DRA Newsletter Januar 2012


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder Fördermitgliedschaft! Der Verein finanziert sich ausschließlich durch projektgebundene Zuwendungen, Mitgliedsbeiträge und private Spenden. Ohne Ihre Unterstützung ist unsere Arbeit unmöglich. Herzlichen Dank!    

Jetzt spenden!

Besuchen Sie den DRA auf Facebook: facebook.de/DRAberlin


Inhalt

1) Der DRA jetzt auch bei Facebook!

Unter der Adresse www.facebook.de/draberlin ist der DRA ab sofort auf Facebook vertreten. Alle, die über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben wollen, laden wir dazu ein, hier Neues zu unserer Arbeit und zu Themen rund um Osteuropa zu erfahren und sich zu beteiligen. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen Hinweise auf Aktionen, Veranstaltungen, lesenswerte Pressebeiträge und vieles mehr auszutauschen und mit Ihnen über die Themen zu diskutieren, denen unser gemeinsames Interesse gilt.

2) Kommentar: Die deutsche Politik muss sich Putins mangelnder Legitimität stellen

So hart wie derzeit wurde in Russland lange nicht um die Zukunft des Landes und sein Selbstverständnis gerungen. Die Medien quellen über von Meinungstexten und Prognosen, die Menschen fragen einander, ob sie für oder gegen die Bürgerproteste sind, ob sie bisher beteiligt waren oder am 4. Februar zur nächsten Demonstration gehen. Es ist die Zeit der Unsicherheit vor allem für jene, die bisher systemnah waren – sie erwarten Putins Sieg bei der Präsidentenwahl und sehen doch seine Verbohrtheit und das nahende Ende seiner Ära. Auch in Deutschland analysieren nun viele Wendehälse, die bislang als Apologeten der Stabilität à la Putin auftraten, eilig dessen repressive und restaurative Politik. Nach Putins Rückkehr im März könnte sich das erneut ändern. Aber die von Russlands staatlichen Strukturen und dem Premier selbst geschürte Furcht vor einer blutigen Revolution und die offizielle Ankündigung äußerlich transparenter Wahlen – bis hin zu durchsichtigen Wahlurnen – gehen an der Realität vorbei. Die Demonstranten sind gegen Gewalt. Diese Haltung kann allenfalls durch weitere Ignoranz und Eskalation von staatlicher Seite gefährdet werden, wie sie sich etwa vergangene Woche gleich zweifach zeigte: die Wahlbeobachtungsorganisation Golos wurde kurzfristig aus ihren Mieträumen vertrieben, und als sie bei der Menschenrechtsorganisation Memorial tagte, erfolgte dort eine Durchsuchung mit Hunden. Und solange die Duma-Wahlen nicht als gefälscht anerkannt und unter Einhaltung demokratischer Regeln wiederholt werden, fehlt auch einem richtig ausgezählten Sieg Putins bei der Präsidentenwahl die rechtsstaatliche Basis. Dies muss auch die deutsche Öffentlichkeit bis hin zur Bundesregierung, in ihrer Russlandpolitik deutlich machen: Vladimir Putin ist kein legitimierter Partner. Seit dem Dezember ist das deutlicher denn je.

3) DRA und n-ost: Russische Journalisten diskutierten die Proteste in Moskau

Das Interesse war groß, als am 20. Januar der DRA und n-ost, das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung, zum Gespräch mit russischen Journalisten über die Demonstrationen nach den Fälschungen bei der Duma-Wahl einluden: Rund 80 Gäste drängten sich in dem n-ost-Versammlungsraum in Berlin-Kreuzberg, auf Treppen und sogar vor den Fenstern, um Einzelheiten zu der Frage „Putin unter Druck: Wie weit reicht der Protest?“ zu erfahren. Alexander Tschernych von der Zeitung Kommersant verwies auf die vielfältige Herkunft der bis zu 100.000 Menschen, die am 10. und 24. Dezember in Moskau auf die Straße gingen. Zur Vorbereitung trugen viele etwas bei: die Internet-Netzwerke brachten die TeilnehmerInnen, die Musikveranstalter sorgten für die Bühne, politische Gruppen für die Koordination, die Teilnehmer_innen für das Geld. Die relativ geringere Beteiligung an den regionalen Protesten erklärte Angelina Davydova (freie Journalistin, n-ost-Korrespondentin und Leiterin des Russisch-Deutschen Umweltinformationsbüros RNEI des DRA, St. Petersburg) mit dem geringeren Anteil selbstständig und kreativ Tätiger, mit fehlender Einigung der Akteure vor Ort, aber auch mit dem höheren Risiko für Teilnehmer in kleineren Kommunen. Nadeshda Prusenkova (Pressesprecherin der Novaja Gaseta) machte klar, dass sie die Aufgabe der Bürgerbewegung jetzt letztlich darin sieht, eine Verfassungsänderung herbeizuführen, die die Machtkonzentration des Präsidentenamtes in die pluralistische Verantwortungsregelung einer parlamentarischen Republik überführt. Keiner mochte ausschließen, dass nach der Präsidentenwahl im März die Bürgerbewegung wieder zerfällt – für eine ganze Generation aber ist sie schon jetzt zum Schlüsselerlebnis geworden. Die Herausforderung in Russland, so Alexander Tschernych, liege nach dem trotz allem zu erwartenden Sieg Putins nicht nur in der Demokratisierung, sondern auch in der Überwindung des wachsenden Nationalismus. Er und Nadeshda Prusenkova waren daher am Tag zuvor bereits Referenten auf einer Gedenkveranstaltung von Berliner linken Gruppen und der Rosa-Luxemburg-Stiftung für den Menschenrechtsanwalt Stanislav Markelov und die Journalistin Anastasia Baburova, die beide vor drei Jahren, am 19. Januar 2008, mitten in Moskau von Neonazis erschossen wurden.

4) Bildungs- und Versöhnungsprojekt in Nordossetien: erfolgreiche Zwischenbilanz

Rund 70 neu geschaffene Kleingewerbe und 180 neue Arbeitsplätze, rund 500 Teilnehmer_innen in Gründer-, Computer-, Englisch-, Buchhaltungskursen, Hunderte Rechtsberatungen und gut ein Dutzend Veranstaltungen zur beruflichen, sozialen und interkulturellen Entwicklung in der russischen Teilrepublik Nordossetien – so lautet ein wichtiger Teil der Zwischenbilanz, die der DRA und die Menschenrechtsorganisation Memorial nach rund vierjähriger Tätigkeit des Bildungszentrums Kurtat im Prigorodnyj Bezirk von Nordossetien ziehen konnten, das beide Ende 2007 eröffneten. Zu den Ergebnissen gehören auch regelmäßige Aktionen zur Berufsorientierung in den Schulen des Gebietes, in dem noch immer rund 50 Prozent arbeitslos sind, sowie viele Freundschaften und Verbindungen, die durch Bildungs- und Freizeitangebote des Zentrums zwischen ossetischen und inguschischen Schülern und Lehrern entstanden – in Überwindung der Hürden nach dem ethnisch begründeten Bürgerkrieg 1992 in der Region. Die Republikregierung in Vladikavkas erhofft vom Zentrum weiter einen Beitrag zur ökonomischen Stabilisierung Nordossetiens, beharrt aber auch auf einem eigenen Monopol bei interethnischer Versöhnung und Jugendarbeit. Die Lage in der Republik bleibt schwierig: Ungelöst bleiben weiterhin die ethnische Trennung im Siedlungs- und Schulsektor sowie die Instabilität der Lage durch Terrorismus, wie er Nordossetien vor allem aus dem benachbarten Inguschetien immer wieder trifft. Das Projekt wurde vom Diakonischen Werk, dem katholischen Hilfswerk Renovabis sowie der EU unterstützt. Bei einem Projekttreffen in Moskau am 26./27. Januar wurde der 2012 geplante Aufbau eines ähnlichen Zentrums in Dagestan bzw. Kabardino-Balkarien unter Beteiligung der neuen Stiftung „Svoje Delo“ besprochen. Sie wurde von den Projektkoordinatorinnen Julia Chardina und Stephanie Tsomakajeva im Herbst 2011 gegründet, Ziel ist der Transfer der in Kurtat gesammelten Erfahrungen in andere Teile Russlands.

5) Weiterbildungsprojekt in Heim für behinderte Kinder bei St. Petersburg abgeschlossen

Im Abschluss befindet sich zurzeit das von Aktion Mensch und dem Diakonischen Werk geförderte gemeinsame Projekt des DRA und der Petersburger gemeinnützigen Organisation „Perspektivy“. Es hatte zum Ziel, über die Weiterbildung und Qualifizierung von Mitarbeiter_innen des Heims Nr. 4 für behinderte Kinder in Pavlovsk bei St. Petersburg eine bessere Pflege und Förderung der Kinder zu erreichen und zu sichern. Seit Herbst 2009 gaben Expert_innen aus Deutschland, der Schweiz und Russland in Seminaren zu Themen wie Menschenbild, Pflege, interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie Team- und Elternarbeit ihr Wissen an die Mitarbeiter_innen des Kinderheims weiter. Die Inhalte und Ergebnisse des Projekts wurden in einer russischsprachigen Broschüre vor allem für Fachkräfte der Behindertenarbeit festgehalten, die ab Ende Februar bei „Perspektivy“ und dann auch über den DRA erhältlich sein wird.

6) Moskau, 17.-19.2.: Filmfestival zu Umweltfragen

Mit Beteiligung des Russisch-Deutschen Umweltbüros des DRA (RNEI) findet vom 17.-19. Februar in Moskau zum dritten Mal das Öko-Filmfestival „EcoTschaschka“ statt (www.ecocup.ru). Das Programm umfasst in- und ausländische Filme zu den Themen Umwelt und Klima, die zuvor in Russland noch nie gezeigt wurden. Mehrere dieser sowohl für das Fach- als auch für das allgemeine Publikum interessanten Arbeiten wurden bereits auf internationalen Festivals ausgezeichnet. Die thematische Palette reicht vom Verlust der Artenvielfalt bis zur Klimaforschung in der Antarktis. Zu jeder Filmvorführung wird eine Diskussion mit Experten veranstaltet, so etwa zur Präsentation des Films „Solartaxi. Around the World with the Sun“ (Deutschland 2010) ein Gespräch mit Fachleuten des RNEI und russischen Umweltschützern zu Möglichkeiten und Chancen der Nutzung erneuerbarer Energien in Russland und weltweit. Das RNEI wird vom Programm Brot für die Welt des Diakonischen Werks unterstützt.

7) Professija.DE: Diskussion mit OberbürgermeisterkandidatInnen in Rostock

In Rostock fand am 18. Januar im Festsaal des Rathauses ein von der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, der IHK und dem Unternehmerverband Rostock und Umgebung organisierter und von dem DRA-Projekt Professija.DE unterstützter Diskussionsabend statt. Er gab Unternehmer_innen und Selbstständigen Gelegenheit, die Kandidat_innen der Oberbürgermeister-Wahl am 5. Februar 2012 zu ihren Positionen und Vorhaben zu befragen. Erörtert wurde unter anderem eine stärker kundenorientierte Betreuung kleiner und mittelständischer Firmen. Diese Fragen betreffen auch die russischsprachigen Unternehmer_innen, die eine Hauptzielgruppe von Professija.DE sind. In Rostock ist noch bis 14. Februar auch erneut die Wanderausstellung des Projekts „Mittendrin! - Russischsprachige Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland“ zu sehen, und zwar im „Börgerhus“, dem Stadtteil- und Begegnungszentrum Groß Klein, Gerüstbauerring 28, 18109 Rostock www.boergerhus.de. Auf dem Portal www.professija.de sind unterdessen in der Rubrik „Olga und Paul – Geschichten aus dem Leben“ viele neue Interviews mit aus Russland bzw. den GUS-Staaten Zugewanderten erschienen, die sich in Deutschland selbstständig gemacht haben. Darüber hinaus sind die regionalen Aktivitäten von Professija.DE dort ausführlich mit vielen Fotos dokumentiert. Das Projekt wird vom Bundesprogramm „Xenos – Integration und Vielfalt“ sowie weiteren Förderern unterstützt.

8) Schüleraustausch: Bewerbungen noch bis 5. Februar – deutsche Gastfamilien gesucht!

Jugendliche aus Deutschland, die im April/Mai 2012 für ein bis zwei Monate zum Schüleraustausch nach Russland möchten, können sich noch bis zum 5. Februar beim DRA bewerben. Neben St. Petersburg ist ein Aufenthalt auch in Kaliningrad (dem ehemaligen ostpreußischen Königsberg) und in Petrosavodsk, der Hauptstadt Kareliens, möglich. Alle Interessierten ab 14 Jahren, die zumindest über Grundkenntnisse des Russischen verfügen und sich für das Alltagsleben in Russland interessieren, sind dazu herzlich willkommen. Das Vorbereitungsseminar wird am ersten März-Wochenende in der Nähe von Berlin stattfinden. Auf russischer Seite gibt es schon jetzt zahlreiche Bewerber_innen, die ab Frühjahr/Sommer für einige Wochen nach Deutschland kommen möchten. Familien, die sich vorstellen können, für einige Wochen oder für ein ganzes Schuljahr eine/n russische/n Gastschüler/in bei sich aufzunehmen, können sich bei uns melden.

9) Ausschreibung: Freiwilligendienste in Belarus und der Ukraine

Der DRA vermittelt im Rahmen des „weltwärts“-Programms des BMZ sechs Freiwilligendienste in der Ukraine und in Belarus. Sie beginnen im September 2012 und dauern 12 Monate. Engagieren werden sich die Freiwilligen im „Zentrum für soziale Partnerschaften“ im ukrainischen Tscherkassy beziehungsweise in den belarussischen gemeinnützigen Organisationen „Soziale Projekte“ (Gomel) und „Golubye Berega“ (Mogilev). Bewerbungen können bis zum 2. März 2012 per Mail eingesandt werden.

10) DRA-Infostand auf 20. „Most“-Praktikumsbörse am 16. Februar

Der DRA wird am 16. Februar von 14–18 Uhr mit einem Infostand bei der 20. Praktikumsbörse des Vereins „Most“ („Brücke“) im Roten Rathaus in Berlin vertreten sein. Interessierte können sich bei dieser Gelegenheit über die Osteuropa-Praktikumsagentur des DRA (PAROM), aktuelle Freiwilligendienst-Angebote in der Ukraine und Belarus sowie die verschiedenen Projekte des DRA informieren.

11) 21.2., Friedrich-Ebert-Stiftung, Schwerin: Podiumsabend zu Russland mit DRA-Beteiligung

Zu einer Podiumsveranstaltung über die russische Innenpolitik vor der Präsidentenwahl lädt die Friedrich-Ebert-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag, den 21. Februar, unter dem Titel „Russland in Bewegung - auf dem Weg zur Demokratie?“ ein. Referenten und Podiumsteilnehmer sind der Berliner Politikwissenschaftler und Russland-Experte Christian Wipperfürth sowie der Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle. Ort: Schwerin, Arsenalstraße 8 (Haus der Kultur), 18.30-21.30 Uhr,. Am 22. Februar tritt Stefan Melle zudem als Referent einer Lehrerweiterbildung des Landes Sachsen-Anhalt zu Russland in der Gedenkstätte Marienborn auf.