DRA Newsletter Dezember 2019

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

zum Ende des Jahres 2019 informieren wir Sie noch einmal über unsere Arbeit – und bitten Sie zugleich, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des immer noch drängendsten Problems in Osteuropa, herzlich um Ihre Unterstützung.

Der Wiederaufnahme von Treffen im Normandie-Format zum Donbass-Konflikt in Paris am 9. Dezember haben Beteiligte und Beobachter/innen teils hoffnungsvoll, teils skeptisch entgegengesehen. In gleicher Weise geteilt war das Urteil über die Ergebnisse: War für die einen schon das Zustandekommen der Gespräche ein Erfolg, so sahen andere in den erzielten Vereinbarungen – darunter ein Waffenstillstand bis Ende 2019 und ein Gefangenenaustausch – nur kleinste Schritte und deren tatsächliche Umsetzung zudem als keineswegs gewiss an. Außer Frage steht wohl: Von einer Lösung des blutigen Konflikts, der schon über 13 000 Menschen das Leben gekostet hat, sind die Ukraine und ganz Europa nach wie vor weit entfernt.

Der DRA arbeitet seit über 20 Jahren außer in Russland auch in der Ukraine und weiteren Ländern Mittel- und Osteuropas. Unsere langjährigen Verbindungen in die Zivilgesellschaften beider Länder ermöglichen uns auch in der fortdauernden angespannten Situation vertrauensvolle Kooperationen. Mit unserer internationalen Netzwerk- und Informationsarbeit, unseren Menschenrechts-Monitorings, Angeboten zur demokratischen Jugendbildung, einem Projekt zur Kriegsfolgenüberwindung (2016-2019) und anderem mehr bringen wir Akteur/innen beider Seiten zusammen und stärken das Zusammenwirken all derer, die nach Wegen zur Überwindung des Konflikts und in den Frieden suchen.

Bitte tragen Sie mit Ihrer Weihnachtsspende dazu bei, dass wir unsere wichtige Arbeit in diesem und vielen anderen Feldern auch 2020 fortsetzen können! Dafür danken wir Ihnen schon jetzt sehr herzlich!

Zugleich wünschen wir Ihnen friedvolle Weihnachtsfeiertage und alles Gute für das Neue Jahr 2020.


Wir danken Ihnen für Ihr Interesse!

Ihr Stefan Melle und das Team des DRA

 

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Inhalt

1) Civic Solidarity Platform (CSP) übergab der OSZE Erklärungen zu Versammlungsfreiheit und Menschenrechten im Donbass; „Agentengesetz“ – Debatte zu Russland im Europarat fortgesetzt

Anlässlich des OSZE-Ministerratstreffens in Bratislava (5-6.12.) fand am selben Ort vom 2. bis 4. Dezember auch eine Konferenz der Civic Solidarity Platform (CSP) statt. Die CSP ist ein Zusammenschluss von Menschenrechts-NGOs im OSZE-Raum. Der DRA wirkt an der Koordinierung von vier Arbeitsrichtungen der Plattform mit (Förderung: Auswärtiges Amt).

Auf ihrer Zusammenkunft verabschiedeten die CSP-Mitgliedsorganisationen insgesamt vier Dokumente mit Forderungen an die OSZE, darunter die Bratislava Declaration. Sie enthält eine umfassende Analyse aktueller Einschränkungen der Versammlungsfreiheit in der OSZE-Region, Empfehlungen an die OSZE zur Stärkung des Rechts auf friedliche öffentliche Versammlungen und den Appell an alle 57 Mitgliedsstaaten und an die Gremien der OSZE, den für jedes demokratisches Gemeinwesen unverzichtbaren öffentlichen Diskurs zu sichern.

In einer Stellungnahme anlässlich des „Normandie-Gipfels“ zum Donbass-Konflikt (Paris, 9. 12.2019), verlieh die CSP ihrer Besorgnis hinsichtlich der Menschenrechtslage in den nicht-regierungskontrollierten Teilen der Ostukraine Ausdruck. Mit einem weiteren Statement verurteilte das Bündnis die unlängst geänderte Gesetzgebung in Russland, der zufolge die (bisher nur auf Organisationen bzw. Medien bezogene) Negativkategorisierung als „ausländischer Agent“ nun auch auf unliebsame Einzelpersonen angewendet werden kann, sofern sie – etwa als Blogger/in – an der Verbreitung von Informationen beteiligt sind. Ein viertes Dokument ist den Problemen von Öko-Menschenrechtler/innen gewidmet, die sich für das Recht auf eine gesundheitsförderliche Umwelt und für die Bekämpfung der Klimakrise engagieren: In einer Reihe von Ländern sind sie mit restriktiven Gesetzen, Kriminalisierung und Verleumdungskampagnen in den Medien sowie Schikanen bis hin zu offener Gewalt konfrontiert. Alle Konferenzdokumente wurden am 4. Dezember offiziellen Vertreter/innen der OSZE überreicht und sind hier online nachzulesen.

In einem internen Treffen am 3. Dezember hatten die CSP-Mitglieder erneut kontrovers einen Beschluss des Europarats (ER) vom 24. Juni debattiert. Dieser hob ohne Vorbedingungen den Entzug der Stimmrechte in der Parlamentarischen Versammlung des ER (PACE) auf, der 2014 nach der Krim-Annexion gegen die russische Delegation verhängt wurde. Da der Rechtsbruch des Kremls in der Ukraine unverändert andauert und der Beschluss überdies auch die künftige Handlungsfähigkeit der PACE schmälert, hatten viele NGOs und Politiker/innen gegen den Schritt protestiert (u.a. der DRA). Viele Menschenrechtler/innen aus Russland hatten den Akt jedoch propagiert, da sie meinten, andernfalls drohe ein Ausstieg des Landes aus dem Europarat und damit auch aus dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Eine Annäherung der Positionen soll nun in einem CSP-Folgetreffen 2020 erreicht und von der Ausarbeitung einer Strategie für die Arbeit und Interaktion mit den internationalen Organisationen begleitet werden. Beide Treffen werden vom DRA, dem Helsinki-Komitee der Niederlande und der „Internationalen Partnerschaft für Menschenrechte“ organisiert.

2) CivilM+ veröffentlicht Policy Paper zur Reintegration im Donbass – DRA-Erklärung zum Normandie-Gipfel kritisiert geringe Ergebnisse und bekräftigt Rechte der Ukraine

Am 13.-14.11.2019 fand in Kiew das 2. Internationale Ostukraine-Forum von CivilM+ zum Thema „Reintegration im Donbass – Verbesserung der humanitären Lage und Stärkung der zwischenmenschlichen Kontakte in der Konfliktregion“ statt („Re-integration in Donbas – improvement of humanitarian situation and enhancement of people to people contacts in the conflict region“). Die Maßnahme wurde vom DRA in Kooperation mit den anderen NGO-Mitgliedern der internationalen Plattform CivilM+ organisiert und zielte auf die Vernetzung jener Akteur/innen, deren Arbeit die Konfliktbearbeitung in der Ostukraine betrifft.

Unter den mehr als 200 ukrainischen und internationalen Vertreter/innen aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft waren zahlreiche Bürgerinitiativen aus der Region, aber auch die Botschafter der EU, Deutschlands, Frankreichs und der Politische Direktor des ukrainischen Außenministeriums. Sie diskutierten die zum Teil stark divergierenden Perspektiven und Lösungsansätze zur Reintegration der vom Konflikt betroffenen Bevölkerung beiderseits der Frontlinie. Organisiert wurde das CivilM+ Forum im Rahmen des multilateralen Projekts „Dialog für Verständigung und Recht: Europäische NGOs gemeinsam für Konfliktbewältigung im Donbass“ mit freundlicher Unterstützung durch das Auswärtige Amt sowie das Außenministerium der Slowakischen Republik im Rahmen des slowakischen OSZE-Vorsitzes 2019.

Die Ergebnisse der vier Panel und neun Runden Tische während des Forums flossen ein in Empfehlungen, die die CivilM+-Mitglieder wenige Tage vor dem Normandie-Treffen in Paris am 9.12.2019 für die Stakeholder der Konfliktlösung veröffentlichten. In dem entsprechenden Positionspapier “Reintegration of the population affected by the conflict in Donbas and restoring justice and peace: current state and priorities” (engl.; russische Fassung hier) verlangt CivilM+ unter anderem: 1. die Lösung der humanitären Krise, 2. die Gewährleistung der Menschenrechte, 3. einen sicheren Zugang der Bevölkerung zu sozialen und Versorgungsleistungen sowie Bildung und Infrastruktur, 4. die Entwicklung eines umfassenden Konzepts der Übergangsjustiz für die Ukraine, 5. die Umsetzung einer konsequenten Politik gegenüber der lokalen Selbstverwaltung in den ukrainisch-kontrollierten Gebieten, 6. die Minimierung der Umweltrisiken in der Konfliktregion, sowie eine strategisch durchdachte Informations- und Sprachpolitik der ukrainischen Regierung.

Als Reaktion auf das Normandie-Treffen vom 9. Dezember veröffentlichte der DRA eine Erklärung. Darin begrüßt der DRA die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft der beteiligten Seiten – bedauert aber die geringen Fortschritte des Treffens. Es ist ungewiss, ob die angekündigten kleinen Schritte – darunter ein Gefangenenaustausch – überhaupt umgesetzt werden, und für größere Schritte bräuchte es die Bereitschaft der russischen Führung, ihre Kräfte aus den illegalen „Volksrepubliken“ zurückzuziehen und die Gebiete an die Ukraine zurückzugeben. Mit Blick auf das angekündigte nächste Normandie-Treffen in Frühjahr 2020 rufen wir die Verhandlungsparteien zu verstärktem Engagement, gutem Willen, zu vorausschauendem und auf das menschliche Wohl bedachten Handeln sowie zur Kooperationsbereitschaft auf, um den Konflikt so bald wie möglich zu beenden und die dramatischen Folgen für die betroffenen Menschen und die ganze Gesellschaft in der Region, der Ukraine und in Europa zu minimieren.

3) 24. Berliner Herbstgespräche im Roten Rathaus: internationaler Austausch zu Radikalisierungsprävention

Am 28. November fanden im Roten Rathaus Berlin zum 24. Mal die vom DRA veranstalteten Berliner Herbstgespräche statt, die sich von Jahr zu Jahr wechselnden politischen und gesellschaftlichen Fragen widmen. Unter dem Titel „Ausstieg aus der Gewaltspirale: Radikalisierungsprävention in Ost- und Westeuropa“ bot die Konferenz in diesem Jahr die seltene Gelegenheit, dieses hochaktuelle Thema aus vergleichender europäischer Perspektive zu diskutieren. Sie war Teil des Multiplikatoren-Projekts zur „Stärkung der Radikalisierungsprävention im Nordkaukasus und Tatarstan“, das der DRA unter Beteiligung russischer und französischer Partner von 2019-2020 mit Förderung des Auswärtigen Amtes umsetzt.

Erörtert wurde die Präventionsarbeit auf der Konferenz vor allem unter den drei Aspekten der Zusammenarbeit von Staat und Zivilgesellschaft auf diesem Gebiet, der unterschiedlichen Kontexte von Stadt und Land sowie neuartiger Herausforderungen durch die Digitalisierung. In drei Fishbowl-Foren, bei denen der Diskutantenkreis immer wieder wechselt, konnten rund 200 Besucher/innen ihre Positionen zur Debatte stellen und sich zum Problemverständnis sowie über präventive Lösungsansätze in unterschiedlichen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten austauschen. Zudem brachte die Konferenz mehrere mit dem Thema befasste Berufsgruppen zusammen und identifizierte Notwendigkeiten und Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit. Zu der Konferenz wird in Kürze ein Begleitfilm auf der Website des DRA zu finden sein (Link folgt im nächsten DRA-Newsletter).

Auf die öffentliche Tagung folgte am 29. November ein Runder Tisch, bei dem mehrere der Referent/innen der Konferenz aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien, 20 am Projekt teilnehmende Multiplikator/innen aus Russland sowie Vertreter/innen des DRA und der Projektpartner aus Frankreich und Russland vertiefend über De-Radikalisierungsansätze bzw. über den gesellschaftlichen Umgang mit ideologisch begründeten Gewalttaten diskutierten.

Auch wenn religiös oder politisch begründete Gewalttaten in Europa relativ selten sind, ist ihre Wirkung auf die Gesellschaft oft tiefgreifend und kann Konflikte zwischen gesellschaftlichen Gruppen verschärfen. Ein komplexes Problemverständnis gehört hier zu den Grundvoraussetzungen einer erfolgreichen Präventionsarbeit, die die gesellschaftlichen Risiken mindert. Dazu konnten die diesjährigen internationalen Berliner Herbstgespräche einen Beitrag leisten.

Wir danken ganz herzlich allen Konferenzbesucher/innen, den beteiligten Expert/innen sowie den Förderern und Unterstützern – dem Auswärtigen Amt, der Heinrich Böll Stiftung, der Zeit-Stiftung sowie der Berliner Senatskanzlei – für die Möglichkeit, mit der Konferenz den professionellen Austausch und die multilaterale Kooperation zur Radikalisierungsprävention über Grenzen hinweg auszubauen.

4) Erneut kein Motor beim UN-Klimagipfel: kontroverse Positionen von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus Russland in Madrid – DRA kooperiert mit Klimaschützern

An der „Fridays for Future“- (FFF-)-Bewegung beteiligen sich in Russland bisher kaum 200 Menschen, davon etwa 50 bis 70 in Moskau. Einige von ihnen wirken auch im DRA-Projekt „ACCT! – Acting on Climate Change Together“ (Förderung: EU) mit, wie der Mitinitiator der russischen FFF-Bewegung, Arshak Makichyan. Er legte auf dem Weg zur UN-Klimakonferenz COP 25 in Madrid einen Zwischenstopp in Berlin ein. Gemeinsam mit DRA-Mitarbeiter/innen nahm er am 29. November an der Berliner FFF-Demonstration teil und trat für eine effektive Bekämpfung des Klimawandels und dafür ein, dass alle Bürger/innen, auch in Russland, ihr verfassungsmäßiges Versammlungsrecht ungehindert ausüben können, darunter zugunsten des Klimaschutzes. Bisher werden Großdemos für das Klima von russischen Behörden regelmäßig gar nicht oder nur an abgelegenen Orten ohne Publikum genehmigt, spontane Versammlungen enden meistens mit Verhaftungen der Aktivist/innen.

An der COP 25 in Madrid nahmen mehrere russische Umweltaktivist/innen teil, die dabei vom DRA unterstützt wurden. Sie waren in diesem Jahr, so die Einschätzung unserer langjährigen Projektpartnerin, der prominenten Umweltjournalistin Angelina Davydova von RNEI in einem Überblicks-Artikel für die Zeitung „Vedomosti“, diesmal bemerkbarer als in den Vorjahren. So organisierten sie einen öffentlichen Klimamarsch, trat FFF-Aktivist Makichyan auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit der FFF-Initiatorin Greta Thunberg auf, war Sasha Shugai vor Ort, die durch ihre Aktionen gegen die Waldbrände in Sibirien bekannt geworden ist. Makichyan konnte sich nach eigenen Angaben (vgl. hier) auch mit dem Sonderberater für Klimafragen von Vladimir Putin, Ruslan Edelgeriev, treffen. Dieser habe ein weiteres Treffen in Moskau Ende Dezember zugesagt, nach welchem er dem Präsidenten die Forderungen der Aktivist/innen übermitteln wolle.

Noch immer klafft das Verständnis vom Klimaschutz bei der Zivilgesellschaft, der Regierung und der Wirtschaft in Russland weit auseinander. So trat die offizielle Delegation bei COP 25 erneut keineswegs als Motor des Klimaschutzes hervor – sie warb sogar dafür, Genderfragen und Menschenrechte aus den Verhandlungen zu Klimawandelschäden und -verlusten heraus zu halten. Zwar hat die Regierung im September endlich das Pariser Klimaabkommen von 2015 ratifiziert, doch liegt das Land mit seinem aktuellen Treibhausgas-Ausstoß noch unter seiner erklärten Zielmarke, sodass es die Emissionen sogar noch steigern dürfte. Am 5. Dezember erhielt Russland daher (zusammen mit den USA) den „Fossil of the Day“ – den Negativpreis des Climate Action Network für Länder, die Fortschritte bei den internationalen Klimaverhandlungen verhindern.

Zu Kontroversen mit Vertreter/innen der Zivilgesellschaft kam es auch bei einer Begleitveranstaltung der russischen Regierung in Madrid am 10.12. zu den (laut Titel) „realen Veränderungen in der Kryosphäre“ – also den Eismassen auf der Erde – und den damit verbundenen Risiken für die Menschen. Auf dem Podium saßen neben Wissenschaftlern auch Vertreter des Aluminiumkonzerns Rusal und dessen Mehrheitseigentümer En+, die im PR-Stil von ihrer Arbeit im tauenden Permafrostboden und ihrem - allerdings nur der Sicherung der eigenen Tätigkeit geltenden - Einsatz für den Schutz von Klima und Wasserhaushalt in Sibirien berichteten. Publikumsfragen zur Möglichkeit ungehinderter Klimaschutzdemonstrationen in Russland und zu massiven Umweltverschmutzungen in Regionen, in denen Rusal tätig ist, wurden ausweichend beantwortet. Zum Videomitschnitt hier.

5) DRA-Ressourcenzentrum Drukarnia (Slovjansk): Umweltseminare, Themenwoche zu Mariupol, Diskussion zum Normandie-Gipfel

Mehrere Umweltseminare bilden noch bis zum Jahresende den Schwerpunkt des DRA-Ressourcenzentrums Drukarnia in Slovjansk (Gebiet Donezk, Ostukraine). So vertieften vom 13-15. Dezember etwa 35 Aktivist/innen aus Städten der Regionen Donezk und Luhansk ihre Kenntnisse zu den Umweltproblemen der Region (wie die Wasserverschmutzung durch Industrieabfälle, radioaktiven Müll und geflutete Minen entlang der Frontlinie) und zu möglichen Vorgehensweisen dagegen, wie zum Beispiel die Erhebung von Daten sowie die gemeinsame Vernetzung und Kooperation. Im Rahmen des Seminars stellte die französische humanitäre Organisation ACTED ihr Monitoring-Projekt zum Wasserschutz vor, während Prof. Jörg Matschullat (Bergakademie Freiberg) sowie Mitarbeiter/innen von der ukrainischen NGO Ecodiya ausführten, wie Bürger/innen mit einfachen Mitteln ein systematisches Umwelt-Monitoring aufbauen können. Björn Ecklundt, Leiter des DRA-Umwelt- und Klimaprogramms, stellte die Geschichte der deutschen Umweltbewegung dar. Abschließend führte der moldauische Aktivist und Umweltexperte Eugen Camenscic ein ganztägiges Training zum Thema „Umweltschutz und gemeinsames Handeln vor Ort („Community-Building“)“ durch.

Viele Bewohner/innen von Slovjansk haben ein eher negatives Bild von ihrer Stadt. Die Stärkung anderer Sichtweisen und des Ressourcenbewusstseins ist das Anliegen des Drukarnia-Workshops „Musikinstrumente selbst bauen“ vom 17.-21. Dezember. Er wird in Partnerschaft mit dem Kollektiv Kollegen 2,3 - Verein zur alternativen Stadtraumnutzung e.V. (Berlin) und der Slovjansker NGO „Kulturzentrum Zadzerkallia“ Fragen des Re- und Upcyclings und der Nutzung von Materialien aus der eigenen Umgebung in den Mittelpunkt stellen.

Die Arbeit des Zentrums Drukarnia nimmt auch die ganze Donezk-Region in den Blick. So  erinnerte Drukarnia zuletzt auch an 30 Jahre Freiheit in der Stadt Mariupol: 1989 führte der zivilgesellschaftliche Protest im damaligen Schdanov dazu, dass die Stadt als eine der ersten in der Sowjetunion ihren historischen Namen Mariupol zurückerhielt. Am 30. November eröffnete der Drukarnia-Büroleiter Igor Mitchnik gemeinsam mit Andrei Marusiv, Leiter der Mariupoler NGO zur lokalen Erinnerungspolitik Arxi Misto, dazu eine Themenwoche. Dazu gehörte u.a. eine Ausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst in Mariupol mit Fotos, Zeitungsartikeln und Plakaten damaliger Aktionen und Kampagnen. Die Themenwoche schloss am 6. Dezember mit einer Podiumsdiskussion, bei der u. a. der DRA-Projektkoordinator Tim Bohse über die Transformationserfahrungen in der früheren DDR berichtete.

Politisch ging es auch am 8. Dezember in der Drukarnia zu: An diesem Tag waren einige Meinungsführer der Stadt zu einem halb-öffentlichen Austausch über ihre Hoffnungen und Bedenken hinsichtlich des Normandie-Gipfels eingeladen, der tags darauf in Paris stattfand. Große Erwartungen äußerte dabei keiner der Anwesenden.

Die Arbeit der Drukarnia erfolgt im DRA-Projekt „Dialog für Verständigung und Recht: Europäische NGOs gemeinsam für Konfliktbewältigung im Donbass“ (Förderung: Auswärtiges Amt).

6) NRO (DRA) St. Petersburg beging Internationalen Tag der Freiwilligen und beteiligte sich an Konferenz und Festival zu städtischem Aktivismus

Am 6. Dezember organisierte der  NRO (DRA) St. Petersburg erstmals wieder ein Treffen zum „Internationalen Tag der Freiwilligen“, der zuvor bis 2015 jedes Jahr auf diese Weise begangen wurde. Zu der Veranstaltung kamen 25 ehemalige, gegenwärtige und künftige Freiwillige verschiedener Organisationen und Projekte. Das Treffen umfasste interaktive Spiele und einen lebhaften Austausch über individuelle Freiwilligenerfahrungen sowie die weltweite Bedeutung von Freiwilligendiensten und ermöglichte zudem das Knüpfen interessanter neuer Kontakte.

Im Rahmen des Projekts “Urban Pioneers” (Förderung: Auswärtiges Amt) der Berliner NGO CISR e.V. fanden am 7. Dezember unter dem Titel „KONFEST“ eine Konferenz und ein Fest statt, das dem Bürgerengagement auf städtischer Ebene in St. Petersburg gewidmet war. Zusammen mit vielen weiteren Petersburger NGOs und Initiativen nahm auch der NRO St. Petersburg an der Veranstaltung teil. Fast 1000 Aktivist/innen und 70 Expert/innen aus Deutschland, Russland und Belarus kamen in der Petersburger St.-Annen-Kirche zusammen und diskutierten u. a. in parallelen Runden verschiedene Aspekte des gegenwärtigen Aktivismus in der Stadt an der Newa. Außerdem umfasste das Programm Vorträge, Meisterkurse, Präsentationen, Filmvorführungen u.v.m. Zwei Gesprächsrunden wurden von der Leiterin des NRO St. Petersburg, Elena Belokurova, moderiert, an der Diskussion zum Thema „Export – Import: Die Bedeutung von Studienreisen nach Europa“ wirkte auch Valeria Rumyantseva (NRO) mit. Abgerundet wurde der Tag mit einem Konzert der Band Dobranotch. Die Federführung für KONFEST hatte Elena Stein, Initiatorin und Leiterin von CISR e.V., die auch Mitglied im Vorstand des DRA ist.

7) Projekt „Fankurve Ost“ zu Fan-Aktivitäten in der offenen Gesellschaft wird nach vier Jahren im DRA eigenständige Organisation

Über vier Jahre lang hat der DRA das Projekt "Fankurve Ost" zur Fußball-Fankultur in Osteuropa beherbergt und dabei geholfen, es wachsen zu lassen. In dieser Zeit ist aus einzelnen Seminaren der Initiatoren und Koordinatoren Peter Liesegang und Ingo Petz zur zivilgesellschaftlichen Bedeutung, Vernetzung und Einbindung von Fan-Aktivitäten in der offenen Gesellschaft ein umfangreiches Seminarprogramm mit Hunderten Teilnehmer/innen und Alumni aus Russland, der Ukraine, Belarus und Deutschland geworden. Dazu kamen Zusatzveranstaltungen und Fan-Begegnungen zu Länderspielen, öffentliche Diskussionen, der regelmäßige Newsletter „Doppelpass & Grätsche“, erste Schritte zum Aufbau von neuen Fanprojekten in der Ukraine, ein Fakten-, Spiel- und Reportagebuch (gemeinsam mit n-ost) zur Fußball-WM in Russland 2018 und die Gewinnung ständiger wichtiger Partner aus der Welt der Fanprojekte und -initiativen, aber auch der Städte, Vereine oder der Polizei.

„Fankurve Ost“ wird sich nun in Kürze als eigene Organisation selbstständig machen. Der DRA wünscht Peter Liesegang und Ingo Petz, aber auch ihren Mitstreiter/innen Irina Serdyuk, Alesja Belanovich-Petz und den Kollegen von der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj sowie dem Fanprojekt Berlin viel Glück und Erfolg beim Aufbau der neuen Organisation und mit der weiteren Projektarbeit und hofft, dass das Thema noch viele Fans in und jenseits der Fußballwelt finden wird.

Ein besonderer Dank gilt den Förderern des Programms – dem Auswärtigen Amt, dem German Marshall Fund, dem Fanprojekt Berlin und der Kulturstiftung des DFB, verbunden mit der Hoffnung, dass sie das Programm auch weiter unterstützen werden.

Weitere Informationen zu „Fankurve Ost hier sowie auf Facebook hier.

8) Projekt „Transition Dialogue“: Veranstaltungen in Polen, Litauen und Kroatien, Partnertreffen in Sofia

Nach dem erfolgreichen Auftakt in Russland und der Ukraine finden im DRA-Projekt „Transition Dialogue 2019-2021 – Wandel demokratisch bewältigen“ zu Perspektiven auf die Wende- und Nachwendezeit in verschiedenen Ländern Ost- und Mitteleuropas nun weitere öffentliche Veranstaltungen in den übrigen Partnerländern statt.

So kamen bereits am 3. Dezember Lehrer/innen, Wissenschaftler/innen und NGO-Vertreter/innen im Warschauer „History Meeting House“ zu einer öffentlichen Gesprächsrunde zusammen, bei der besonders das Fehlen angemessener Unterrichtsmaterialien zum Thema der Wendezeit an polnischen Schulen diskutiert wurde. Am 16. und 21. Dezember folgen je zwei Diskussionsworkshops in Vilnius und Zagreb.

Am 11. und 12. November fand darüber hinaus das zweite Treffen aller Partnerorganisationen in Sofia statt. Hauptthema war die gemeinsam zu erarbeitende Handreichung für die formale und non-formale Bildung zu Wendezeit und Transformation. Ein bulgarischer Bürgerrechtler zeigte der Gruppe außerdem in einer „Democracy Tour“ wichtige Stätten des politischen Umbruchs von 1989 in der Stadt. Zum nächsten Treffen im März 2020 werden für die Handreichung erste Ergebnisse zur Darstellung des Themas in Curricula und Schulbüchern der sieben Projekt-Ländern (Russland, Polen, Litauen, Bulgarien, Kroatien, Deutschland, Ukraine) vorliegen.

Transition Dialogue wird mit freundlicher Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gemeinsam mit SofiaPlatform (Bulgarien) sowie Partner-NGOs in allen Projektländern durchgeführt.

9) Projekt „Mitgestalten!“: regionale Jugendforen in der Ukraine, Moderatorenausbildung zur Jugendbeteiligung in Tbilissi und Berlin

Nach dem wiederholten Erfolg des Kiewer M18-Jugendforums („M18“ für russisch oder ukrainisch „unter 18“, einem Kürzel für Jugendwahlen), das auf eine Initiative des DRA-Vorgängerprojekts zum aktuellen Projekt „Mitgestalten! – Für gelebte Jugendbeteiligung“ zurückgeht, fanden in der Ukraine erstmals auch zwei regionale Jugendforen statt. So kamen am 30. November in Irpin, einer 150 000-Einwohner-Stadt westlich von Kiew, 500 Kinder und Jugendliche zu insgesamt 20 Workshops sowie Spiel- und Diskussionsrunden an drei Veranstaltungsorten rund um den zentralen Platz der Stadt. Die älteren Jugendlichen erfuhren u. a., wie sie eine Eingabe beim lokalen Parlament machen können, diskutierten bestehende Möglichkeiten, politisch aktiv zu werden, und befragten Abgeordnete ihrer Stadt zu Infrastruktur und Jugendpolitik. Für die Jüngeren gab es ein breites Angebot an Lernspielen, Kreativwerkstätten und Unterhaltung. Besondere Höhepunkte waren der Workshop zu Präsentationstechniken von Ivan Omelyan von der Maidan-Universität, die aus der Bürgerrechtsbewegung 2013/2014 hervorgegangen ist, und der Auftritt des Botschafters des UNICEF-Projekts "U-Report", Rostivlav Korsun. Ein Team aus 70 Freiwilligen des M18-Netzwerks, das der DRA und seine ukrainische Partnerorganisation AEPD (Ludmila Paraschenko) seit 2015 aufgebaut haben, hatte das Forum vorbereitet und dabei volle Unterstützung seitens der Stadt Irpin erhalten. Ein ähnliches Format fand eine Woche später am 7. Dezember in der Oblast-Hauptstadt Schytomyr im Gebäude des Stadtrats statt.

Parallel ist im Projekt „Mitgestalten!“ in der Ukraine, Georgien und Russland die Ausbildung für 82 Multiplikator/innen der Kinder- und Jugendarbeit zur Verwirklichung partizipativer Modelle in Jugendprojekten angelaufen. Das Ausbildungsprogramm wurde von einem Expertenteam aus Deutschland, Russland, Georgien und der Ukraine erstellt und in einem einwöchigen „Training for Trainers“ im September in Tbilissi an 16 Trainer/innen weitergegeben, die wiederum seit Oktober die Ausbildung in ihren Regionen durchführen.

Vom 16.-20. Dezember halten sich außerdem 20 Projektteilnehmer/innen aus Russland, Georgien und der Ukraine in Berlin auf, um sich enger zu vernetzen, den Auftakt der Moderatenausbildung zu besprechen und das Thema Jugendpartizipation zu vertiefen, so nicht zuletzt durch den Besuch von Einrichtungen der Jugendbeteiligung in Berlin.

Das Projekt "Mitgestalten!" wird durch das Auswärtige Amt, die Berliner Senatsverwaltung und den Paritätischen Berlin gefördert.

10) Fachaustausch Berlin–Moskau zu Methoden und Projekten der Familien-Mediation

15 Psycholog/innen und Pädagog/innen mit Zusatzausbildung in Mediation aus 11 Moskauer Familien- und Beratungszentren nahmen vom 26. bis 30. November in Berlin an einem Fachaustausch zu „Familien-Mediation – Methoden und Projekte zur Lösung von Konflikten in familiären Strukturen“ teil, der viele intensive und informative Begegnungen umfasste. Die vom DRA organisierte Studienreise erfolgte im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau.

Beim Kinder- und Jugendhilfe-Verbund (KJhV) erfuhren die Gäste aus Russland viele Einzelheiten zur Praxis des sog. begleiteten Umgangs, bei dem vollkommen zerstrittene Eltern in Begleitung einer geschulten Mediationsfachkraft wieder Kontakt zu ihren Kindern aufnehmen dürfen. Tief beeindruckt zeigten sie sich unter anderem auch vom SOS-Kinderdorf in Berlin-Hellersdorf und der Arbeit der dortigen erfahrenen Mediator/innen sowie von einem Vortrag von Zoe Schlär ( Bundesverband Mediation – BM e.V.), der eine Reihe erhellender praktischer Übungen umfasste.

Unser Dank gilt allen, die uns bei der Planung und Umsetzung dieses fünftägigen Programms unterstützt und ihre Türen für uns geöffnet haben: Anna Zagidullin von unserem Partner, dem Paritätischen, Swetlana von Bismarck (Geschäftsführerin der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V.), Nadine Sobolewski und Heike Wolfart (KJhV), Zoe Schlär und Jörn Valldorf (BM e.V.) sowie unseren Gastgeberinnen Carina Bründlinger (Projekt „Kinder aus der Klemme“), Karin Jacob (Familienberatungsstelle Charlottenburg) und Britt Horn und ihr SOS-Kinderdorf-Team, die uns so offen empfangen und so viele Fragen beantwortet haben.

Herzlich danken wir zugleich unseren Förderern, der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch (SDRJA) und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, für die Ermöglichung der erfolgreichen Weiterbildungsmaßnahme.

 

11) Jedes Ende ein neuer Start: DRA verabschiedet Dönhoff-Stipendiat/innen und begrüßt Nachfolger/innen – sechs Beteiligte aus Russland und der Ukraine in Berliner NGOs

Seit Jahren koordiniert der DRA regelmäßig Aufenthalte junger Freiwilliger aus Osteuropa in Deutschland, die durch Stipendien der Marion-Dönhoff-Stiftung ermöglicht werden. Sie hospitieren in gemeinnützigen Organisationen und sammeln Erfahrungen dazu, wie NGOs und andere zivilgesellschaftliche Initiativen arbeiten. Ein vom DRA organisiertes begleitendes Bildungsprogramm vermittelt ihnen darüber hinaus Einblicke in die deutsche Politik, Geschichte, Kultur und Gesellschaft.

Drei Stipendiat/innen, die aus St. Petersburg, Charkiv und Odessa nach Berlin gekommen waren, beendeten im November ihr dreimonatiger Engagement in der Landesgeschäftsstelle des BUND e.V. bzw. beim DRA in den Projekten „InKultur“ und „Dialog für Verständigung und Recht: Europäische NGOs gemeinsam für Konfliktbewältigung im Donbass“. Alle drei brachten ein Interesse an Umweltthemen mit, das sich durch die Berliner Demonstrationen der „Fridays for Future“-Bewegung weiter verstärkte. So fiel die Entscheidung, ein gemeinsames Projekt zum bewussten Umgang mit Ressourcen zu entwickeln. Die Stipendiat/innen entwarfen das Konzept eines Wissensspiels zu diesem Thema, das bei Schulungen und Workshops für Jugendliche eingesetzt werden kann.

Die Aufgabe der Weiterentwicklung zu einem nutzbaren Produkt wird nun an die Dönhoff-Freiwilligen der nächsten Runde weitergegeben, die sich von Dezember 2019 bis Februar 2020 in Berlin aufhalten werden. Dieses Mal kommen alle drei aus Russland: aus Ufa (Baschkortostan), Moskau und Archangelsk. Ihren Freiwilligendienst werden sie bei der Berliner AIDS-Hilfe e.V., bei der SchutzengelWerk gGmbH sowie beim DRA absolvieren. Eine gute Zeit in Berlin voller Entdeckungen und Erfolge wünschen ihnen schon jetzt das DRA-Team und die Programmkoordinatorin Maria Mutjewa.
 

12) Ausschreibung: Praktikum zur Durchführung einer deutsch-polnischen Fachkonferenz

Der DRA vergibt zum 3. Februar 2020 ein dreimonatiges Praktikum in seinem Berliner Büro für die inhaltliche und organisatorische Vor- und Nachbereitung einer deutsch-polnischen Fachkonferenz zur Ostpolitik in Teilzeit (30 h/Woche). Die Tätigkeiten umfassen die eigenständige inhaltliche Vorbereitung der Veranstaltung zusammen mit der polnischen Partnerorganisation, die Auswahl der deutschen Expert/innen sowie die logistische Begleitung. Voraussetzungen sind ein ausgeprägtes Interesse an deutscher und polnischer Osteuropapolitik insbesondere gegenüber den postsowjetischen Staaten, die Bereitschaft zur inhaltlichen Einarbeitung, zum engen Austausch mit der Partnerorganisation des DRA im Vorfeld der Konferenz und bei der Durchführung. Notwendig sind auch sehr gute Englischkenntnisse; von Vorteil sind Polnisch-, Ukrainisch- oder Russischkenntnisse.

Das Praktikum wird betreut und mit 350 Euro monatlich vergütet. Interessierte senden ihre Bewerbungen bitte bis zum 15. Januar 2020 per E-Mail an: info@austausch.org.