DRA Newsletter Oktober 2013


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Kommentar: Allmachtsfantasien der Geheimnisträger – und die Kontrolle der Bürger

Angesichts der immer neuen Zumutungen, die über den US-Geheimdienst NSA und seine diversen NATO-Kollegen bekannt werden, blieb der jüngste Internet-Überfall der russischen Regierung fast unbeachtet: Ab dem 1. Juli 2014 will sie dem Geheimdienst FSB den Zugang zum kompletten Datenverkehr im „ru-net“ eröffnen. Das zeigt: Die Spionageanstalten mögen verschieden sein, aber sie ähneln einander auch. Mit ihren heutigen Vollmachten und Praktiken untergraben sie die Basis demokratischer, transparenter, ihren Bürgern verpflichteter Staaten. Und sie unterliegen dem traditionellen Irrtum der Geheimdienste, noch forciert durch die neuen Technologien: dass alles in der Welt erkennbar, lenk- und manipulierbar sei, dass durch totale Spionage totale Informiertheit, Macht und Unverletzlichkeit erreichbar sei. Dabei erzeugen die Aufpasser und ihre Dienstherren durch den Hochmut, der in all dem Aushorchen, Einschleichen und Beherrschen-Wollen liegt, nur ständig neue Gegner. So vergrößern sie die Risiken, die sie mindern wollen – egal ob sie Machtmonopole und Korruptionspfründe vor kritischen Bürgern schützen oder globalen Vorrang in Wirtschaft, Militär und Außenpolitik sichern wollen. Echte Stärke kann nicht durch Übervorteilen und Hintergehen entstehen. Da die Spitzel und ihre Regierungen aber weder den Bürgern im eigenen Land noch denen anderer Staaten die notwendige Achtung erweisen, müssen die Bürger sie dazu zwingen: Die Bürger und ihre Institutionen müssen wieder die Geheimdienste kontrollieren und in ihren Rechten begrenzen, nicht umgekehrt. Der erste Schritt dahin wäre, dass Whistleblower, die uns über die Gesetzesverstöße der Geheimdienste aufklären, als Helfer der Demokratie gewürdigt werden. Solange z. B. Edward Snowden in der Bundesrepublik kein Asyl finden kann und es in Russland suchen muss, ist dieser erste Schritt in Deutschland nicht getan. Der zweite wäre, denkbare ähnliche Praktiken der eigenen Geheimdienste aufzuklären und gegebenenfalls zu beenden. Die russische Zivilgesellschaft wird versuchen, die Komplettkontrolle des Internets doch noch abzuwenden. In beiden Ländern braucht es für diese Schritte eine wache, aktive Bürgerschaft.

2) DRA veröffentlicht Erwartungen an künftige Bundesregierung

Der DRA hat in einem Positionspapier die künftige Bundesregierung dazu aufgefordert, das Engagement gegenüber den Ländern der „Östlichen Partnerschaft“ der EU (Ukraine, Belarus, Moldova, Georgien, Armenien, Aserbaidschan) und gegenüber Russland zu einer außenpolitischen Priorität in der neuen Legislaturperiode zu machen. Die Erwartungen des Vereins zielen u.a. auf die verstärkte Unterstützung der Zivilgesellschaften dieser Länder und die Zusammenarbeit mit ihnen, die schnelle Umsetzung von Visaerleichterungen und die erneute Berufung eines/r Russlandbeauftragten der Regierung sowie die erstmalige Etablierung eines/r ebensolchen Beauftragten für die Länder der Östlichen Partnerschaft. Weitere Anliegen betreffen Fragen der EU-Beziehungen zu den o.g. Ländern, des Jugendaustauschs und des Asylrechts. Das gesamte Dokument finden Sie HIER.

3) Einladung zur DRA-Mitgliederversammlung - Nichtmitglieder herzlich willkommen!

Der Vorstand und die Geschäftsführung des DRA laden hiermit herzlich zur 2. Mitgliederversammlung (MV) des Jahres 2013 ein. Das Treffen ist öffentlich, auch interessierte Gäste sind gern willkommen. Die MV findet am 30. November 2013, 18.00 Uhr statt in der Restauration „Walden“ (Choriner Str. 35, 10435 Berlin-Prenzlauer Berg. Zur Erleichterung unserer Planung bitten wir bis 20. November um kurze Mitteilung an assistenz@austausch.org. Das Treffen bietet Einblicke in die Projekte und Programme des DRA, den Austausch über aktuelle Fragen im Kontext der Vereinsarbeit und die Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen. Genauere Informationen finden Sie in Kürze auf unserer Website!

4) Zivilgesellschaftsforum EU-Russland beschließt Entwicklungsziele für 2014/2015

Der DRA hat in einem Positionspapier die künftige Bundesregierung dazu aufgefordert, das Engagement gegenüber den Ländern der „Östlichen Partnerschaft“ der EU (Ukraine, Belarus, Moldova, Georgien, Armenien, Aserbaidschan) und gegenüber Russland zu einer außenpolitischen Priorität in der neuen Legislaturperiode zu machen. Die Erwartungen des Vereins zielen u.a. auf die verstärkte Unterstützung der Zivilgesellschaften dieser Länder und die Zusammenarbeit mit ihnen, die schnelle Umsetzung von Visaerleichterungen und die erneute Berufung eines/r Russlandbeauftragten der Regierung sowie die erstmalige Etablierung eines/r ebensolchen Beauftragten für die Länder der Östlichen Partnerschaft. Weitere Anliegen betreffen Fragen der EU-Beziehungen zu den o.g. Ländern, des Jugendaustauschs und des Asylrechts. Das gesamte Dokument finden Sie HIER.

5) 5.11.2013 um 18.45 Uhr, Moskau: Diplomaten und NGO-Vertreter zu Visa-Verhandlungen EU-Russland

Im Namen des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums (CSF) laden der DRA und die „NGO Visa-free Europe Coalition“ am 5. November um 18.45 Uhr zu einer Podiumsdiskussion über den Visa-Dialog in die Moskauer Higher School of Economics (HSE). Unter der Überschrift „Overcoming Borders. The EU-Russia Dialogue on Visa Facilitation and Liberalization“ sprechen Diplomaten und Experten aus der Zivilgesellschaft über aktuelle Probleme in den Visa-Verhandlungen. Außerdem stellt das CSF seine zu diesem Thema gerade erschienene Untersuchung vor (zum Report). Es diskutieren unter anderen: Ekaterina Egorova (Stellvertretende Leiterin des Föderalen Migrationsdienstes), Søren Liborius (Sprecher der EU-Kommission in der Russischen Föderation), Jakub Benedyczak (Stefan-Batory-Stiftung, Leiter des Netzwerks „NGO Visa-free-Europe Coalition“, Warschau), Yuri Dzhibladze (Präsident des Zentrums für die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten, Moskau). Anmeldung mit Name, Vorname, Organisation und Kontaktdaten erbeten unter visaevent@eu-russia-csf.org. Die Arbeit der Visa-Expertengruppe des CSF wird durch die EU und die Robert Bosch Stiftung gefördert.

6) „Bok o Bok“ nun doch kein „Ausländischer Agent“ / Weitere Prozesse gegen russische NGOs

Das Oberste Gericht St. Petersburg hat eine Verurteilung des LGBT-Filmfestivals „Bok o Bok“ („Seite an Seite“) wegen unterlassener Selbstanzeige als angeblicher „ausländischer Agent“ gemäß NGO-Gesetz („Agentengesetz“) von 2012 aufgehoben. Die gegen „Bok o Bok“ verhängte Geldstrafe von 500.000 Rubel (ca. 12.000 Euro) wurde gestrichen. Ein Sprecher des Gerichts führte zur Begründung Verfahrensfehler in den zwei Vorinstanzen an. Die Festivalorganisatoren wollen nun eine Rückerstattung der bereits gezahlten Strafgelder und der Anwaltskosten sowie eine Entschädigung für den immateriellen Schaden erreichen. „Wir danken allen, die uns in dieser schwierigen Zeit geholfen haben, und allen, die für die Begleichung der Strafe gespendet haben“, hieß es in einer Erklärung. Das Verfahren gegen die Direktorin des Filmfestivals Gulja Sultanova dauert allerdings noch an. Sie war im August 2013 nach Artikel 19.34 des „Agentengesetzes“ für schuldig befunden und zu einer Strafe von 300.000 Rubel (ca. 7500 Euro) verurteilt worden. Das Berufungsverfahren ist für Ende Oktober bzw. Anfang November angesetzt. Der DRA hatte angesichts der Strafprozesse Spenden zur Unterstützung von „Bok o Bok“ gesammelt. Sofern die Spender keine Einwände erheben, sollen im Fall einer Rückzahlung der Strafe die Gelder für die Kosten aus dem Prozess gegen die Direktorin Gulya Sultanova sowie zugunsten des Engagements der NGO gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten und für die Durchführung der Filmfestivals verwendet werden. Spender, die mit diesem Vorgehen nicht einverstanden sind, wenden sich bitte bis 30.11.2013 an den DRA (info@austausch.org; 030/44 66 80 0). Derweil sind noch weitere Prozesse gegen russische NGOs mit Bezug auf das „Agentengesetz“ im Gang. Erst Mitte Oktober wurde ein neues Verfahren gegen die bekannte Umweltorganisation „Baikalwelle“ („Baikal Wave“) eröffnet, da sie ausländische Förderung erhalten habe und „politisch tätig“ sei – die NGO erklärte, sie trete lediglich für den Schutz des Baikalsees ein, dies falle nicht unter den Begriff der „politischen Tätigkeit“. Die Verfahren gegen das Antidiskriminierungszentrum (ADZ) Memorial in St. Petersburg und das Menschenrechtszentrum Memorial, Moskau – Partner des DRA im Projekt zur interethnischen Versöhnung in Nordossetien – sind vertagt worden. Das Verfahren gegen die Frauenrechtsorganisation Egida (St. Petersburg) wurde an eine andere Instanz verwiesen. Memorial Moskau und Egida hatten vor Gericht die Berechtigung der NGO-Überprüfungen überhaupt in Frage gestellt. Hintergrund der Anschuldigungen gegen das ADZ ist ein Bericht über Menschenrechtsverletzungen an Roma, Migranten und Aktivisten durch die russische Polizei, den das ADZ 2012 dem UN-Komitee gegen Folter übergeben hatte. Gegen einen Freispruch in der ersten Instanz hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Sie will nun durch Wissenschaftler belegen lassen, dass der Bericht über Menschenrechtsverletzungen als politische Tätigkeit gelten kann. Dann könnte die Organisation im Falle einer ausländischen Unterstützung und nicht erfolgten Registrierung als „ausländischer Agent“ weiter juristisch verfolgt werden.

7) RNEI-Studie zu Nachhaltigkeit in Russland erschienen / Präsentation in Moskau und Warschau

Das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformationen (RNEI) hat in Kooperation mit dem DRA eine umfangreiche Studie zu Stand, Rahmenbedingungen und möglichen Perspektiven einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung in Russland veröffentlicht. Über 30 Autoren, darunter viele der wichtigsten Fachwissenschaftler und Umweltschützer in Russland, analysieren das Thema u.a. in Bezug auf die Klimapolitik, die ökologische Umgestaltung der Wirtschaft, die Umweltbildung, die Beteiligung Russlands an internationalen Projekten sowie einzelne Städte und Regionen (zur Studie). Die Studie wird am 6. November ab 9.30 Uhr in der Higher School of Economics in Moskau vorgestellt. Die englische Version wird im Rahmen des 19. UN-Klimagipfels am 18. November in Warschau im dortigen Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung präsentiert. Eine Anmeldung ist jeweils nicht erforderlich. Dem Redaktionsteam gehörten Sergey Bobylev (Professor für Wirtschaft, Lomonossov-Universität Moskau) und Renat Perelet (Russische Akademie der Wissenschaften) sowie Angelina Davydova und Alexandra Kokoreva (beide RNEI) an. Die Betreuung seitens des DRA erfolgte durch Silke Junge (DRA Berlin/RNEI). Die Studie kann innerhalb Deutschlands beim DRA bestellt werden bei [assistenz@rnei.de, max. 3 Expl. und nach Vorabüberweisung der Porto-/Versandkosten von 2,00 €/Expl., an DRA e.V., Stichwort: RNEI-Studie, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00, Kontonummer: 33 181 00 bzw. ab 1.2.2014 per IBAN: DE83100205000003318100, BIC: BFSWDE33BER). Die Erstellung der Studie wurde von Brot für die Welt, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt.

8) Bildungszentrum in Nordossetien plant zusätzliche Angebote

Methodische Ansätze der interkulturellen und berufsbildenden Arbeit haben die Mitarbeiter_innen des Bildungszentrums von Memorial und DRA im Prigorodnyj-Bezirk von Nordossetien (Nordkaukasus) mit Vertretern beider Organisationen Ende September auf einem fünftägigen Seminar in Anapa (Gebiet Krasnodar) diskutiert. Erörtert wurde zudem die Zukunft der Bildungsarbeit bei verminderter Förderung. Von 2014 an soll das Zentrum sukzessive auf eigenen Füßen stehen. Vorgesehen sind dafür nun die Gründung einer Filiale im Bezirk und verschiedene kommerzielle Angebote. Das Bildungszentrum war 2007 ins Leben gerufen worden und bietet seit 2008 Kurse zur Gründung und Organisation von Kleinunternehmen an. Mit erheblichem Erfolg: Bis heute haben Teilnehmer_innen des Projekts fast 100 Kleingewerbe mit gut 200 Arbeitsplätzen geschaffen. Damit und mit einer vielfältigen Arbeit an den Schulen des Bezirks trägt das Zentrum auch zur interethnischen Aussöhnung zwischen Inguschen und Osseten bei – in der von hoher Arbeitslosigkeit und Armut geprägten Region leben diese beiden Volksgruppen seit einem Bürgerkrieg 1992 weiter in sehr fragilen Beziehungen. Die Bildungsarbeit wurde bisher vom Diakonischen Werk, den Hilfswerken Renovabis und Muslime Helfen e.V., von Memorial Deutschland sowie der Europäischen Kommission gefördert.

9) Erinnerung - 15.11.2013: Herbstgespräche zum Thema „Zuwanderer, Emigrantinnen, Gastarbeiter“

Die jüngsten Konflikte in Moskau um Zuwanderer aus dem Kaukasus und Zentralasien, aber auch der Streit in der Bundesrepublik um die Asylpolitik zeigten noch einmal die Aktualität des Themas der 18. Deutsch-Russischen Herbstgespräche „Zuwanderer, Emigrantinnen, Gastarbeiter – Migrationspolitik in Deutschland und Russland“. Am 15. November diskutieren Politiker_innen, Wissenschaftler_innen und Vertreter_innen von NGOs einen Tag lang unter anderem, welche Aufenthaltsbedingungen Migrant_innen in Deutschland und in Russland erleben, welche Strategien von Integration oder Ausschluss die Staaten anwenden und was es mit der verstärkten Zuwanderung von Tschetschenen nach Deutschland auf sich hat. Referent_innen von russischer Seite sind u.a. der ehem. Vizedirektor des Föderalen Migrationsdienstes, Vjacheslav Postavnin, Andrej Jakimov vom Antidiskriminierungszentrum St. Petersburg und Olga Potemkina vom Europa-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften, von deutscher Seite u.a. der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschlands, Kenan Kolat, die Ombudsfrau für die NSU-Opfer, Prof. Barbara John, und die Leiterin des Themenclusters „Migration“ der Bertelsmann-Stiftung, Cornelia Schu. Veranstalter sind der DRA und die Evangelische Akademie Berlin. Ort: Französische Friedrichstadtkirche; alle Informationen zum Programm HIER. Die Teilnahme an den Herbstgesprächen ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich. Die Veranstaltung wird von der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt.

10) Veranstaltungsorte für „EU Study Weeks“ 2014 festgelegt / Bewerberrekord in Nischnij Novgorod

Auch 2014 werden wieder in vier russischen Städten „EU Study Weeks“ stattfinden. Veranstaltungsorte sind diesmal Jaroslavl (Zentralrussland), Irkutsk (Sibirien), Ivangorod (an der estnischen Grenze) und Pjatigorsk (Nordkaukasus). Sie bieten russischen Studierenden und Promovenden aller Fachrichtungen interaktive und hochinformative Programme zu den neuesten Entwicklungen in den EU-Russland-Beziehungen und in der EU zu den Bereichen Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien. Die Study Weeks werden seit einem Jahr vom DRA mit Experten beider Seiten im Auftrag der EU-Delegation in Russland durchgeführt. Die Veranstaltungen sollen auch die Vernetzung von EU-interessierten jungen Russinnen und Russen unterstützen. Die letzte diesjährige Study Week vom 11.-13. Oktober in Nischnij Novgorod hat derweil einen Bewerberrekord verzeichnet: 130 Studierende und Promovenden hatten sich um die 29 Teilnehmerplätze beworben. Die Teilnehmer_innen konnten unter anderem eine interaktive Einheit zum Thema „Verhandlungen über Visafragen zwischen Russland und der EU“ erleben.

11) Vertreter des DRA/SPb. wollen Lage von Strafgefangenen beobachten

Der DRA St. Petersburg hat zwei seiner Vertreter für die Öffentliche Beobachterkommission vorgeschlagen, die Gutachten zu Menschenrechtsverletzungen an Strafgefangenen im Strafvollzugssystem in Petersburg und im Leningrader Gebiet erstellt. Arbeitsschwerpunkte der Kommission sind unter anderem die Arrestzellen, in denen so genannte „illegale Migranten“ festgehalten werden, sowie die Strafkolonie für Minderjährige in Kolpino südlich von Petersburg. Um einen Platz in der Kommission bewerben sich für den DRA Petersburg Dmitrij Dubrovskij, Leiter des Programms „Menschenrechte“ an der Fakultät der Freien Künste und Geisteswissenschaften der Staatlichen Universität St. Petersburg sowie Evgenij Prokopenko, Aktivist einer Hilfsinitiative für „illegale Migranten“. Die Gesellschaftskammer der Russischen Föderation prüft die Kandidaturen in einem Zeitraum von 60 Tagen nach dem 15. Oktober. Das Ergebnis steht also möglicherweise erst Ende Dezember fest. Die Situation im russischen Strafvollzugssystem ist nach wie vor äußerst angespannt. Das zeigen nicht zuletzt die Skandale um den Juristen des früheren Jukos-Konzerns, Vasilij Aleksanjan, den in Haft gestorbenen Wirtschaftsprüfer Sergej Magnitskij und die Pussy-Riot-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikova. Hauptforderungen an eine Reform des Strafvollzugssystems sind dabei Transparenz, die Einhaltung der Menschenrechte und des Arbeitsrechts und der Schutz vor Folter.

12) Menschenrechtskonzert „To Russia with Love“ online zu erleben / Auch Herta Müller beteiligt

Ein großer Erfolg war das ausverkaufte Konzert „To Russia With Love“ zur Unterstützung des Engagements für die Menschenrechte in Russland am 7.10. im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Noch bis zum 6. November ist es auf der Website des Fernsehsenders ARTE [HIER] abrufbar. Zu den am Ende umjubelten Mitwirkenden gehörten neben dem Initiator Gidon Kremer (Violine), Daniel Barenboim und Martha Argerich (Klavier) und Giya Kancheli (Komposition) weitere Stars der klassischen Musik sowie berühmte Künstler aus Literatur und Theater. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller sprach einleitend kritisch zur heutigen Lage in Russland, die Schauspieler Sebastian Koch und Martina Gedeck trugen Texte von Michail Chodorkovskij bzw. Anna Politkovskaja vor. Die Ermordung der Journalistin Politkovskaja lag am 7.10. genau sieben Jahren zurück, der frühere Bank- und Ölunternehmer Chodorkovskij befindet sich am 25. Oktober bereits genau zehn Jahre in Haft. Der DRA war an einem von Amnesty International (AI) koordinierten NGO-Infoforum beteiligt, das vor dem Konzert im Foyer stattfand. Beim Publikum stießen sowohl die Infostände als auch das von der Journalistin Astrid Frohloff moderierte Podiumsgespräch zur Lage der russischen Zivilgesellschaft mit Peter Franck (Russlandexperte bei AI) und Svetlana Gannuschkina (Vorstandsmitglied von Memorial Moskau, Leiterin der Flüchtlingshilfe-NGO „Civic Assistance“) auf reges Interesse.

13) Der DRA dankt Holger Löbell!

Mit großem Bedauern und vielem herzlichen Dank verabschiedet sich der DRA von Holger Löbell, der den Verein Ende Oktober verlässt. Er hat in den vergangenen gut vier Jahren mehrere Programme des Vereins als Projektleiter betreut, darunter den jährlichen Fach- und den Hospitationsaustausch Jugend- und Sozialarbeit zwischen Berlin und Ischevsk, das Dönhoff-Stipendien-Programm sowie den Bereich Bildungsreisen, den er wesentlich aufgebaut hat und den künftig Roman Elsner weiterführt. Zudem hat Holger Löbell u.a. eine zeitweilige Arbeitsgruppe zur Zusammenarbeit von Deutschland und Russland im Bereich von Jugendsommerlagern geleitet und bis 2011 das DRA-Schüleraustausch-Programm koordiniert und weiter entwickelt. Wir danken Holger Löbell für seine ausgezeichnete Arbeit und seine enorme Einsatzbereitschaft für die Partner und Teilnehmer seiner Programme. Für alle hat er sich immer wieder in beeindruckender Weise persönlich engagiert, vielen den Weg zu lebensprägenden neuen Erfahrungen geebnet. In der Kooperation mit den Berliner Trägern der Jugend-, lokalen Kultur-, Freiwilligen-, Sozial- und Umweltarbeit, dem Paritäter Berlin und der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch sowie den zahlreichen russischen Projektpartnern war er für den DRA ein gewinnender, unermüdlicher Mittler. Wir freuen uns, dass Holger Löbell dem Verein als Mitglied verbunden bleibt und wünschen ihm für seine künftige Tätigkeit und persönlich alles Gute und viel Glück!

14) Assistenz der Geschäftsführung: DRA vergibt Praktikum

Zum 1. Dezember 2013 besetzt der DRA e.V. in seinem Berliner Büro eine Praktikumsstelle als Assistenz der Geschäftsführung in Vollzeit für mind. 4, max. 6 Monate. Die Tätigkeiten umfassen: Unterstützung der Projektarbeit (Recherchen, Mitarbeit bei der Antragstellung, Durchführung, Abrechnung / Dokumentation), Mitarbeit in der Veranstaltungsorganisation und Öffentlichkeitsarbeit, Unterstützung des Engagements des DRA im Rahmen des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland (CSF), Büroorganisation: Korrespondenz, Pflege der Datenbank, Materialbestellungen u.a., Pflege der DRA-Homepage, Unterstützung der Info-, Mitglieder- und Spendenarbeit, Übersetzungen. Vorausgesetzt werden ein Interesse an Russland und Osteuropa, an politischen und sozialen Fragen sowie an der Arbeit von NGOs und internationaler Zusammenarbeit; gute PC-Kenntnisse (Word, Excel); sehr gute Deutsch- und Russischkenntnisse, Englischkenntnisse von Vorteil; gute kommunikative Fähigkeiten und Offenheit; aktives und selbstständiges Arbeiten; Flexibilität und Freude an der Arbeit im Team. Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit und Pflege von Websites sind von Vorteil. Das Praktikum wird betreut und mit 350,- Euro monatlich vergütet. Ein Praktikumszeugnis wird ausgestellt. Bitte senden Sie Ihre Bewerbung bis zum 15. November 2013 per E-Mail an assistenz@austausch.org oder per Post (Deutsch-Russischer Austausch e.V., Badstraße 44, 13357 Berlin). Nachfragen sind unter Tel. 030/446680-18 möglich. Die Bewerbungsgespräche werden voraussichtlich im Zeitraum 20.-21. November 2013 stattfinden. Informationen siehe auch HIER.