DRA Newsletter Februar 2012


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Kommentar zur Präsidentenwahl: Auf dem Weg zur Überwindung des Systems Putin

Nach Vladimir Putins vorhersehbarem Sieg bei der Präsidentenwahl am Sonntag beginnt in Russland eine neue Epoche – die der Überwindung seines geschlossenen Machtsystems durch die russische Gesellschaft. Früher oder später dürfte sie mit Putins Ablösung enden. Denn die jüngste Protestbewegung gegen gefälschte Wahlen, Korruption, Repression, Stagnation und das Führungsmonopol der Kreise um ihn hat im Land bereits tiefe Spuren hinterlassen. Lebendig bleibt mindestens die Erinnerung an das Aufbegehren – sie prägt nun das Bewusstsein und die gesellschaftlichen Erwartungen von Millionen Menschen mit. Weniger wahrscheinlich, aber denkbar ist auch, dass die Bürgerbewegung schnell einen zweiten Aufschwung nimmt, weil sie erfahren hat: Breite Koalitionen sind möglich, Forderungen nach Pluralität und demokratischen Regeln finden Resonanz. Aber erfolgreicher als bisher kann sie nur sein, wenn sie zu ihren Handlungsaufrufen auch überregional akzeptierte Programm-, Struktur- und Personalalternativen bieten und somit Handlungsfähigkeit belegen kann. Dazu reichte seit Dezember weder die Zeit noch der – von Putins Gefolgsleuten weiter verlässlich gehütete – öffentliche Raum. Wenn der künftige Präsident die wachsende Souveränität in der Gesellschaft aus Eigennutz behindert und scheitern lässt, wenn er die Vorteile aus dem Engagement und der Intelligenz der vielen ausschlägt, um seinen personalisierten Dirigismus und seine bevorzugte Rolle als Vater des Volkes zu bewahren, wird er in Russland die Rückständigkeit, die resignativen Tendenzen und den Brain-Drain verschärfen. Schon im Wahlkampf hat Putins Stab vor allem solche Ideen und Milieus mobilisiert, die Hürden gegen die kooperative Verankerung Russlands in einer offenen, modernen, vernetzten Welt errichten. Und er hat Information – bis hin zu jener über angebliche Attentatspläne – wiederum nicht als selbstverständliches Mittel der Transparenz, sondern als willkürliches Instrument der Imitation, Manipulation und der Inszenierung von Bedrohungen eingesetzt und so der Bevölkerung erneut Geringschätzung und Missachtung signalisiert. Bedrohlich für die friedliche und an den Bürgerinteressen orientierte Entwicklung des Landes ist nicht die Protestbewegung mit ihren Forderungen, sondern dieses Politikverständnis der russischen Führung.

2) DRA-Mitgliederversammlung: 24.3.2012, 14 Uhr, Brotfabrik Berlin – Gäste willkommen!

Der Jahresrückblick 2011 zur Arbeit des DRA und eine Diskussion zur aktuellen Lage in Russland und zu weiteren Plänen des Vereins nach der Präsidentschaftswahl sind die Kernthemen der Mitgliederversammlung (MV) des DRA, die am 24. März ab 14 Uhr in Berlin (Ort: Brotfabrik Berlin, Caligariplatz 1) stattfindet. Zu dem Treffen lädt der DRA seine Mitglieder, aber ebenso alle anderen Interessent_innen herzlich ein. Auf der Tagesordnung steht auch die genauere Vorstellung des Projekts „Russisch-Deutsches Umweltinformationsbüro“ sowie nach zwei Amtsjahren auch die Wahl eines neuen Vorstandes. Neue Mitglieder sind gern gesehen! Im Anschluss an die MV gibt es eine Feier mit Musik. Wir freuen uns darüber, dass dazu auch einige der Gründer des DRA kommen werden, der vor 20 Jahren im Februar/März 1992 aus der Taufe gehoben wurde. Genauere Informationen und Anmeldung HIER.

3) Berlin, 21.3. und 23.3.: Lesungen mit Eduard Kotschergin (St. Petersburg)

Im März 2012 lädt der DRA zu zwei russisch-deutschen Lesungen mit dem bekannten Petersburger Autor Eduard Kotschergin und seinen Übersetzer_innen Ganna-Maria Braungardt, Renate Reschke und Thomas Reschke ein. Eduard Kotschergin ist seit 1972 leitender Bühnenbildner am Großen Dramentheater in Petersburg und gilt in der Künstlerszene der Stadt als Kultfigur. Sein 2003 erschienener Sammelband „Angelova kukla“ („Die Engelspuppe“) geriet zur literarischen Sensation und liegt inzwischen in der fünften Auflage vor. Die Schilderungen der Schicksale von „Erniedrigten und Beleidigten“ der russischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts basieren auf eigenen Erlebnissen des Autors. Die deutsche Ausgabe erschien 2009 im Mannheimer persona verlag und enthält auch einige Texte aus Kotschergins zweitem Sammelband „Kreschennye krestami“ („Mit Kreuzen getauft“). Am 21. März um 20.00 Uhr liest Eduard Kotschergin in der Tucholsky-Buchhandlung, Tucholskystraße 47, Berlin-Mitte, aus der „Engelspuppe“. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Am 23. März folgt, ebenfalls um 20.00 Uhr, die Lesung im Buchladen am Bayerischen Platz, Grunewaldstraße 59, Berlin-Schöneberg. Der Eintritt ist frei. Beide Lesungen werden von der Übersetzerin Ganna-Maria Braungardt moderiert.

4) Ideenwettbewerb für russischsprachige Unternehmerinnen und Unternehmer

Unter dem Motto „Meine Idee für unsere Stadt“ startet das DRA-Projekt „Professija.DE – Deutsch-Russische Unternehmen engagiert für Integration und Ausbildung“ am 1. März einen Wettbewerb, der sich an russischsprachige Unternehmerinnen und Unternehmer in Rostock, Leipzig oder Potsdam richtet. Gesucht werden Ideen für gemeinnützige Projekte. Ziel des Wettbewerbs ist es, das gesellschaftliche Engagement russischsprachiger Unternehmer_innen in ihrer Region zu stärken und die Zusammenarbeit der Unternehmen mit Vereinen und gemeinnützigen Initiativen vor Ort zu fördern. Die eingereichten Vorschläge werden von einer Fachjury bewertet. In jeder Region gibt es für die jeweils favorisierte Projektidee ein Preisgeld von 1.000 Euro, das zu deren Umsetzung bestimmt ist. Auf Wunsch wird die Realisierung des vorgeschlagenen Projekts durch das Team von „Professija.DE“ außerdem beratend unterstützt. Genauere Informationen zum Wettbewerb unter www.professija.de (Rubrik: „Für Unternehmer_innen“).

5) RNEI: Informationsreise nach Bangladesch zu Folgen des Klimawandels

Im Rahmen einer Studienreise zu Folgen des Klimawandels besucht die Leiterin des Russisch-Deutschen Umweltinformationsbüros (RNEI) des DRA, Angelina Davydova, vom 3.-10. März gemeinsam mit Vertreter_innen deutscher Medien und des Bundestags Bangladesch. Die Fahrt wird vom Programm „Brot für die Welt“ beim Diakonischen Werk der EDK oganisiert, Sie soll Kenntnisse zu den immensen Gefährdungen vermitteln, die der Klimawandel in Südostasien bewirkt, und Handlungsoptionen aufzeigen. Das niedrig gelegene Bangladesch gehört zu den Regionen, für die der infolge des Treibhauseffekts steigende Meeresspiegel eine unmittelbare schwere Bedrohung darstellt. „Brot für die Welt“ unterstützt weltweit Projekte zum Klimaschutz sowie zur Bewahrung der Rechte und Lebensgrundlagen der Menschen, darunter seit 2009 auch die Tätigkeit des RNEI. Zu dessen Arbeitsschwerpunkten bis Ende 2013 gehört – neben der Stärkung lokaler Umweltinitiativen und der regelmäßigen zweisprachigen Aufbereitung von Umweltnachrichten zu Deutschland und Russland unter www.RNEI.de bzw. www.RNEI.ru – die Bewusstmachung der Folgen des Klimawandels für die südlichen Länder, deren bedrohte Lage in Russland in der öffentlichen Wahrnehmung bisher kaum eine Rolle spielt.

6) Praktikum: DRA sucht Projektassistenz für Klima- und Umweltschutzprojekt

Der DRA vergibt eine Vollzeit-Praktikumsstelle im Rahmen seines RNEI-Projekts „Verantwortung für Klimaschutz und Menschenrechte in Russland stärken“. Beginn des Praktikums, das eine Laufzeit von sechs Monaten hat, ist der 16. April. Es wird mit 300,- € monatlich vergütet. Ziel des Projekts ist es, in der russischen Öffentlichkeit und Politik das Bewusstsein für die globale Verantwortung des Landes im Klimaschutz zu fördern, um so dazu beizutragen, dass Russland mittelfristig weltweite Abkommen in diesem Bereich unterstützt und seine Fähigkeit zur Umsetzung konkreter Klimaziele und nachhaltiger Politik vergrößert. Zugleich sollen die Rechte von Ökologen, Umweltjournalisten und von Menschen, die von Umweltschäden betroffen sind, öffentlich zur Sprache gebracht und die europäisch-russische Kooperation verschiedener Partner im Bereich Umwelt- und Klimaschutz ausgebaut werden.

7) DRA St. Petersburg: Schulung zu Menschenrechtsthemen

Gemeinsam mit der Internationalen Jugendbewegung für Menschen-und Bürgerrechte (MPD) veranstaltet der DRA/NRO St. Petersburg vom 8.-11. März eine Seminarreihe zu den Themen Menschenrechte, Antifaschismus und Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit unter Jugendlichen. Das kostenlose Angebot richtet sich an junge Aktivist_innen, junge Journalist_innen und Mitarbeiter_innen von Behörden, die für Jugendarbeit zuständig sind, und zwar insbesondere an Teilnehmer_innen aus Nordwest- sowie Zentralrussland.

8) Bewerbung noch bis zum 2. März: Freiwilligendienste in Belarus und der Ukraine

Der DRA vermittelt im Rahmen des weltwärts-Programms des BMZ sechs Freiwilligendienste in der Ukraine und in Belarus. Sie beginnen im September 2012 und dauern 12 Monate. Engagieren werden sich die Freiwilligen im „Zentrum für soziale Partnerschaften“ im ukrainischen Tscherkassy beziehungsweise in den belarussischen gemeinnützigen Organisationen „Soziale Projekte“ (Gomel) und „Golubye Berega“ (Mogilev). Bewerbungen können bis zum 2. März 2012 per Mail eingesandt werden.

9) Für Schüler: Jahresaustausch ausgebaut – noch Plätze frei im Sommer-Kurzprogramm

„Halbzeit“ haben derzeit die ersten russischen Jugendlichen, die über das DRA-Schülerprogramm für ein ganzes Jahr nach Deutschland gekommen sind. Während ihnen ihr neuer Alltag in Schule und Freizeit nun schon vertraut ist, bereiten sich andere gerade auf dasselbe Abenteuer vor. Dabei werden in der Austauschrunde 2012/2013 erstmals auch deutsche Jugendliche in Russland ein komplettes Schuljahr absolvieren. Interessent_innen für den Jahres- oder einen sechsmonatigen Aufenthalt können sich noch bis zum 30. April 2012 bewerben. Im Kurzprogramm vermittelt der DRA 2012 erneut mehr russische SchülerInnen in deutsche Gastfamilien als deutsche Jugendliche nach Russland. Russlandbegeisterte zwischen 14 und 18 Jahren aus der Bundesrepublik sind weiterhin herzlich eingeladen, sich noch bis zum 18. März für den dreimonatigen Auslandsaufenthalt zu bewerben! Am Austauschprogramm teilnehmen kann man aber auch noch auf andere Weise: Der DRA sucht fortlaufend Gastfamilien für russische Schüler_innen! Die Teilnahmebedingungen sind für alle gleich.

10) www.facebook.de/DRAberlin: Aktivitäten, Analysen, Angebote, Aufrufe

Der DRA veröffentlicht auf seiner Facebook-Seite unter der Adresse www.facebook.de/DRAberlin fast täglich Hinweise auf eigene Projekte und Veranstaltungen, auf Job-, Praktika- und Programmausschreibungen sowie auf aufschlussreiche Artikel und Analysen zu Russland und Osteuropa. Schwerpunkt zurzeit: Eine Zwischenbilanz der Protestbewegung in Russland. Wir laden herzlich ein, Fan der Seite zu werden!