DRA Newsletter März 2008


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Nach den Präsidentschaftswahlen in Russland

Bei den Präsidentschaftswahlen Anfang des Monats in Russland durfte die Bürgergesellschaft erneut nur am Rande stehen. Jede Kritik am Prozedere wurde als staatsfeindlich aufgefasst, und die Wähler kürten erwartungsgemäß den vom Kreml aufgebauten Kandidaten. Was nun folgen soll, wissen nur wenige. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Russland in der Amtszeit von Dmitrij Medwedjew weiter autoritär geprägt ist. Möglich ist aber auch, dass es sich zu einer freiheitlicheren und tatsächlich pluralistischen Gesellschaft entwickelt. Dies gelingt jedoch nur, wenn die Selbstverständlichkeit im Umgang zwischen Bürgerinitiativen und staatlichen Amtsträgern, die es auf kommunaler Ebene oft schon gibt, auch auf regionaler und zentraler Ebene Einzug einhält. Dazu müssen die Rechte nichtstaatlicher Akteure gewahrt und ihre vielfältigen Beiträge zum Gemeinwohl anerkannt sowie die internationale Kooperation auf allen Ebenen gefördert werden. Denn nur in der konkreten Zusammenarbeit können die Beteiligten sich wirklich einander nähern und die Gesellschaft mitgestalten. Für diese offene, demokratische, sachkundige Partnerschaft steht der DRA auch künftig mit seinen Projekten ein - mit den in diesem Newsletter beschriebenen wie dem Journalistenaustausch, der Freiwilligenvermittlung, mit der Debatte zu deutsch-russischen und europäisch-russischen Themen sowie mit vielen weiteren Aktivitäten, die derzeit laufen oder in Vorbereitung sind. Wir bitten Sie, uns darin aktiv zu unterstützen, durch Zusammenarbeit, Fördermitgliedschaften, Spenden, damit wir diese für beide Gesellschaften wichtige Arbeit weiter leisten können. Herzlichen Dank!
 

2) Informationen aus erster Hand zur HIV- und Drogenarbeit in Russland

Einblicke in die Arbeit zu den Themen Aids und Drogen in Russland gab eine Veranstaltung im DRA-Büro Berlin am 18. März. Die jungen Referenten absolvieren derzeit vom DRA vermittelte halbjährige Freiwilligendienste bei der Berliner Aids-Hilfe und der Drogenberatungsorganisation Misfit. Kirill Legashov, Medizinabsolvent aus Stawropol (Südrussland), erinnerte daran, dass von rund 400 000 HIV-Infizierten in Russland etwa 90 Prozent unter 30 Jahre alt seien, sehr viele hätten sich beim Drogenkonsum infiziert. Das staatliche Behandlungsnetz weise Aidszentren in allen größeren Städten auf. Dennoch sei es gerade beim Umgang mit Drogenabhängigen lückenhaft, erzählte Alexandra Gurinova, die in Moskau im Rehabilitationszentrum für jugendliche Drogenabhängige „Areadne“ arbeitet. Sie leisteten oft nur Hilfe zur zeitweiligen Entgiftung, aber keine soziale und psychologische Unterstützung. Präventive Aufklärung funktioniere am besten, wenn sie jugendnah sei, etwa durch Rollenspiele und aktive Freizeitgestaltung, berichtete Olga Pasechnikova aus der Praxis ihrer Petersburger Organisation „Sdorovoje pokolenije“ („Gesunde Generation“) an Schulen und Universitäten. Alle drei leisten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Kampf gegen die Ausweitung von HIV-Erkrankungen in Russland. Dabei sehen sie sich oft mit alten Vorurteilen konfrontiert: Noch immer werden Drogenabhängige und HIV-Infizierte voreilig als psychisch labile Menschen marginalisiert. Im Mai wird es noch eine weitere Veranstaltung mit den Freiwilligen bei ihren Einsatzorganisationen geben. Der DRA wird Sie dazu rechtzeitig informieren.

3) Veranstaltung am 2.4. zum Verhältnis von Wirtschaft und Politik

Der DRA lädt am Mittwoch, den 2.4., 19 Uhr, zu einer Podiumsdiskussion zu dem Thema „Geschäft und Weltoffenheit: Wie verändern internationale Wirtschaftskontakte die russische Gesellschaft?“ in das Berliner Rote Rathaus (Louise-Schröder-Saal) ein. Die Petersburger Journalisten Anna Pushkarskaya (Zeitung Kommersant), Andrey Goryanov (Zeitung RBK daily) und Valery Nechay (Radio Echo Moskwy) diskutieren mit Reiner Perau (Referatsleiter GUS beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag) und Barbara Oertel (Taz), ob die wachsenden deutschen Wirtschaftskontakte mit Russland in eine Politik gegen autoritäre Entwicklungen eingebunden werden sollten. Verfestigt man autoritäre Strukturen, wenn man ihnen internationale Anerkennung und wirtschaftliche Zuflüsse gestattet, und schadet so den Menschen- und Bürgerrechten, oder sind internationale Kontakte eine Ausgangsbasis zu einem stärkeren Bewusstsein für Weltoffenheit, Pluralität und die Rechte des Individuums in der russischen Gesellschaft? Die Moderation hat Ruth Wimmer (ZDF Berlin). Hintergrund ist der Aufenthalt einer Gruppe von Petersburger Journalisten in Berlin im Rahmen eines deutsch-russischen Journalistenaustausches, den der DRA mit Unterstützung des Auswärtigen Amts organisiert. Beteiligt sind von russischer Seite außerdem die Zeitung Delowoj Peterburg und das Stadtmagazin Time-out Petersburg. Mitte April reisen Journalisten von FAZ, Berliner Zeitung, Taz, Spiegel-online und des Berliner Stadtmagazins Zitty zu ihren KollegInnen nach St. Petersburg.

4) Neue EU Study Schools des DRA in Pskow und Kasan

Rund 40 Studierende und Doktorand_innen aus Kaliningrad, Petrosawodsk, Archangelsk, Twer, Pskow, Moskau und Petersburg nahmen vom 20. bis 24. Februar in Pskow an einer EU Study School teil. Von Mitarbeiter_innen russischer Regionalbehörden und NGOs sowie der EU-Kommission in Moskau erfuhren die Studierenden Genaueres zu grenzüberschreitenden Kooperationen auf staatlicher, privater und NGO-Ebene zwischen der EU und Russland, insbesondere den baltischen Staaten und ihren russischen Nachbarregionen. Zudem entwickelten sie eigene Ideen und Projektvorschläge. Die Veranstaltung gehörte zu der Seminarreihe für politische Bildung, die der DRA 2007 und 2008 im Auftrag der EU-Kommission in verschiedenen Teilen Russlands für den akademischen Nachwuchs organisiert. Seit vorgestern und noch bis zum Sonntag findet die nächste EU Study School für Studierende aus der Wolgaregion in Kasan statt, der Hauptstadt der muslimisch geprägten Republik Tatarstan. Themen dort sind u.a. der interkulturelle Dialog in Europa und der Schutz der Minderheitenrechte in Russland und Europa.

5) Politik spannend machen: DRA Petersburg lädt zu Debatten

In diesem Monat besteht er seit genau einem Jahr – der politische Diskussionsklub, den der DRA St. Petersburg zusammen mit dem Portal (einer Initiative von Petersburger Studierender) Monat für Monat organisiert. Die kostenlosen Podiums- und Publikumsdiskussionen, meist in der zentralen „City Bar“ (Furstadskaja-Straße 20 nahe der Metrostation Tschernischewskaja) stoßen vor allem bei jüngeren Petersburger_innen, darunter Studierenden, Aktivist_innen politischer Organisationen und Journalist_innen, auf lebhaftes Interesse. Zu den Themen aus der russischen und internationalen Politik gehörte zuletzt u.a. ein Vergleich der Wahlsysteme Russlands und der USA, aber auch die Schließung des British Council in St. Petersburg. Am 12. März diskutierten junge russische Sozialdemokraten mtieinander, die teils oppositionell eingestellt sind, teils Mitglieder des Jugendverbandes der Partei "Gerechtes Russland" sind und als kremltreu gelten. Über die bisher elf Debatten haben russische Fernsehsender und das politische Internetportal Zaks.ru schon mehrfach berichtet. Näheres ist unter hier nachzulesen.

6) Fotoausstellung zeigt aktuelle Eindrücke aus dem Nordkaukasus

Am 5. März lud der DRA zur Eröffnung der Fotoausstellung „Zwischen Wiederaufbau und Kriegserbe – Bilder aus den russischen Kaukasusrepubliken Tschetschenien, Inguschetien und Nordossetien“ in das Slawistik-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Einführend erzählte der Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle, den Gästen von der derzeitigen Situation im Nordkaukasus sowie vom aktuellen Projekt des DRA und der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial zum Aufbau eines Berufsbildungszentrums im Bezirk Prigorodny in Nordossetien. Die Fotografien von Günter Nooke, dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, und Reinhard Weißhuhn, Referent der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne für Außenpolitik und Ostmitteleuropa, zeigen Schattenseiten wie positive Veränderungen in Tschetschenien und den Nachbarrepubliken Inguschetien und Nordossetien, so den Personenkult um den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, Gedenkstätten für die Opfer von Beslan und den Alltag der Flüchtlinge in Inguschetien, aber auch den Wiederaufbau in Grosny und sanierte historische Ensembles, worüber in Deutschland seit Ende des zweiten Tschetschenienkrieges kaum berichtet wird. Die Fotoausstellung ist noch bis zum 17. April in der Galerie des Slawistik-Instituts in der Dorotheenstr. 65, Berlin-Mitte zu sehen, anschließend vom 22. April bis 22. Mai im Berliner Kino „Krokodil“, Greifenhagener Str. 32, sowie im Juni im Lew-Kopelew Forum Köln und im Juli im Haus der Demokratie und Menschenrechte Berlin.