenden Kenan Kurtbejer und die Theologin Elif Öndes. Eine Besonderheit des Treffens war die Möglichkeit auch für nicht-muslimische TeilnehmerInnen, beim Nachmittagsgebet zugegen zu sein. Den freundschaftlichen Austausch bilanzierte ein ägyptischer Teilnehmer so: „Vielleicht können wir ein bisschen etwas machen, was die Politik nicht kann.” Fotos und Kommentare siehe HIER. Das Projekt „glauben. leben. in berlin“ wird vom Europäischen Integrationsfonds und dem Paritäter Berlin kofinanziert.

12) Praktikum als Projektassistenz ab 5.1.2015 für 3 Monate

Zur Unterstützung seiner Projektarbeit vergibt der DRA ein Praktikum als Projektassistenz in Vollzeit (39h/Woche). Die Tätigkeiten umfassen die Zuarbeit zu allen Bereichen der Projektarbeit, darunter Projektentwicklung, -durchführung, -abrechnung sowie Antragstellung und Berichterstattung, Recherchen, Organisation von Veranstaltungen sowie Öffentlichkeitsarbeit. Thematische Schwerpunkte des Praktikums sind die Zusammenarbeit mit russischen und europäischen Nichtregierungsorganisationen, der Verständigungsarbeit im Nordkaukasus und der Vorbereitung des Forums „EuropeLab“.

13) Für 3 Monate nach St. Petersburg: DRA/St. Petersburg sucht Au-Pair aus Deutschland

Der Deutsch-Russische Austausch/St. Petersburg sucht für eine Gastfamilie mit zwei Kindern (5 und 7 Jahre alt) zum 1.12.2014 oder 1.1.2015 eine/n Au-Pair aus Deutschland. Die Person sollte mindestens 20 Jahre alt sein, gut mit Kindern umgehen können und über gute Englischkenntnisse verfügen. Eine musikalische Bildung wäre von Vorteil, ist aber kein Muss. Zu den Aufgaben gehört u.a. die Kinder  zur Schule zu begleiten und bei den Hausaufgaben zu unterstützen sowie sich mit ihnen auf Deutsch und Englisch zu unterhalten (Tätigkeitsumfang im Mittel 4 h/Tag). Die Gastfamilie stellt Vollverpflegung, ein eigenes Zimmer und ein Taschengeld von mind. 150 Euro/Monat und Unterstützung beim Russischlernen.

14) Frühjahr 2015: ASF-Studienreise nach St. Petersburg und Belarus

Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste bietet im März, April und Mai für alle Interessierten Studienreisen nach Russland und Belarus an. Durch die Studienreisen erhalten die TeilnehmerInnen spannende Einblicke in die Gesellschaft und lernen engagierte Menschen kennen: SchriftstellerInnen, BürgerrechtlerInnen, PolitikerInnen, Studierende und die Freiwilligen des ASF. Detaillierte Informationen auf www.asf-ev.de