DRA Newsletter Juli 2012


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

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In diesem Newsletter informieren wir Sie wie immer über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org).

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Herzlichen Dank für Ihr Interesse! Wir wünschen Ihnen eine frohe Adventszeit. 

Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

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Inhalt

1) Kommentar: Wer nur Feinde sieht, schafft sie selbst – Russland droht eine Eskalation

Vladimir Putin befindet sich seit seiner Rückkehr ins Präsidentenamt immer deutlicher auf Eskalationskurs – und mit ihm, in einem gleichzeitigen Zustand von Symbiose und Paralyse, viele Politiker, Staatsangestellte, Geschäfts- wie Kirchenleute, Karrieristen wie Mitläufer, Engagierte wie Gleichgültige aller Milieus. Jeden Monat zeigt ein neues Gesetz – ob zum Demonstrations-, NGO- oder Medienrecht – der Gesellschaft nachhaltig und einschüchternd, dass Putin Feinde seiner selbst und damit angeblich der ganzen Nation überall da sieht, wo die Protestbewegung im Winter Wortführer und Anhänger hatte. Durch Willkür und totalen Machtanspruch erzeugt er diese Gegenkraft zu großen Teilen selbst. Und durch jeden Opponenten sehen der Präsident und sein Umkreis ihre Ansicht bestätigt, ringsum stutzen und strafen zu müssen, egal ob einzelne Blogger, Duma-Abgeordnete, TV-Stars, Wahl- und Menschenrechts-NGOs oder die Band Pussy Riot. Immer stärker droht Russland und mit ihm Europa von einem Politiker mit gesteuert zu werden, der offenbar seine Selbstüberhöhung und Abwehrreflexe immer weiter steigert. Ergebnis dieser Eskalation könnte sehr wohl eine Sicherheitsdiktatur mit jeglicher Art von Verbrechen gegen die Bürger sein – und ein so ambitioniertes wie depressives Land mit einer deformierten Gesellschaft, in der die meisten ein Minimum an Selbstschutz und Beteiligung durch Anpassung an den vorgegebenen Rahmen zu wahren suchen. Wer diesen Weg jetzt noch unterstützt, ob im Inland oder Ausland, macht sich schuldig an dem Land und seinen Menschen. Dies muss auch in Deutschland diskutiert werden. Die Bundesregierung, die deutsch-russischen Foren müssen sich dazu positionieren, auch der Petersburger Dialog, der im November in Moskau tagen wird – wenige Tage, bevor dort das NGO-Gesetz in Kraft tritt. Und immerhin könnte Putins – wiederum hochmütiges – Einlenken im Pussy-Riot-Prozess ein Anzeichen sein, dass internationale Proteste auch ihm noch nicht völlig gleichgültig sind.

2) Einladung: 9.-10. Oktober. 3. Zivilgesellschaftsforum EU-Russland in St. Petersburg

Alle NGOs und Bürgerinitiativen mit Projekten in oder Interesse an der europäisch-russischen Zusammenarbeit sind herzlich zur 3. Generalversammlung des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland (CSF) am 9./10. Oktober in St. Petersburg eingeladen. Stimmberechtigt sind alle CSF-Mitgliedsorganisationen. Alle anderen Organisationen und sonstige Interessenten können als Beobachter aktiv teilnehmen. Das Treffen findet mitten in einer doppelten Krise statt, die in St. Petersburg auch diskutiert werden soll: Während die EU mit ihrer Finanzstabilität und im Süden bereits mit starken sozialen Folgeproblemen ringt, sind in Russland unabhängige NGOs und andere Akteure erneut durch Einschränkungen im Demonstrations-, NGO- und Medienrecht sowie direkte Verfolgung belastet. Betroffen ist durch die Verfemung russischer, gesellschaftspolitisch engagierter NGOs mit internationaler Unterstützung als „ausländische Agenten“ auch ein wichtiger Teil der transeuropäischen zivilgesellschaftlichen Kooperation. Beim CSF-Forum in St. Petersburg werden außerdem thematische Arbeitsgruppen ihre eigene Agenda und Positionen beraten. Informationen zu Programm und Anmeldung für die Konferenz sowie generell zum CSF siehe www.eu-russia-csf.org. Reisekosten für CSF-Mitglieder trägt anteilig das CSF. Das Forum, 2011 in Prag gegründet, setzt sich für die Ausweitung der Beziehungen zwischen NGOs und Bürgern der EU und Russlands sowie für eine stärkere Beachtung ihrer Anliegen bei allen Verhandlungen auf Regierungsebene ein. Dazu zählen u.a. das bilaterale Partnerschaftsabkommen, Visafragen sowie die Rahmenbedingungen und Standards für zivilgesellschaftliche und soziale Arbeit. Das Forum lädt Organisationen aus allen Bereichen, u.a. Soziales, Umweltschutz, Migration/Integration und Stadtentwicklung, ein, sich anzuschließen. Anfragen zur/Anträge auf Mitgliedschaft im CSF bitte an info@eu-russia-csf.org. Derzeit plant bzw. verwirklicht das CSF, das u.a. von der EU gefördert wird, rund 15 kleinere und größere Projekte, die in St. Petersburg vorgestellt werden.

3) Was vermag die Zivilgesellschaft? 1. Pilorama Laboratorium mit Gästen aus elf Ländern

Das Europäische Jugendforum Pilorama Laboratorium am Gedenkmuseum Perm36 im Ural (Russland) hat seine erfolgreiche Premiere erlebt. Rund 70 Teilnehmer_innen sowie 16 Expert_innen aus elf Ländern diskutierten vom 25.-28. Juli in fünf Workshops anhand von Einzelthemen wie Geschichte, politische Bildung, Ökologie, Minderheitenrecht, Sozialunternehmertum u. a. m. über Chancen, Aufgaben und Methoden zivilgesellschaftlicher Arbeit. Gäste waren u.a. Evgenia Tschirikova (Bewegung für den Chimki-Wald), Alexander Morosov (Chefredakteur Russkij Journal), Tatjana Margolina (Menschenrechtsbeauftragte Gebiet Perm), Alexander Protasevich (Kulturminister Gebiet Perm), Zofia Woycicka (Haus der Europäischen Geschichte, Brüssel) und Ondrej Matejka (Anti-Komplex, Prag). Den äußeren Rahmen bildete, neben dem Wohnen im Zeltcamp am Fluss, das Ensemble des Lagers für politische Gefangene Perm36 – dereinst soll hier ein Europäisches Zentrum für Kultur und Demokratie entstehen. Organisatoren des PiloramaLab waren der DRA, das Institut für Bürgerschaftliches Engagement Perm, MitOst e.V. Berlin und das Museum Perm36. Gefördert wurde es vom Kulturministerium des Gebietes Perm, dem EU-Programm Youth in Action und dem Zivilgesellschaftsforum EU-Russland, das gleichzeitig Schirmherr war. Zum anschließenden 8. großen Festival „Pilorama“ der russischen Zivilgesellschaft kamen diesmal etwa 2.000-3.000 Menschen, darunter viele Prominente aus NGOs, Medien, Wissenschaft, Musik, Kunst. Es waren weniger als 2010 und 2011, was eventuell schon auf die Ernüchterung nach den vergeblichen Winterprotesten und auf die offene Feindseligkeit der russischen Führung gegenüber unabhängigen Stimmen zurückgeht. So war das im Juli verabschiedete NGO-Gesetz auch eines der meistdiskutierten Themen. Als Mehrheitsansicht zeigte sich: Die NGOs wollen wieder Lücken nutzen, die sich aus Formulierung und künftiger Umsetzung des Gesetzes ergeben, also weitermachen und die Öffentlichkeit suchen, notfalls im Modus der Dissidenz wie während der Sowjetunion. Ob Pilorama und PiloramaLab 2013 wie geplant erneut stattfinden können, wird ein Anzeichen dafür sein, wie viel Offenheit in Russland dann noch oder wieder existiert. Fotos, Artikel und weitere Informationen zu PiloramaLab und Pilorama HIER.

4) DRA-Projekt „Professija.DE“ erfolgreich abgeschlossen

Nach dreijähriger Laufzeit endete am 30. Juni 2012 das Projekt „Professija.DE – Deutsch-Russische Unternehmen engagiert für Integration und Ausbildung“, mit dem der DRA das Spektrum seiner Tätigkeit sowohl regional als auch thematisch erweitert hat. Im Mittelpunkt standen beruflich selbstständige bzw. unternehmerisch tätige russischsprachige Zuwanderer in Potsdam, Leipzig und Rostock. Die Aktivitäten von „Professija.DE“ förderten die Vernetzung der Unternehmer_innen untereinander sowie mit Einrichtungen und Organisationen aus Wirtschaft, Kommunalverwaltung und Drittem Sektor, sensibilisierten sie für das Thema Ausbildung und unterstützten sie informierend und beratend. In Leipzig begleitete Professija.DE zum Beispiel die Gründung und Entwicklung eines Interessenverbandes deutsch- und russischsprachiger Unternehmer (IDRU e.V.). Gemeinsam mit lokalen Kooperationspartnern wurden in Rostock und Leipzig mehrfach Betriebsbesichtigungen von Schülergruppen in russischsprachigen Betrieben organisiert, und in allen drei Projektregionen beteiligten sich russischsprachige Unternehmer_innen mit kreativen Ideen an dem Wettbewerb für gesellschaftliches Engagement „Meine Idee für unsere Stadt“. Als wichtiger dauerhafter Baustein entstand das deutsch-russische Internetportal professija.de mit zielgruppenspezifisch aufbereiteten Informationen rund um Beruf und Ausbildung, so etwa zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Großen Erfolg hatte die vielerorts (zuletzt im Landtag Brandenburg in Potsdam) gezeigte, 28 Porträts umfassende Fotoausstellung „Mittendrin! – Russischsprachige Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland“, die Interessenten auch weiterhin bereitgestellt werden soll. Schließlich ist mit den im Zuge des Projekts geknüpften Kontakten in allen drei Projektstädten eine Basis für vielfältige künftige Kooperationen und Partnerschaften geschaffen worden. Der DRA bedankt sich herzlich bei Bettina Bofinger (Leitung), Roman Elsner, Irina Bukharkina, Rufiya Yunusova und allen weiteren Projektmitarbeiter_innen sowie bei allen Förderern des Projekts. Neben dem Bundesprogramm „XENOS – Integration und Vielfalt“ waren dies: die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin, die Bertelsmann Stiftung, das Rechtsanwaltsbüro Schmieder & Eckstein sowie die Alice Salomon Hochschule. Zugleich danken wir allen Partnern in den Projektregionen für die gute Zusammenarbeit! Eine ausführliche Dokumentation der Aktivitäten und Ergebnisse von professija.DE finden Sie HIER.

5) Deutsch-russische Nachwuchskräfte entwickelten Business-Konzepte

Milchkühlanlagen, Rohrreinigungssysteme, ökologisch nachhaltig produzierte Bücher: Konzepte zu diesen und weiteren neuartigen Produkten entwickelten über 40 junge Leute aus Russland und Deutschland in zehn gemischten Teams bei einem Workshop am 23.-28. Juni in Moskau. Bedacht wurde dabei alles von der Entwicklung über die Finanzierung bis zur Vermarktung. Der DRA trat bei dieser „Fabrik für innovative Lösungen“ als Partner der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität (RGGU) und der russischen Stiftung Internationaler Jugendaustausch (FMO) auf. Gefördert wurde das Projekt von der FMO und der Hamburger Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch. Die ursprünglichen Geschäftsideen stammten von russischen Teilnehmer_innen, die damit im März bei einer Auswahlveranstaltung der FMO überzeugt hatten. Die Beteiligten hatten mit großem Engagement zum Teil erhebliche Sprachbarrieren sowie fachkundliche Kenntnisdefizite hinsichtlich der oft hochspeziellen Materie zu überwinden. Ihre Ergebnisse präsentierten sie am letzten Tag vor einer bilateralen Fachjury aus hochrangigen Vertreter_innen von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Die Arbeit der Teams wurde zudem von einer fünfköpfigen journalistischen Gruppe begleitet, deren Berichte über die Workshops einschließlich der Porträts einzelner Beteiligter in Kürze auf der Plattform „To4ka-Treff“ des Goethe-Instituts HIER nachzulesen sein werden.

6) Noch Plätze frei: Internationales Schülerprojekt zu Menschenrechten

Was bedeuten die Menschenrechte in dem Umfeld, in dem ich selbst lebe? Unter dem Motto „Was heißt hier anders? UnNormalitäten in Deutschland, Russland und Polen“ werden 21 Schüler_innen aus Berlin, St. Petersburg und Opole (Oppeln) auf drei einwöchigen Zusammenkünften im November (Sankt Petersburg), Februar (Breslau) und im April 2013 (Berlin) gemeinsam dieser Frage nachgehen. Der DRA verwirklicht dieses trilaterale Projekt gemeinsam mit seiner Petersburger Partnerorganisation „Nemezko-Russki Obmen“ (NRO) und der Organisation der deutschen Minderheit in Schlesien „Towarzystwo Spoleczo-Kulturalne Niemcow Wojewodztwa Slaskiego“ (TSKN). Gestützt auf Dokumente und Berichte von Betroffenen werden die 14-18-jährigen Teilnehmer_innen einen Bogen von der Idee der Menschenrechte zu deren Bedeutung für einzelne Menschen in konkreten Situationen schlagen. Sie befassen sich mit der Situation gesellschaftlicher Randgruppen in ihren Ländern vor und nach 1990 und hinterfragen nicht zuletzt auch die eigene Identität und die Norm(alität)en ihrer Umgebung. Im Fokus stehen die Rechte auf Selbstbestimmung, freie Meinungsäußerung sowie Religions- und Gewissensfreiheit. In der deutschen Teilnehmergruppe sind noch Plätze frei. Interessierte Schüler_innen aus dem Berliner Raum (ab Klasse 10) senden bitte einen tabellarischen Lebenslauf und ein einseitiges Motivationsschreiben an Johanna Sievers, die auch gern weitere Auskünfte erteilt. Die Projektsprache ist Deutsch, Russisch- oder Polnischkenntnisse sind von Vorteil, aber keine Bedingung. Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Europeans for Peace“ von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) gefördert.

7) Seminar „Power of ImagiNation“ zu russisch-lettischen Beziehungen

21 junge Leute aus Russland und Lettland ließen sich vom 16.-26. Juni in dem kleinen Dorf Pelči (Lettland) von der „Power of ImagiNation“ erfassen. Unter dieser Überschrift fand dort als Projekt des im Ostseeraum angesiedelten Begegnungsprogramms „Bridge It!“ ein zehntägiges Seminar statt, bei dem die Teilnehmer_innen zunächst die eigene und die andere Kultur und Identität sowie Aspekte der russisch-lettischen Beziehungen erörterten und sich mit Vorurteilen und Fällen von Diskriminierung und Machtmissbrauch auseinandersetzten. Der zweite Teil des Treffens war der Entwicklung sozialer Projekte gewidmet, die bis Mitte Oktober verwirklicht werden sollen. Mit Unterstützung von fünf Trainer_innen wurden 13 Ideen ausgearbeitet, so u.a. zur Förderung des Demokratieverständnisses und zur Sensibilisierung für Spuren der russischen Kultur in Riga bzw. der lettischen Kultur in Petersburg. Dazu kam ein von den Teilnehmer_innen gestaltetes Abendprogramm mit Improvisationstheater, Unterricht in lettischem Tanz, Sprachlektionen und anderem mehr. Genauere Schilderungen bietet der gemeinsam gestaltete Blog. Insgesamt war die Begegnung ein großer Erfolg: Neue russisch-lettische Freundschaften wurden geschlossen, und die Projekte warten nun auf die Umsetzung. „Bridge it!“ ist ein gemeinsames Projekt von Orbita (Riga), dem DRA St. Petersburg, dem Theodor-Heuss-Kolleg der Robert Bosch Stiftung und von MitOst e.V. (Berlin). Die russisch-lettischen Beziehungen sind seit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion durch zahlreiche Konflikte belastet. Diese betreffen u.a. die Deutung der beiderseitigen Rolle im 2. Weltkrieg und die Rechte der russischen Minderheit in Lettland.

8) Von Hip-Hop bis Management – Berliner und Moskauer Jugendträger kooperieren

Im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau und im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft organisierte der DRA vom 15.-30. Juli eine Begegnung zwischen Jugendlichen aus den beiden Hauptstädten. Veranstalter war der Kinderring Berlin e. V., Partnereinrichtung das Moskauer Städtische Zentrum für Methodik der Sozialarbeit und Pädagogik (GYNMC). Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Berlin mit Besichtigungen und Museumsbesuchen ging es für die jungen Teilnehmer_innen für elf Tage in das Feriendorf Schlowe in Mecklenburg-Vorpommern. Das hier gebotene vielfältige Programm umfasste Ausflüge an die Ostsee und nach Wismar, Workshops (Hip-Hop, Malen, Schlagzeug, Bogenschießen) und weitere Freizeitaktivitäten. Die Jugendlichen lernten sich so gut kennen, dass beim kleinen Abschlussfest im Berliner Jugendzentrum „Betonia“ Abschiedsschmerz aufkam – aber das nächste Treffen ist schon in Planung: Es soll 2013 in Moskau oder in Berlin erfolgen. Bereits vom 27. August bis 1. September 2012 wird außerdem in Berlin ein Fachkräfteaustausch zwischen dem Moskauer GYNMC, dem Kinderring e.V., dem Jugendfreizeitheim Bungalow und dem Kinder- und Jugendhaus Mariendorf (KiJuM, Berlin) stattfinden. Thematischer Schwerpunkt ist ein Austausch zu Fragen der wissenschaftlichen Begleitung der Jugendsozialarbeit sowie des Projektmanagements.

9) 20 Jahre DRA - Teil V: 2000-2001

Am 31.12.1999 beginnt die Präsidentschaft Vladimir Putins und damit Russlands zweite Nachwende-Epoche. – Der DRA richtet vom 26.-28.4.2000 in St. Petersburg gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung ein internationales Seminar zur journalistischen Ethik aus. Als Wissenschaftliche Kooperationspartner der EXPO 2000 gestalten der DRA, Amnesty International und die Heinrich-Böll-Stiftung am 12. Juni 2000 in Hannover einen Bereich zum Thema „Zivilgesellschaft in Russland“, u.a. zu den Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien. In Volgograd stärkt der DRA die Vernetzung von Behörden und Drittem Sektor und fördert ab 2000 mit Hilfe des Diakonischen Werkes 17 lokale NGO-Kleinprojekte. Im September 2000 absolvieren erneut 15 Journalist_innen aus Nordwestrussland ein Redaktionspraktikum in deutschen Partnerstädten (Förderer: Bundespresseamt). Am 28. 9. eröffnet der Aussiedlerbeauftragte der Bundesregierung, Jochen Welt, die Ehrenamtsbörse des DRA, die bis 2011 unter Leitung von Bettina Bofinger ehrenamtliche Tätigkeiten für russischsprachige Zuwanderer vermittelt (Förderung: Bundesinnenministerium, Fernsehlotterie). Vom 3.-5.11.2000 untersuchen die 5. Deutsch-Russischen Herbstgespräche (Partner: DRA, Evangelische Akademie, Heinrich-Böll-Stiftung) in Berlin „Fremdbilder und Selbstbilder in Deutschland und Russland“. Zugleich publiziert der DRA eine Broschüre über die Deutschen in St. Petersburg. Im Dezember stellt Kerstin Nickig in ihrem Dokumentarfilm „Grass Roots Diplomats“ die DRA-Freiwilligenprogramme und drei Freiwillige in Irkutsk, St. Petersburg und Moskau vor. Im April 2001 beginnt der Verein seine Arbeit im Nordkaukasus – ein von Stephanie Weber-Tsomakaeva betreutes Projektbüro in Nasran (Inguschetien) unterstützt ab sofort tschetschenische Flüchtlingsfamilien beim Aufbau von Kleinunternehmen, im September fahren sechs tschetschenische Juristen zu einer Informationsreise nach Berlin und Straßburg. Vom 10.-12. April 2001 findet auf Initiative der russischen und deutschen Regierung und mit Beteiligung des DRA in St. Petersburg der erste „Petersburger Dialog“ (PD) zwischen gesellschaftlichen Gruppen beider Länder statt. Von russischer Seite wird keine einzige NGO eingeladen, seither tritt der DRA für eine größere Offenheit des PD ein. Im Mai publiziert der DRA den Studium- und Praktikumsführer „Deutsch-Russisches Handbuch zum Berufseinstieg“, außerdem entsteht eine Broschüre zu Freiwilligenstellen im Ural. In Minsk startet zeitgleich ein EU-Projekt des DRA mit elf NGOs zur Förderung der Demokratie in Belarus, Koordinatorin ist Susanne Müller. Vom 19.-21. 10. 2001 befassen sich die 6. Deutsch-Russischen Herbstgespräche mit dem Thema „Bandenkapitalismus oder Rechtsstaat“. Ab Oktober 2001 unterstützen 14 junge west- und osteuropäische Freiwillige ehemalige Zwangsarbeiter in Berlin, Warschau, Kiev, Minsk und Moskau bei der Nachweisbeschaffung für ihre Entschädigungsanträge. - Folge VI der Chronik folgt im Newsletter September.