DRA Newsletter Juni 2008


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Berlin: DRA feierte Einweihung seines neuen Büros

Mitarbeiter_innen, Mitglieder und FreundInnen des DRA sowie Vertreter_innen von Partnerorganisationen, Stiftungen und Medien feierten gemeinsam am 12. Juni 2008 die Einweihung der neuen Räumlichkeiten des Vereins in der Berliner Badstraße 44. Ein Buffet mit russischen Leckereien und Gegrilltem sowie osteuropäische Musik lockten zahlreiche Gäste zum Hoffest. Zum Programm des Abends gehörte u.a. der Bericht von vier Freiwilligen, die der DRA vor kurzem nach Nischni Nowgorod entsandte; sie schilderten ihre frischen Eindrücke von Russland und ihr dortiges Engagement in gemeinnützigen Organisationen und Einrichtungen. Für alle Gäste wurde ein Gewinnspiel veranstaltet, bei dem es Fragen zu Russland und dem DRA zu beantworten galt. Als Preise winkten ein Flug nach St. Petersburg, gesponsert von dem Flugbuchungsportal Geruxx, und Eintrittskarten für das Berliner Theater „Russkaja Szena“. Abgerundet wurde der Abend mit einer eindrucksvollen Fotoshow über eine Fahrradreise von Berlin bis nach Wladiwostok.

2) Expert_innen aus Ukraine und Belarus zu Studienreise in Berlin

Mit einem Besuch beim Berliner Unionhilfswerk endete am 20. Juni ein fünftägiges Informationsprogramm, das der DRA für elf Mitarbeiter_innen von NGOs aus Riwne und Sumy (Ukraine) sowie Gomel (Belarus) organisiert hatte. Schwerpunktthema der Studienreise waren die Strukturen der Freiwilligenarbeit in Deutschland und die internationale Freiwilligenvermittlung. Daniel Büchel vom Unionhilfswerk erläuterte den Freiwilligenbereich innerhalb der Tätigkeit dieses freien Trägers der Sozialarbeit. Fachliche Anregungen erhielten die Gäste auch durch Besuche bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (Bagfa), der Berliner Aids-Hilfe und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft. Vorgestellt wurden ihnen zudem spezifische Projekte wie der Berliner Freiwilligentag und das Projekt Seniorkompetenzteam (beide Treffpunkt Hilfsbereitschaft), „Marktplatz“ für NGOs und Unternehmen (Bertelsmann-Stiftung) und „Going social“ zum sozialen Engagement von SchülerInnen (Freiwilligenagentur Wedding). Über den kollegialen Austausch hinaus waren die Teilnehmer_innen der Reise auch von Berlin und seiner Atmosphäre begeistert - nicht zuletzt dank der kundigen russischsprachigen Stadtführung durch den langjährigen DRA-Ehrenamtlichen Hartmut Siegel und das gemeinsame friedliche Feiern der Fußballfans zur Europameisterschaft.

3) Herbstgespräche 2008 zu divergierenden Geschichtsdeutungen

Unter dem Titel „Geschichte, Erinnerung und Politik“ widmen sich die diesjährigen 13. Deutsch-Russischen Herbstgespräche der unterschiedlichen Wahrnehmung der Vergangenheit in Mittel- und Osteuropa und ihrer wiederholten Instrumentalisierung durch die Politik. Zu der Tagung am 21./22. November in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt laden der DRA, die Heinrich-Böll-Stiftung und die Evangelische Akademie alle Interessierten herzlich ein. Mit Referent_innen aus Deutschland, Russland, Polen und dem Baltikum wird u.a. diskutiert, wie ein gemeinsames, differenziertes historisches Verständnis von Russland einerseits und EU-Staaten wie Polen und Estland andererseits erreicht werden kann und welche Rolle die Zivilgesellschaften dabei spielen können. Detaillierte Informationen zu den Panels, den ReferentInnen und zur Anmeldung finden Sie in Kürze unter www.austausch.org/herbstgespraeche

4) Für gleichberechtigte Kooperation der Zivilgesellschaften

Vertreter_innen von knapp 20 Hamburger Organisationen, die in St. Petersburg aktiv sind, nahmen am 25. Juni auf Einladung der Diakonie Hamburg an einem Workshop teil, der die künftige Kooperation der beiden Partnerstädte im sozialen Sektor zum Gegenstand hatte. Den einleitenden Fachvortrag hielt der Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle. Er prognostizierte, dass innerhalb der nächsten Jahre gleichberechtigte sachbezogene deutsch-russische Kooperationen zur Modernisierung, Rechtsentwicklung und zur Qualifizierung von Fachkräften in den Vordergrund treten werden, und traf damit auf breite Zustimmung. Viele der in diesem Feld tätigen Organisationen stünden dabei vor der Herausforderung, ihr Selbstverständnis neu zu bestimmen. An die Stelle klar verteilter Geber- und Empfängerrollen trete in finanzieller und konzeptioneller Hinsicht immer mehr die Begegnung auf Augenhöhe. Der Austausch engagierter Freiwilliger und Praktikant_innen bleibe dabei ein gutes Mittel, das jungen Menschen Erfahrungsgewinn bringe und zugleich direkte Verknüpfungen zwischen NGOs, staatlichen Einrichtungen und anderen Akteuren ermögliche. Der Leiter des Hamburger Staatsamtes für Auswärtige Beziehungen, Stefan Herms, sah die vordringliche Aufgabe der Städtepartnerschaft darin, die bilateralen Kontakte zu multilateralen auszubauen und sie insbesondere in die Zusammenarbeit im Ostseeraum einzubinden.

5) Ostsee-Festival: Für neue Ansätze bei Kultur und Ökologie

An zahlreichen Orten im Ostseeraum findet im Juli und August das internationale Festival „Moving Baltic Sea“ statt. Der DRA St. Petersburg und der Öko-Verein „Keep St. Petersburg Tidy“ sind Organisatoren des Programms, das in diesem Rahmen vom 21.-24. August an der Newa veranstaltet wird. Ziel des Festivals ist es, junge Film-, Foto- und Literaturschaffende sowie umweltpolitisch engagierte Menschen zusammenzubringen, um gemeinsam interdisziplinäre Herangehensweisen an die kulturellen und ökologischen Herausforderungen im Ostseeraum zu entwickeln. Initiator und Träger ist der Verein Moviemiento mit Sitz in Berlin, der bereits mehrfach „reisende“ Kurzfilmfestivals organisierte; vor Ort sind lokale Umwelt- und Kulturorganisationen für die Umsetzung zuständig. Herzstück von „Moving Baltic Sea“ ist eine sechswöchige Tour von Künstler_innen und Umweltschützer_innen mit dem Segelschiff „Lovis“ (www.lovis.de). In sechs Hafenstädten, in denen es anlegen wird, sind jeweils viertägige Festivals vorgesehen: in Rostock (Deutschland), Danzig (Polen), Kaliningrad (Russland), Riga (Lettland), Narva-Joessu (Estland) und schließlich in St. Petersburg (Russland). Das dortige Programm umfasst Umwelt- und Kulturworkshops, Podiumsdiskussionen, einen 48-Stunden-Kurzfilmwettbewerb, einen Green Graffiti Workshop und vieles mehr. Das Projekt wird von der EU-Kommission sowie in St. Petersburg vom Jugenddezernat der Stadt gefördert.
www.movingbalticsea.org; www.lovis.de; www.moviemiento.com

6) Schüler_innen bereiteten sich auf Russlandaufenthalt vor

Neun Schüler_innen aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich für die Teilnahme am Schüleraustauschprogramm des DRA im Herbst 2008 beworben hatten, kamen am 30. Mai in der Jugendbildungsstätte „Kurt Löwenstein“ in Werftpfuhl bei Berlin zu einem Vorbereitungsseminar zusammen. Die Veranstaltung beinhaltete sowohl landeskundliche und interkulturelle Aspekte des Lebens in Russland als auch einen Russischsprachtest und eine Einführung in die Regeln und den Ablauf des Austauschprogramms. Im September werden die Schüler_innen gemeinsam nach St. Petersburg aufbrechen, wo sie in russischen Gastfamilien untergebracht werden. Sieben von ihnen nehmen am dreimonatigen Austausch mit Schulbesuch teil, zwei weitere absolvieren zweimonatige Sozialpraktika in russischen Nichtregierungsorganisationen. Der Gegenbesuch ihrer russischen Gastgeschwister wird im Zeitraum Mai - Juli 2009 stattfinden.

7) Menschenrechtskapitel in EU-Russland-Abkommen verlangt

In einem gemeinsamen Aufruf haben 17 russische Menschenrechtsorganisationen gefordert, den Dialog zu Fragen der Menschen- und Bürgerrechte sowie der Rechtsstaatlichkeit als eine der wichtigsten gemeinsamen Arbeitsrichtungen im künftigen EU-Russland-Partnerschaftsabkommen aufzunehmen. Anlässlich des heutigen Gipfels beider Seiten in Chanty-Mansijsk (Russland), bei dem die Verhandlungen zu dem neuen Vertrag begannen, erklärten die Menschenrechtler, für die Verankerung gemeinsamer Prinzipien und Themen, aber auch von Kontrollmechanismen sei im Vertrag ein gesondertes Kapitel notwendig. Dies könne der gegenwärtigen Erosion von Bürgerrechten in zahlreichen Ländern Europas entgegenwirken. Die bloße Erwähnung in der Präambel, wie im bisher gültigen Vertrag von 1997, genüge nicht. Eine praktische Zusammenarbeit sei schon jetzt auf Feldern wie dem Persönlichkeitsrecht, der Gerichtsreform, der Humanisierung des Strafvollzugs, der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit möglich, aber auch beim Eintreten gegen Xenophobie und für Verbesserungen in internationalen Institutionen. Die Unterzeichner des Aufrufs boten ihre Mitarbeit bei der Ausarbeitung des Abkommens an. Zu ihnen gehören u.a. die Organisationen Demos, Sova, Civil Assistance, Memorial, der Fond für die Verteidigung der Glasnost, der Bund der Soldatenmütter-Komitees und die Wahlrechtsvereinigung Golos. Der Aufruf ist nachzulesen unter: www.hro1.org/node/2662.

8) Wolgograder NGO „Club Unesco – Würde des Kindes“ unter Druck

Erneut ist eine bekannte russische Nichtregierungsorganisation unter Druck staatlicher Behörden geraten. Die Wolgograder Organisation „Klub Unesco – Die Würde des Kindes“ sieht nach mehreren Aktionen regionaler Sicherheitskräfte und einer Kampagne regionaler Medien ihre Arbeit bedroht, informierten am 25. Juni in Moskau die Moskauer Helsinki Gruppe und die Jugend-Menschenrechtsbewegung Woronesch. Der Organisation wird vorgeworfen, sie habe Taxiquittungen, die mangels elektronischer Kasse im Auto nur in handschriftlicher Form ausgestellt wurden, fingiert und so städtische Fördergelder unterschlagen. Der Streitwert beträgt 8.584 Rubel (ca. 242 Euro). Während einer Wohnungsdurchsuchung bei der Leiterin des „Klub Unesco“, Irina Malowitschko, haben Polizeibeamte Unterlagen zu einem deutsch-russischen Schülerprojekt beschlagnahmt und dabei ohne Bestätigung auch Projektgelder mitgenommen. Der DRA, der mit dem „Klub Unesco“ und Irina Malowitschko viele Jahre kooperiert und in ihnen stets integre Partner erlebt hat, erwartet, dass der Konflikt rechtsstaatlich gelöst wird und die Tätigkeit der Organisation sowie die deutsch-russischen Begegnungsprojekte nicht weiter behindert werden. Unterdessen haben die Ermittlungsbehörden zugesagt, eine beschlagnahmte Computerfestplatte zurückzugeben. Details (auf Russisch bzw. Englisch).

9) Russische Unternehmen sollen an GULAG-Erinnerung mitwirken

Die Menschenrechtsgesellschaft Memorial in Moskau hat die russischen Großunternehmen dazu aufgerufen, aktiv zum Gedenken an die Repressionen im sowjetischen GULAG-System beizutragen. In einem Brief an den Russischen Industrie- und Unternehmerverband erinnert Memorial daran, dass wesentliche Teile der Energie-, Rohstoff- und verarbeitenden Industrie sowie der Verkehrsinfrastruktur, die bis heute zum ökonomischen Erfolg der Konzerne beitragen, von unschuldigen Gefangenen der Straflager aufgebaut wurden. Als anerkennenswertes Vorbild wird der Stromkonzern RAO EES genannt: Er hat ein Buch mit dem Titel „Gefangene bei den Bauten des Kommunismus. Der GULAG und die Energieanlagen der UdSSR“ herausgegeben, in seinen Betrieben Gedenktage organisiert und fast 200 Gedenktafeln anbringen lassen, die an den Bau von Kraftwerken, Staudämmen und Umspannanlagen durch Häftlinge erinnern. Unterdessen haben mehrere Abgeordnete des Europaparlaments Anfang Juni die Gesellschaft Memorial erneut für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Zu den Unterzeichnern des von Józef Pinior (PL) und Milan Horacek (D) initiierten Antrags gehören u.a. Daniel Cohn-Bendit und Elmar Brok (beide D), Vitautis Landsbergis (LIT), Hannes Swoboda (AUS), Christopher Beazley (GB) sowie Bronislaw Geremek und Janusz Onyszkiewicz (beide PL).