DRA Newsletter Mai 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

wir brauchen Ihre Unterstützung. In diesem Jahr ganz besonders.

Deutsch-belarussischer Fachaustausch zur Inklusion von Kindern mit Autismus, Fußball-Fanbeziehungen vor der WM in Russland 2018, Kooperationen in Georgien zur Jugendbildung, Existenzgründerförderung im Nordkaukasus, ein neues OSZE-Infonetz und vieles mehr: Unser aktueller Newsletter zeigt erneut, wie vielfältig sich der DRA engagiert – thematisch wie geographisch.

Damit wir dies fortsetzen können, brauchen wir mehr denn je Ihre Spenden und Fördermitgliedschaften - als persönlichen Beistand für diese Arbeit, als Basis für eine zumindest minimale institutionelle Stabilität. Denn ohne diese Unterstützung sind wir nicht in der Lage, die fälligen Eigenmittel in Projekten aufzubringen und die Büromiete und andere unverzichtbare Grundlagen unserer Tätigkeit zu finanzieren.

Der DRA ist 2017 zudem gefordert, einen erheblichen Betrag aufzubringen, der es ermöglicht, das vom Verein bisher getragene EU-Russia-Civil Society Forum in die Selbstständigkeit zu entlassen. Wir bitten Sie daher gerade in diesem Jahr sehr herzlich um Ihre Spenden.

Noch mehr stärkt uns natürlich Ihre regelmäßige Hilfe durch eine Fördermitgliedschaft. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich dafür entscheiden könnten und danken Ihnen im Voraus sehr herzlich dafür. Wir werden auch weiter an dieser Stelle berichten, was wir mit Ihren Beiträgen tun.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung!

Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

Der DRA e.V. ist als gemeinnützig anerkannt. Spenden sind steuerlich abzugsfähig, Spendenquittungen werden zugesandt.

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Inhalt

 

1) 8. Juni, Nürnberg: Podiumsdiskussion zur Fußball-WM 2018 in Russland u.a. mit DFB-Präsident und DRA-Geschäftsführer – neues DRA-Projekt zu Fußball-Fankultur und WM

Am 8. Juni 2017, 19 Uhr, findet in Nürnberg bei der Deutschen Akademie für Fußballkultur eine Diskussion zum Thema "Fußball-WM in Russland und Menschenrechte" statt, an der neben Reinhard Grindel (Präsident des Deutschen Fußballbundes/DFB) und Martin Endemann (Fanvereinigung "Football Supporters Europe") auch Stefan Melle, Geschäftsführer des DRA, und der F.A.Z.-Sportredakteur Christoph Becker teilnehmen. Veranstaltungsort ist der Marmorsaal des Presseclubs Nürnberg. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung erforderlich unter info@fussball-kultur.org (Betreff: WM in Russland).

Für den DRA gehört die Beteiligung an der Veranstaltung zu einem notwendigen Diskurs zur bevorstehenden WM in einem autoritär regierten Land. Sie erfolgt im Rahmen des neuen DRA-Projekts "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft", das bis nach der Fußball-WM Faninitiativen, Vereine und Sportjournalisten aus Russland, Belarus, der Ukraine und Deutschland in Seminaren und Treffen zu Vernetzung, gegenseitigem Lernen und öffentlicher Debatte zusammenbringen wird (Koordinatoren: Peter Liesegang/Ingo Petz; Förderung: Auswärtiges Amt, German Marshall Fund u.a.). Geplant ist außerdem ein Medienmonitoring, das die Diskussionen in Osteuropa rund um die WM und gesellschaftliche Hintergründe im Ausrichterland spiegeln soll. Auch die Veranstalter in Nürnberg – Deutsche Akademie für Fußball-Kultur, Presseclub, das Menschenrechtsbüro der Stadt und das Nürnberger Menschenrechtszentrum – thematisieren in ihrer Einladung die problematische Menschenrechtslage im WM-Gastgeberland Russland und unterstreichen die politische Dimension großer Sportveranstaltungen, die Instrumentalisierungsrisiken, aber auch Chancen zu Auseinandersetzung und Begegnung berge.

Wie mehrere Berliner NGOs bestätigen, hat der DFB diesmal bereits vorab Kontakt gesucht, um sich beraten zu lassen. Derweil hat die russische Führung schon zum Confederation Cup im Juni 2017 sowie für den Zeitraum vor und während der WM 2018 die Verordnungen für jegliche öffentliche Veranstaltungen in den Ausrichterstädten verschärft – ob Kulturfest oder Demonstration, alle müssen vom Geheimdienst FSB genehmigt werden.

2) 28. Juni, Berlin: Kurzfilme und Gespräch mit Lev Gudkov (Levada-Zentrum) zur Utopie des "neuen Menschen" in der Sowjetunion

Der bekannte russische Soziologe und Direktor des Moskauer Levada-Zentrums Lev Gudkov ist Referent bei der zweiten Veranstaltung der DRA-Reihe "Die Oktoberrevolution und ihre Folgen: Rückblicke auf die Gegenwart".

Partner und Veranstaltungsort ist das Kino Krokodil (Berlin, Greifenhagener Str. 32). Am Mittwoch, den 28. Juni, 19 Uhr werden hier zunächst drei sowjetische Kurzfilme aus den 1920er- und 1930er-Jahren gezeigt - sie illustrieren dokumentarisch, humorvoll bzw. enthusiastisch die Utopie vom "neuen Menschen", der am Ende der bolschewistischen Revolution entstehen sollte. In einem anschließenden, von der Historikerin Irina Knyazeva moderierten Gespräch wird Lev Gudkov die Nachwirkungen des sowjetischen Erziehungsregimes mit dem daraus hervorgegangenen Menschentypus des sogenannten "Homo sovieticus" bis in die Gegenwart diskutieren. Bei der Veranstaltung wird russisch-deutsch gedolmetscht.

Im Herbst folgen drei weitere Veranstaltungen in der Reihe, die von der AG Geschichte des DRA organisiert und von der Stiftung Aufarbeitung gefördert wird.

3) DRA startet OSZE-Informations- und Netzwerkangebot für NGOs und andere Interessent/innen – Eintragung in Mailingliste möglich

Der DRA richtet ab Juni 2017 ein OSZE-Infonetz ein. Als Informations- und Netzwerkangebot für NGOs und andere zivilgesellschaftliche Interessent/innen zur Tätigkeit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), insbesondere hinsichtlich von Menschen- und Bürgerrechten sowie Rechtstaatlichkeit (Korb III), wird das Infonetz über eine deutschsprachige Mailingliste Nachrichten, Ausschreibungen und Berichte zu relevanten Aktivitäten bereitstellen. Zudem soll die Initiative ermöglichen, dass sich interessierte Akteur/innen enger vernetzen, die Mitwirkung an konkreten Maßnahmen absprechen und gemeinsam Empfehlungen an die Bundesregierung und die OSZE formulieren. Die Meldungen können über osze-infonetz@austausch.org abonniert werden. Sie erscheinen nach Bedarf und daher unregelmäßig. Über den gleichen Kontakt werden auch Anregungen, Fragen und Kommentare entgegengenommen.

Die OSZE ist die weltweit größte regionale Sicherheitsorganisation und entstand auf Basis der KSZE-Schlussakte von Helsinki (1975). Die im "Korb III" der Schlussakte festgehaltenen Anliegen betreffen menschenrechtliche und humanitäre Fragen wie die Werte des Rechtsstaats, die Informations- und Medienfreiheit, die menschlichen Kontakte sowie die Kooperation in Kultur und Bildung. Als wichtige Grundlage für demokratische Standards und zwischengesellschaftliche Verbindungen sind sie bis heute von großer Bedeutung, auch wenn bei der Umsetzung an vielen Stellen Defizite herrschen.

Das OSZE-Infonetz des DRA wird von Peter Wittschorek ehrenamtlich koordiniert. Es knüpft an eine ähnliche Informationstätigkeit im Rahmen des deutschen Vorsitzjahres in der OSZE 2016 an. Das neue Infonetz ist durch die Mitgliedschaft des DRA im OSZE-weiten zivilgesellschaftlichen Netzwerk der Civic Solidarity Platform eng in die internationale NGO-Kooperation eingebunden. Weitere Informationen HIER.

4) DRA-Nordkaukasusprojekt: sozioökonomische Stabilisierung, Bildung für Frauen und Engagement von Jugendlichen

Im gemeinsam mit russischen Partnern durchgeführten DRA-Projekt "Aussöhnung ermöglichen, Lebensperspektiven eröffnen: ein Beitrag zur sozioökonomischen Stabilisierung der Krisenregion Nordkaukasus" fand am 16. Mai in Sunscha (Republik Inguschetien) ein weiteres Mal ein Wettbewerb für Existenzgründer/innen um den besten Businessplan statt. Zugegen war dieses Mal auch die zuständige Koordinatorin des DRA, Andrea Gotzes, die sich im Rahmen einer mehrtägigen Reise vor Ort über die Projektaktivitäten in Nordossetien und Inguschetien informierte, mehrere mit Hilfe des Projekts entstandene Kleingewerbe besuchte und Gespräche mit Partnerorganisationen führte.

Die Business-Wettbewerbe des Projekts finden jeweils im Anschluss an Kurse für Existenzgründer/innen statt und bieten deren Teilnehmer/innen Gelegenheit, sich durch eine überzeugende Präsentation ihrer Geschäftsidee um eine zusätzliche Förderung zu bemühen. Dieses Mal ging der erste Preis an das Vorhaben zu einem landwirtschaftlichen Kleinbetrieb für Milchprodukte. Den zweiten Platz und den dritten Platz belegten Pläne zu einem Leder- bzw. einem Textilnähatelier. Das Preisgeld muss nachweislich zur Anschaffung betrieblicher Ausrüstungsgegenstände genutzt werden. Die Förderung von Kleingewerbegründungen ist ein zentrales Anliegen des Projekts und erfolgt vor dem Hintergrund hoher Arbeitslosigkeit und einem Mangel an realistischen Erwerbsperspektiven in der Region.

Zu den fortlaufend durchgeführten Maßnahmen gehören auch die weitere Begleitung gegründeter Kleingewerbe, juristische Beratungen, die Förderung von Frauen (Bildung, Hilfe bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit) sowie Aktivitäten zur besseren Vernetzung und Professionalisierung zivilgesellschaftlicher Gruppen und - vor allem in Nordossetien - zur Stärkung des gesellschaftlichen Engagement von Jugendlichen.

5) "Independent Resources for Civil Society!": DRA startet Nachfolgeprojekt zur NGO-Weiterbildung / Teilnahme an Konferenz "White Nights of Fundraising" in Petersburg

Mit dem Projekt "Independent Resources for Civil Society! Mehr Unabhängigkeit durch mehr Know-How für NGOs und Bürgerinitiativen in Russland und Belarus" startete der DRA im Januar die Fortsetzung des Vorjahresprojekts "Independent Resources for Civil Society! Russische NGOs für cross-sektorale Arbeit qualifizieren" (Förderung: Auswärtiges Amt), das russischen NGOs Weiterbildungen v a. zu Wegen der Mittelakquise (etwa durch soziales Unternehmertum) ermöglichte. Die neuen Aktivitäten werden bis Ende des Jahres erneut in Kooperation mit der russischen Partnerorganisation CRNO ("Zentrum zur Entwicklung von NGOs"), St. Petersburg, sowie erstmals mit dem langjährigen Partner des DRA aus Belarus "Soziale Projekte Gomel" durchgeführt.

Auch 2017 gehören zu den Maßnahmen "Massive Open Online Courses", die vielen Teilnehmer/innen gleichzeitig online Wissen zum Thema NGO-Fundraising vermitteln. Dazu kommen Fortbildungs- und Vernetzungsangebote für NGO-Mitarbeiter/innen oder soziale Unternehmer/innen in Petersburg, ein Multiplikatorenprogramm u.a.m. Dabei erweitert die Einbeziehung der belarussischen NGO-Szene in diesem Jahr den Wirkungsradius des Wissenstransfers deutlich. Die neu ausgebildeten Multiplikator/innen werden über das Projektende hinaus sowohl in Russland als auch in Belarus für interessierte NGOs und andere als Ansprechpartner und Vermittler fungieren, so zu Fundraisingfragen, zu Kooperationen mit Unternehmen oder Stiftungen u. a. m.

Vom 22.-25. Mai besuchten elf Projektteilnehmer/innen aus den Regionen Nordwestrusslands sowie aus Belarus die "Weißen Nächte des Fundraisings" in St. Petersburg. Diese jährliche Konferenz für NGOs und Einrichtungen aus dem zivilgesellschaftlichen und/oder sozialen Bereich bietet Diskussionen, Workshops und Vorträge zum Auf- und Ausbau einer eigenständigen nachhaltigen Finanzierung (Fundraising, Crowdfunding, soziales Unternehmertum). Die mitwirkenden Expert/innen kommen aus Russland und vielen weiteren Ländern. Der DRA vermittelte dieses Mal Referent/innen aus Berlin, die bereits in das Vorgängerprojekt einbezogen waren und die Arbeit ihrer Vereine "Über den Tellerrand kochen" und "Quartiermeister" vorstellten. Die Projektteilnehmer/innen nutzten über die Konferenzangebote hinaus die gemeinsame Zeit auch dazu, das Multiplikatorenprogramm des Projekts weiterzuentwickeln.

6) Bildungsreise nach Berlin ermöglichte deutsch-belarussischen Fachaustausch zu Autismus bei Kindern

Eine Bildungsreise zum Thema "Kinder mit autistischer Spektrumsstörung" führte vom 16. - 19. Mai eine Gruppe von 37 Pädagog/innen und Sozialarbeiter/innen aus Minsk nach Berlin. Organisator war der DRA mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Institut für Bildungsentwicklung in Minsk.

Die Fachkräfte besuchten in Berlin mehrere Einrichtungen, die mit autistischen Kindern arbeiten oder Beratungen zum Thema Autismus durchführen, darunter eine Integrationskindertagesstätte, das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg u. a. m. Die deutschen Kolleg/innen hatten jeweils Präsentationen vorbereitet und berichten ausführlich über ihren Arbeitsalltag und ihre Erfahrungen bei der Inklusion von Kindern mit autistischer Spektrumsstörung. Die Besucher/innen aus Belarus stellten umgekehrt viele Fragen zu den in Berlin üblichen Arbeitsmethoden, der Elternbeteiligung sowie zur Finanzierung und Organisationsstruktur der besuchten Einrichtungen. So entstand ein lebhafter deutsch-belarussischer Fachaustausch, aus dem die Gäste viele Anregungen für ihre künftige Arbeit in Minsker Einrichtungen mitnehmen konnten.

7) Projekt "Mehr bewegen!": Meeting der Expertengruppe zu non-formaler zivilgesellschaftlicher Jugendbildung und weitere Projekttreffen in Tbilissi

Vom 21. - 23. Mai fand in Tbilissi das erste Arbeitstreffen der internationalen Expert/innen statt, die im Rahmen des DRA-Projekts "Mehr bewegen!" ein Handbuch zur non-formalen zivilgesellschaftlichen Jugendbildung erstellen. Entstehen wird ein Überblick über interaktive Arbeitsweisen und methodische Ansätze aus Deutschland, Russland, Georgien und der Ukraine zu verschiedenen Bereichen des zivilgesellschaftlichen Engagements.

Mit dem Koordinator für die Entwicklung des nationalen Curriculums im georgischen Ministerium für Wissenschaft und Bildung Niko Silagadze besprachen des Weiteren die Projektkoordinatorinnen Irina Bukharkina (DRA) und Inga Paichadze von der georgischen Partnerorganisation SIQA Möglichkeiten einer künftigen Unterstützung der Projektaktivitäten durch das Ministerium. Auch berieten sie mit der Leiterin des Kulturreferats der deutschen Botschaft in Georgien, Monika Lenhard, gemeinsame Veranstaltungen und Kooperationen - insbesondere im Rahmen des Deutsch-Georgischen Jahres 2017-2018. Spannende Kooperationsmöglichkeiten zur Förderung des zivilgesellschaftlichen Engagements von Kindern und Jugendlichen in Georgien eröffneten sich auch bei einem Treffen im Regionalbüro von DVV International mit Matthias Klingenberg, Regionalleiter Kaukasus und Türkei, sowie Lali Santeladze, der Landesverantwortlichen für Georgien.

Das DRA-Projekt "Mehr bewegen! – Für eine starke Kinder- und Jugendbeteiligung in Osteuropa" wird vom Auswärtigen Amt sowie von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin finanziert.

8) 8. Mai: DRA stellte Rednerinnen des "Toasts für den Frieden" im Deutsch-Russischen Museum (Berlin-Karlshorst)

Auf Einladung des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst entsandte der DRA drei Mitarbeiterinnen und eine Freiwillige aus Deutschland, Russland, der Ukraine bzw. Belarus zu dem Museumsfest, das dort jedes Jahr am 8. Mai zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa stattfindet. Vor über 100 Gästen, darunter Vertretern der Botschaften von Russland und Belarus, sprachen sie im historischen Kapitulationssaal zum Abschluss des Tages gemeinsam den traditionellen "Toast auf den Frieden". Dabei schilderten die jungen Rednerinnen ihre ganz persönliche, auch von ihren Familien und ihrer Herkunft aus den vier verschiedenen Ländern geprägte Sicht auf das Ende des Zweiten Weltkriegs und den damaligen und aktuellen Weg zum Frieden. Alle vier gaben der Fassungslosigkeit Ausdruck, mit der die junge Generation in Europa heute den ungeheuerlichen Ausmaßen von Vernichtungskrieg und Holocaust gegenübersteht, und formulierten den Wunsch, den damals unter so großen Opfern errungenen Frieden in Europa für kommende Generationen zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen.

9) Flüchtlinge und Flüchtlingsinitiativen in Deutschland: DRA/NRO St. Petersburg ermöglichte Einblicke

Der NRO (DRA) St. Petersburg führte am 18. Mai eine öffentliche Veranstaltung zum Thema "Flüchtlinge in Deutschland" durch. Konzeption und Durchführung lagen bei dem NRO-Freiwilligen Christoph Glinzer, der auch die Idee eingebracht hatte.

Zugrunde lag der Ansatz, die Teilnehmer/innen zunächst selbst erfahren zu lassen, wie sich Flüchtlinge in einer für die meisten auch sprachlich völlig neuen Umgebung fühlen. Aus Berlin waren zur Mitwirkung mit Nele van den Berghe und Richard Sommer zwei Freiwillige der Initiative "Neue Nachbarschaft/Moabit" eingeladen worden, die dort schon seit vier Jahren aktiv sind. Mit Unterstützung weiterer Freiwilliger aus der Bundesrepublik demonstrierten sie das von der Initiative verwendete Konzept eines "Deutsch-Stammtischs". Dazu wurden Gruppen von drei bis vier Personen gebildet, in denen jeweils ein/e deutsche/r Muttersprachler/in die Gesprächsleitung übernahm. 45 Minuten lang wurde dann je nach Vorkenntnissen das deutsche Alphabet vorgestellt, Grammatik vermittelt oder Konversation betrieben.

Anschließend berichteten die Vertreter/innen von "Neue Nachbarschaft/Moabit" über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen, wobei deutlich wurde, dass in der Initiative – unabhängig von der Herkunft – alle von allen etwas lernen.

Zu den rund 20 Teilnehmer/innen gehörten auch Vertreter/innen der Organisation "Kinder St. Petersburgs", die mit Kindern von Migrant/innen arbeiten. Sie interessierten sich u. a. dafür, wie Neuankömmlingen, die über keinerlei Sprachkenntnisse verfügen, die ersten Schritte in der neuen Umgebung vermittelt werden, und wie ausgeprägt die Integrationsbereitschaft der Flüchtlinge sei, denn viele ihrer eigenen Klienten sehen sich selbst als zeitweilige Arbeitsmigrant/innen, die nur Unterstützung während ihres Aufenthalts benötigen, nicht aber bei der dauerhaften Integration.

10) Erfolgreicher Start eines neuen Formats im Legal Dialogue-Programm des EU-Russia CSF

Das EU-Russia Legal Dialogue-Programm des EU-Russia Civil Society Forums (CSF) hat ein neues Format gestartet, das den Expertenaustausch zu Rechtsfragen im zivilgesellschaftlichen Sektor zwischen Russland und den Ländern der EU unterstützen soll.

Das Legal Dialogue Travel Grants Programme vergibt Reisestipendien zur Förderung einer Teilnahme an Fachtreffen oder zur Einladung von Expert/innen zu eigenen Veranstaltungen. Voraussetzung für die Bewerbung ist, dass die Reise von Russland in die EU oder umgekehrt stattfinden soll, dass die jeweilige Veranstaltung für das gesamte Legal Dialogue Programm thematisch relevant ist und dass anschließend ein Fachartikel für das Legal Dialogue online Journal verfasst wird. Die Fördergelder können von CSF-Mitgliedern oder externen Expert/innen beantragt werden.

Vorige Woche kürte eine unabhängige internationale Jury fünf Gewinner/innen der ersten Ausschreibungsrunde, davon drei CSF-Mitglieder. Im Ergebnis werden nun drei russische Expert/innen zu internationalen Konferenzen in EU-Länder reisen und zwei Experten aus EU-Ländern zu Forschungszwecken bzw. zur Teilnahme an einem internationalen Rundtischgespräch nach Russland fahren. Die Reisestipendien erfassen thematisch die Bereiche Umweltschutz, studentische Rechtsberatung zu sozialen Fragen in Law Clinics, Recht auf unabhängige Bildung, Rechtshilfe für Flüchtlinge und juristische Mittel zur Folterprävention.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Artikel der ausgewählten Expert/innen zu lesen, die nach den jeweiligen Veranstaltungen im Legal Dialogue online Journal veröffentlicht werden, oder an der zweiten Ausschreibung teilzunehmen, die für September 2017 geplant ist.

Das Legal Dialogue Programm wird von Polina Baigarova koordiniert und finanziell vom Auswärtigen Amt unterstützt.