DRA Newsletter November 2012


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder Fördermitgliedschaft! Der Verein finanziert sich ausschließlich durch projektgebundene Zuwendungen, Mitgliedsbeiträge und private Spenden. Ohne Ihre Unterstützung ist unsere Arbeit unmöglich. Herzlichen Dank!    

Jetzt spenden!

Besuchen Sie den DRA auf Facebook: facebook.de/DRAberlin


Inhalt

1) Petersburger Dialog: Träger oder Hindernis zivilgesellschaftlicher Verständigung?

Der Petersburger Dialog (PD), der vom 14.-16.11. in Moskau stattfand, hinterließ auch in diesem Jahr höchst widersprüchliche Eindrücke. Erneut bot er rund 250 Expert_innen aus Deutschland und Russland ein Forum für Begegnungen und die weitere Vernetzung. Erneut aber war die Sitzungszeit der Arbeitsgruppen viel zu knapp bemessen, und so kam es nicht zuletzt auch in den Plenen zu keiner einzigen relevanten Diskussion. Mit der Unterbringung im Moskauer Luxushotel „Ukraina“ wollten die Gastgeber den PD offenbar zum Staatsempfang machen – aber den von dem Forum beanspruchten zivilgesellschaftlichen Gedanken führte dies ad absurdum. In der AG Zivilgesellschaft war die russische NGO-Szene leider weniger breit repräsentiert als bei einem Vortreffen im Saal von Memorial Moskau, das die AG-Koordinatoren Andreas Schockenhoff und Michail Fedotov erstmals initiiert hatten. Das derzeitige Hauptthema wurde bei beiden Treffen deutlich: Es ist das am 21.11. in Kraft getretene Gesetz, das NGOs mit internationaler Finanzierung, die „die öffentliche Meinung beeinflussen“, zur Registrierung als „ausländische Agenten“ zwingen soll. Die AG verabschiedete auch ein Grundsatzdokument als Richtschnur für die Aktivitäten der nächsten Jahre, das ihr Selbstverständnis und die Bedeutung von zivilgesellschaftlichem Engagement in der Gesellschaft beschreibt. Gerade infolge der rabiaten Beschneidung der Bürgerrechte in Russland seit Beginn von Putins dritter Präsidentschaft und einer kritischen Bundestagsresolution dazu kurz vor dem Treffen in Moskau wurde der PD diesmal besonders stark beachtet. Dies war in der großen Anspannung der Veranstalter zu spüren, die ihren Weg auch nach eigenem Bekunden weiterhin darin sehen, Kontroversen jeder Art zu umgehen. Umso gewichtiger war der so unverstellte wie freundschaftliche Auftritt, mit dem Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Abschlusstreffen die Prinzipien eines offenen Dialogs verteidigte. Das dagegen gesetzte Argument der Kreml-Vertreter, dass sich auch die EU-Länder hinsichtlich der Einlösung ihrer demokratischen Prinzipien in der Praxis hinterfragen lassen müssen, ist nicht falsch. Als Begründung dafür, sich jeder Kritik zu verweigern, taugt es jedoch nicht. Der Petersburger Dialog 2012 hat bestätigt: Will man eine wirkliche Tragfähigkeit dieses Formats, bedarf es ausführlicher Debatten in den Arbeitsgruppen, der Bereitschaft zu echter Offenheit auf beiden Seiten und auch einer weiteren Pluralisierung und Verjüngung in den Lenkungsausschüssen. Gleichzeitig erklärten in Moskau mit Wilfried Bergmann und Lothar de Maizière gleich zwei deutsche Mitglieder des Lenkungsausschusses, dass die AG Zivilgesellschaft eine letztlich seltsame Einrichtung sei, da doch alle am PD Beteiligten – also auch alle staatlichen Funktionsträger, Unternehmer usf. – „Zivilgesellschaft seien“. Das aber verfälscht den Begriff, der auf das politisch-gesellschaftliche Engagement unabhängiger Bürger_innen abzielt. Eine etwaige Aushebelung der AG Zivilgesellschaft im Petersburger Dialog würde dessen Grundlage und Legitimität einmal mehr in Frage stellen. 2013, wenn die deutsch-russischen Regierungskonsultationen aufgrund der Bundestagswahl voraussichtlich ausfallen, hätte der PD eine nächste Chance, sich zu einem unabhängigen pluralistischen Forum handelnder Bürger_innen zu entwickeln. Es wäre zu wünschen, dass die Organisatoren beider Seiten sie nutzen.

2) DRA startet EU Study Weeks in russischen Regionen – Auftakt in Wolgograd

Der DRA Berlin beginnt im Dezember ein dreijähriges Seminarprogramm zu den EU-Russland-Beziehungen. Bis 2015 wird der Verein jährlich vier mehrtägige „EU Study Weeks“ für je 30 bis 40 russische Studierende und Absolventen in den verschiedensten Regionen Russlands durchführen. Eine entsprechende Ausschreibung der EU-Kommission hat der DRA kürzlich zum zweiten Mal nach 2007/2008 gewonnen. Die erste EU Study Week findet vom 8.-10. Februar in Wolgograd statt, Interessent_innen aus den Hochschulen des Südlichen Föderalen Bezirks können sich ab 8. Dezember über die Programm-Website bewerben. Weitere Seminare sind im Mai/Juni in Ekaterinburg, im September in Vyborg nahe der finnischen Grenze sowie im Oktober in Nischnij Novgorod geplant. Die Veranstaltungen finden in engem Kontakt mit den Universitäten und Hochschulen der umliegenden Regionen statt. Eingeladen werden jeweils paritätisch russische und europäische Expert_innen aus Politik, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft. Schwerpunkte sind u.a. die grenzübergreifende Kooperation EU-Russland, aktuelle Themen wie Visafragen, das Partnerschaftsabkommen, die Wirtschaftszusammenarbeit sowie die bürgerschaftliche Ebene der Beziehungen. Zum Projektteam gehören die Politologin Aigul Sembaeva, die Trainerin Elena Razumovskaya (beide DRA St. Petersburg) sowie Elena Belokurova, Leiterin des Zentrums für Deutschland- und Europastudien der Staatlichen Universität St. Petersburg und Dozentin der Europäischen Universität Petersburg. Mehr Informationen siehe HIER.

3) RNEI unterstützt Expertenarbeit auf UN-Klimagipfel in Doha – Dossier auf Webportal

Beim UN-Klimagipfel in Doha (Katar), der noch bis zum 9.12. dauern wird, unterstützt das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation (RNEI) des DRA vor Ort die Mitwirkung russischer Expert_innen und NGO-Vertreter_innen bei den Verhandlungen. Wie schon 2011 beim UN-Klimagipfel in Durban organisiert der RNEI für sie ein spezielles Begleitprogramm, das u. a. Treffen mit Kolleg_innen aus Deutschland sowie aus Ländern der südlichen Hemisphäre umfasst. Zu den Teilnehmer_innen gehören Olga Senova und Jekaterina Uspenskaja von der Russischen Sozial-Ökologischen Union (RSOES), einer Dachorganisation für viele regionale Umwelt- und Klima-NGOs in Russland. Beide werden auch einen Blog über die Verhandlungen führen. Alexander Loschkin, der in Perm und Novosibirsk arbeitet, und Danijar Jussupov, der in St. Petersburg, im Leningrader Gebiet und in weiteren Regionen Russlands aktiv ist, sind auf die nachhaltige Entwicklung von Städten und Regionen sowie auf die Sanierung ehemaliger Industriegelände spezialisiert. Mehrere der Expert/innen werden regelmäßig Beiträge für das russischsprachige Bulletin zu den Verhandlungen „Zwei Grad weniger“ verfassen (vgl. HIER). Die Leiterin des RNEI, Angelina Davydova, gestaltet nicht nur die Tätigkeit des RNEI beim UN-Gipfel in Doha inhaltlich, sondern berichtet zudem von dort für russische und internationale Medien. Ein täglich aktualisiertes Dossier mit deutsch- und russischsprachigen Dokumenten und Berichten zum Klimagipfel bietet die Website des RNEI (www.rnei.de/www.rnei.ru). Vom 2.-4. November hat in St. Petersburg eine vom RNEI unterstützte Vorkonferenz der russischen Umwelt-NGOs stattgefunden, auf der 53 Vertreter_innen aus 23 Regionen gemeinsame Erwartungen an die russische Regierung für Doha formulierten und Schritte für die Erreichung nationaler Klimaziele vorschlugen (siehe HIER). Die Arbeit des RNEI wird durch das Programm „Brot für die Welt“ des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung gefördert.

4) Jugendminister aus Udmurtien in Berlin – Fachkräfteaustausch geht 2013 weiter

Der udmurtische Minister für Jugendangelegenheiten, Vladimir Soloviev, stand an der Spitze einer fünfköpfigen Delegation aus Ischevsk, die sich vom 28.10. bis 4.11. in Berlin aufhielt. Der 1997 vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin ins Leben gerufene und seit 2009 vom DRA betreute Fachaustausch zwischen Berlin und dem Jugendministerium der russischen Teilrepublik beging in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum organisierte der DRA am 29.10. in den Räumen des Paritäters Berlin eine öffentliche Diskussion über die Jugendhilfe in Deutschland und Russland, zu der neben den Ischevsker Gästen dieses Jahres auch Programmteilnehmer_innen aus vorigen Jahren kamen. Zur Eröffnung sprach die Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, Prof. Barbara John. Nach einer Evaluierung des bisherigen Programmverlaufs unterzeichneten Vladimir Soloviev und Holger Löbell (DRA) eine Zielvereinbarung zu den Formen und Inhalten des Austauschs in den nächsten Jahren. Auf dem Fachprogramm der Delegation in Berlin standen Diskussionen mit Trägern der Jugendarbeit sowie Treffen in der Senatsverwaltung für Jugend und beim Jugendamt im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf, bei denen die Kooperation zwischen öffentlichen und freien Trägern erläutert wurde. Beim Paritätischen Berlin informierte der Jugendreferent Andreas Schulz die Gäste über die Funktion eines Dachverbandes für freie Träger der Jugendhilfe. Der DRA führt das Programm mit Mitteln der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch und mit Unterstützung des Paritäters Berlin durch.

5) Trinationales Schülerprojekt zu Menschenrechten: erstes Treffen in Petersburg

„Was heißt hier anders? UnNormalitäten in Deutschland, Russland und Polen“ – so heißt ein neues DRA-Schülerprojekt, dessen erste Runde vom 4.-11. November in St. Petersburg stattfand. Eine Woche lang befassten sich dabei 21 Schüler_innen aus den drei Ländern mit der Geschichte der Menschenrechte. Zugleich gewannen sie Einblicke in unterschiedliche Lebensweisen im heutigen Russland: Sie interviewten u.a. Menschenrechtler, Migranten, LGBT-Aktivisten, aber auch ausländische Studierende und behinderte Künstler und hatten dabei vielfach Gelegenheit, ihren Blick zu erweitern und stereotype Vorstellungen in Frage in stellen. Mit einer Stadtrallye zu historischen Themen und Menschenrechtsfragen entdeckten die Jugendlichen St. Petersburg jenseits touristischer Eindrücke. Mehr über die Lebenswirklichkeit zur Sowjetzeit erfuhren sie durch einen Besuch im Museum für politische Geschichte und einen „Kvartirnik“ – also einen jenen Rock-Sessions in Privatwohnungen („kvartiry“) nachempfundenen Abend, die in Jahren, als diese Art von Musik offiziell unerwünscht war, ein Element der städtischen Subkultur bildeten. Die nächste Begegnung findet vom 8.-15. Februar 2013 in Wroclaw statt und steht unter dem Motto „Was hat das Recht auf Selbstbestimmung mit mir zu tun?“ Tanja Borisova vom DRA Berlin führt das Projekt im Rahmen des Förderprogramms „Europeans for Peace“ der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und gemeinsam mit Olga Skobina vom DRA St. Petersburg (NRO) sowie der Organisation der deutschen Minderheit in Schlesien „Towarzystwo Spoleczo-Kulturalne Niemcow Wojewodztwa Slaskiego“ (Wroclaw) durch.

6) Partnerschaft Berlin-Moskau: Fachaustausch und neue Jugendprojekte

Berliner Fachleute der Jugendarbeit hielten sich vom 29.10.-2.11. zu einem offiziellen Besuch in der russischen Hauptstadt auf. Zur Delegation gehörten dieses Mal Mitarbeiter_innen des Kinder- und Jugendhauses Mariendorf (KiJuM), der Jugendfreizeiteinrichtung Bungalow, des Kinderrings Berlin e. V. und des Sozialpädagogischen Fortbildungsinstituts Berlin-Brandenburg (SFBB) sowie Roman Elsner (DRA). Gastgeber war das Moskauer Städtische Zentrum für Pädagogik und Sozialarbeit des Departements für Familien- und Jugendpolitik. Auf dem Programm standen Gespräche zu künftigen Vorhaben sowie Besuche in Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, darunter eine Kindertagesstätte, das Jugendzentrum „My vmeste“ und eine Berufsfachschule. Dabei ergaben sich wiederholt spannende und konstruktive Diskussionen zwischen den russischen und deutschen Kolleg_innen zu unverkennbaren Unterschieden im Grundverständnis von Bildungs- und sozialpädagogischen Fragen. Deutlich wurde auch die wachsende Bedeutung, die Einrichtungen in freier Trägerschaft heute in Russland zukommt. Fest vereinbart wurde die Fortsetzung des Fachaustauschs zwischen dem Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg und dem Moskauer Städtischen Zentrum für Pädagogik und Sozialarbeit, an dem sich künftig auch die Moskauer Geisteswissenschaftliche Universität (RGGU) beteiligen wird. Für 2013 ist ein Jugendaustausch zu dem Schwerpunktthema „Zweiter Weltkrieg“ vorgesehen, in dessen Rahmen auch eine Begegnung mit russischen Veteranen stattfinden soll. Die Reise erfolgte im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Department für Familien- und Jugendpolitik Moskau und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Berlin. Mit der Gestaltung und Koordinierung des Programms, das sowohl Jugendprojekte als auch den Austausch zu jugendpolitischen Fragen umfasst, ist auf deutscher Seite seit 2011 der DRA beauftragt.

7) Im Januar/Februar 2013 einige Wochen lang Gastfamilie sein!

Im Rahmen des Schüleraustauschprogramms sucht der DRA noch eine interessierte Familie oder alleinstehende Person, die im Januar (bzw. evtl. zusätzlich Februar) 2013 für vier bis sechs Wochen einen 16-jährigen Schüler aus Kaliningrad aufnimmt.

8) Noch Plätze frei: Studienreisen nach Petersburg oder Minsk/Gomel!

Es ist eine besondere Gelegenheit, die russische oder belarussische Zivilgesellschaft vor Ort kennen zu lernen: Aktion Sühnezeichen, ein langjähriger Partner des DRA, führt dazu unter Leitung des DRA-Mitglieds Werner Falk 2013 zwei Studienreisen durch. Vom 20.-27.4.2013 geht es nach St. Petersburg (8 Tage, 990 Euro), vom 25.6.–7.7.2013 nach Minsk und Gomel (13 Tage, 960 Euro). Sowohl in Russland als auch in Belarus arbeiten seit vielen Jahren Freiwillige der ASF-Friedensdienste. So sind vertrauensvolle Beziehungen entstanden, die es ermöglichen, den Reiseteilnehmern in Begleitung deutschsprachiger Fachleute Einblicke in das Alltagsleben und das zivilgesellschaftliche Engagement in den besuchten Städten zu gewähren. Der Besuch touristischer Sehenswürdigkeiten ist ebenfalls vorgesehen. Mindestteilnehmerzahl: 10 Personen / Änderungen vorbehalten. Weitere Informationen HIER. Nachfragen und Anmeldung: Aktion Sühnezeichen Friedensdienste / Studienreisen, z. Hd. Werner Falk, Auguststraße 80, 10117 Berlin, Tel. 030/28395–214 (nur Di) oder –184, Mail: falk@asf-ev.de.

9) Erzählte Geschichte: Spannendes Bücherangebot von Memorial Deutschland

Zwei von der russischen Historikerin Irina Scherbakova herausgegebene Bücher bietet Memorial Deutschland e. V. derzeit zu vergünstigten Konditionen an. Für den Band „Russlands Gedächtnis“ (edition Körber Stiftung, 3. Aufl. 2004) zeichneten Jugendliche in Russland unterschiedlichste Zeitzeugenberichte auf – vom Rückblick auf ein Leben als ostsibirische Rentierzüchterin bis zu Erfahrungen im ersten Tschetschenienkrieg. Die zweite Publikation „Unruhige Zeiten“ (edition Körber-Stiftung, 2006) vereint ebenfalls von Schüler_innen gesammelte Lebensgeschichten aus Russland und Deutschland. Der Schwerpunkt liegt hier bei Erinnerungen an die Zeit des Zweiten Weltkrieges – an Front, Gefangenschaft, Holocaust, Vertreibungen, aber auch an Augenblicke der Menschlichkeit und Hoffnung. Beide Veröffentlichungen werden zu je 8 Euro (offizieller Ladenpreis: 14 Euro) oder im Paket zu 15 Euro (inkl. Versandkosten) abgegeben. Weitere Informationen HIER. Zu bestellen sind die Titel bei Dr. Vera Ammer v.u.th.ammer@gmx.net. Überweisungen bitte auf das Konto von Memorial (Kto.Nr. 3320000, BLZ 10020500, Bank für Sozialwirtschaft), Verwendungszweck „Schülerwettbewerb“. Memorial Deutschland e.V. ist der deutsche Zweig der 1988 in Russland gegründeten Menschenrechtsorganisation Memorial und ein langjähriger Kooperationspartner des DRA.

10) 20 Jahre DRA – VII: 2006-200710)

Dr. Hans-Jochen Vogel, früherer Bundesvorsitzender der SPD, der den DRA von Anfang an unterstützt hat, scheidet im März 2006 ruhestandsbedingt aus dem Beirat aus. In den vom DRA mit aufgebauten Social Partnership Centres in Rivne und Donezk (UA) werden im Mai Freiwilligenagenturen eröffnet. Im selben Monat übernimmt Stefan Melle die Geschäftsführung des Vereins, seine Vorgängerin Stefanie Schiffer wechselt in die Leitung der Europäischer Austausch gGmbH (EA). Im Juli nimmt der DRA am NGO-Gipfel „Civil G8“ in Moskau teil. Im Oktober ist er durch Stefan Melle beim Petersburger Dialog vertreten – der wenige Tage nach der Ermordung von Anna Politkowskaja in Dresden stattfindet. Die 11. Deutsch-Russischen Herbstgespräche von DRA, Heinrich-Böll-Stiftung und der Ev. Akademie Berlin widmen sich am 17./18.11 dem Thema „Xenophobie – Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Identitätspolitik in Russland und Deutschland“. Im November organisiert der DRA für die britische Wohltätigkeitsorganisation Charities Aid Foundation (CAF) eine Deutschlandreise für russische NGO-Mitarbeiter nach Deutschland. DRA Berlin und DRA St. Petersburg setzen 2006/07 ihre Freiwilligenvermittlung fort. Der DRA/Spb. gründet 2006 die Europäische Freiwilligenagentur St. Petersburg, schließt sein erstes Schüleraustauschjahr ab und führt u. a. die Festivals „Mach die Augen auf!“ und „ArtSobes“ gegen Rassismus bzw. Armut durch. Astrid Schorn übernimmt im Oktober von Hanno Gundert die Geschäftsführung. Im Rahmen des dreijährigen EU-Projekts „Civic Education Ukraine“, an dem der DRA mitwirkt, finden 2006/07 zahlreiche Workshops, Konferenzen statt, Lehrbücher und Leitfäden für Schulen und Behörden erscheinen. Ab 2007 wirbt der DRA im Auftrag der 2006 neu gegründeten Stiftung Deutsch Russischer Jugendaustausch in den ostdeutschen Ländern für Schulpartnerschaften und die russische Sprache. Im Herbst 2006 gewinnen DRA Bln. und DRA SPb. erstmals die EU-Ausschreibung für „EU-Study Weeks“ und führen diese Seminarzyklen zum Verhältnis EU-Russland 2007 in Samara, Petersburg, Petrosavodsk und Kasan durch. Die Ehrenamtsbörse DRA Bln. erhält im Februar das Qualitätssiegel der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen. Im April wird die vom DRA mit aufgebaute Freiwilligenagentur „ConVivere“ im belarussischen Gomel eröffnet. Erstmals findet auch der vom DRA organisierte und vom Auswärtigen Amt unterstützte Journalistenaustausch Berlin-Petersburg statt. Im Juni endet das mit Bestnoten evaluierte EU-Projekt „Stärkung der Zivilgesellschaft in der Ukraine“, in dessen Rahmen u. a. fünf „Zentren für soziale Partnerschaft“ in Riwne, Tscherniwzi, Donezk, Sumy und Cherson entstanden. Die 12. Deutsch-Russischen Herbstgespräche befassen sich am 26./27.10. mit den „Potenzialen ökologischer Modernisierung in Deutschland und Russland“. Im November erscheint die Neuauflage des „Deutsch-Russischen Handbuchs zum Berufseinstieg“ (Förderung: BMI, Robert Bosch Stiftung). DRA und Memorial beginnen im Dezember mit dem Aufbau eines Berufsbildungszentrums in Nordossetien. - Teil IX der Chronik folgt im Newsletter November.