DRA Newsletter Juli 2008


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

ist Ihnen etwas aufgefallen? Unser Newsletter hat ein neues Design - und nicht nur dieser! Unsere Website ist ebenfalls neu gestaltet und moderner geworden. Schauen Sie doch gleich mal nach unter www.austausch.org.

In diesem Newsletter informieren wir Sie wie immer über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org).

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Herzlichen Dank für Ihr Interesse! Wir wünschen Ihnen eine frohe Adventszeit. 

Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

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Inhalt

1) Der DRA gedenkt Bronislaw Geremeks

Mit Betroffenheit hat der DRA vom Tod des polnischen Europa-Abgeordneten, früheren Außenministers und Historikers Bronislaw Geremek am 13. Juli erfahren. Er war einer der unermüdlichsten, integersten und überzeugendsten Fürsprecher der Verständigung von Ost und West. Die innere Freiheit, die er sich in der polnischen Demokratiebewegung und als Berater von Lech Walesa vor 1989 errungen hatte, wurde später zur Richtschnur seiner gesamten Arbeit als Politiker. Er beharrte stets darauf, dass die Länder Europas ihre eigene Geschichte offen und kritisch betrachten und eigene Fehler eingestehen müssen, um zu einer freundschaftlichen Gemeinsamkeit zu finden - auch bei der schwierigen Aussöhnung zwischen Deutschen, Polen und Russen und dem Abbau des Misstrauens, das durch Diktaturen, Okkupationen, Verbrechen aufgestaut wurde. Die Versöhnung mit Polen und den anderen mittelosteuropäischen Ländern bleibt auch eines der Ziele in der Arbeit des Deutsch-Russischen Austauschs.

2) Russland plant Einschränkung von Steuerermäßigungen für NGOs

Eine neue Regierungsverordnung soll in Russland demnächst die freie Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusätzlich erschweren. Ab 1.1.2009 sollen alle aus dem Ausland stammenden Gelder, die die Vertretungen internationaler NGOs und Stiftungen in Russland in Förderprogramme und eigene Projekte investieren, als Geschäftseinkommen mit bis zu 24 % Gewinnsteuer belegt werden. Lediglich pauschale Spenden zur allgemeinen Unterstützung der Satzungsziele, bei denen die Stiftungen praktisch ohne Anspruch auf Rechenschaftslegung blieben, wären dann noch steuerfrei. Betroffen sind sogar Überweisungen von den Mutterorganisationen. Die Verordnung vom 28. Juni kürzt die Liste der bisher von dieser Steuer befreiten internationalen NGOs von 101 auf nur noch 12. Betroffen sind u.a. das Internationale Rote Kreuz, der Internationale Tierschutz-Fonds und die britische Charities Aid Foundation (CAF) sowie mehrere Stiftungen, die Menschenrechtsarbeit in Russland unterstützen. Ausgenommen sind v.a. einige UN-Organisationen, aber auch die Internationale Atomenergiebehörde oder der Ostseerat. Russische NGO-Vertreter_innen befürchten, dass die von der Streichung betroffenen Organisationen nun auf die Arbeit im Land verzichten oder versucht sein könnten, durch Zugeständnisse noch auf die Liste zu gelangen. Bis 1. Oktober soll das Finanzministerium in Moskau ein Verfahren zur Aufnahme auf die Liste erarbeiten. Der DRA Berlin ruft die russische Regierung auf, auf die Umsetzung der neuen Regelung zu verzichten. Sie widerspricht der internationalen Praxis und stellt NGOs erneut unbegründet unter den Verdacht, dem russischen Staat schaden zu wollen, statt den Nutzen und die Chancen zu würdigen, die sich für Russland aus der internationalen Zusammenarbeit im Dritten Sektor ergeben.

3) Nationalitätenkomitee der Stadt Moskau: Fachdialog mit DRA

Eine Delegation des Moskauer Stadtkomitees für überregionale Beziehungen und Nationalitätenfragen hat sich im Berliner Büro des DRA über die Programme des Vereins für Bürger_innen beider Länder sowie vor allem für russischsprachige Migrant_innen in Deutschland informiert. Die für die Studienreise zuständigen Organisatoren der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales wählten den DRA als Beispiel für den Beitrag zivilgesellschaftlicher Träger bei der Integration von Zuwanderern. Zu den DRA-Angeboten zählen aktuell u.a. der Seminarzyklus „Quinta“ für Migrantenorganisationen aus Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin sowie die Vermittlung russischsprachiger Ehrenamtlicher in deutsche soziale und kulturelle Vereine, beides organisiert durch die Projektleiterin Bettina Bofinger. Auch das 2007 neu aufgelegte „Deutsch-Russische Handbuch zum Berufseinstieg“ des DRA unterstützt viele Migrant_innen bei der Suche nach geeigneten Einsatzorten für ihre Kompetenzen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Arbeitsmigration in Moskau interessierten sich die Gäste unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden des Komitees, Pawel Klimow, verstärkt dafür, mit welchen Methoden der Zugang zum Arbeitsmarkt für MigrantInnen geöffnet und dennoch reguliert werden kann und wie zugleich in Deutschland gegen illegale Zuwanderern rechtlich verfahren wird.

4) EU-Study School im sibirischen Tomsk

Das zweijährige Programm „EU Study Schools“ des DRA Berlin und des DRA St. Petersburg erreichte vom 4. - 6. Juli seinen östlichsten Punkt: In der sibirischen Universitätsstadt Tomsk beschäftigten sich 30 Student_innen und Doktorand_innen drei Tage lang mit der Zusammenarbeit von Russland und der EU. Sie konnten den aktuellsten Stand einbeziehen: Nur eine Woche zuvor hatte in der ebenfalls in Sibirien gelegenen Stadt Chanty-Mansijsk und erstmals mit Präsident Medwedew der jüngste EU-Russland-Gipfel stattgefunden; dabei waren endlich Verhandlungen zu einem neuen Partnerschafts- und Kooperationsabkommen beider Seiten beschlossen worden. Referent_innen in Tomsk waren u.a. der Leiter der politischen Abteilung der EU-Delegation Moskau, die Leiterin der Abteilung für Internationales des Gebiets Tomsk, Dozenten der Universität und der Leiter der Moskauer Studienagentur CampusFrance.

5) Russische Freiwillige schließen Berlinaufenthalt ab

„Jugend gegen HIV/AIDS: Prävention und Behandlungsmöglichkeiten in Ost und West“: So lautete der Titel eines DRA-Freiwilligenprogramms, in dessen Rahmen der DRA vier junge Freiwillige, die in Russland in diesem Bereich oder der Drogenhilfe aktiv sind, in Berliner Organisationen vermittelte. Von Januar bis Juli wirkten Alexandra Gurinowa aus Moskau und Kirill Legaschow aus Stawropol bei der Berliner AIDS-Hilfe e.V. mit; Olga Pasetschnikowa und Daniil Pleshak aus St. Petersburg arbeiteten bei der Kontakt- und Beratungsstelle „MisFit“, die zum Verein für Suchtprävention und Therapie mit Drogenabhängigen gehört, sowie beim Jugendclub Schalasch. Die Erfahrungen und Kenntnisse, die sie in Deutschland erworben haben, werden sie künftig in ihr Engagement in ihren Heimatstädten einbringen. Finanziert wurden die Freiwilligenaufenthalte vor allem über den Europäischen Freiwilligendienst der EU.

6) Petersburger DRA initiiert Netzwerk zu Freiwilligenarbeit

Sowohl auf gesamtstaatlicher als auch auf regionaler Ebene wird in Russland das Thema des freiwilligen Engagements immer stärker beachtet. In Petersburg hat die Stadtverwaltung jetzt eigene Zentren zur Förderung dieses Bereichs ins Leben gerufen. Vor diesem Hintergrund hat der DRA St. Petersburg ein neues informelles Netzwerk von Organisationen initiiert, die Freiwilligendienste organisieren oder die auf das Freiwilligenengagement in besonders hohem Maße angewiesen sind. Im Juni und im Juli fanden dazu bereits drei Rundtischgespräche statt; zu den Teilnehmern gehörten das älteste Petersburger Freiwilligenzentrum „Newa-Engel“, die Organisationen „Nachtasyl“ (Obdachlosenhilfe), „Perspektivy“ (Unterstützung von Behinderten) und „Ärzte für Kinder“, der Freiwilligendienst der Eremitage u.a.m. An den Treffen, die künftig regelmäßig stattfinden sollen, werden auch VertreterInnen der Universitäten und voraussichtlich der Wirtschaft mitwirken. Auf der Agenda stehen ein ethischer Kodex für Freiwilligendienste, Standards zum Führen von Arbeitsbüchern für die Freiwilligen und Öffentlichkeitsarbeit zum Freiwilligenengagement und zur Tätigkeit von NGOs.

7) Diskussion zu Perspektiven der russischen Opposition

Welche Bündnischancen bestehen derzeit im Lager der russischen Opposition? Dieser Frage widmeten der DRA St. Petersburg und die Internetzeitung polit-gramota.ru den vierzehnten ihrer gemeinsam veranstalteten Diskussionsabende am 8. Juli. Zu Gast waren diesmal der Petersburger Vorsitzende der sozial-liberalen Jabloko-Partei Maxim Resnik sowie Andrej Dmitriew, der zu den Gründern der national-demokratischen Bewegung „Narod“ (dt. „Volk“) gehört. Beide Politiker hielten ein Zusammengehen von Liberalen und Nationalisten trotz ideologischer Gegensätze für möglich. Maxim Resnik urteilte in diesem Zusammenhang, dass es besser sei, den gemäßigten Nationalisten einen Platz in der russischen Politik einzuräumen, als nationale Themen weiterhin radikaleren Gruppierungen und den Skinheads zu überlassen. Offizielle Linie der „Jabloko“-Partei ist es allerdings, ein Bündnis mit nationalistischen Kräften abzulehnen; die Petersburger Parteigruppe machte sich vor einigen Monaten für eine liberal-demokratische Koalition innerhalb der Opposition stark. „Narod“ hingegen veranstaltete vor mehreren Wochen eine gemeinsame Konferenz mit nationalistischen Organisationen, von denen einige offen rechtsradikal auftreten.

8) Jugendgruppe des Europa-Haus-Dresden beim DRA Petersburg

Eine Jugendgruppe vom Europa-Haus-Dresden war vom 7. - 15. Juli zu Gast in St. Petersburg. Der DRA hatte den Aufenthalt organisiert, begleitete die Gruppe und gestaltete das Programm, das Kulturveranstaltungen wie das moderne Kunstprojekt „Body Navigation“, Besuche bei politischen und sozialen Organisationen sowie Fahrten zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgebung umfasste. Durch die Unterbringung in Gastfamilien erhielten die TeilnehmerInnen einen direkten Einblick in das Leben der Petersburger. Der DRA wird diese Form der Jugendbegegnung mit unmittelbarer russischer Beteiligung in Kürze fortführen: Am 21. Juli trifft eine belgische Jugendgruppe ein.

9) Praktikumsausschreibung: Assistenz der Geschäftsführung

In der Berliner Geschäftsstelle des DRA ist ein Vollzeitpraktikum von sechs Monaten Laufzeit zu vergeben. Es handelt sich um die Assistenz der Geschäftsführung im Zeitraum vom 1.10.2008-31.3.2009. Das Praktikum gibt Einblick in die Bereiche Projektentwicklung, -betreuung und –akquisition sowie die Öffentlichkeits- und Spendenarbeit des Vereins und umfasst daneben allgemeine Verwaltungsaufgaben (Büroorganisation, Korrespondenz, Datenbankpflege etc.). Vorausgesetzt werden Interesse an Russland und Osteuropa, an gesellschaftspolitischen und sozialen Fragen, selbstständiges Arbeiten sowie gute Russisch-, Englisch- und PC-Kenntnisse. Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit, Website-Pflege und Projektentwicklung sind von Vorteil. Bewerbungen mit Lebenslauf und Motivationsschreiben sind bitte bis zum 20.08.2008 unter assistenz@austausch.org einzureichen.

10) Russisch-deutscher Doppelmaster im Fach Sozialarbeit

Zum zweiten Mal besteht die Möglichkeit, mit dem russisch-deutschen Doppelmasterstudiengang „Interkulturelle Sozialarbeit“ in nur drei Semestern einen Doppelabschluss zu erwerben. Hintergrund des Projekts ist die Migrationsgeschichte zwischen Russland und Deutschland, insbesondere die Zuwanderung von Russlanddeutschen in die Bundesrepublik, aber auch die wachsende Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern bzw. der Europäischen Union und Russland. Träger des internationalen Studiengangs sind die Moskauer Humanistische Universität und die Alice Salomon Hochschule Berlin. Die Studierenden besuchen semesterweise Seminare und Vorlesungen an beiden Hochschulen; gute Russisch- und Deutschkenntnisse sind daher eine wichtige Voraussetzung für die Zulassung. Deutsche Staatsbürger_innen bzw. Bildungsinländer_innen erhalten Stipendien von bis zu 875,- Euro monatlich, allerdings nur für die Dauer des ersten Semesters in Moskau vom 1. Februar bis Mitte Juni. Alle weiteren Informationen (Bewerbungsfristen, Zulassungsvoraussetzungen, DAAD-Stipendien, Studiengebühren) unter www.asfh-berlin.de/doppelmaster