DRA Newsletter Oktober 2008


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Petersburger Dialog vergibt wichtige Chance zur Diskussion

Die deutsch-russische Jahreskonferenz „Petersburger Dialog“, die vom 30. September bis 2. Oktober in der Newastadt tagte, hat die Kommunikation über die Ursachen des Südossetienkrieges und mögliche Auswege aus der Krise kaum verbessert. So lautet das Resümee des DRA, dessen Geschäftsführer Stefan Melle an dem Treffen teilnahm. Die Vertreter Russlands beschränkten sich weitgehend darauf, die zunächst einseitige Darstellung des Krieges in der westlichen Öffentlichkeit zu kritisieren und den unnachgiebigen Widerstand Moskaus für den Fall einer weiteren Verankerung v.a. der Nato in Osteuropa anzukündigen. Die deutsche Seite beharrte mehrheitlich auf der uneingeschränkten Gültigkeit bisheriger Völkerrechtsprinzipien, war sich über deren Auslegung allerdings nicht einig. Von beiden Regierungen wurde eingefordert, förderliche Rahmenbedingungen für eine aktive Zivilgesesellschaft zu schaffen. Im Konferenzprogramm überwogen erneut kulturelle Ereignisse und Empfänge, während die Zusammenkünfte der acht Arbeitsgruppen zeitlich so knapp bemessen waren, dass kaum detailliert diskutier werden konnte. Beim Abschlusstreffen mit Präsident Dmitri Medwedew und Bundeskanzlerin Angela Merkel wurden u.a. eine effektivere Klimaschutzpolitik und bessere Bedingungen für Kontakte zwischen den Gesellschaften gefordert. Am ersten Tag hatten sich im Saal des DRA Petersburg rund 25 Vertreter_innen russischer und deutscher NGOs zu einer von Jens Siegert (Heinrich-Böll-Stiftung, Moskau) und Astrid Schorn (DRA St. Petersburg) initiierten Besprechung von gemeinsamen Anliegen auf der Konferenz getroffen. Parallel zum Petersburger Dialog fand in der Stadt auch das 3. Deutsch-Russische Jugendparlament statt, zu dem Stefan Melle als Experte für die Arbeitsgruppe Jugend und Zivilgesellschaft eingeladen war.

2) DRA fordert Erhalt von Radio Multikulti in Berlin-Brandenburg

Der DRA unterstützt die Proteste gegen die Schließung des Radiosenders Berlin Multikulti, die der Rundfunkrat des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) am 6. November endgültig besiegeln will. Die erhoffte Einsparung von jährlich ca. drei Millionen Euro steht nach Ansicht des DRA in keinem Verhältnis zu dem Verlust an interkultureller Kompetenz, die der Sender bündelt. Ebenso halten wir das Argument für falsch, dass die fremdsprachlichen Sendungen die Integration der ethnischen Communities in Berlin-Brandenburg unterlaufe. Vielmehr helfen gerade solche Angebote, Migrant_innen die Themen und Werte der einheimischen Gesellschaft zu vermitteln, die ihrerseits wichtige Einblicke in die Kultur und Anliegen der zugewanderten Mitbürger_innen erhält. Auch das russischsprachige Programm von Multikulti hat sich in diesem Sinne hervorragend bewährt. Durch die geplante Integration einiger Elemente von Radio Multikulti in das WDR-Programm „Funkhaus Europa“ wird weder die Sprachenvielfalt des bisherigen Angebots noch die regionale Verankerung, die für eine interkulturelle Millionenstadt wie Berlin wesentlich ist, gewahrt. Siehe auch: der Sender: www.multikulti.de, die Proteste: www.multikulti.eu.

3) Herbstgespräche 21./22.11., Berlin: Geschichtskonflikte in Europa

Die 13. Deutsch-Russischen Herbstgespräche am 21./22. November widmen sich diesmal unter dem Titel „Annäherung oder Entfremdung? – Der Einfluss der Geschichtspolitik auf das Verhältnis EU-Russland“ der unterschiedlichen Deutung der Vergangenheit in Mittel- und Osteuropa und ihrer wiederholten Instrumentalisierung durch die Politik. Erörtert werden soll auch, welche Wege zu einem gemeinsamen, differenzierten Verständnis der Geschichte in Europa es gibt und welche Rolle die Zivilgesellschaften dabei spielen können. Zu den Referenten der Tagung gehören u.a. die Abgeordneten Alexander Graf Lambsdorff (EU-Parlament) und Gert Weisskirchen (MdB, Vorsitzender der deutsch-russischen Parlamentariergruppe), die Historiker Boris Dolgin und Nikita Sokolow (beide Moskau), der frühere Ministerpräsident Estlands Mart Laar sowie der Journalist Piotr Buras (Gazeta Wyborcza, Warschau). Zu der Konferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt laden der DRA, die Heinrich-Böll-Stiftung und die Evangelische Akademie alle Interessierten herzlich ein. Der Tagungsbeitrag inklusive Abendempfang kostet 30 Euro, ermäßigt 10 Euro.

4) DRA Petersburg organisiert städtischen Freiwilligenkongress

Einen international besetzten Kongress zur Freiwilligenarbeit bereitet derzeit der DRA St. Petersburg gemeinsam mit dem städtischen Komitee für Jugendpolitik und Zusammenarbeit mit NGOs vor. Die Tagung findet am 5. Dezember, dem Internationalen Freiwilligentag, im Rahmen eines dreitägigen Jugendforums statt, das die Stadtverwaltung aus diesem Anlass veranstaltet. In der Plenarsitzung und mehreren Arbeitsgruppen werden u.a. Vertreter_innen beider russischer Parlamentskammern, mehrerer Ministerien und Regionen, der EU-Kommission, aber auch Expert_innen aus Finnland, Deutschland und weiteren Ländern die Weiterentwicklung und juristische Verankerung von freiwilligem Engagement in Russland diskutieren. Darüber hinaus wird es eine interaktive Ausstellung von Petersburger Freiwilligenprojekten, eine Auszeichnungsveranstaltung für verdienstvolle Ehrenamtliche sowie eine „Freiwilligen-Rallye“ geben, bei der Interessierte mit einem Parcours durch soziale Initiativen und Nichtregierungsorganisationen eventuelle Einsatzstellen für ihr persönliches bürgerschaftliches Engagement kennen lernen können.

5) Russische Behörden gehen erneut gegen Bürgerinitiativen vor

In St. Petersburg sowie in Wolgograd sind erneut unabhängige Bürgerinitiativen unter Druck gesetzt worden. So wurde das schwul-lesbische Filmfestival „Bok o bok“ („Seite an Seite“), das während des Petersburger Dialogs stattfinden sollte, von Behörden der Stadtregierung verhindert. Für das Festival vorgesehene Kinos sagten ab, nachdem sie entsprechende „„Empfehlungen“ erhalten hatten. Zwei kurzfristig eingesprungene Musik- und Filmclubs wurden mit Hinweis auf angebliche Brandschutzmängel vorübergehend geschlossen. Eine daraufhin organisierte Straßenpressekonferenz wurde von Mannschaften der Polizei und des Katastrophenschutzministeriums verhindert. Letztlich konnten nur fünf von 20 vorgesehenen, teilweise weltbekannten Filmen in nichtöffentlichen Vorstellungen gezeigt werden (www.bok-o-bok.ru). Auch die Direktorin der Wolgograder Jugendorganisation „Club Unesco – Würde des Kindes“, Irina Malowitschko, sieht sich weiterhin mit Zwangsmaßnahmen konfrontiert. Gegen sie wird wegen angeblich falsch abgerechneter Taxiquittungen ermittelt (vgl. DRA-Newsletter Juni 2008). Im September wurde ihr eine Verschärfung der Anklage angedroht, sollte sie die Vorwürfe nicht gestehen. Außerdem soll nun auch gegen weitere Mitarbeiter_innen der Organisation – eines langjährigen Partners des DRA – ermittelt werden. Ihr Anwalt, Walentin Selin, hat unterdessen mit Hinweis auf den NGO-Fall seine Zulassung verloren (mehr Information hier).

6) DRA-Schüleraustausch 2009: Jetzt bewerben!

Auch 2009 bietet der DRA Jugendlichen aus Deutschland wieder die Möglichkeit, in St. Petersburg ein Sozialpraktikum zu absolvieren oder eine Schule zu besuchen. Für ein drei- bis vierwöchiges Praktikum im Zeitraum April-Mai 2009 kann man sich noch bis zum 30.11.2008 bewerben. Für die Teilnahme am Schüleraustausch, der einen Schulbesuch von September-November 2009 und einen Gegenbesuch durch eine/n Partnerschüler/in aus St. Petersburg umfasst, endet die Bewerbungsfrist am 31. Januar 2009. Die Teilnahme an dem Programm ist kostenpflichtig. Zu den Voraussetzungen gehören wenigstens Grundkenntnisse des Russischen. Weitere Informationen unter www.austausch.org/schueleraustausch.

7) Fotoausstellung über Freiwilligendienst in Russland

In Lutherstadt Wittenberg wird noch bis Ende November eine Ausstellung mit Fotos aus Nischni Nowgorod, Moskau, Kasan und Wolgograd gezeigt. Organisiert wurde die Schau im Lucas-Cranach-Gymnasium von Christiane Paul, die von September 2007 bis März 2008 einen vom DRA vermittelten Europäischen Freiwilligendienst in einem Kindergarten für behinderte Kinder in Nischni Nowgorod absolvierte. Der Europäische Freiwilligendienst wird über das EU-Programm „Jugend in Aktion“ finanziert. Die Ausstellung ist öffentlich zugänglich, Interessierte werden aber gebeten, sich bei der Schulleitung anzumelden.

8) „Handbuch zum Berufseinstieg“ weiterhin erhältlich

Das „Deutsch-Russische Handbuch zum Berufseinstieg“, das der DRA im Dezember 2007 in 2., aktualisierter Auflage vorlegte, stößt weiterhin auf großes Interesse. Unter anderem orderte die Bundesagentur für Arbeit fast 200 Exemplare für ihre regionalen Dienststellen. Insgesamt sind seit Jahresbeginn knapp 1.000 Exemplare bestellt worden. Die Druckversion des Handbuchs kann gegen eine Kostenerstattung von 3 Euro über die Homepage des DRA oder durch Einsendung eines Rückumschlags mit beigelegten Briefmarken in diesem Wert bestellt werden. Zugleich ist die Publikation als PDF-Dokument einschließlich Datenbank im Internet kostenlos zugänglich unter www.austausch.org/ oder www.ornis-press.de/wirtschaft. Die Neuauflage des 2001 erstmals erstellten Handbuchs wurde von der Robert Bosch Stiftung sowie im Auftrag und aus Mitteln des Bundesinnenministeriums von der GTZ gefördert.