DRA Newsletter März 2014


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Politische Spannungen verunsichern DRA-Partner

Erste Folgen der Krise in den EU-Russland-Beziehungen nach dem Anschluss der Krim beobachtet der DRA in seinen Austauschprogrammen. So haben drei russische Partner vorerst ihre für das Frühjahr geplanten Bildungs-Gruppenreisen nach Deutschland verschoben. Ein Grund: der extrem schwache Rubelkurs, der die Reise wesentlich teurer machen würde – die russische Währung hat seit Jahresbeginn fast ein Fünftel an Wert verloren. Außerdem sprechen die Partner von einer allgemeinen Verunsicherung. Man habe etwa Angst, kein Visum zu bekommen oder im Ausland als russische Bürger in Unannehmlichkeiten zu geraten, sollte sich die Krise weiter zuspitzen. Selbst renommierte Vertreter von Menschenrechts-NGOs raten derzeit davon ab, in Russland gemeinsame Veranstaltungen etwa zum EU-Russland-Verhältnis zu organisieren – sie spüren einen enormen Druck, weil die Regierung Proteste gegen ihr Vorgehen gegenüber der Ukraine verfolgt. Auch das Schüleraustauschprogramm des DRA ist von der allgemeinen Verunsicherung betroffen. Einige deutsche Teilnehmer haben ihre fest geplanten ein- bzw. halbjährigen Russlandaufenthalte abgesagt. Dagegen ist die Nachfrage auf russischer Seite noch ungebrochen. Gerade angesichts der Spannungen auf politischer Ebene setzt der DRA weiter auf die direkte Projektarbeit mit gemeinnützigen Organisationen, auf die intersektorale Arbeit in den Regionen – und auch auf den persönlichen Austausch. Für den Sommer suchen wir daher noch Gastfamilien in Deutschland, die einen russischen Schüler oder eine russische Schülerin für ein oder zwei Monate aufnehmen möchten. Werden auch Sie Gastgeber!

2) Klimaexperte Georgij Safonov: Russlands Wirtschaft im Krisen-Modus

Russischen Fachbehörden sind Konzepte zu ökologisch nachhaltigerem Wirtschaften nicht mehr fremd – aber in der Regierung wird oft noch nicht verstanden, was damit gemeint ist, und somit bleiben in Krisenzeiten Entscheidungen aus. So lautete eines der eher pessimistischen Resümees des Moskauer Klimaexperten Georgij Safonov bei der Diskussionsveranstaltung in Berlin, zu der der DRA, das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation RNEI und Brot für die Welt am 19. März eingeladen hatten. Unter der Überschrift „Russlands rohstoffbasierte Wirtschaft in der Krise: Chancen für erneuerbare Energien und Energieeffizienz?“ erläuterte der Direktor des Zentrums für Umweltökonomie und Naturressourcen an der Moskauer Higher School of Economics aktuelle Tendenzen in der russischen Energie- und Klimapolitik. Derzeit erstelle die Regierung ein Maßnahmenpaket zur Reaktion Russlands auf den Klimawandel, dessen Folgen im Land vor allem durch eine starke Erwärmung in den Nordregionen, Dürreperioden und mehr Unwetter spürbar werden würden. Bisher bleibe das große Potenzial des Landes bei der Energieeffizienz und dem Ausbau Erneuerbarer Energiequellen noch weithin ungenutzt. Insbesondere durch die Nutzung von Geothermalenergie und von Bio-Abfällen aus der Land- und Forstwirtschaft könnte der Ausstoß von CO2 stark reduziert werden. Dafür sollten schnell Gelder und günstige Kredite bereitgestellt werden. Nötig sei zudem mehr Engagement für Umwelt-Forschung, -bildung und -journalismus sowie für Russlands Teilnahme an internationalen Klimaschutzvereinbarungen. Safonov verwies auf die Studie „Sustainable Development in Russia“ von DRA und RNEI, zu deren Autoren er gehört. Die Studie analysiert den Stand, die Rahmenbedingungen und Perspektiven einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung in Russland. Safonov bestätigte zugleich die Thesen von Oldag Caspar, Teamleiter Deutsche und EU-Klimapolitik der Organisation Germanwatch: Auch in der aktuellen Krise bleibt Raum für thematische Kooperationen im Bereich Nachhaltigkeit, und die Bundesrepublik sollte darin Vorreiter bleiben. Zwei Artikel aus der Studie „Sustainable Development in Russia“ von Georgij Safonov, Sergej Bobylev und Renat Perelet erscheinen jetzt auch auf Deutsch in den „Russland-Analysen“ (Nr. 274 vom 28.03.2014) der Forschungsstelle Osteuropa (Universität Bremen) zum DOWNLOAD. Die komplette Studie kann auf Russisch oder Englisch kostenlos heruntergeladen werden zum DOWNLOAD oder für 3 Euro/Exemplar bestellt werden bei assistenz@rnei.de. Die Umweltarbeit von DRA und RNEI wird von Brot für die Welt, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert.

3) Boris Pustyntsev gestorben – ein großer Hüter des Rechts

Der DRA trauert mit seinen russischen Freunden um seinen langjährigen Kollegen, Nachbarn und Freund Boris Pustyntsev, den Gründer und Leiter der Menschenrechtsorganisation „Grashdanskij Kontrol“ (Bürgerkontrolle) in St. Petersburg. Boris Pustyntsev starb nach langer Krankheit am 4. März, 78-jährig. Seine Organisation schuf er im gleichen Jahr, in dem der DRA entstand. Er wurde zu einem der ersten Partner des DRA. Boris Pustyntsev genoss die große Achtung aller, die mit ihm arbeiteten – zum einen, weil er die ganze Nachkriegsgeschichte der sowjetischen und russischen Dissidenten-Bewegung in sich trug: Schon 1956 hatte er – Sohn des Direktors einer U-Boot-Werft – als Pädagogikstudent mit Kommilitonen gegen den Einmarsch der UdSSR in Ungarn protestiert und war deshalb 1957 zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt worden, von denen er fünf absitzen musste. Auch später, neben dem Berufsleben als Bibliograf, Übersetzer und Redakteur, rang er weiter um die Grundrechte in der Sowjetunion. In der Perestroika- und Wendezeit wurde er zu einem der wichtigsten demokratischen Vorkämpfer in Leningrad bzw. St. Petersburg. Zum anderen war Boris Pustyntsev auch bis zuletzt in seinem täglichen Wirken beeindruckend: ein schon länger ergrauter, stiller, aber immer prononcierter Vertreter des Rechts auf Kontrolle des Staates durch seine Bürger. Überzeugt und überzeugend, warmherzig, humorvoll-ironisch, unbeirrbar. Wo auch für ihn in den jüngsten Putin-Jahren Sarkasmus unausweichlich war, blieb er doch für große Koalitionen offen. Er erreichte, dass die widerstrebende Stadtverwaltung Menschenrechtsschulungen mit Polizisten und Richtern veranstaltete, dass er selbst Berater zu Fragen der Polizeiausbildung, Mitglied in städtischen Gremien und im Menschenrechtsrat beim Präsidenten wurde. Er ist nicht wegzudenken aus dem gemeinsamen NGO-Zentrum am Ligovskij Prospekt, in dem seit 1999 auch der DRA St. Petersburg zuhause ist. Wir werden Boris` kluge, ermutigende Nachbarschaft vermissen. Wir wünschen unseren KollegInnen von Grashdanskij Kontrol unter seiner neuen Direktorin, der bisherigen Stellvertreterin Elena Shakhova, dass sie ihre Arbeit ungestört und fruchtbar fortsetzen können, im Geiste von Boris Pustyntsev – und eines demokratischen Russland.

4) 8. Mai, 19 Uhr: Wiederentdeckung Bulat Okudshavas – Lieder und Diskussion in der WABE Berlin

Was bedeuteten die Lieder des bekannten sowjetischen Liedermachers Bulat Okudshava für den Zerfall der sozialistischen Diktaturen in Osteuropa? Was konnte seine individuell-menschliche Perspektive der Sowjetideologie entgegensetzen? Und wie aktuell sind seine Anti-Kriegs-Lieder heute angesichts des Ukraine-Konflikts? Darüber und über das aktuelle Geschehen in Osteuropa sprechen am 8. Mai, dem Vortag von Okudshavas 90. Geburtstag, Experten, Zeitzeugen und Künstler unter der Überschrift „Die Erben der Perestroika im Schützengraben?“ im Berliner Kulturzentrum WABE (10405 Berlin, Danziger Str. 101). Es diskutieren der Osteuropahistoriker Wolfgang Eichwede, der russische Filmregisseur Alexander Askoldov, der ungarische Schriftsteller und Historiker György Dalos, der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchovich (angefragt) und der Grünen-Europaparlamentarier Werner Schulz. Ekkehard Maaß, der schon zu DDR-Zeiten für seine Okudshava-Interpretationen bekannt war, singt und spielt Okudshava-Lieder. Beginn ist 19 Uhr. Konzert und Diskussion werden veranstaltet vom DRA, der Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft und von Werner Schulz.

5) 12. April, 20 Uhr: Benefiz-Konzert für queeren Chor aus Moskau

Gerade hat sich der erste queere Chor Russlands gegründet, schon ist der erste öffentliche Auftritt geplant – allerdings nicht im heimischen Moskau, sondern in der Partnerstadt Berlin. Um die Reisekosten für möglichst viele TeilnehmerInnen finanzieren zu helfen, lädt die Initiative Raduga-Brücke Berlin-Moskau vorab zu einem Benefiz-Konzert: Am 12. April um 20 Uhr treten schwul-lesbische Chöre aus Berlin und die Initiatoren des Moskauer Chores, Lena Zärtlich und das Pop-Duo Neraslutschniki, in der Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz auf. Die Initiative Raduga-Brücke Berlin-Moskau hatte sich im November 2013 gegründet. Ihr gehören Organisationen und Projekte aus der LGBT-Community und der Russland-bezogenen NGO-Arbeit an, darunter auch der DRA. Die Initiative will die LGBT-Communitys der Partnerstädte vernetzen und den gegenseitigen Fach- und Kulturaustausch ermöglichen.

6) DRA bringt Tanztheater zusammen

Ein spontaner interkultureller Austausch und ein echter künstlerischer Input – das war die gemeinsame Aufführung des KinderMusicalTheaters Berlin und des Tanzensembles Apelsin aus St. Petersburg. Der DRA hatte die beiden Ensembles zusammengebracht und den Besuch der russischen Gäste begleitet. Am 26. März gaben sie im KinderMusicalTheater jeweils einen Einblick in ihr aktuelles Programm. Anschließend lud Tanztrainer Joseph Maler die jungen Teilnehmer_innen zum Tanztraining ein. Für die deutsche Seite war es die erste interkulturelle Begegnung dieser Art. Die russische Gruppe erlebte derweil eine ganz neue Art, Tanz, Gesang und Schauspiel zu verbinden. Jetzt hoffen beide Seiten, den Austausch fortsetzen zu können – dieses Mal in St. Petersburg.

7) Neues Team des EU-Russia Civil Society Forums startet Arbeit in Berlin

Das EU-Russia Civil Society Forum (CSF) hat ein neues internationales Kollegium. Ab April wird es seine Arbeit in dem neuen Berliner Büro aufnehmen, das der DRA im Auftrag des Forums betreut. Direktorin wird zunächst kommissarisch die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Barbara von Freytag. Sie war zuletzt als Russlandberaterin für die CDU-Fraktion und den ehemaligen Russlandbeauftragten der Bundesregierung tätig. Im Juni wird dann Anna Sevortian das Direktorat im CSF-Team übernehmen. Sevortian war drei Jahre lang Direktorin von Human Rights Watch in Russland, zurzeit forscht sie als Fellow an der Harvard University. Für die Aufgabe des PR-Managers konnte Sergei Tereshenkov gewonnen werden. Er hat in Perm und St. Petersburg an zahlreichen NGO-Projekten mitgewirkt und ist als Journalist sowie Blogger aktiv. Financial Manager wird Katarzyna Nowak aus Polen, die bereits diverse EU-Projekte begleitet hat und zuvor als Wissenschaftsmanagerin arbeitete. Die Koordination der laufenden Projektaktivitäten verantwortet weiterhin Kristina Smolijaninovaite aus Litauen, die 2012/13 u.a. die CSF-Arbeitsgruppe zu Visa-Fragen geleitet hatte. Zu den vorrangigen Aufgaben des neuen Teams gehört neben der Realisierung zahlreicher Projekte und der Arbeit mit NGOs die Positionierung des CSF gegenüber politischen EntscheidungsträgerInnen, ExpertInnen und Medien. Auch wird die Frage eine Rolle spielen, wie die unterschiedlichen Haltungen der inzwischen 125 Mitgliedsorganisationen – gerade in der aktuellen politischen Krise – angemessen repräsentiert werden können und wie das Forum dazu beitragen kann, Brücken zur Zivilgesellschaft in anderen postsowjetischen Ländern, darunter der Ukraine, zu errichten. Das Forum wird derzeit von der EU, der Robert Bosch Stiftung und weiteren Förderern unterstützt.

8) 24. Mai: Einladung zur DRA-Mitgliederversammlung und zur Einweihung des CSF-Sekretariats

Am 24. Mai, einen Tag vor der Europawahl, lädt der DRA seine Mitglieder und alle, die sich für die Arbeit des DRA interessieren, zur nächsten Mitgliederversammlung und anschließend zu einem Fest anlässlich der Einweihung des Sekretariats des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland (CSF) beim DRA ein. Die Veranstaltung findet ab 14.30 Uhr am Sitz des Vereins statt, in der Berliner Badstr. 44, aber in einem neuen Büro: Am 1. April bezieht der DRA größere Räume im gleichen Haus, in denen künftig auch das neue Sekretariat des EU-Russia Civil Society Forums tätig sein wird. Auf dem Programm der Mitgliederversammlung: Ergebnisse der Arbeit 2013, Ausblick 2014, Vorstandsnachwahl, aktuelle Probleme der Arbeit in und mit Russland. Das Einweihungsfest bietet u.a. eine Debatte zum Verhältnis EU-Russland-Ukraine, spannende Gäste, Essen, Trinken, Kultur. Details folgen im April.