DRA Newsletter November 2014


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Kommentar: Ein Jahr nach dem Majdan bedarf es eines Ausbaus der Kontakte zu allen Seiten – und einer Bewahrung der Standards

Ein Jahr nach Beginn der Majdan-Proteste ist der Bürgeraufstand in der Ukraine gegen Korruption und Selbstherrlichkeit der Macht, Entwicklungsstau und russische Subordinationsversuche endgültig in einen europaweiten Konflikt mit Russland mutiert – vermutlich für lange und so lange in Russlands Führung und Öffentlichkeit nicht ein anderes Staats- und Politikverständnis Raum gewinnt. Denn Präsident Putin und seine Administration haben stets die Durchsetzungsinteressen von Staat und Apparat höher gestellt als die individuellen Rechte der Bürger. In einer solchen Sicht setzt sich das Allgemeinwohl nicht aus der Lebensqualität der Bewohner, sondern aus Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten zusammen – nach der Innenpolitik nun auch in der Außenpolitik. Eine solche Haltung ist international nicht integrationsfähig und macht die Gesellschaft in Russland wie in den Nachbarländern zu ihrer Geisel. Und dieses Problem lässt sich leider nicht bewältigen durch Aufrufe zu neuem Vertrauen, denn für solches Wieder-Vertrauen bedarf es zunächst realer Schritte zur Rücknahme des Rechtsbruchs und Beendigung der Unterstützung für die separatistischen Milizen. Wie man trotzdem den Frieden in Europa erhält und ihn auch in der Ostukraine zurückgewinnt, wird zunehmend zur alles überragenden Frage und Aufgabe. Weiterlesen

2) Früherer Finanzminister Kudrin lud russische Zivilgesellschaft nach Moskau ein – Stefan Melle moderiert internationale Sektion

Zu einem „2. Allrussischen Zivilgesellschaftsforum“ trafen sich am 22. November in Moskau rund 650 VertreterInnen von russischen Bürgerinitiativen im Moskauer Hotel „Kosmos“ – unter ihnen waren VertreterInnen der wichtigsten NGOs, ExpertInnen sowie rund 75 JournalistInnen. Initiiert hatten das Forum – wie das erste dieser Art 2013 – der frühere russische Finanzminister Alexey Kudrin und das von ihm gegründete „Komitee für Bürgerinitiativen“ (KGI). In insgesamt 14 thematischen Sektionen wurden Fragen wie die Repressionen gegen NGOs und Medien im Land, die Voraussetzungen für stabile bürgerschaftliche Institutionen, die ökologischen Herausforderungen (u.a. mit Angelina Davydova, RNEI) und der wachsende Nationalismus in Russland diskutiert (letzteres unter Teilnahme von sowohl Nationalisten wie ihren zivilgesellschaftlichen Gegnern, aber auch bedrohten russischen Muslimen). Der Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle, leitete im Namen des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums gemeinsam mit den bekannten Wissenschaftlern Igor Jurgens (Insor-Institut) und Andrey Sagorskiy (MGIMO, Moskau) die erstmals veranstaltete Internationale Sektion, der NGO-VertreterInnen aus Polen, den Niederlanden, Großbritannien, Deutschland, Russland und Lettland angehörten. Die internationale Sektion beschloss, 2015 eine Konferenz zum 40-jährigen Bestehen der Schlussakte von Helsinki zu organisieren, eine Übersicht und Vernetzung europäisch-russischer Initiativen sowie die Beteiligung russischer Akteure an europäischen zivilgesellschaftlichen Projekten zu fördern. Hier wie auch in den Plenarsitzungen stand immer wieder der Konflikt um die Ukraine im Mittelpunkt der Debatte. Die Anwesenden waren sich weitgehend einig, dass das Vorgehen der russischen Führung gegen die Ukraine nicht nur einen Völkerrechtsbruch, sondern auch einen Einbruch in den internationalen Beziehungen sowie für die russische Gesellschaft selbst bedeuten – und dass hier ein enger Zusammenhang zu der zunehmend monopolitischen, propagandistischen und repressiven Innenpolitik besteht. In einer Schlusserklärung rief das Forum zu einer Versöhnung mit der Ukraine auf, wandte sich gegen eine isolationistische Entwicklung Russlands und unterbreitete zahlreiche konkrete Handlungs- und Gesetzesvorschläge aus den Sektionen. Stefan Melle appellierte als Referent im Schlusspanel, zu den internationalen Völker- und Menschenrechtsstandards zurückzufinden und die europaweite Kooperation fortzusetzen. Das Beispiel Polen-Deutschland zeige, dass eine Verständigung nach einem Krieg möglich sei, auch wenn sie Jahrzehnte an Engagement erfordern kann. Das Forum wurde von vielen TeilnehmerInnen als eine der seltenen verbliebenen Möglichkeiten gesehen, sich in größerem Rahmen öffentlich zu treffen und zu beraten. Dennoch ließ das Format auch Fragen offen – darunter die, welche Umsetzungschancen die Vorschläge der NGOs nun haben, inwieweit eine solche zentralistische Veranstaltung nicht auch die eingeengte Situation der NGOs spiegelt und welche Rolle Alexey Kudrin, ein langjähriger Weggefährte des russischen Präsidenten, hier tatsächlich einnimmt. Sein Plädoyer für eine offene, liberale und demokratische russische Gesellschaft war zumindest unüberhörbar. Weitere Informationen zum Kudrin-Forum unter www.civil-forum.ru und auf Facebook.

3) Gespräch mit ukrainischen NGO-Vertretern: „Der Maidan ein Jahr danach“ am 3.12.2014, 19.30 Uhr

Der DRA lädt am Mittwoch, den 3.12.2014 zur Podiumsdiskussion „Der Maidan ein Jahr danach. Zivilgesellschaftliches Engagement und der Krieg in der Ostukraine“ ein. Ein Großteil der Energie der ukrainischen Zivilgesellschaft fließt momentan in die Bewältigung der tiefen sozialen Krise, die durch die Besetzung der Krim im März 2014 und den Beginn des Krieges in der Ostukraine ausgelöst wurde. Im Rahmen der Veranstaltung werden ukrainische Bürger- und MenschenrechtsaktivistInnen über die humanitäre Situation der Binnenvertriebenen und die Lage in den unter Kiewer Regierungskontrolle befindlichen ostukrainischen Städten sprechen. Über eigens eingerichtete Call-Center stellen ihre Organisationen Informationen für Flüchtende aus der Ostukraine bereit, evakuieren Menschen aus dem Kriegsgebiet, vermitteln Unterkünfte und Arbeit und verteilen Kleidung und Lebensmittel. Thema wird außerdem die Entwicklung der ukrainischen Zivilgesellschaft ein Jahr nach dem Maidan sein: Wie hat die „Revolution der Würde“ die ukrainische Gesellschaft verändert? Welche Hoffnungen und Befürchtungen haben die AktivistInnen für die Zukunft? Welche Rolle sollten internationale Organisationen und die europäische Zivilgesellschaft bei der Beendigung des Krieges spielen? Die Veranstaltung findet um 19:30 Uhr im Putten-Saal der Bibliothek am Luisenbad in der Travemünder Straße 2 (Ecke Badstraße) ganz in der Nähe des DRA-Büros  statt. Im Anschluss an die Veranstaltung sind alle herzlich zum informellen Austausch bei Wein und Snacks eingeladen.

4) DRA und EU-Russia-CSF auf Treffen mit neuer EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Berlin

Am 10. November konnten Stefan Melle (DRA/EU-Russia-Civil Society Forum - CSF), Stefanie Schiffer (Europäischer Austausch) und Anna Sevortian (CSF) bei einem Rundtisch-Gespräch in Berlin wichtige Erwartungen des Forums und der NGOs an die Russland- und Osteuropa-Politik der EU gegenüber der neuen EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini (Italien) vortragen. Mogherini hatte bei ihrem Antrittsbesuch in Berlin ein Treffen mit mehreren NGOs und Expertenorganisationen veranstaltet. Zu den formulierten Anliegen gehören u.a. eine stärkere öffentliche und finanzielle Unterstützung für die russische Zivilgesellschaft; die Schaffung von Programmen zur unbürokratischen Aufnahme und Hilfeleistung für bedrohte Bürgerrechtler und zur gemeinsamen Arbeit von NGOs aus Russland, der EU und Ländern der Östlichen Partnerschaft, insbesondere der Ukraine, die schnelle Realisierung konkreter, gegebenenfalls auch einseitiger Schritte zur Verbesserung der Visa-Regelungen und anderer Voraussetzungen für direkte Kontakte der Menschen, sowie Unterstützung für die territoriale Unversehrtheit aller Nachbarschaftsstaaten. In der EU selbst müssten u.a. die Probleme der Migrationspolitik, der Internetüberwachung, aber auch xenophober und autoritärer Tendenzen in etlichen der EU-Staaten aktiv angegangen und gelöst werden. Erinnert wurde u.a. an Ungarn. Das CSF hatte seine Sicht kürzlich auch in einem Brief an die neue EU-Kommission dargestellt.

5) Nachlese 19. Deutsch-Russische Herbstgespräche: Wir sind alle in der Pflicht

„Korruption – schneller Vorteil, langes Nachsehen?“ war das Thema der 19. Deutsch-Russischen Herbstgespräche, die am 7. und 8. November in Berlin stattgefunden haben. Die traditionelle deutsch-russische Perspektive wurde dieses Jahr durch eine ukrainische erweitert. Zwei Tage lang diskutierten 15 renommierte deutsche, russische und ukrainische Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Business, Justiz, Journalismus und Zivilgesellschaft zusammen mit über 160 Gästen in der Französischen Friedrichstadtkirche über die Formen, das Ausmaß und die Verbreitung von Korruption in den drei Ländern, analysierten ihre Ursachen und Folgen und überlegten sich gemeinsame Lösungen für die unterschiedlichen existierenden Probleme bei der (internationalen) Korruptionsbekämpfung. Dabei wurde deutlich, dass sich verschiedene gesellschaftliche Akteure engagieren müssen. Ohne realen politischen Willen und ohne unabhängige Justiz würden die besten Antikorruptionsgesetze nichts bringen, betonten alle Referenten. Alle Prozesse genau zu beobachten und die Missstände zu kritisieren sei weiterhin die zentrale Aufgabe der Zivilgesellschaft – in Russland, der Ukraine ebenso wie in Deutschland. Der Einbezug ukrainischer Erfahrungen zeigte sich als eine große Bereicherung für die Diskussionen. Immer wieder wurde hinterfragt, inwieweit die politischen Veränderungen dieses Jahres in der Ukraine zur Überwindung von Hindernissen in der Korruptionsbekämpfung beitragen könnten, die es auch in Russland gibt. Dabei wurde die Frage diskutiert, ob Korruption lediglich das Versagen der Justizorgane sei und einfach stärkere Institutionen benötigt werden – so Rüdiger Reiff von der Zentralen Berliner Antikorruptionsstelle – oder ob mehr dahinter stecke. Vladimir Rimskij vom Moskauer INDEM-Institut stellte gesellschaftliche Wertvorstellungen in den Vordergrund und sprach in Russland von Korruption als einer Norm. Diese müsse durch Aufklärung und Bildungsarbeit verändert werden. Was die Korruption in Deutschland selbst betrifft, wurden u.a. die fehlende Transparenz bei Gerichtsurteilen, die große Grauzone des Lobbyismus und den Wechsel von Politikern in die Wirtschaft bemängelt. Korruption kann dabei nicht nur innerhalb von Ländern bekämpft werden: Elena Panfilova von Transparency International aus Moskau thematisierte die internationale Verantwortung, da die Schwarzgelder aus den osteuropäischen Staaten überwiegend in westeuropäische Banken fließen. Internationale Kooperation und Know-how-Transfer sind beim Kampf gegen die Korruption entscheidend. Die 19. Herbstgespräche boten eine gute Gelegenheit dazu. Ein ausführlicher Bericht wird Anfang Dezember auf der Website des DRA veröffentlicht. Die 19. Deutsch-Russischen Herbstgespräche wurden vom DRA und der Evangelischen Akademie zu Berlin veranstaltet und von der Heinrich-Böll-Stiftung, der ZEIT-Stiftung, der TOWAE-Stiftung sowie der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

6) RNEI: Seminare zur nachhaltigen Stadtentwicklung in der Ukraine

Im Dezember organisiert der DRA mit Unterstützung des Russisch-Deutschen Büros für Umweltinformation (RNEI) und lokalen Partnerorganisationen zwei Seminare in der Ukraine, die sich mit unterschiedlichen Aspekten nachhaltiger Stadtentwicklung beschäftigen: Am 13. und 14. Dezember veranstaltet die Kyiv Cyclists` Association in Bila Tserkwa bei Kiew ein Trainingsseminar mit dem Thema „Einfluss von Fahrradaktivsten auf die Verwendung von Haushaltsgeldern“. 36 FahrradaktivistInnen aus unterschiedlichen Regionen der Ukraine werden die verschiedenen Förderfonds, staatliche Entwicklungsprogramme und Programme der lokalen Selbstverwaltung sowie den Prozess zur Verteilung von Budgetgeldern kennenlernen. Am Ende des zweitägigen Trainings werden die TeilnehmerInnen eine Kampagne entwickeln, um die Öffentlichkeit für die Aufwendung von Geldern aus dem kommunalen Haushalt zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur  und eine stärkere Berücksichtigung von Radfahrern beim Straßenbau zu gewinnen. Der zweite Workshop wird fast zeitgleich von 14. bis 16. Dezember in Kiew stattfinden und sich der nachhaltigen Stadtentwicklung mit Fokus auf Bürgerbeteiligung bei der Stadtplanung widmen. Veranstaltet wird das Seminar in Kooperation mit der „Sustain Urban Architecture“ Gruppe. Teilnehmen werden an diesem Seminar vor allem VertreterInnen gesellschaftlicher Initiativen, die sich für positive Veränderungen in ihrer Stadt engagieren. Die Seminare werden aus Mitteln des Auswärtigen Amts und Brot für die Welt gefördert. 

7) Politische Jugendbildung mit ukrainischen Jugendlichen: Studienreise nach Berlin

Welche Schwerpunkte setzt Berlin in der Kinder- und Jugendbeteiligung? Welche Projekte und  Erfahrungen gibt es in der Umsetzung? Wie erfolgt die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und nichtstaatlichen Trägern der politischen Jugendbildung und -arbeit? Antworten auf diese Fragen werden VertreterInnen ukrainischer NGO´s der politischen Jugendbildung erhalten, die an einer Bildungsreise vom 30.11. bis 6.12. nach Berlin teilnehmen. Die Bildungsreise erfolgt im Rahmen des vom Auswärtigen Amt geförderten Projekts zur Stärkung von nichtstaatlichen Trägern der politischen Jugendbildung in der Ukraine. Zuvor hatten die TeilnehmerInnen an einem Vernetzungstreffen und Workshop (20./21.11.) in Kiew teilgenommen, wo unter anderem auch Möglichkeiten der Zusammenarbeit, der Finanzierung, sowie die allgemeine Entwicklung im NGO-Sektor thematisiert wurde. In Berlin wird es neben Terminen mit Sandra Hildebrand, Referentin für Jugendpolitik bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, und Bjorn Eggert, Jugend- und Familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, einen Austausch mit verschiedenen Berliner Trägern und Projekten geben. Das dichtgedrängte Programm wird am Ende der Woche mit einem Informationsgespräch im Abgeordnetenbüro von Marieluise Beck (MdB) zur aktuellen Situation und den Entwicklungen im vergangenen Jahr in der Ukraine abgerundet.

8) Videoworkshop und Synagogenbesuch: Neue Veranstaltungen von „glauben. leben. in berlin“

Mit der Kamera in der Hand in Berlin (inter)religiösen und (inter)kulturellen Themen nachspüren:  Das haben sich für den 29. und 30. 11. vier Drehteams vorgenommen, die sich im Rahmen des DRA-Projekts „glauben. leben. in berlin“ formiert haben. Bei einem Workshop, der am 23.11. im muslimischen Interkulturellen Zentrum für Dialog und Bildung (IZDB, Berlin-Wedding) stattfand, entwickelten sie dazu Sujets und Konzepte. Außerdem erläuterte der Workshopleiter, der Regisseur und Kameramann Johan Robin, den Umgang mit der Kamera. Die TeilnehmerInnen haben einen muslimischen, jüdischen, christlichen oder Bahá`í-Hintergrund. Nach den Schnittterminen im Dezember werden ihre vier Doku-Clips auf www.glaubenlebeninberlin.de und bei Projektveranstaltungen zu sehen sein. Ebenfalls am 23.11. besuchte eine interreligiös gemischte Gruppe die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße. Die TeilnehmerInnen nutzten insbesondere die Gelegenheit, bei einem langen Gespräch mit Rabbiner Daniel Alter unterschiedlichste Fragen zum Judentum zu stellen. Der DRA verwirklicht „glauben. leben. in berlin“ in Kooperation mit dem IZDB und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Das Projekt wird vom Europäischen Integrationsfonds und vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin kofinanziert.

9) RNEI: Angelina Davydova in internationalen Beratungsgremien aktiv

Angelina Davydova, Direktorin von RNEI, hat als Mitglied der neugegründeten „Global Reference Group“ (GRG) des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung am ersten Treffen dieser Gruppe im November in Berlin teilgenommen. Die GRG ist ein externes Beratungsgremium zur weiteren strategischen Ausrichtung des Werks, dem insgesamt 10 OrganisationsvertreterInnen aus den verschiedensten Ländern der Welt angehören. In Berlin sprachen die Mitglieder mit den Vorständen und ReferatsleiterInnen des Hilfswerks und diskutierten Vorschläge für dessen zukünftige Entwicklung. Weiterhin hat Angelina Davydova an dem Mitte November durchgeführten „Global Diplomacy Lab“ teilgenommen, welches von der diplomatischen Akademie des Auswärtigen Amts, der Quandt-Stiftung und der Robert-Bosch-Stiftung organisiert wurde. Über 30 junge Diplomaten, VertreterInnen von Forschungseinrichtungen und NGOs diskutierten an vier Tagen die Perspektiven einer sich verändernden Diplomatie, insbesondere der public diplomacy. Konkrete Themen waren die Ebola-Epidemie, aktuelle Krisen in der Welt, ökologische Probleme und die Folgen des Klimawandels, Fragen zur Entwicklung sozialer Netzwerke und neuer Kommunikationsmodelle sowie die Problematiken von Migration und Integration. Am Ende des Seminars wurde Angelina Davydova gemeinsam mit drei weiteren TeilnehmerInnen in den Beirat gewählt, der die nächste Sitzung des Global Diplomacy Labs in Istanbul vorbereiten wird.

10) Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft

Zum zweiten Mal in diesem Jahr halten sich junge Sportjournalisten und Fanbetreuer aus der Ukraine, Belarus und Russland zu einem einwöchigen Seminar in Berlin auf. Unter dem Dach des DRA e.V. organisieren Ingo Petz und Peter Liesegang in Kooperation mit dem Berliner Fanprojekt eine „geführte Tour” zu den vielfältigen Erscheinungsformen der Fußball-Fankultur in Berlin. Fanprojekt, Polizei, Fanbetreuer der Vereine, Vertreter von Ultra-Gruppen und andere Fan-Gruppierungen, deutsche Sport-Journalisten sowie weitere Gesprächspartner vermitteln den osteuropäischen Seminarteilnehmern ein lebendiges Bild von zivilgesellschaftlicher Fanarbeit und zivilgesellschaftlichem Fanengagement sowie der sozialpädagogischen Arbeit mit Fans wie auch von Sicherheitskonzepten rund um den Fußball. Konkret sind diesmal sechs TeilnehmerInnen aus der Ukraine, vier aus Belarus und zwei aus Russland angereist; unter ihnen auch aktive Fans, VertreterInnen von Fan-Netzwerken, sowie Fanbetreuer von Fußballvereinen in der Ukraine und Belarus. Das Seminar wird nach dem Besuch des Spiels Hertha BSC gegen FC Bayern München am Samstag mit einem “vorweihnachtlichen” Grillen im Fanprojekt Berlin am Sonntag seinen Abschluss finden.

11) DRA/St. Petersburg: Bridge it! Abschlussseminar in Tartu

Vom 27.-30. November findet im estnischen Tartu das Abschlussseminar des Programms Bridge it! statt. Damit endet die letzte Etappe des sechsmonatigen Bildungsprogramms, welches zum Ziel hat, junge Leute aus dem Baltikum in dessen Entwicklung, das Finden von Lösungen für aktuelle soziale Probleme und die Etablierung guter nachbarschaftlicher Beziehungen einzubeziehen. Bridge it! wird vom DRA/St. Petersburg bereits im dritten Jahr in Folge durchgeführt. An dem laufenden Programm nahmen 27 junge Erwachsene aus Russland, Estland, Lettland und Litauen teil, von denen sich 22 in Tartu trafen, um ihre in den letzten Monaten umgesetzten Projekte zu präsentieren. Das Hauptziel des Treffens liegt vor allem darin, die während des Programms gewonnen Erfahrungen zu reflektieren und mit den anderen TeilnehmerInnen und ProjektorganisatorInnen zu diskutieren. Gemeinsam mit den jeweiligen MentorInnen werden die Ergebnisse der durchgeführten Projekte analysiert, die sich u.a. den Themen Umgang mit Waldressourcen, Kunstpädagogik mit Kindern mit begrenzten Möglichkeiten, einer sinnvollen Freizeitgestaltung, Sportveranstaltungen und lokalen Tauschbörsen für gebrauchte Sachen widmeten. „2014 ist das erste Jahr, in dem die Organisation `Domus Dorpatensis`(DD) aus Tartu Partner von Bridge it! ist“ sagt Age Tomson, Leiter des Projekts DD Akadeemia, die das Abschlussseminar organisiert hat. „In diesem Jahr haben am gesamten Programm zwei junge Frauen aus Estland teilgenommen – Sille Sepp aus Haapsalu, Studentin der Soziologie, und die Jura-Studentin Marit Joost. Am 27. November präsentieren wir das Programm Bridge it! in der Tartuer Universität, wodurch wir hoffen, mehr Interessierte aus Estland und den anderen baltischen Ländern für die Teilnahme im kommenden Jahr begeistern zu können.“ Die SeminarteilnehmerInnen erhalten auch die Gelegenheit Annegret Wulff, Programmleiterin des Theodor-Heuss-Kollegs, aus dessen Mitteln Brigde it! finanziert wird, zu treffen. Annegret Wulff wird die Arbeit des Kollegs in Europa und anderen Regionen vorstellen und Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung über Bridge it! hinaus vorstellen.

12) Queerer Fachaustausch: Die bunte Brücke soll auch zukünftig weitergebaut werden

Eine so gut informierte Besuchergruppe habe sie noch nie gehabt, meinte Alexandra Gurinova, Mitarbeiterin der Deutschen AIDS-Hilfe, nach der Diskussion mit 15 Gästen aus Moskau über Fragen von HIV-Prävention und Aids-Hilfe. Die Meinung dieser Referentin teilten alle Vereine, Organisationen, Politiker und Vertreter der Berliner Senatsverwaltung, die zu Gesprächen mit sieben lesbischen Frauen, sieben schwulen Männern und einer transidentischen Frau aus Moskau zum kamen. Der DRA hatte vom 2. bis 8. November im Rahmen der Initiative „Raduga-Brücke Berlin-Moskau“ fachkundige VertreterInnen aus der russischen Hauptstadt in die Partnerstadt Berlin geladen, um sich ein Bild von der Arbeit vor Ort zu machen, sich kennen zu lernen und über gemeinsame Projekte sowohl in Moskau als auch zwischen Moskau und Berlin nachzudenken. Die Studienreise vermittelte den russischen Gästen einen umfassenden Einblick in die schwul-lesbische Szene Berlins. Das Besuchsprogramm reichte von einer Ausstellung zu 150 Jahren homosexueller Emanzipation über Freizeitvereine für Sport bis zur professionellen Schwulenberatung mit ihren 130 Angestellten. Die MoskauerInnen berichteten dabei auch von dem repressiven Alltag und ihren Problemen bei der Selbstorganisation. So wurde angemerkt, dass die Studienreise für viele eine seltene Gelegenheit darstellte, andere Moskauer Aktive kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Nach fünf intensiven Arbeitstagen fiel das Fazit des Fachaustausches zwischen den Communitys beider Städte positiv aus. Es wurden einige gemeinsame Projektideen auf den Weg gebracht und neben weiteren gegenseitigen Besuchen wünschen die TeilnehmerInnen aus Moskau auch konkrete Hilfe aus Berlin beim Aufbau eines neuen Begegnungszentrums und die Möglichkeit zum stetigen Austausch über Fachthemen sowie die Umsetzung gemeinsamer Projekte und Veranstaltungen. Der Anfang für eine dauerhafte „Regenbogen-Brücke“ ist gemacht, die auch der DRA weiterhin mitgestalten will.

13) Unterstützung für ukrainische Flüchtlings- und Menschenrechtsarbeit: Studienreise vom 29.11. bis 6.12. nach Berlin

Im Oktober und November haben in Kiew vier Seminare im Rahmen des Projekts „Empowerment von Menschenrechts-NGOs aus der Süd- und Ostukraine“ stattgefunden. Vorwiegend deutsche, aber auch ukrainische Experten, bildeten die MitarbeiterInnen verschiedener NGOs, die vornehmlich im Bereich der Flüchtlingshilfe aktiv sind, zu folgenden Themen weiter: „Stärkung von Kompetenzen für die Arbeit mit traumatisierten Menschen“, „Diversity, Vorurteile, Diskriminierung?“, „Soziale Arbeit und community development. Ansätze für die Unterstützung von Binnenvertriebenen“, „Risiko- und Krisenmanagement für Nichtregierungsorganisation“. Insgesamt nahmen an den Weiterbildungen knapp 70 MultiplikatorInnen teil, deren Organisationen zur Zeit in den Städten Kiew, Charkow, und Kramatorsk ihren Sitz haben, zum großen Teil aber ursprünglich aus der Süd- und Ostukraine stammen. Am Samstag, den 29.11.2014, kommen nun 20 TeilnehmerInnen dieser Seminare für eine Woche nach Berlin, um hier mit deutschen NGOs aus dem Bereich der Flüchtlings- und Menschenrechtsarbeit zusammenzutreffen, mit diesen Erfahrungen auszutauschen und Kontakte für eine weitere Zusammenarbeit aufzubauen. Außerdem werden die MitarbeiterInnen von acht ukrainischen NGOs aus den Städten Kiew, Charkow und Kramatorsk in einem öffentlichen Gespräch über Ihre Arbeit, die gegenwärtigen Ereignisse in der Ostukraine und die Situation der Binnenvertriebenen in der Ost- und Westukraine berichten (siehe Veranstaltungshinweis oben)