DRA Newsletter Mai 2008


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Russische Experten informieren sich über Angebote für Behinderte

Leitende Exper_innen aus der Stadtverwaltung St. Petersburg sowie Behinderteneinrichtungen in Pawlowsk und Peterhof hielten sich auf Einladung der Petersburger Behindertenorganisation Perspektivy und des DRA vom 18.-25. Mai zu fachlichen Gesprächen in Berlin und Hamburg auf. Thematische Schwerpunkte der Treffen mit Vertreter_innen der Berliner Gesundheitsverwaltung und mehrerer Hamburger Behinderteneinrichtungen waren Wohnformen für Behinderte (vom Pflegeheim bis zur offenen Wohngruppe) sowie die Unterstützung behinderter Menschen bei der Integration am Arbeitsplatz. „Das Eindrucksvollste ist“, resümierte Galina Plemyannikova, die Direktorin des Heims für schwerbehinderte Kinder Pavlovsk, „wie selbstverständlich Behinderte in Deutschland inzwischen an vielen Bereichen des normalen Lebens teilnehmen.“ Die Gäste berichteten, dass sich die Ausstattung der Petersburger Heime allmählich verbessere. Das Jahr 2008 sei in Russland zum Jahr der Behinderten ausgerufen worden; auch werde eine stärkere Einbeziehung von NGOs und Freiwilligen in die staatliche Behindertenarbeit in Aussicht gestellt. Andererseits sei der Stand bei der Ausbildung der Mitarbeiter und den Arbeitsmethoden noch unzureichend. Die Studienreise war Bestandteil eines vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche geförderten Gemeinschaftsprojekts von Perspektivy und DRA zur Verbesserung der Förderangebote im Behinderteninternat für Erwachsene in Peterhof.

2) Neuer Newsletter zu Rechtsextremismus in Osteuropa

Das Zentrum für Demokratische Kultur Berlin (ZDK) und der DRA haben mit der Veröffentlichung eines monatlichen Newsletters zum Thema „Rechtsextremismus in Osteuropa“ begonnen. Die Mai-Ausgabe erscheint in den nächsten Tagen. Die Recherchen vor allem zu Russland, der Ukraine und den baltischen Ländern und die Redaktion leistet Evgenija Hardtleben vom ZDK. Der Berliner Verein ist vor allem durch das Aussteigerprogramm für Neonazis in Deutschland „Exit“ bundesweit bekannt. Ehrenamtliche Übersetzer_innen des DRA (derzeit: Alice Butler, Stephanie Hensche und Hartmut Siegel) übernehmen es, die Texte aus russischsprachigen Quellen ins Deutsche zu übertragen. Der Newsletter wird per Mail versandt, kann beim DRA bestellt werden (Email: info@austausch.org) und wird auch auf den Websites des DRA und des ZDK zu finden sein. Mit der Publikation wollen beide Partner Informationen über extremistische und nationalistische Tendenzen in der Region, aber auch über staatliche und zivilgesellschaftliche Initiativen gegen diese Strömungen zugänglich machen. Für die Übersetzungen werden noch weitere freiwillige Helfer_innen gesucht.

3) Studienreise für NGO-VertreterInnen aus Belarus und Ukraine

Aus der neuen Freiwilligenagentur im belarussischen Gomel sowie aus den Zentren für soziale Partnerschaft der ukrainischen Städte Sumy und Riwne und aus NGOs, die die Angebote dieser Institutionen nutzen, kommen die sieben Teilnehmer_innen einer vom DRA organisierten Studienreise. Vom 16. – 20. Juni werden sie sich in Berlin zu Strukturen der lokalen und internationalen Freiwilligenarbeit und zur professionellen Betreuung von NGO-Freiwilligen informieren. Vorgesehen ist auch ein Workshop zu der aus den Niederlanden stammenden Methode „Gute Geschäfte. Marktplatz für Unternehmen und Gemeinnützige“. Die Idee: Repräsentant_innen der Wirtschaft und des Dritten Sektors loten bei einer Veranstaltung Kooperationsmöglichkeiten jenseits des Transfers finanzieller Mittel aus, d.h. verhandelt wird über gemeinsame Themen, Sachmittel, Dienstleistungen, Know-How, PR-Effekte und anderes mehr. Referent ist Dr. Gerd Placke von der Bertelsmann Stiftung. Verwirklicht wird die Studienreise mit Unterstützung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, der Robert Bosch Stiftung und der polnischen Batory-Stiftung.

4) DRA St. Petersburg beim NGO-Forum der Ostseeanrainerstaaten

Am 12.-13. Mai nahm der DRA St. Petersburg im lettischen Riga am „Baltic Sea NGO Forum“ teil. Hauptthema der Zusammenkunft von über 70 NGOs aus den Ostseeanrainerstaaten war die Frage nach der Beteiligung der Bürger an Prozessen zur Sicherung der Nachhaltigkeit im Ostseeraum. Diskutiert wurden Umweltprobleme, Fragen der Chancengleichheit und sozialen Gerechtigkeit sowie aktuelle Herausforderungen in den Bereichen Ausbildung und Kultur. Im Mittelpunkt stand dabei jeweils die Frage nach der Entwicklung von Zivilgesellschaft und Bürgerpartizipation. Im Anschluss an das Forum organisierten drei Petersburger Umweltschutzorganisationen eine öffentliche Diskussion zur geplanten Ostsee-Pipeline „Nordstream“ mit VertreterInnen von NGOs aus Ostseeanrainerstaaten und des Managements dieses Großprojekts. Der DRA St. Petersburg stellte auf dem Forum seine eigenen Projekte vor, darunter das Öko-Kultur-Festival "Moving Baltic Sea", das er im Juli und August zusammen mit dem Berliner Verein Moviemiento und Partnern aus mehreren Ostseeländern durchführen wird.

5) Fotoausstellung zu russischen Kaukasusrepubliken jetzt in Köln

Die Fotoausstellung „Zwischen Wiederaufbau und Kriegserbe“, die der DRA bis vor kurzem in Berlin zeigen konnte, wird vom 30. Mai – 18. Juni im Kölner Lew Kopelew Forum (Neumarkt 18a, 50667 Köln; www.kopelew-forum.de) zu sehen sein. Die Bilder von Günter Nooke, dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, und Reinhard Weißhuhn, Referent der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne für Außenpolitik und Ostmitteleuropa, vermitteln einen aktuellen Eindruck von den Problemen, aber auch von Hoffnungszeichen in Tschetschenien und den benachbarten Republiken Inguschetien und Nordossetien  – so vom Wiederaufbau in Grosny, dem Personenkult um den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, vom Gedenken an die Opfer in Beslan und der Lage der Flüchtlinge in Nordossetien und Inguschetien Am Eröffnungsabend, dem 29. Mai, spricht  die Menschenrechtsaktivistin Barbara Gladysch über Tschetschenien; die Leitung hat die ARD-Moderatorin Sonia Mikich. Der Eintritt beträgt 5 €, erm. 2,50 €. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos. Anschließend wird sie noch einmal in Berlin im Haus der Demokratie und Menschenrechte und in Hamburg in der Arbeitsstelle "Gewalt überwinden“ der Nordelbischen Kirche zugänglich sein.

6) Menschenrechtler fordern von Präsident Medwedew Freilassung Gefangener

Zahlreiche anerkannte russische Menschenrechtler haben am 22. Mai den neuen Präsidenten Dmitrij Medwedew zur Freilassung Gefangener aufgefordert, die aus politischen Gründen festgehalten würden. In einem Brief verlangten sie u.a. die Haftentlassung der Wissenschaftler Igor Sutjagin und Walentin Danilov, die wegen angeblicher Spionage verurteilt wurden, des ehemaliges Jukos-Präsidenten Michail Chodorkowskijs und mehrerer seiner Mitarbeiter_innen, aber auch einer Tschetschenin und eines Tataren, die hohe Haftstrafen für angebliche islamistische Aktivitäten erhielten. Dies sei nur ein kleiner Teil der rund 100 Personen, die nach Ansicht der Menschenrechtler aus politischer Motivation heraus keine fairen Ermittlungen oder Verfahren erhalten haben – im Widerspruch zum Anspruch auf einen Rechtsstaat, sagte einer der Unterzeichner, der Leiter der Bewegung „Für Menschenrechte“, Lew Ponomarew. Medwedew habe die Chance, mit einer Reform des Gerichtssystems russische Rechtsgeschichte zu schreiben. Weitere Unterzeichner sind u.a. die Leiterin der Moskauer Helsinki-Gruppe, Ljudmila Alexejewa, die Stiftung zur Verteidigung der Glasnost und der Leiter der Sacharow-Stiftung, Sergej Kowaljew, aber auch der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel, das Mitglied des britischen Oberhauses, Lord Frank Judd, und der frühere Bundestagsabgeordnete Rudolf Bindig (siehe hier). Nicht beteiligt hat sich an der Petition die Gesellschaft Memorial. Der Brief sei berechtigt, doch gäbe es noch dringendere Fälle als den von Chodorkowskij, sagte Memorial-Vorstand Alexander Tscherkassow zur Erklärung.

7) Podium zur Lage russischer NGOs am 28. Mai in Potsdam

Der Moskauer Menschenrechtler Jurij Dschibladse spricht am 28. Mai um 19.30 Uhr im Potsdamer Alten Rathaus (Musikzimmer) über die Perspektiven von zivilgesellschaftlichem Engagement in Russland nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Der Leiter des Moskauer Zentrums zur Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten (CDDHR) und langjährige Kooperationspartner des DRA erörtert mit Peter Franck, Russlandgruppe Amnesty International, und Peter Lange, Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur, die Folgen des 2006 verabschiedeten russischen Gesetzes zu Nichtregierungsorganisationen sowie die Chancen deutsch-russischer zivilgesellschaftlicher Zusammenarbeit.

8) Petersburger Masterstudienganz zu Europa-Fragen ab September

In Kooperation mit der Universität Bielefeld bietet das Zentrum für deutsche und europäische Studien (ZDES) zum zweiten Mal das viersemestrige internationale Masterstudium zu europäischen Fragen „Studies in European Societies – SES“ an der Fakultät für Soziologie der Staatlichen Universität St. Petersburg an. Das interdisziplinäre Lehrangebot umfasst die Bereiche Politik, Soziales und multikulturelle Gesellschaft; besonderer Wert wird auf Praxisbezug und Berufsvorbereitung gelegt. Die Dozent_innen stammen aus Russland und Deutschland; Unterrichtssprache ist Englisch. Das ZDES wird von der Politologin Elena Belokurova geleitet, die auch die EU Study School des DRA für russische Student_innen im Auftrag der EU-Kommission organisiert.