DRA Newsletter Februar 2013


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Erfolgreiche EU Study Week in Volgograd – Stalingrad-Gedenkstätte besucht

Der DRA wird 2013 bis voraussichtlich 2015 im Auftrag der EU-Delegation in Russland eine Reihe so genannter EU Study Weeks durchführen. Das erste dieser Studientreffen zu Fragen rund um die Beziehungen zwischen der EU und Russland für den russischen akademischen Nachwuchs fand vom 8.–10. Februar nahe Volgograd statt. Zu der Veranstaltung kamen 30 Studierende und Doktoranden aus verschiedenen Regionen Südrusslands. Zentrale Themen waren die mit der europäischen Integration verbundenen Vorteile und Probleme, die aktuelle Wirtschaftslage in der EU, die Debatte um die Verleihung des Friedensnobelpreises 2012 an die EU sowie auch die EU-Stipendienprogramme für russische Studierende. Als prominenter Gast schilderte der frühere Präsident des EU-Parlaments Enrique Baron Crespo (Spanien) eindrucksvoll die Arbeit an der Spitze der Einrichtungen der EU. Nach einem Vortrag von Oleg Kornejev (Europäisches Hochschulinstitut, Florenz) zur Geschichte der EU-Russland-Beziehungen bei der Steuerung von Migrationsprozessen simulierten die Studierenden Verhandlungen zwischen Delegationen beider Seiten zur Abschaffung der wechselseitigen Visumspflicht. Das Rollenspiel führte zu bestimmten Vereinbarungen und machte die Hindernisse bewusst, die Fortschritten in dieser Frage im Wege stehen. Elena Belokurova vom Projektteam (DRA / Europäische Universität St. Petersburg) stellte die Rolle der Zivilgesellschaft in den EU-Russland-Beziehungen vor. Auch besuchten die Teilnehmer/innen die Gedenkstätte der Schlacht um Stalingrad auf dem Mamajev-Hügel der Stadt, die sich anlässlich des 70. Jahrestages dieser entscheidenden Wendung im Zweiten Weltkrieg 1943 gerade besonders festlich geschmückt präsentierte. Alle Teilnehmer_innen und Dozent/innen bewerteten die EU Study Week abschließend als äußerst interessant und produktiv. Die nächste derartige Veranstaltung findet vom 21.-23. Juni in Jekaterinburg statt; weitere Informationen siehe www.eu-studyweeks.ru.

2) DRA beteiligt an internationalen Workshops zu Visafragen EU-Russland

Das Zivilgesellschaftsforum EU-Russland (CSF) führt vom 14.–16. März in Moskau einen Experten-Workshop zum Stand der Visaregelungen zwischen der EU und Russland durch. Fünf Experten mit verschiedenem fachlichen Hintergrund (Recht, Politikwissenschaft, Zivilgesellschaft) aus Russland, Belgien, Deutschland und Polen, die u.a. an Universitäten in Florenz, Kaliningrad und Gent bzw. leitend in Nichtregierungsorganisationen tätig sind, werden bei dem Arbeitstreffen ein Strategiepapier vorbereiten. Mit diesem Dokument wird das CSF zu den Problemen Stellung nehmen, die sich aus den derzeit gültigen Visaregelungen insbesondere für Vertreter_innen der Zivilgesellschaft ergeben, und zugleich vorläufige und mittelfristige Lösungen für die Zeit bis zur Vereinbarung von Visafreiheit zwischen der EU und Russland vorschlagen. Nach weiteren Diskussionen innerhalb des CSF wird das Strategiepapier im Herbst in Moskau auf einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert sowie – rechtzeitig vor dem EU-Russland-Gipfel im Dezember – an Regierungsvertreter in Russland und der EU überreicht werden. Das Experten-Team wird im Auftrag des Zivilgesellschaftsforums von Kristina Smolijaninovaite (DRA) koordiniert und von der Robert Bosch Stiftung gefördert. Mit einer Präsentation des CSF und dessen Visa-Arbeit nahm Kristina Smolijaninovaite am 6. Februar in Moskau auch an einem Workshop „Russland – Deutschland – Schengen: Schritte auf dem Weg zur Visaliberalisierung“ der Initiative No-visa.info und der Vereinigung deutscher und russischer Ökonomen dialog e. V. teil. Die Workshop-Teilnehmer_innen befassten sich mit der Visavergabepraxis der letzten zwei bis drei Jahre zwischen Russland einerseits und dem Schengen-Raum bzw. Deutschland andererseits und diskutierten deren positive Tendenzen (z.B. häufigere Erteilung von Mehrfachvisa) und Begrenzungen insbesondere im Hinblick auf die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit. Zu den teilnehmenden Expert_innen gehörten außerdem u.a. Oliver Fixson, Leiter der Rechts- und Konsularabteilung der Deutschen Botschaft Moskau, Alexey Goreslavsky, Herausgeber der Internetzeitschrift „Euromag“, und Stanislav Ogorodnikov, Anwalt beim European Law Service.

3) Robert Bosch Stiftung und Heinrich Böll Stiftung wurden Mitglieder des CSF

Der Koordinationsrat des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland hat im Januar die Mitgliedsanträge der Robert Bosch Stiftung sowie der Heinrich Böll Stiftung angenommen. Beide Stiftungen hatten bereits seit der Vorbereitung des Forums 2010 immer wieder unterstützend mitgewirkt. Mit der Aufnahmeentscheidung wurde zugleich grundsätzlich der Weg für nichtstaatliche Stiftungen in das Forum frei gemacht, da sie neben den Nichtregierungsorganisationen sowie Bürgerinitiativen und –bewegungen für eine lebendige Zivilgesellschaft von großer Bedeutung sind. Mehr Infos zum Forum: www.eu-russia-csf.org.

4) Schlussphase bei Entwicklung von Biogas-Anlage

Das vom DRA auf Bitte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) seit Herbst 2011 betreute Biogas-Projekt der Umweltorganisation Grünes Kreuz Russland (Green Cross Russia, GCR) geht in seine Schlussphase. Die in diesem Rahmen zu errichtende Pilotanlage, die auf dem Gelände eines Versuchsbetriebs der Akademie für Agrarwissenschaften im Moskauer Gebiet nahe Podolsk entsteht, ist inzwischen weitgehend montiert und soll noch vor dem Sommer den Testbetrieb durchlaufen. Green Cross hatte dafür eine eigene Technologie zur Biogasherstellung auf der Basis von Abfällen der Rinderzucht entwickelt, die in Russland patentiert ist. Durch spezifische Aufbereitung der Ausgangsstoffe und beschleunigte Gärung soll die Energie erheblich schneller und in kleineren Anlagen als bislang üblich erzeugt werden können, bei gleichzeitiger Absorption der Klimagase Methan und CO2. Das Projekt wurde 2010 anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises an den früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschov durch die DBU vereinbart. Dieser hatte 1994 das globale NGO-Netzwerk Internationales Grünes Kreuz gegründet. Die russische Filiale wird von früheren Mitarbeitern Gorbatschovs geleitet und hat u.a. umfangreiche Beratungsprogramme in der Chemiewaffen-Abrüstung und landesweite Konferenzen zur Umweltbildung durchgeführt. Experten von GCR sind auch an der Konzipierung der Umweltpolitik der Stadt Moskau beteiligt, so in den Bereichen Verkehr und Müllentsorgung bzw. –vermeidung. Der DRA leistet das Projektmanagement des Biogas-Vorhabens und die Vermittlung zwischen deutschen und russischen Partnern. Im Anschluss an den Bau der Versuchsanlage soll eine Serienfertigung mit Unternehmen und Interessenten im osteuropäischen Agrarsektor, vor allem im GUS-Raum, aufgebaut werden.

5) RNEI moderiert Klimagespräche russischer Experten in Moskau

Das aus einem DRA-Projekt hervorgegangene Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation in St. Petersburg (RNEI) veranstaltete am 14. Februar in Moskau gemeinsam mit dem Institut für Medien, Architektur und Design „Strelka“ ein Treffen russischer Klimaexpert_innen. Es war die zweite Zusammenkunft dieser Art seit dem letzten UN-Klimagipfel in Doha (Katar). Die RNEI-Expertin und Journalistin Angelina Davydova moderierte die Veranstaltung. Fachleute u.a. aus der offiziellen russischen Delegation in Doha sowie von Nichtregierungsorganisationen, Forschungszentren, Hochschulen und Medien diskutierten dabei die derzeitige russische Klimapolitik (z.B. die Entwicklung der Energieeffizienz und eines Emissionsrechtemarktes, aber auch die Absage an die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls). Ein weiteres Thema waren die Beziehungen zwischen offiziellen Stellen und der Expertenwelt auf diesem Gebiet. Professoren der Staatlichen Universität Moskau (MGU) und des Moskauer Staatlichen Instituts für internationale Beziehungen (MGIMO) erläuterten, dass es an russischen Hochschulen derzeit noch keine Studiengänge für künftige Spezialisten der Bereiche Klimapolitik, CO2-arme Entwicklung, Nachhaltigkeit und grüne Ökonomie gebe. Angeboten werden dazu bisher lediglich einzelne Kurse. Es sei daher dringend notwendig, entsprechende interdisziplinäre Ausbildungsprofile zu entwickeln und die Studierenden für ökologische Fragen zu interessieren. Weitere Treffen der Klimaexperten sollen in nächster Zukunft regelmäßig stattfinden. Der intersektorale Austausch wird als eine Vorbedingung gesehen, um dem Thema Klimaschutz künftig mehr Gewicht in der Öffentlichkeit und Politik in Russland zu geben. Die Klimaschutzarbeit von DRA und RNEI wird vom Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung/Programm Brot für die Welt unterstützt.

6) Stadtteilarbeit: DRA St. Petersburg startet neues Schülersozialprojekt

„Hier im Rajon“: So heißt ein neues urbanes Projekt für Jugendliche, das der DRA St. Petersburg in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Nr. 295 im Frunse-Rajon (Stadtbezirk) durchführt. Hauptsächlich beteiligt sind die Schüler_innen der 7. Klasse. Im Rahmen des Projekts erforschen sie den städtischen Raum, in dem sie leben und lernen, um schließlich eine eigene Führung durch ihren Stadtbezirk zu konzipieren. Dazu werden sie in Büchern, im Internet und in Museen recherchieren, Heimatkundler_innen interviewen und eigene Erfahrungen aus dem Rajon reflektieren. Ältere Schüler_innen des Gymnasiums 295, die 2012 im Rahmen eines anderen Projekts mit DRA-Beteiligung Besucher_innen durch eine Ausstellung über Anne Frank geführt haben, werden im April in einem Workshop ihre Erfahrungen mit dieser Aufgabe an die Jüngeren weitergeben. Im Mai folgt dann die eigentliche Exkursion, bei der die Schüler_innen der 7. Klasse interessierten Anwohner_innen ihren Stadtbezirk zeigen werden. Das Projekt soll den Zusammenhalt der Jugendlichen sowohl über Jahrgangsstufen als auch vor allem über Cliquengrenzen innerhalb der Klasse hinweg stärken. Geleitet wird es von der Russischlehrerin Svetlana Rafinskaja und von Boris Romanov (DRA), der am Gymnasium Nr. 295 auch Trainings zur interkulturellen Kommunikation durchführt. Das staatliche Jugendzentrum „Fakel“ stellt für das Projekt Räume bereit. Gesucht wird derzeit noch nach Geldmitteln, um für die Exkursion im Mai Busse anmieten zu können – der Frunse-Rajon ist der größte Stadtbezirk Petersburgs, und die sehenswerten Orte liegen weit voneinander entfernt.

7) Erinnerung: 21./22.2. – Diskussion/Ausstellung zu „Verbotener Kunst in Russland“

Zum Thema »Verbotene Kunst in Russland« findet am 21. Februar, 20 Uhr, im Haus der Demokratie (Greifswalder Str. 4, 10439 Berlin) eine Podiumsdiskussion statt, zu der als die Veranstalter der DRA, Amnesty International sowie iDecembrists nochmals herzlich einladen. Unter der Moderation von Elfie Siegl (Journalistin, Vorstand DRA) werden die Künstlerin Viktoria Lomasko (Moskau), die Literaturwissenschaftlerin Sandra Frimmel (Zürich), Mischa Gabowitsch (Einstein-Forum Potsdam, idecembrists) und Peter Franck (Amnesty International) v.a. über die aktuelle Rolle und Einschränkungen der Kunst in Russland debattieren. Dazu gehören u.a. die Prozesse gegen die Frauenband Pussy Riot sowie gegen die Kuratoren der Ausstellung „Verbotene Kunst – 2006“ in Moskau, Andrej Jerofejev und Jurij Samodurov. Viktoria Lomasko und Andrej Nikolajev haben zu den Gerichtsverfahren grafische Reportagen geschaffen und nun auch in Deutschland in einem Buch veröffentlicht (siehe HIER). Eine Auswahl der Zeichnungen ist ab 22. Februar (Vernissage: 19 Uhr) im Projektraum „uqbar“, Schwedenstr. 16, 13357 Berlin (U8/U9 Osloer Str.) zu sehen.

8) Erinnerung: 28.2. – Film und Diskussion mit Ilya Jashin zu Protesten in Russland

Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „ostEUROPA bewegt“ laden der DRA, iDecembrists und Werner Schulz (MdEP) zur Filmvorführung „Winter, geh weg!“ („Zima, uchodi!“) und zur anschließenden Diskussion ein. Der Abend ist der Frage gewidmet, wo die russische Gesellschaft heute – rund ein Jahr nach der Wiederwahl Putins – steht und was die Protestbewegung im Land erreichen konnte und kann. Der von der kritischen Zeitung „Novaya gazeta“ initiierte und von zehn Nachwuchsregisseur_innen verwirklichte Dokumentarfilm „Winter, geh weg!“ führt zurück zur Aufbruchsstimmung im Winter 2012, fragt aber auch nach denen, die sich dem Aufbegehren nicht anschließen wollten. Die an dem Projekt beteiligte Filmemacherin Zosya Rodkevitsch wird in die Dokumentation einführen. Auf die Vorführung folgt ein Podiumsgespräch mit Ilya Yashin (Mitglied im Koordinationsrat der russischen Opposition, Bewegung Solidarnost, Moskau), Prof. Dr. Hans Henning Schröder (Stiftung Wissenschaft und Politik) und Werner Schulz (Europaabgeordneter Grüne/EFA, stellv. Vorsitzender des Parlamentarischen Kooperationsausschusses EU-Russland des Europaparlaments). Die Moderation hat Stefan Melle (DRA). Der Film wird auf Russisch mit englischen Untertiteln gezeigt, die Diskussion erfolgt auf Deutsch und Russisch mit Übersetzung. Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich. Zeit und Ort: 28. Februar 2013, 19.30 Uhr im Kulturzentrum WABE, Danziger Str. 101, 10405 Berlin-Prenzlauer Berg; Anfahrt/Verbindungen: TRAM M10 (Winsstr.), M4 (Danziger Str./Greifswalder Allee), M2 (Prenzlauer Allee/Danziger Str.), S-Bahnen 4, 8, 85 (Prenzlauer oder Greifswalder Allee).

9) Jetzt bewerben: Praktikum bei DRA-Projekt zu Klimaschutz und Menschenrechten in Russland

Der DRA vergibt eine Vollzeit-Praktikumsstelle im Rahmen des Projekts „Verantwortung für Klimaschutz und Menschenrechte in Russland stärken“. Beginn ist der 2. April, die Dauer beträgt 6 Monate. Ziel des Projekts ist es, das Verantwortungsbewusstsein für den Klimaschutz in Russland und die regionale Umsetzung von Klimaschutzkonzepten zu fördern, die europäisch-russische Kooperation bei Umwelt- und Klimaschutz auszubauen und Verletzungen der Menschenrechte im Zusammenhang mit Umweltbelangen öffentlich zu machen. Zu den wesentlichen Tätigkeiten der Projektassistenz gehören Recherchen, Übersetzungen (russisch/deutsch), die Unterstützung bei der Durchführung von Seminaren und Veranstaltungen, der Pflege des Internetportals www.rnei.de und Netzwerkaktivitäten sowie allgemeine Büroaufgaben. Erwartet werden ein Interesse für zivilgesellschaftliche Prozesse in Deutschland und Russland sowie für die Themen Umweltschutz, Klimawandel und Bürgerbeteiligung, sehr gute Deutsch- und Russischkenntnisse, solide PC-Kenntnisse (Word, Excel, Power Point), gute kommunikative Fähigkeiten und selbstständiges Arbeiten. Englischkenntnisse sowie Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit und bei der Pflege von Websites sind von Vorteil. Das Praktikum wird mit 300,- € monatlich vergütet.