DRA Newsletter Januar 2019

Liebe Leserinnen und Leser,

durch die Aufkündigung des IFN-Vertrages, den Streit mit Russland um die Stimmrechte im Europarat und die Beschädigung der EU durch den Brexit und die absehbare Stärkung nationalistischer Kräfte bei den Wahlen zum EU-Parlament droht unser Kontinent politisch um Jahrzehnte zurückzustürzen und steht die europäische Zivilgesellschaft vor immensen Aufgaben. In einem Kommentar schildern wir Umstände dieser Krise und welche Schritte wir als notwendig ansehen, um ihr zu begegnen.

Dem Konflikt in der Ostukraine widmen die Leitmedien nur noch selten Berichte. Aber in der Region leidet die Bevölkerung weiter unter Waffenstillstandsverletzungen und den Folgen des Krieges, der nach jüngsten UN-Angaben schon rund 13.000 Menschenleben gekostet hat. Welche Chancen und auch Grenzen hat die Zivilgesellschaft zur Begleitung der internationalen Verhandlungen zu dem Konflikt? Lesen Sie in diesem Newsletter mehr über ein Seminar von NGOs und Think Tanks zu dieser Frage, das soeben in Berlin stattfand, vom DRA mit organisiert, und über aktuelle Einsichten in die Lage vor Ort, die eine weitere Monitoring-Mission des DRA erbracht hat.

Neu gestartet ist im Januar ein dreijähriges, EU-gefördertes Umweltprojekt für Nordwestrussland, in dem der DRA gemeinsam mit NGOs sowie Schul- und Universitätslehrkräften Bildungsformate zu den Themen Klimawandel und klimagerechtes Handeln für junge Menschen organisiert. Wir berichten hier auch über diese und vielfältige weitere Aktivitäten des DRA in Deutschland und Osteuropa.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse!

Ihr Stefan Melle und das Team des DRA

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Inhalt

1) Europa und Russland an der Wegscheide: Ein Kommentar zur Aussetzung des INF-Vertrages, der Lage im Europarat und der EU – was sollte die Zivilgesellschaft tun?

Europa steht vor einem entscheidenden Jahr – und seine Bewohner/innen als Bürger/innen, als Zivilgesellschaft vor unaufschiebbaren Aufgaben. Mit der Aussetzung des INF-Vertrages über den Verzicht auf Mittelstreckenraketen droht nun unser Kontinent endgültig um Jahrzehnte in seiner Entwicklung zurückzustürzen – und nicht nur in die Mitte der 80er-Jahre, bevor die Perestroika und Bürgerbewegungen solche Abrüstungsverträge und dann gar die Überwindung des Ein-Parteien-Sozialismus in Mittel- und Osteuropa ermöglichten. Sondern – ungeachtet aller Veränderungen u.a. durch Europäisierung, Globalisierung, Digitalisierung – zurück in eine Situation wie vor 50 Jahren, vor der Helsinki-Schlussakte und dem EU-Beitritt Großbritanniens 1975, vor dem Ende der Diktaturen in Spanien und Portugal. In eine Zeit, als die Supermächte sich nur im Modus der Konkurrenz sahen und auch in Europa noch bereit waren, den Erhalt des Status quo militärisch zu erzwingen.

Je nach Lesart wird Europa schon seit 2007 (Putins Münchner Rede), 2008 (Unabhängigkeit des Kosovo und Georgien-Krieg) oder 2014 in diesen Modus zurückgetrieben. Auf jeden Fall waren die Krim-Annexion und der Kriegsbeginn in der Ostukraine durch die russische Führung das erste Beispiel nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991, in der das angemaßte Bestehen auf Unterordnung eines Nachbarlandes in Europa wieder offen mit Gewalt durchzusetzen versucht wird. Die daraus entstandene neue Aufrüstung kostet schon heute jährlich -zig Milliarden Euro – unproduktiv verwandte Ressourcen, die für Bildung, sozialen Ausgleich, Umweltschutz, Kultur u.v.m. fehlen. Dies wird sich bald politisch irrlichternd noch beschleunigen und die reale und gefühlte Unsicherheit in Europa weiter verstärken. Es ist eine Situation, die die europäische Zivilgesellschaft nicht einfach hinnehmen darf, zumal auch noch weitere wichtige Felder vor schwierigen Wegscheiden stehen.
So wirkt auch das parallele Ringen mit der Moskauer Führung um den Erhalt des Europarates (ER) als gemeinsame Rechtsbasis für den europäischen Raum immer aussichtsloser – einschließlich des für die russische Bevölkerung und Zivilgesellschaft eminent bedeutsamen Zugangs zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und andere Rechtsinstrumente.

Lesen Sie den gesamten Kommentar hier

2) Klimabildungsprojekt „ACCT!” in Russland gestartet!

Im Umwelt- und Klimaschutzprogramm des DRA begann am 1. Januar 2019 das dreijährige EU-finanzierte Projekt „ACCT! – Acting on Climate Change Together!” Ziel ist es, Programme für eine innovative, partizipatorische und handlungsorientierte Klimabildung für junge Menschen im Nordwesten Russlands zu entwickeln und umzusetzen. 

Inhaltliche Schwerpunkte sind der Klimawandel und seine globalen und lokalen Folgen, gesellschaftliche wie berufliche Perspektiven einer klimafreundlichen Entwicklung sowie Möglichkeiten zu individuellem und gemeinschaftlichem Handeln für eine klimagerechte Zukunft. Hauptkooperationspartner des DRA sind die NGOs Friends of the BalticRNEI (Russisch-Deutsches Büro für Umweltinformation, St. Petersburg) und Ecological Movement of Arkhangelsk sowie die Polytechnische Peter-der-Große-Universität St. Petersburg (alle Russland) und das Unabhängige Institut für Umweltfragen (Berlin).

Etwa 100 Mitarbeiter/innen weiterer NGOs und Lehrkräfte in St. Petersburg, in den Regionen Murmansk, Archangelsk, Karelien und im Leningrader Gebiet werden im Projekt zunächst inhaltliche und methodische Trainings zum Thema erhalten. Anschließend werden bis Ende 2021 fünfzehn Klimabildungsprogramme durchgeführt, in die über 350 junge Menschen eingebunden werden sollen. Das Programm wurde seitens des DRA von der Programmleiterin Judith Kiss erarbeitet.

3) Bis 10.2. bewerben: DRA sucht kurzfristig Projektleiter/in für Umwelt- und Klimaschutzprogramm in Elternzeitvertretung

Im Berliner Büro des DRA ist kurzfristig ab dem 1. März 2019 eine Stelle als Projektleiter/in im Arbeitsbereich „Umwelt- und Klimaschutz mit Osteuropa“ als Elternzeitvertretung in Teilzeit (in Absprache 20-36 Std./Woche) zu besetzen.

Im Programm „Umwelt- und Klimaschutz mit Osteuropa“ werden gegenwärtig Projekte mit Partnern in Russland, der Ukraine, Belarus und Kirgistan umgesetzt. Zu den thematischen Schwerpunkten gehören die Bereiche klimafreundliche Stadt- und Verkehrsplanung, Bürgerbeteiligung, Klimabildung, Zukunftsberufe und Hochschulaktivitäten mit Umwelt- und Klimaschutzbezug, nachhaltige Landwirtschaft. Der/die Programmleiter/in koordiniert und kontrolliert die Projekte des Programms, die v. a. durch die EU, Brot für die Welt sowie verschiedene deutsche Stiftungen gefördert werden. 

Vorausgesetzt werden insbesondere Erfahrungen im internationalen Projekt- und Veranstaltungsmanagement und in der Verwendungsnachweisprüfung, Interesse an und Kompetenzen zu Osteuropa und dem Ausbau der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit im Umweltschutzbereich, ferner auch sehr gute Deutsch- und gute Englischkenntnisse. Gute Kenntnisse einer Sprache der Projektregionen (Russisch/Ukrainisch/Belarussisch/Kirgisisch) sind von Vorteil. Weitere Angaben zu den Aufgaben und Voraussetzungen finden Sie hier.

Es handelt sich zunächst um eine bis Ende August 2020 befristete Stelle. Eine Verlängerung und Einbindung in das Programmteam wird angestrebt. Die Stelle wird angemessen vergütet. Der DRA e.V. bietet ein vielseitiges und internationales Arbeitsumfeld, kompetente Mitarbeiter/innen und Raum für Eigeninitiative. 

Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung in EINEM PDF-Dokument (nicht größer als 2MB) an judith.kiss@austausch.org. Bewerbungsschluss ist der 10. Februar 2019. Die Bewerbungsgespräche finden am 14./15. Februar 2019 in Berlin statt.

4) Berlin, 13.2.2019, 17:30 Uhr: Podiumsgespräch zu Barrierefreiheit und Inklusion in russischen und deutschen Kultureinrichtungen

Sowohl Russland als auch Deutschland haben die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, die die Beteiligung von Menschen mit Behinderung am gesamten gesellschaftlichen Leben zum Ziel hat. In beiden Ländern wurde seitdem viel für ein barrierefreies Umfeld getan. Dennoch gibt es in den Bereichen Kultur und Freizeitgestaltung weiterhin zahlreiche infrastrukturelle, inhaltliche und kommunikative Barrieren, die eine solche Teilhabe erschweren. 

Welches Verständnis von Inklusion, Barrierefreiheit und Zugänglichkeit besteht in Russland und in Deutschland? Welche Hürden gilt es bei der Verwirklichung barrierefreier Kultureinrichtungen in beiden Ländern zu überwinden, und wer sind die Akteur/innen in Umgestaltungsprozessen? Was sind die ersten, was die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur kulturellen Teilhabe für alle? 

Diese und weitere Fragen werden Expert/innen aus beiden Ländern bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion diskutieren, zu der der DRA hiermit herzlich einlädt. Die Veranstaltung mit dem Titel „Barrierefreiheit und Inklusion in Kultureinrichtungen? Erfahrungen und Erkenntnisse aus Deutschland und Russland“ wird im Rahmen des DRA-Projekts „INKuLtur – Förderung des Zugangs zu Kulturangeboten für Menschen mit Behinderung“ durchgeführt (Förderung: Auswärtiges Amt). Sie findet am 13. Februar 2019 von 17:30-19:00 Uhr in der Bibliothek am Luisenbad (Puttensaal) statt (Badstr. 39, 10623 Berlin, U-Bahn: Pankstraße).

Die Podiumsgäste sind Andrei Afonin (Leiter und Regisseur des Integrativen Theaterstudios „Krug II“ [„Kreis II“] und Vorstandsmitglied der Vereinigung von Akteuren im Bereich inklusiver Kunst, Moskau), Anne Rieger (Produktionsleiterin von „Making a Difference“, Sophiensaele Berlin), Vladislav Kolesnikov (Kurator für Zugänglichkeitsprogramme des Staatlichen Historischen Museums Moskau) und Stefanie Wiens (Leiterin von „Platz da!“ – Barrierefreie Kulturvermittlung und Prozessbegleitung für Inklusion, Berlin). Moderieren werden Anja Kretzer (DRA, Projektleiterin INKuLtur, Berlin) und Julia Galagusova (Staatliche Pädagogische Universität des Ural, Jekaterinburg). 
 
Um Anmeldung bis zum 8. Februar 2019 unter inkultur@austausch.org wird gebeten. Bitte informieren Sie uns auch, falls Sie einen besonderen Bedarf haben. Der Veranstaltungsort ist rollstuhlgerecht. Das Podiumsgespräch wird simultan deutsch-russisch übersetzt.

5) 19.2.2019, 19 Uhr, KULTschule Berlin: Diskussionsabend der AG Geschichte des DRA zu russlanddeutschen Identitäten

Die AG Geschichte des DRA veranstaltet am 19. Februar 2019 um 19 Uhr im Lichtenberger Kulturzentrum „KULTSchule“ eine Diskussion zum Thema „Russlanddeutsche Identitäten 2019“. Im Zentrum stehen die Lebenswelten und Herausforderungen der rund 2,5 Millionen Russlanddeutschen, die nach dem Zerfall der Sowjetunion als sogenannte Spätaussiedler/innen nach Deutschland kamen. Wer sind die Russlanddeutschen heute? Was macht ihre Identität aus? Was verbindet sie heute noch mit Russland und wie stehen sie zu Deutschland und den Entwicklungen im Land? Diese und weitere Fragen werden in einem interaktiven Fishbowl-Format diskutiert, bei dem auch die anwesenden Gäste ihre persönlichen Erfahrungen und Eindrücke schildern können.

Die teilnehmenden Expert/innen sind Dr. Viktor Krieger (Lehrbeauftragter am Historischen Seminar für Europäische Geschichte der Universität Heidelberg), Olga Schmidt (wissenschaftliche Mitarbeiterin des Nationalen Zentrums für Kriminalprävention im Bundesministerium des Innern) sowie Walter Gauks (Bundesvorsitzender der Jugendorganisation der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland). Moderiert wird der Abend von Tatjana Kuhn (Sozialwissenschaftlerin, AG Geschichte des DRA). Partner der Veranstaltung sind Memorial Deutschland e.V., Integrationshaus Lyra e.V. und die Jugendorganisation der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Vor Ort wird an diesem Abend auch eine Ausstellung zur Geschichte der Deutschen aus Russland zu sehen sein.

Hinweis zur Anfahrt: Die KULTSchule (Sewanstraße 43, 10319 Berlin) ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen: entweder mit der U3 Richtung Köpenick bis „Betriebsbahnhof Rummelsburg“ (von dort acht Fußminuten) oder mit der U5 Richtung Hönow bis „Friedrichsfelde“, dort umsteigen in den Bus 194 Richtung „Hermannplatz“ bis „Michiganseestraße“ (von dort eine Fußminute).

6) Donbass-Plattform CivilMPlus: Seminar zu Wirkungsmöglichkeiten von NGOs bei internationalen Verhandlungen zur Konfliktlösung – DRA als Koordinator

Rund 20 Vertreter/innen von NGOs und Think Tanks aus der Ukraine, Russland, Deutschland und der Slowakei trafen sich vom 23.-25. Januar in Berlin, um sich genauer mit den verschiedenen Verhandlungsformaten der internationalen Diplomatie zur Bewältigung des Krieges in der Ostukraine und den Möglichkeiten und auch Grenzen einer zivilgesellschaftlichen Begleitung der Verhandlungen zu befassen. Expert/innen und Diplomat/innen aus mehreren Ländern gaben Einblick u. a. in die Arbeit der 14-tägig tagenden Trilateralen Kontaktgruppe in Minsk, in das auf vier Ebenen tätige „Normandie“-Format der Staatsspitzen der Ukraine, Russlands, Deutschlands und Frankreichs und in die Rolle der OSZE sowie weiterer Gremien und Konsultationsebenen bei den Verhandlungen. Organisiert wurde das Seminar unter dem Titel „Civic Involvement in the Process of International Negotiations for Conflict Resolution in Eastern Ukraine – Problems and Perspectives“ vom DRA e.V. (Stefan Melle/Yuliya Erner) in Kooperation mit der „Union der Don-Frauen“ und Owen e.V. im Rahmen der Aktivitäten der NGO-Plattform CivilM+ für die Überwindung des Konflikts in der Ostukraine. 

Vor dem Hintergrund der stagnierenden Verhandlungen bei gleichzeitigem Fortdauern der Waffenstillstandsverletzungen und zahlreicher humanitärer, menschenrechtlicher und politischer Probleme in der Region zählt das Thema des Seminars zu den primären strategischen Arbeitsschwerpunkten von CivilM+. U.a. haben die Teilnehmer/innen auch Kriterien dafür erarbeitet, welche Themen bei der Tätigkeit der Plattform zu den internationalen Verhandlungen Priorität erhalten sollten, und diskutiert, wie seitens der Zivilgesellschaft ein fortlaufendes Monitoring und die Analyse von Verlauf und Ergebnissen der internationalen Verhandlungen zum Donbass-Konflikt geleistet werden kann.

7) DRA-Monitoringmission in der Ostukraine: Weiter Beschuss und Versorgungsstörungen entlang der Frontlinie, schwere Bedingungen an Kontrollpunkten

In der umkämpften Region der Ostukraine ist die Zahl von Waffenstillstandsverletzungen und der direkte Beschuss von Ortschaften im Vergleich zum Vorjahr insgesamt zurückgegangen. Die Einwohner/innen kleiner Ortschaften in der Nähe der Frontstellungen sind jedoch nach wie vor unmittelbar mit Krieggeschehen konfrontiert. Dies ergab eine weitere internationale DRA-Monitoringmission in der Ostukraine, die vom 16.-22. Dezember stattfand.

In einzelnen Ortschaften wie Pishchane, Bolotene, Opytne kann seit 2014 die Strom-, Gas- und Wasserversorgung nicht wiederhergestellt werden. In Opytne bei Awdijiwka können schwere Schäden an Häusern wegen andauernder Kriegshandlungen nicht behoben werden. Einzelne Einwohner/innen haben sich in Kellern beheizbare Schutzräume eingerichtet, die sie bei schwerem Beschuss benutzen. Das zwischen dem 26. November und 26. Dezember 2018 in den regierungskontrollierten Territorien der Gebiete Luhansk und Donezk geltende Kriegsrecht hatte dagegen keine tiefgreifenden Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. 

Eine enorme Belastung der Zivilbevölkerung ist mit der Überquerung der sog. Kontaktlinie verbunden. Im Gebiet Luhansk gibt es nur einen Übergang zwischen den selbsterklärten „Volkrepubliken“ und dem regierungskontrollierten Gebiet in Stanyza Luhanska, der täglich von mehreren tausend Fußgänger/innen benutzt wird und über eine teilzerstörte, für PKW gesperrte Brücke führt. Obwohl sich die Infrastruktur für die Wartenden auf der regierungskontrollierten Seite verbessert hat und es jetzt auf dem Vorplatz mobile Geldautomaten, Einkaufsmöglichkeiten, feste Wärmestuben und einen neuen Zivilschutzbunker gibt, sind diese Verbesserungen keine Antwort auf die Grundprobleme. Die langen Warte- und Schließzeiten an den Checkpoints und der lange Fußweg stellen für die vielen älteren Menschen in den Schlangen bei niedrigen Temperaturen eine lebensgefährdende Belastung dar. Bis zum Januar kam es in diesen Warteschlangen zu mehreren Todesfällen. 

Bereits bei einer Entfernung von fünf Kilometern von der Kontaktlinie nehmen die direkten Auswirkungen des Krieges auf die Zivilbevölkerung deutlich ab, wobei die indirekten sozioökonomischen Folgen sich stark auf das Alltagsleben auswirken: durch die schlechte infrastrukturelle Anbindung an die Großstädte, durch ungenügende Investitionen in den Straßenbau und durch den Niedergang der traditionell wichtigen Großbetriebe. 

Die Eröffnung neuer Übergangspunkte an der Kontaktlinie und die Vereinbarung eines dauerhaften Waffenstillstands können das Leben der Einwohner/innen des Donbass sehr schnell und wesentlich verbessern. Aufgrund der aktiven Rolle der Russischen Föderation in diesem Konflikt kommt der Führung in Moskau eine herausragende Verantwortung zu, zu einer Verbesserung der humanitären Situation und zu Fortschritten im Friedensprozess beizutragen.
 
Ein ausführlicher Bericht der Monitoringmission befindet sich in Vorbereitung und wird im Februar versandt. 

8) Projekt „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ bietet umfangreiche neue Online-Materialien aus 22 Subprojekten

Auf der Website des DRA-Projekts „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“stehen ab sofort die in 22 Subprojekten entstandenen Video- und Textmaterialien online zur Verfügung.

Ziel des Projekts (Leitung: Maria Slesazeck, Förderung: Auswärtiges Amt) ist es, zivilgesellschaftliche Akteure in der Ukraine, aber auch im Nord- und Südkaukasus zu unterstützen, die sich mit der Bearbeitung und Prävention kriegsbedingter Konflikte befassen. Auch die nun veröffentlichten Materialien sollen dazu beitragen. 

Insgesamt wurden 32 Subprojekte verwirklicht, darunter 28 von Teilnehmer/innen der vier Schulungsreihen des Gesamtprojekts. Dazu kamen vier überregionale Infokampagnen, deren Realisierung Personen oder Teams aufgrund öffentlicher Ausschreibungen übertragen wurde. Alle Subprojekte wurden finanziell gefördert und die der Schulungsteilnehmer/innen zudem fachlich begleitet. 

Die Videos zu den Subprojekten sind hier, die Textmaterialien (Broschüren, Flyer, Anleitungen) hier online zugänglich. In beiden Rubriken sind die Dateien jeweils nach den verschiedenen Arbeitsbereichen des Projekts geordnet. So finden sich beispielsweise bei den Videos zum Arbeitsbereich „Strategien gegen häusliche Gewalt als Kriegsfolge“ die Videos von sechs auf Prävention ausgerichteten Infokampagnen, die zu diesem Thema in verschiedenen Regionen der Ukraine umgesetzt wurden. Bei den Textmaterialien wiederum wird etwa zum Bereich „Bearbeitung kriegsbedingter Traumata“ die Broschüre „Einen Schritt nach vorne machen“ angeboten. Sie informiert u. a. darüber, welche Symptome sich bei kriegsbedingt traumatisierten Menschen typischerweise zeigen und wo in der Ukraine Betroffene psychologische Hilfe erhalten können. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf www.kriegsfolgen-ueberwinden.de

9) Aktuelle Projektphase im Nordkaukasus mit Existenzgründerkursen, Frauen- und Jugendarbeit, NGO-Förderung abgeschlossen – Fortsetzung in Planung

Am 31. Dezember 2018 endete die fünfte Phase des seit 2008 in Kooperation mit russischen Partnern realisierten DRA-Projektes „Aussöhnung ermöglichen, Lebensperspektiven eröffnen: ein Beitrag zur sozioökonomischen Stabilisierung der Krisenregion Nordkaukasus“ (Koordination: Andrea Gotzes).

Seit Juni 2016 wurden in der von Wirtschaftsmisere und interethnischen Spannungen gekennzeichneten Region erneut über 100 Existenzgründer/innen beim Start in die Selbstständigkeit unterstützt. Dazu kamen Frauenförderungsmaßnahmen, Berufsorientierung für Jugendliche, Vernetzungs- und Qualifizierungsangebote für NGOs und anderes mehr. Hauptprojektregion war Inguschetien mit Veranstaltungen vor allem im eigenen Bildungszentrum in Sunscha sowie im ersten Co-Working-Zentrum im Nordkaukasus „Stanzija metro“ in Nasran, an dessen Aufbau das Projektteam maßgeblich mitgewirkt hat. In Nordossetien nahmen ferner Hunderte von Jugendlichen aus allen dort lebenden ethnischen Gruppen an sozial oder ökologisch ausgerichteten Freiwilligenaktionen sowie an Bildungsangeboten teil. Einzelmaßnahmen wurden außerdem in Dagestan durchgeführt.

Im vergangenen Jahr erschien eine Broschüre zur zehnjährigen Geschichte des Projekts, die online auf Deutsch und auf Russisch zugänglich ist.

Eine Fortsetzung der Projektarbeit im Nordkaukasus ist in Planung. Als zusätzliche Region wird voraussichtlich Tschetschenien einbezogen. Die erfolgreichen Existenzgründerkurse sollen fortgesetzt und die Angebote zur Frauenförderung in diesem Bereich verstärkt werden. Die Jugendarbeit wird um kulturelle Aspekte sowie um neue Formate und Kooperationspartner erweitert.

Unser herzlicher Dank gilt den Unterstützern des Projekts – dem Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung/„Brot für die Welt“ sowie dem Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche in Deutschland „Renovabis“ und der Britischen Botschaft in Moskau. Insbesondere danken wir „Brot für die Welt“ dafür, dass die Projektarbeit noch über die ursprünglich vorgesehene Laufzeit hinaus fortgeführt werden konnte.

10) Fußball-Fankultur in Osteuropa: Studienreise deutscher Faninitiativen, neue Seminare und Newsletter „Doppelpass und Grätsche“

Nach einem spannenden und intensiven Jahr 2018 startet das von Peter Liesegang und Ingo Petz koordinierte Projekt „Fankurve Ost – Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft“ beim DRA mit vielen Ideen und Planungen in das neue Jahr 2019. So geht es schon vom 15.–19. Februar 2019 erneut in die Ukraine, wo in den westukrainischen Städten Rivne und Luzk das nächste Arbeitstreffen des Projekts stattfinden wird und erkundet werden soll, wie sich die dort initiierten Fanprojekte entwickeln und mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen haben. Mitreisen werden rund zehn ehemalige Seminarteilnehmer/innen, Mitarbeiter/innen von Fanprojekten in Cottbus, Osnabrück und beim 1. FC Union Berlin sowie Nicole Selmer, stellvertretende Chefredakteurin der österreichischen Zeitschrift ballesterer. Das erste Arbeitstreffen dieser Art fand im November 2018 in der ukrainischen Stadt Synelnikove statt. 

Vom 13.–19. März 2019 folgt in Berlin ein weiteres Seminar zum Thema „Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft“: 17 aktive Fans sowie Vertreter/innen der Medien und von Vereinen aus Belarus, der Ukraine und Russland werden sich bei Faninitiativen, Medien, Vereinen und staatlichen Institutionen wie der Polizei darüber informieren, wie die Fankultur als Teil einer lebendigen Zivilgesellschaft funktioniert.

Im Newsletter des Projekts „Doppelpass und Grätsche“ werden gesellschaftspolitische Informationen rund um den Fußball in Osteuropa aufbereitet. Er erscheint jeweils am letzten Donnerstag eines Monats und kann auf www.fankurve-ost.de bestellt werden. 

Hauptförderer des Projekts ist das Auswärtige Amt.

11) Berlin, 28.2.: Konferenz zu Städtepartnerschaften – DRA leitet Forum zu Jugendaustausch Berlin-Moskau

Am 28. Februar findet im Berliner Rathaus eine Konferenz des Berliner Senats und der Initiative „Austausch macht Schule“ statt. Sie soll die Akteur/innen der Bildungskooperationen im Rahmen der großen Städtepartnerschaften Berlins mit Paris, Los Angeles, Istanbul, Warschau, Prag, Peking und Moskau miteinander vernetzen. Für interessierte Schulen und Organisationen werden außerdem neue Möglichkeiten zu Austauschmaßnahmen präsentiert.

Zur Veranstaltung gehört auch ein zweistündiges Städtepartnerschaftsforum zum Jugendaustausch zwischen Berlin und Moskau, das der DRA gestalten und leiten wird. Schulen und Jugendorganisationen werden sich hier über die Modalitäten von Programmen und Fördermöglichkeiten informieren und austauschen können (Moderation: Nora Korte, DRA). 

Die Konferenz richtet sich an Schulleitungen und Lehrkräfte der Berliner Schulen sowie Vertreter/innen von Organisationen, die im Rahmen einer der Berliner Städtepartnerschaften engagiert sind.

Mehr Informationen über die Städtepartnerschaft Berlin-Moskau und die Aktivitäten des DRA in diesem Bereich (Leitung: Roman Elsner) finden Sie hier.

12) Jugendliche aus Deutschland und Rumänien gemeinsam gegen Hassrede

Zum zweiten Mal trafen sich am 7.–14. Januar in Berlin über 20 Jugendliche aus Deutschland und Rumänien, um mehr über Möglichkeiten zur Förderung der Vielfalt im Internet und in der Gesellschaft sowie über Strategien gegen Hassrede zu erfahren. Die Begegnung erfolgte im Rahmen des nun auslaufenden Projekts „Like Share Diversity – Log out Hate Speech!“, das der DRA (Leitung: Anna Osypova) zusammen mit der rumänischen NGO „Asociatia Plural“ (Bukarest) koordiniert hat. Vorausgegangen war ein ebensolches Treffen in Bukarest im August 2018. 

Gemeinsam mit Expert/innen und Trainer/innen haben sich die Jugendlichen mit verschiedenen Ansätzen und Methoden zu den Projektthemen befasst und einige auch gleich ausprobiert. In Berlin versuchten sie sich zum Beispiel u.a. in einem Workshop der Democratic Memes Factory (Berlin) an demokratischen Memes (Internet-Kurzbotschaften in unterschiedlichen Formaten). Sie besuchten auch die Amadeu Antonio Stiftung, wo sie sich über existierende Initiativen gegen Hassrede austauschten und neue Ideen sammelten.

Als Projektergebnis haben die Jugendlichen eine Online-Kampagne entwickelt, die auf fünf selbstgedrehten Videos zum Thema Vielfalt beruht und im Februar online gehen wird. Sie wird dann auch über die DRA-Website und über Facebook zugänglich sein. Der thematische deutsch-rumänische Jugendaustausch wurde vom Programm „Europeans for Peace“ der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ sowie dem EU-Programm Erasmus+ finanziert.

13) Kurze Hinweise auf weitere Projekte, Aktivitäten, Kommentare etc. des DRA:

Der DRA protestiert gegen die lebenslange Einreisesperre nach Russland für den langjährigen Aktivisten für die Rechte der indigenen Völker in Russland, Johannes Rohr vom INFOE-Institut in Köln. Er erhielt eine Sperre bis zu seinem 100. Geburtstag 2069.

Die ersten Videointerviews mit Expert*innen der 23. Herbstgespräche zum Thema „Recht und Gerechtigkeit für Post-Konflikt-Gesellschaften – Europäische Erfahrungen und Perspektiven“ sind online: mit Ralf Possekel (Stiftung EVZ/FriEnt, Berlin), Vesna Terselec (Documenta-Zentrum, Zagreb), Oleksandr Pavlichenko (Ukrainische Helsinki-Union, Kiew), Alexander Prezanti (Global Diligence, London).

Zum 75. Jahrestag des Endes der Leningrader Blockade am 27. Januar erschien auf Spiegel Online ein Augenzeugen-Interview mit dem Soziologen und Mitgründer des DRA St. Petersburg, Jakov Gilinskij. Das Auswärtige Amt gab am gleichen Tag eine „humanitäre Geste“ bekannt – 12 Mio. Euro für ein Krankenhaus für Veteranen sowie ein deutsch-russisches Begegnungszentrum. In der Stadt war die Militärparade ziemlich umstritten.

Das letzte Seminar im DRA-Projekt „Mehr bewegen!“ ging am 26. Januar in Kiew zu Ende. Es bereitete die Durchführung der U-18-Jugendwahlen im März vor  – während die Ukraine bereits den „echten“ Präsidentschaftswahlen am 31. März. Entgegenfiebert.

Die NGO-Gesetzgebung in Russland wird erneut verschärft. Künftig werden auch nichtregistrierte Organisationen gezwungen, ihre Existenz, internen Grundsatzdokumente und gewählten Vertreter*innen im Internet zu veröffentlichen, um tätig sein zu dürfen.

An Ermordung des Menschenrechtsanwalt Stanislav Markelov und der Journalistin Anastasija Baburova am 19. Januar 2009, vor zehn Jahren, durch Neofaschisten erinnerten Gedenkmärsche in Moskau und Petersburg. Das HBS-Bildungswerk Berlin und der DRA stellten die 2011 gemeinsam publizierte Sammlung von Schriften Markelovs online.

Der DRA ist erschüttert vom Mord an dem Gdansker Bürgermeistes Pawel Adamowicz. Wir schätzen die freie, demokratische und gastfreundliche Atmosphäre der Stadt, die wir in unserer Arbeit erlebt haben und die für uns alle in Europa heute wichtiger denn je ist. Eine Erklärung des DRA.

Im offiziellen Programmheft des FC Dynamo Kiew ist ein Artikel über das Seminar "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" erschienen, das im November in Berlin im Rahmen des Fankultur-Projekts beim DRA stattfand.