DRA Newsletter November 2013


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Erinnerung: Morgen, Samstag, 30.11., 18 Uhr, offene DRA-Mitgliederversammlung

Der Vorstand und die Geschäftsführung des DRA laden alle Vereinsmitglieder und Interessierte sehr herzlich zur zweiten Mitgliederversammlung in diesem Jahr ein. Das Treffen findet bereits morgen statt – am Samstag, den 30.11., um 18 Uhr im Restaurant „Walden“, Choriner Straße 35, 10435 Berlin (Prenzlauer Berg). Vorgestellt werden die aktuelle Projektarbeit des DRA und aus aktuellem Anlass die Aktivitäten im Zivilgesellschaftsforum EU-Russland. Ab 20 Uhr soll der Abend dann informell ausklingen.

2) Herbstgespräche: Kritik an Migrationspolitik, Debatte um Flüchtlinge

Die Lage von Flüchtlingen in der EU und von Arbeitsmigranten in Moskau, die Chancen und Versäumnisse staatlich gesteuerter Migration und die Frage, ob die Erfahrungen in Deutschland als Vorbild für russische Integrationspolitik taugen – das waren nur einige der spannenden Diskussionsthemen bei den 18. Deutsch-Russischen Herbstgesprächen am 15. November in Berlin. Unter der Überschrift „Zuwanderer, Emigrantinnen, Gastarbeiter“ diskutierten etwa 170 Gäste und 14 ExpertInnen in der Französischen Friedrichstadtkirche einen Tag lang, was beide Länder migrationspolitisch bewegt. Bei den Gästen besonders nachgefragt: das Forum „Tschetschenen in Deutschland“. Hier debattierten sehr kontrovers u.a. der inoffizielle Vertreter der russischen Teilrepublik Tschetschenien in Deutschland, Amerkhan Varaev, und die Vorsitzende der Moskauer Flüchtlingshilfsorganisation „Zivile Unterstützung“, Svetlana Gannuschkina, über Menschenrechtsverletzungen vor Ort und die Gründe für die vermehrte Zahl von tschetschenischen Flüchtlingen in Deutschland. Zuvor hatte der ehemalige Vizedirektor des Föderalen Russischen Migrationsdienstes und Leiter der Stiftung „Migration 21. Jahrhundert“, Vyacheslav Postavnin, das Fehlen eines klaren Konzeptes in der russischen Migrationspolitik kritisiert und der Verwaltung eine Mitschuld an ausländerfeindlichen Übergriffen gegeben. Vertreter von deutschen und russischen Migrantenorganisationen berichteten derweil von ihren Erfahrungen in beiden Ländern. Ein weiterer Themenschwerpunkt waren interreligiöse und interkulturelle Aspekte von Zuwanderung. Die 18. Deutsch-Russischen Herbstgespräche wurden vom DRA und der Evangelischen Akademie zu Berlin veranstaltet und von der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert.

3) Bildungspolitik für Pädagogen

Wie arbeitet eine Grundschule mit 90 Prozent Migrantenanteil? Wie begeistert man Schüler für ehrenamtliches Engagement? Und wie können Lehrer und andere Pädagogen ihre Interessen politisch durchsetzen? Diesen und weiteren Fragen gingen die Teilnehmer_innen einer vom DRA organisierten Bildungsreise zum Thema „Nachhaltige Bildungspolitik. Konzepte und Methoden“ nach. 20 Schuldirektor_innen und Lehrer_innen aus dem Moskauer Gebiet waren vom 3. bis 10. November an jenen Orten in Berlin unterwegs, wo Bildungspolitik gemacht und umgesetzt wird. Die Gruppe, die von DRA-Mitarbeiter Roman Elsner betreut wurde, sprach mit Bildungsexperten im Bundestag und in der Berliner Senatsverwaltung, mit Lehrern verschiedener Schulformen und mit Universitätsvertretern. Auf besonders großes Interesse stießen vergleichsweise neue pädagogische Konzepte wie die Ausbildung und der Einsatz von Schülern als Streitschlichter oder Lernen durch soziales Engagement. Die Pädagogen aus Russland, die dem Verein „Allianz führender Bildungseinrichtungen im Moskauer Gebiet“ (ALOP) angehören, zeigten sich zudem beeindruckt von der Zusammenarbeit von Verwaltung und Bildungseinrichtungen. Für das Jahr 2014 sind weitere Bildungsreisen geplant.

4) Experten stellen Umwelt-Studie in Warschau vor

Bei der Weltklimakonferenz in Warschau ist die im Oktober vom Russisch-Deutschen Büro für Umweltinformation (RNEI) herausgegebene Studie „Nachhaltige Entwicklung in Russland“ vorgestellt worden. Vor Vertretern von NGOs, Journalist/innen und Aktivist_innen berichteten Autoren der Studie im Büro der Friedrich Ebert Stiftung Warschau über aktuelle umweltpolitische Themen. Georgiy Safonov von der Moskauer Higher School of Economics erläuterte den Einfluss des Klimawandels auf die russische Wirtschaft. Seine Prognose: Bis 2050 wird der russische Agrarsektor 17 Prozent seiner Erträge verlieren. Aleksey Kokorin vom WWF kritisierte, dass die russische Verwaltung dem Thema zu wenig Aufmerksamkeit schenke. Die russische Klimapolitik könne als „Window Dressing“ (Schönfärberei) bezeichnet werden.
Die RNEI-Studie versammelt Artikel von über 30 russischen Fachwissenschaftler_innen, Journalist_innen und Umweltschützern zu Aspekten wie Klimapolitik, Umweltbildung oder der Beteiligung Russlands an internationalen Projekten (zum Download). Sie ist erschienen mit Unterstützung von Brot für die Welt, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Friedrich Ebert Stiftung.

5) Städtepartnerschaft Berlin-Moskau: Erinnerung, Jugendarbeit, Begegnung

Zeitgeschichte und Erinnerungspolitik, Jugendarbeit und Jugendbegegnung – das waren in den vergangenen Wochen Schwerpunkte im vom DRA betreuten Jugend- und Fachkräfteaustausch im Rahmen des Städtepartnerschaftsprogramms Berlin-Moskau. Eine erste Reise beschäftigte sich dabei mit staatlich sanktionierten Formen von Erinnerung, aber auch mit privatem Gedächtnis und Gedenken. Jugendliche aus der Freizeiteinrichtung Bungalow und dem Kinder- und Jugendhaus Mariendorf (KiJuM) trafen in Moskau auf Kriegsveteranen und Studierende, um mehr über die russische Sicht auf den Zweiten Weltkrieg zu erfahren. Eine Diskussionsrunde mit Studierenden der Universität für Finanzen und Industrie „Sinergija“ zeigte die große Relevanz, aber auch die Wirkung von Tabuisierungen, die das Thema in Russland bis heute hat.
Dass interkulturelle Begegnung auch ohne perfekte Fremdsprachenkenntnisse funktioniert, erfuhren derweil Teilnehmer_innen eines weiteren Programms, das die Berliner Technische Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg), das Jugendhaus für wissenschaftliche Kreativität und den Palast für Kinder- und Schülerkreativität „Intellekt“ (beide Moskau) verband. Unter dem Motto „Wir bauen eine Brücke zur Welt“ trafen sich Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 16 Jahren in Berlin in der Jugend-Technik-Schule der tjfbg zum Bau von Kurzwellenempfängern. Das gemeinsame Vorwissen schuf die Voraussetzung zur Verständigung – die Sprache der Schaltzeichen ist international.
Im Rahmen einer dritten Austauschreise gingen Fachkräfte vom Moskauer Institut für internationale sozial- und geisteswissenschaftliche Beziehungen und dem städtischen Departement für Kultur in Berlin der Frage nach, wie freie Träger und Verwaltung im Bereich Jugendarbeit zusammenwirken. Die Delegation besuchte unter anderem das Mehrgenerationenhaus Phoenix, das mit etwa 70 – zum Teil russischsprachigen – Freiwilligen und Ehrenamtlern zusammenarbeitet.
Die Reisen wurden von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft sowie vom Departement für Kultur der Stadt Moskau gefördert. Für 2014 sind weitere Maßnahmen geplant.

6) Lebende Bücher klären auf

Was bewegt einen Obdachlosen in Russland? Oder eine Transsexuelle? Und wieso lebt ein Veganer eigentlich vegan? Bei der „Lebenden Bibliothek“, die der DRA St. Petersburg im Rahmen der interaktiven Jugendmesse „MOSG-Fest“ am 27.11. auf dem Petersburger Messegelände organisierte, konnte jeder Interessierte Antworten auf diese Fragen finden – und zwar bei den „Betroffenen“ selbst. Etwa 50 Besucher_innen meldeten sich zu einem Gespräch mit ihrem „Wunschbuch“ an, also mit einem Menschen, der eine sonst marginalisierte Identität oder Lebenssituation verkörpert. In den persönlichen Gesprächen erhielten die „Leser“ unter anderem Einblick in das Leben eines Arbeitsmigranten, einer Feministin, einer Muslimin und eines Behinderten. Der DRA St. Petersburg hatte dieses Konzept bereits bei anderen Veranstaltungen eingesetzt und will es auch in Zukunft als alternative und erfolgreiche Form sozialer Arbeit anbieten.