DRA Newsletter November 2008


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) „Herbstgespräche“:Geschichte kein Mittel zur Tröstung

„Annäherung oder Entfremdung? – Einfluss der Geschichtspolitik auf das Verhältnis EU-Russland“: So lautete der Titel der diesjährigen Deutsch-Russischen Herbstgespräche am 21.-22. November. Auf Einladung des DRA, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Evangelischen Akademie Berlin versammelten sich etwa 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Organisationen in der Französischen Friedrichsstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt, um Erinnerungskonflikten in Mittel- und Osteuropa nachzugehen und Dialogperspektiven aufzuzeigen. So plädierte Boris Dubin vom Lewada-Institut Moskau für ein differenziertes Russland-Bild: Zwar nutze Moskau derzeit Geschichte als „Mittel zur Tröstung“ und Einigung sowie zur Verankerung von Großmachtambitionen, doch sei diese Einstellung nur für einen Teil der Gesellschaft repräsentativ. Ähnlich sah dies der Historiker Nikita Sokolow: „Es gibt ein Russland von Stalin und Dscherschinski, aber auch eins von Solschenizyn und Schalamow“. Der Geschäftsführer des DRA Stefan Melle sagte, dass ein kritischer Umgang mit der Geschichte einschließlich eigener Fehler Voraussetzung für jede Annäherung in historischen Konflikten sei. Er verwies auf die wichtige Rolle von NGOs in diesem Prozess. Der frühere estnische Ministerpräsident Mart Laar betonte, sein Land stehe nicht im Konflikt mit dem Nachbarland, sondern mit einer Ideologie: „Wir sind keine Opfer der Russen, sondern des Kommunismus“, resümierte er. Rainer Steenblock von der Bundestagsfraktion der Grünen erklärte, gerade die aktuelle Wirtschaftskrise, die Russland schwer treffe, könne dort Bereitschaft für einen neuen Dialog schaffen.

2) Berlin – Toruń – Rivne: Trainings für ukrainische NGOs

Seit März und noch bis zum Dezember 2008 verwirklicht der DRA gemeinsam mit dem „Rivne Social Partnership Centre“ (Rivne, Ukraine) und dem „Verein für Ungewöhnliche Maßnahmen Motyka“ (Toruń, Polen) das Projekt „Volontri - Freiwillig ohne Grenzen“. Schwerpunktanliegen ist die Stärkung der Zivilgesellschaft durch die Entwicklung der Freiwilligenarbeit auf regionaler und internationaler Ebene. Im Rahmen des Projektes wurden fünf soziale Organisationen aus dem Gebiet Rivne in der Westukraine auf die Aufnahme ukrainischer und ausländischer Freiwilliger vorbereitet. Mitarbeiter_innen dieser NGOs erhielten dazu mehrere Trainings. Im Juni veranstalteten „Motyka“ und der DRA für sie eine Studienreise nach Toruń und Berlin, wo die ukrainischen Kolleg_innen Organisationen kennen lernten, die seit Jahren erfolgreich mit Freiwilligen arbeiten. Mit ihnen tauschten sie Erfahrungen aus und knüpften Kontakte für künftige gemeinsame Projekte. Zum Abschluss des Projekts wird eine Broschüre erscheinen, die weitere NGOs in sechs Gebieten der Ukraine - Rivne, Wolhynien, Donezk, Cherson, Czernowitz und Sumy – zur Arbeit mit Freiwilligen informieren und motivieren wird. Die drei Projektpartner selbst planen, zukünftig untereinander Freiwillige auszutauschen. Das Projekt ist im Rahmen des Förderprogramms „Partnerschaft für gesellschaftliche Initiativen“ der Robert Bosch Stiftung, der Stefan Batory Stiftung aus Polen sowie der Stiftung für polnisch-ukrainische Zusammenarbeit PAUCI entstanden.

3) Jetzt bewerben: Als Freiwillige/r nach Nischni Nowgorod!

Im Rahmen des EU-geförderten Programms „Jugend in Aktion“ vermittelt der DRA fünf Freiwilligenplätze in Nischni Nowgorod (Russland). Der Aufenthalt reicht von März bis August 2009. Die Freiwilligen werden in vier sozialen Einrichtungen und Initiativen sowie einer Schule bei der Betreuung behinderter Kinder und Jugendlicher mitwirken. Ziel aller fünf Stellen ist es, die physische und geistige Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu fördern, sie auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten und ihnen die gesellschaftliche Integration zu ermöglichen. Wir suchen junge engagierte Menschen im Alter von 18-25 Jahren, die sich in Nischni Nowgorod sozial engagieren möchten und sich für Russland, die russische Gesellschaft und die dortige Situation behinderter Menschen interessieren. Grundkenntnisse des Russischen sind Voraussetzung.

4) Jugenddemokratiepreis: 2. Platz für DRA-Partner „Polit-Gramota“

Das Petersburger Studentenprojekt „Polit-Gramota" (dt. in etwa „Polit-Grundwissen“) hat beim europaweiten Jugenddemokratiepreis 2008 der Bundeszentrale für Politische Bildung den zweiten Platz erhalten. Die 2006 gegründete Initiative organisiert gemeinsam mit dem DRA St. Petersburg in Cafés und Clubs monatliche politische Debatten, die sich speziell an Jugendliche wenden und schnell bekannt geworden sind. Prinzip der von Sergei Simonow koordinierten Abende ist es, je zwei Akteure mit ihren Argumenten gegeneinander antreten zu lassen. Auf das Podium geladen werden Vertreter_innen des gesamten politischen Spektrums von der Opposition oder sozialen Protestbewegungen bis zur Staatspartei „Jedinaja Rossija“. Zu den bisherigen Themen gehörten u.a. die Schließung des British Council in Petersburg, einzelne Parteiprogramme und Regierungskonzepte, aber auch etwa die US-Präsidentschaftswahlen. Das Internetportal www.polit-gramota.ru dokumentiert die Debatten und bietet darüber hinaus aktuelle politische Analysen von Nachwuchspolitikern und den Redakteuren. Das Projekt wird von der Journalistischen Fakultät St. Petersburg unterstützt. Um den Jugenddemokratiepreis hatten sich europaweit 73 Projekte beworben. Sieger wurde das litauische Projekt „Jaunime, Rinkis Rimtai!“ („Youth, Vote Smart!“), der 3. Preis ging an „KidsCourage“ der Berliner Falken.

5) Fachtag: Betreuung von Pflegebedürftigen durch Freiwillige

Am 18. November fand im Nachbarschaftshaus Urbanstraße in Berlin-Kreuzberg der 9. Fachtag der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (LAGFA) statt. Thema war „Das neue Pflege-Weiterentwicklungsgesetz (PfWG): Herausforderungen, Chancen und Grenzen für die Freiwilligenarbeit“. Der veränderte gesetzliche Rahmen schafft mehr Möglichkeiten ehrenamtlicher Arbeit in der Pflege. Vor diesem neuen Hintergrund erörterten Referent_innen aus Wissenschaft, Bildung, Politik und Praxis sowie rund 40 Teilnehmer_innen u.a. die Abgrenzung von Profi- und Freiwilligenarbeit, Qualifizierungs- und Betreuungsangebote für die Freiwilligen selbst und Funktionen und Arbeitsweisen der Freiwilligenagenturen. Seitens des DRA war Bettina Bofinger als eine der beiden Sprecher_innen der LAGFA an der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung beteiligt. Eine Dokumentation der Tagungsbeiträge ist geplant.

6) Gesucht: Ehrenamtliche Übersetzer_innen!

Als Beitrag zum Engagement gegen Nationalismus und Xenophobie veröffentlichen der DRA und das Zentrum für Demokratische Kultur seit Jahresbeginn den monatlichen Newsletter „Blickpunkt Osteuropa - Demokratie und Extremismus“. Er versammelt Analysen, Fakten und aktuelle Chroniken vor allem zu rechtsextremistischen Ereignissen in Russland und der Ukraine. Der DRA sucht dafür noch ehrenamtliche Übersetzer_innen, die monatlich 2 bis 3 Seiten aus dem Russischen ins Deutsche übersetzen und die unser Redaktionsteam verstärken. Interessierte melden Sie sich. Der Newsletter wird kostenlos versandt und kann unter info@austausch.org bestellt werden. Außerdem ist er u.a. direkt auf der Homepage des DRA zu finden. Alle Ausgaben seit Mai sind dort im PDF-Format zugänglich.