DRA Newsletter Februar 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

das ökologische Engagement in Russland wächst trotz der engen innenpolitischen Rahmen - um welche Themen geht es den Umweltschützer/innen vor Ort und wie kann man sie unterstützen? Dies erfahren Kurzentschlossene aus erster Hand auf unserer heutigen Veranstaltung in Berlin – nähere Informationen finden Sie in der ersten Meldung dieses Newsletters.

Erneut ausgeschrieben werden hier auch die Dönhoff-Stipendien für junge Freiwillige aus Osteuropa. Zudem berichten wir u. a. über unsere Arbeit zur politischen Jugendbildung in Russland, der Ukraine und Georgien sowie zur Kriegsfolgenbewältigung in der Ukraine.

Schließlich laden wir Sie auch ein zu einem ersten Beitrag in einer neuen Reihe: Aus Anlass unseres Jubiläumsjahres – der DRA wird im März 25 Jahre alt! – werden wir bis Ende 2017 jeden Monat eine/n frühere/n oder aktuelle/n Mitarbeiter/in porträtieren, ohne die der DRA nicht wäre, was er ist.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung!
Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

Jetzt spenden!

Besuchen Sie den DRA auf Facebook: facebook.de/DRAberlin


Inhalt

1) Einladung – Freitag, 3. März, 19 Uhr: DRA informiert über Umweltengagement in Russland

Welche Themen Umweltschützer_innen in Russland gerade besonders bewegen und wie man zu ihnen Kontakt aufnehmen und sogar an ihren Projekten mitwirken kann: Das alles und mehr wird bei einem Gesprächsabend zu erfahren sein, den der DRA bereits an diesem Freitag, den 3. März 2017, um 19 Uhr im Büro des Vereins "Kulturlabor Trial & Error" (Braunschweiger Str. 80, 12055 Berlin, S-Bahn Neukölln) veranstaltet.

Bei dem Treffen werden nicht nur aktuelle Trends und Anliegen im Umwelt- und Naturschutz in Russland erläutert, sondern auch konkrete Möglichkeiten v. a. für junge Menschen aus Deutschland vorgestellt, sich kurz- oder längerfristig für ein Umwelt- oder Naturschutzprojekt in Russland zu engagieren. Wer in eigener Initiative ein entsprechendes Praktikum, Austauschvorhaben o.ä. auf die Beine stellen möchte, erhält wichtige Insidertipps dazu, wie sich passende Ansprechpartner_innen in Russland finden lassen. Die Referentinnen sind Judith Kiss (DRA), Elena Gorochova (Ecoplaneta, Moskau) und Aigulle Sembaeva (NRO, St. Petersburg). Darüber hinaus besteht Gelegenheit zum Austausch mit zehn Studierenden aus Russland, die sich derzeit im Rahmen einer Studienreise in Berlin aufhalten und die sich in ihren Herkunftsregionen für eine nachhaltige Entwicklung ihrer Hochschulen engagieren (vgl. auch folgende Meldung).

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Wir bitten um eine Teilnahmebestätigung an mariia.kryvokhyzhyna@austausch.org. Das Gespräch findet auf Deutsch und Russisch (mit Übersetzung) statt.

2) Studienaufenthalte in Deutschland: Russische Studierende besuchen "grüne" Hochschulen – ukrainische NGO-Expert_innen informieren sich über Müllmanagement

Der DRA und das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation (RNEI) unterstützen die russische NGO Ekaplaneta dabei, im Rahmen der Initiative "Trenn mit uns!" eine Reihe von Bildungsmaßnahmen und Aktionen zum Ressourcenschutz an russischen Hochschulen zu realisieren. Vom 27. Februar bis 3. März findet in diesem Zusammenhang eine vom DRA organisierte Studienreise statt, die zehn Studierende aus Jekaterinburg und Rubzovsk (Region Altai) nach Deutschland führt. Sie besuchen hier "grüne" Hochschulen und Hochschulinitiativen, darunter die Leuphana Universität Lüneburg, die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde und die Freie Universität Berlin.

Die Gäste aus Russland interessieren sich vor allem dafür, wie Studierendengruppen und Hochschulverwaltungen in Deutschland Ansätze zum Nachhaltigkeitsmanagement in den Campusbetrieb und in die Lehre integrieren. Schwerpunktthemen sind dabei neue Studiengänge, der Ressourcenschutz, die Nutzung erneuerbarer Energien, eine moderne Großküchenversorgung und das Müllmanagement. Darüber hinaus wird die Studiengruppe auch außeruniversitäre junge Initiativen zur Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten in Brandenburg und Berlin treffen.

Ende Februar besuchen ferner zwei Mitarbeiter der Organisation "Ukraine ohne Müll" den Besuch von Abfallzweckverbänden in Berlin und Brandenburg, um mehr über Recyclingtechnologien, Kreislaufwirtschaft und Abfallmanagement in Deutschland zu erfahren. "Ukraine ohne Müll" engagiert sich mit Projekten zu Mülltrennung, Recycling und Upcycling, Wasserqualität und Industrieemissionen für den Umweltschutz in der Ukraine.

Beide Reisen sind Teil des DRA-Projekts "Klima- und Umweltschutz in Osteuropa", das von Brot für die Welt gefördert wird.

3) Rückblick auf die Perestroika: DRA-Freiwillige drehten Videos mit Zeitzeug_innen

Wie blicken Menschen, die die Jahre der Perestroika in der Sowjetunion miterlebt haben, heute auf diese Zeit zurück? Welche Assoziationen haben sie, und wie bewerten sie das damalige Geschehen heute?

Sechs junge Freiwillige aus Russland, der Ukraine und Belarus, die - vermittelt und betreut vom DRA - als Stipendiat_innen der Marion-Dönhoff-Stiftung von September bis November 2016 bzw. von Dezember 2016 bis Februar 2017 in Berliner NGOs mitgearbeitet haben, sind diesen Fragen nachgegangen. Unter der Leitung von Elena Stein (DRA) haben sie dazu in Berlin Videointerviews mit sechs russischen und deutschen Zeitzeug_innen durchgeführt, so etwa mit dem Künstler Dmitri Vrubel (Künstler) und mit dem Publizisten, Übersetzer und Liedermacher Ekkehard Maaß. Aus diesem Material entsteht derzeit ein Kurzfilm in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Nach einer öffentlichen Präsentation wird er auch als Download zugänglich sein (nähere Infos dazu demnächst in diesem Newsletter). Der voraussichtliche Filmtitel beruht auf einem Ausspruch eines der Zeitzeugen zur Perestroika - "Ich habe den Himmel gesehen".

4) Neue Freiwilligenstipendien für junge Osteuropäer_innen: Bewerbung bis zum 3. Mai

Auch 2017 wird der DRA mit Unterstützung der Marion-Dönhoff-Stiftung sein Freiwilligenprogramm fortsetzen, das engagierten jungen Menschen aus Osteuropa die zeitweilige Mitarbeit in Berliner NGOs ermöglicht. Geboten wird außerdem ein Begleitprogramm zu Geschichte, Gesellschaft, Politik und Kultur Deutschlands. Aktuelle Themenschwerpunkte sind die Bereiche Sozial-, Jugendbildungs- und Umweltpolitik. Die Dauer des Aufenthalts ist auf drei Monate befristet.

Bewerbungen für die nächste Runde sind ab sofort und bis zum 3. Mai 2017 möglich. Zur Wahl stehen dabei die Zeiträume September bis November 2017 oder Dezember 2017 bis Februar 2018. Gute Deutschkenntnisse gehören zu den Bewerbungsvoraussetzungen. Informationen und Bewerbungsformulare HIER.

5) DRA-Projekt "Kriegsfolgen gemeinsam überwinden": fünf Teilnehmervorhaben zur Reduktion konfliktbedingter Diskriminierungen in der Ukraine

Mitte Februar haben im Rahmen des DRA-Projektes "Kriegsfolgen gemeinsam überwinden" fünf Kleinprojekte zur Reduktion und Prävention von konfliktbedingten Diskriminierungen in der ukrainischen Gesellschaft begonnen. Durchgeführt werden sie von Aktivist_innen der ukrainischen Zivilgesellschaft, die im Vorgängerprojekt 2016 in der Schulungsreihe "Handlungsmöglichkeiten gegen konfliktbedingte Diskriminierungen" zu Multiplikator_innen fortgebildet wurden. Die in Winnyzja, Tscherkassy, Charkiv und Nikopol angesiedelten halbjährigen Projekte zielen insbesondere auf die Initiierung von Dialogaktivitäten und auf die Minderung von Diskriminierungskonflikten zwischen Binnenvertriebenen bzw. ehemaligen Kriegsteilnehmern aus dem Donbass einerseits und der örtlichen Bevölkerung in den anderen Landesteilen andererseits.

Binnenflüchtlinge und ehemalige Kriegsteilnehmer stoßen in der Ukraine u. a. oft auf Diskriminierung durch die Behörden. Zwei Projekte in Nikopol und dem Nikopoler Gebiet bzw. Winnyzja und dem Winnyzjaer Gebiet sollen daher mit Trainings für Angestellte des öffentlichen Dienstes diskriminierende Verhaltensweisen bewusst machen und Strategien eines nicht-diskriminierenden Verhaltens vermitteln. In Charkiv und Tscherkassy werden dialogstiftende Antidiskriminierungstrainings für binnenvertriebene und einheimische Jugendliche durchgeführt. Ziel ist es hier, das Denken in Stereotypen im Hinblick auf Binnenflüchtlinge oder Menschen mit Migrationshintergrund zu verdeutlichen und kritische, nicht-diskriminierende Einstellungen zu entwickeln. In Charkiv werden zudem Lehrer_innen, Erzieher_innen und Schulpsycholog_innen zu Multiplikator_innen fortgebildet, damit sie in Zukunft ihre Arbeit konfliktsensibel gestalten können. In einem fünften Projekt werden Schulungsteilnehmer_innen des Projekts aus Kiew und Sumy u. a. einen Kurzfilm zur Diskriminierung von Binnenvertriebenen drehen. Dafür werden Menschen interviewt, die sich der Volksgruppe der Lemken zugehörig fühlen und von denen viele zuletzt im Lugansker Gebiet gelebt haben, sich nun in Folge des Krieges jedoch als Binnenvertriebene in der Westukraine aufhalten und zumeist schon über mehrere Generationen hinweg Migrationserfahrungen machen mussten. Mehr zum Projekt "Kriegsfolgen gemeinsam überwinden" HIER, zu den Kleinprojekten HIER.

6) Neue Vorhaben des DRA zur politischen Jugendbildung in Russland, der Ukraine und Georgien

Das erfolgreiche DRA-Projekt "Mehr bewegen! – Förderung der Jugendbeteiligung in den Regionen der Ukraine, Russlands und Georgiens" wird 2017/18 fortgesetzt! Ende März werden die Projektpartner aus Deutschland und den drei Projektländern in Berlin zu einem Kick-Off-Treffen zusammenkommen, um die neuen Maßnahmen vorzubereiten.

Ein Schwerpunkt der geplanten Arbeit ist die Weiterentwicklung des im Vorgängerprojekt 2016 (Förderung: Auswärtiges Amt, Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie) gemeinsam mit NGO-Partnern und Behörden in der Ukraine, Russland und Georgien implementierten Modells von Jugendwahlen (russ./ukrain. "M18" für "Menshe 18", dt./engl. "U18" für "Unter/Under 18"). So ist u. a. vorgesehen, regionale M18-Koordinationszentren zu etablieren und ein viersprachiges "M18"-Methodenhandbuch für den Bereich der außerschulischen politischen Bildung zu erstellen und in der Praxis zu erproben. In einer Modellregion der Ukraine wird ein sog. "Jugend-Check", also eine Bewertung der aktuellen jugendpolitischen Lage durch Jugendliche, durchgeführt. Darüber hinaus sind zahlreiche weitere Bildungs- und Austauschmaßnahmen für Jugendliche und Multiplikator_innen in Vorbreitung.

7) Ausstellung zu "Different Wars" in Petersburg stieß auf interessiertes Publikum und mediale Beachtung – Nächste Eröffnung am 6. März in Vilnius

In St. Petersburg wurde am 13. Februar in der Akademie für erziehungswissenschaftliche Fortbildung die Ausstellung "Different Wars: National School Textbooks on WW II" eröffnet. Die vergleichende Schau zu Darstellungen des Zweiten Weltkriegs in Schulbüchern aus Russland, Deutschland, Italien, Litauen, Polen und Tschechien wurde von der Arbeitsgruppe "Historisches Gedächtnis und Bildung" des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums (CSF) gestaltet. Dass sie nun auch in St. Petersburg zu sehen ist, wurde mit Unterstützung des DRA St. Petersburg (Nemecko-Russkij Obmen – NRO) und der russischen Niederlassung der Heinrich-Böll-Stiftung möglich.

Bei der Eröffnung sprachen Vertreter_innen der Akademie, die Petersburger Generalkonsule von Litauen, Polen, Tschechien und Deutschland, für den NRO Elena Belokurova sowie Alicia Gluza von der NGO "Karta" aus Polen und Robert Latypov von Memorial Perm, die beide zu den Autor_innen der Ausstellung gehören. Die rund 80 Besucher_innen - darunter Historiker_innen, Journalist_innen, Studierende, Lehrer_innen und viele weitere Interessierte – nahmen sich die Zeit für eine Führung durch die Ausstellung und für ein Rundtischgespräch, bei dem sie ihre Eindrücke austauschten. Dabei wurde sehr positiv bewertet, dass die Ausstellung es ermöglicht, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Wahrnehmung der Kriegsereignisse auf den Grund zu gehen und danach zu fragen, wie und warum die unterschiedlichen Interpretationen zu mancherlei gegenseitigem Unverständnis führen konnten und können.

Die Ausstellung wird in St. Petersburg noch bis zum 21. April gezeigt. Bis dahin sind zahlreiche Begleitveranstaltungen geplant. So wird es jeden Freitag eine Führung mit anschließender Diskussion geben. Im März finden Seminare für Fachleute und Pädagog_innen zu wechselnden Themen statt, so zum Holocaust, zur Massendeportation der finnisch- und deutschstämmigen Bevölkerung aus dem Leningrader Gebiet in den vierziger Jahren, zum Gedenken an die Blockade Leningrads sowie zu Methoden des Geschichtsunterrichts zum 2. Weltkrieg in verschiedenen europäischen Ländern (Veranstaltungskalender HIER).

Über die Eröffnung berichteten etliche Medien, darunter "Radio Svoboda" (Video), "Radio Rossii", die "Stimme Amerikas" und die regionale Wochenzeitung "Moj rajon". Fotos zu der Veranstaltung finden Sie HIER (Facebook).

Vom 6. – 31. März ist die Ausstellung auch im litauischen Vilnius zu sehen. Bei der Eröffnung am 6. März, 18 Uhr, im Rathaus der Stadt (Didžioji g. 31, Vilnius 01128) sprechen u. a. Giedrius Sudikas (Leiter der Presseabteilung der Vertretung der EU-Kommission in Litauen), Laima Nerkevičienė (stellv. Rathausdirektorin) und Natalia Taubina (Mitglied des Steering Committee des CSF). Von den Autor_innen werden Nikita Lomakin (Memorial International, Moskau), Algis Bitautas (Litauische Universität für Erziehungswissenschaften) und Kristina Smolijaninovaitė (Sekretariat des CSF, Berlin) anwesend sein. Anmeldung zu derVeranstaltung, die auf Litauisch mit Übersetzung ins Russische durchgeführt wird, bitte an events@eu-russia-csf.org.

Mehr zur Ausstellung HIER (engl.).

8) Dreimonatspraktikum im DRA ab dem 8. Mai: Jetzt bewerben!

Zur Unterstützung seiner Arbeit vergibt der DRA ein Praktikum als Assistenz der Geschäftsführung in Vollzeit (40h/Woche) ab dem 8. Mai 2017. Die Tätigkeiten umfassen die Unterstützung der Geschäftsführung, Zuarbeit zur Projektarbeit (Antragstellung, Projektdurchführung, Abrechnung und Berichterstattung) und zu Analysen, Kommunikation mit Partnern, Recherchen, Übersetzungen, Mitwirkung an der Öffentlichkeitsarbeit sowie allgemeine Büroorganisation.
Das Praktikum wird betreut und mit 350 Euro monatlich vergütet. Es richtet sich ausschließlich an Studierende mit gültiger Immatrikulationsbescheinigung. Ein Praktikumszeugnis wird ausgestellt. Interessierte senden ihre Bewerbung bitte als pdf-Dokument bis zum 24. März 2017 an assistenz@austausch.org. Weitere Informationen HIER

9) Porträtserie zum 25-jährigen Jubiläum des DRA – Wir stellen frühere und heutige Mitarbeiter_innen vor! Diesmal: Elena Stein

Der DRA wird 25 Jahre. Aus diesem Anlass stellen wir jeden Monat einen der Menschen vor, die den DRA ausgemacht haben, ihn geprägt und mit zahlreichen Projekten lebendig mitgestaltet haben.

Vier Jahre lang hat Elena Stein im DRA gearbeitet. In dieser Zeit hat sie für den DRA wie auch für sich selbst immer wieder Neues entdeckt und umgesetzt.

"Immer schnell und kompetent reagieren zu können, auf aktuelle, seien es schöne oder weniger schöne Ereignisse – das ist es, was für mich die Arbeit des DRA ausmacht." Als Lena im März 2013 beim DRA anfing, übernahm sie zuerst die Projektleitung für das Schüleraustausch-Programm, wenig später kam das Dönhoff Stipendien-Programm hinzu. 2015 führte sie das Team zur Entwicklung der neuen Website des DRA. 2016 leitete sie zudem ein Projekt zur Weiterbildung und Entwicklung neuer Finanzierungsmöglichkeiten vor Ort für NGOs aus Russland, gemeinsam mit Partnern aus St. Petersburg.

Mit Elan, Energie und Kreativität schaffte sie es, immer wieder neue Dinge beim DRA anzustoßen und voranzutreiben. "Es gefällt mir, dass ich mich wirklich mit jedem Projekt identifizieren, dass ich mich verwirklichen und vieles ausprobieren kann." Und ihr gefällt, dass sie mit der Arbeit weiterhin den Bezug zu ihrem Heimatland behält. Ursprünglich aus St. Petersburg, kam Lena nach einem Soziologiestudium vor 17 Jahren nach Deutschland. An der Universität Mannheim promovierte sie zur lange illegalen, dabei aber gesellschaftlich tolerierten Verweigerung der Wehrpflicht in Russland als Zeichen für eine Staatsbürgerschaftskrise.

Lena ist es wichtig, Brücken zu bauen, Offenheit und Akzeptanz zu fördern, wie es im Schüleraustausch möglich ist. "Er ist sinnvoll, weil man dadurch einerseits die Sprache lernt, andererseits die Chance hat, eine neue Kultur und andere Menschen kennenzulernen und sich auszutauschen. So ein Schüleraustausch ist ja viel mehr, als sich gegenseitig einzuladen. Eigentlich geht es um neue Horizonte und unbegrenzte Möglichkeiten."

Unablässig engagierte sich Lena auch dafür, ein Alumni-Netzwerk für ehemalige Dönhoff-Stipendiat_innen aus Russland, der Ukraine, Weißrussland und den baltischen Ländern zu schaffen. 2015 kamen dann zum ersten Mal fast alle früheren Stipendiat_innen zusammen. "Es war ein sehr schönes Gefühl zu sehen, was aus den Menschen geworden ist und wie stark die Teilnahme am Programm sie geprägt hat, ja sogar Lebensentwürfe verändert hat."

Ab März geht Lena nun neue Wege – ein Anlass, ihr ganz herzlichen Dank zu sagen für all ihren Einsatz, ihre Ideen und Kraft. Als Coach und Beraterin wird sie sich selbständig machen, als Vorsitzende den von ihr mit gegründeten Verein CISR e.V. – Center for Independent Social Research weiter ausbauen, der sich der soziologischen Forschung im osteuropäischen bzw. postsowjetischen Raum widmet. Dem DRA wird sie erhalten bleiben als Beraterin und gute Freundin. Dem Verein wünscht Lena, dass er mit vielen Verbündeten die Herausforderungen in dieser turbulenten Zeit meistern möge – und man in seinen Projekten weiterhin spürt, dass man die Welt mit den eigenen Händen verändern kann.