DRA Newsletter Dezember 2013


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Neue Herausforderungen in Osteuropa – ein Kommentar zum Jahreswechsel

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Unterstützer_innen und Interessenten des DRA, die Ereignisse in der Ukraine und in Russland zeigen, dass Europa am Ende dieses Jahres erneut an einer Wegscheide steht. Die Assoziierung zwischen der EU und der Ukraine scheiterte nicht nur wegen der Erpressung der Ukraine durch den russischen Präsidenten. Sie scheiterte auch an einer überzogenen Selbstsicherheit der EU, in der zu wenige Politiker und Strategen sich ernsthaft mit dem Land beschäftigt haben, das sie für eine Annäherung gewinnen wollten, und aufgrund des Versuchs, die Ukraine zu einer Wahl zwischen ihren Nachbarn EU und Russland zu drängen, die sie zumindest in Bezug auf die ökonomischen und menschlichen Verbindungen in unauflösbare Konflikte zwingt. Wählen kann die Ukraine zwischen einem demokratischen Weg, der auf die Freiheiten der Bürger, Bildung, Modernisierung und soziale Rechte setzt, und einem, der die Privilegien- und Korruptionsschemata erhält und die Stagnation fördert. Um den Menschen dort – auch im Osten des Landes – eine echte Nähe zur EU zu vermitteln, muss diese viel beständiger mit ihnen zusammenarbeiten, viel mehr in gemeinsame Wirtschaftsentwicklung ebenso wie in zivilgesellschaftliche Kooperation, Kultur-, Hochschul-, Städte- und Jugendaustausch investieren. Der DRA erneuert daher seinen Vorschlag vom Oktober an die Bundesregierung HIER, neben einem/r Russlandbeauftragten auch eine/n Beauftragte für die Länder der Östlichen Partnerschaft, darunter der Ukraine, zu ernennen. Dass Russlands Präsident Putin derweil kurz vor der Olympiade in Sotschi versucht, die für ihn belastendsten politischen Fragen durch Gnadenerlasse auszuräumen, verweist auf seine erneuerte Selbstgewissheit zwei Jahre nach den gefälschten Duma-Wahlen und Bürgerprotesten, aber auch darauf, dass ihm internationale Kritik an seiner repressiven Politik – sei es gegenüber sexuellen Minderheiten, NGOs, Medien oder der Opposition – doch nicht egal ist. Er hofft offenbar, so der Debatte über die Rechtsbeugungen u.a. in den Prozessen gegen politische Gegner, darunter Michail Chodorkowski, zu entgehen. Doch eine strategische Entwicklung des Landes ohne das Ausland ist auch für Putin nicht möglich. Und so bleibt eine offene und intensive, aber auch prinzipienfeste Zusammenarbeit weiter notwendig – und auch wirkungsvoll. Der DRA wird sich weiter in diesem Sinne für enge Verbindungen mit Osteuropa engagieren, künftig noch stärker auch im Rahmen des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland (s.u.). Wir danken Ihnen sehr herzlich dafür, dass Sie uns auch in diesem Jahr dabei unterstützt haben und wünschen Ihnen frohe Feiertage und ein glückliches Neues Jahr.Ihr Team des Deutsch-Russischen Austauschs.

2) DRA baut Sekretariat des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland auf

Von Februar 2014 an wird der DRA in Berlin das Sekretariat des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland (Civil Society Forum, CSF) aufbauen. Diese Entscheidung geht auf eine Empfehlung der Jahresversammlung des CSF in Den Haag zurück. Die Umsetzung ist Bestandteil eines ein Förderantrag zur Fortsetzung der Arbeit des Forums an die EU-Kommission, der vor wenigen Tagen bewilligt worden ist. Vorläufig bis zum Juli 2015 werden die Mitarbeiter/innen des künftigen Sekretariats die Projekt- und Vernetzungsarbeit des Forums koordinieren. In diesem Zusammenhang werden Anfang Januar die Positionen der CSF-Geschäftsführung und eines/r PR- und Finanzmanagers/in (Teilzeit) auf den Websites des CSF und des DRA ausgeschrieben werden. Zusammen mit dem DRA betreuen weitere Mitglieds-NGOs die Vorhaben: die Stefan-Batory-Foundation (Warschau), die Agentur für Soziale Information und die NGO Public Verdict (beide Moskau) sowie das Niederländische Helsinki-Komitee (Den Haag). Zu den geplanten Maßnahmen gehören u.a. Projekte zur Verbesserung der Visa-Beziehungen zwischen der EU und Russland, zur Unterstützung von NGOs in Fällen von politischer Verfolgung, zur Schaffung von NGO-Strukturen für die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und ggf. Korruptionsaufdeckung bei beiderseitigen Wirtschaftsvorhaben. Außerdem plant das Forum, Förderungen an kleinere Projekte seiner Arbeitsgruppen zu vergeben und die interne und externe Kommunikation deutlich zu stärken. Ihm gehören derzeit 124 NGOs aus der EU und Russland an. Es wurde im März 2011 gegründet und versteht sich als Plattform für die engere Kooperation und stärkere öffentliche Beteiligung von NGOs in der EU und Russland. Es unterstützt den Austausch zwischen Trägern der Zivilgesellschaft und leistet einen Beitrag zum politischen Dialog auf Ebene von Regierungen und Gesellschaft. Die Arbeit wurde CSF wurde bisher von der Organisation DEMAS in Prag koordiniert.

3) 23. Januar, 19 Uhr: Film- und Diskussionsabend zum Geschäft mit russischem Gas

Russisches Gas als Exportschlager und politisches Druckmittel – und das karge Leben entlang einer Pipeline: Das sind die Themen des Filmabends mit anschließender Diskussion in der Reihe „Osteuropa bewegt“, die vom DRA gemeinsam mit iDecembrists und Werner Schulz (MdEP, Bündnis90/Grüne) veranstaltet wird. Unter der Überschrift „Wer in die Röhre schaut“ eröffnet der Abend mit dem Dokumentarfilm „Truba“ des ukrainischen Regisseurs Vitalij Manskij (s. u.a. HIER). Der Film erzählt vom Leben entlang eines Gaspipeline-Systems, das vom sibirischen Urengoj über die Ukraine, Rumänien bis nach Köln führt. Obwohl Manskij auf direkten Kommentar verzichtet, spricht seine Gegenüberstellung von russischem Provinzalltag und dem Leben in deutschen Städten Bände. Beim Filmfest in Sochi wurde „Truba“ gefeiert, in Karlovy Vary holte der Film den Hauptpreis in der Kategorie Dokumentation. Die politische Brisanz des Gas-Geschäfts wird die Diskussion mit Experten nach der Filmvorführung aufgreifen. Ein Thema unter anderen: die Rolle des Rohstoffs in der Beziehung Russland-Ukraine. Der Film wird auf Russisch mit englischen Untertiteln gezeigt, die Diskussion erfolgt auf Deutsch und Russisch mit Übersetzung. Eintritt frei, Zeit und Ort: 23. Januar, 19 Uhr, im Kulturzentrum WABE, Danziger Str. 101, 10405 Berlin-Prenzlauer Berg ANFAHRT

4) DRA startet interreligiöses Bildungsprojekt in Berlin

Mit Förderung durch den Europäischen Integrationsfonds startet der DRA 2014 ein neues einjähriges Projekt, das in Berlin einen Beitrag zu Integration und interreligiösem Dialog leisten soll. Als Kooperationspartner wurden die Jüdische Gemeinde zu Berlin und das muslimische Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung in Berlin-Wedding (IZDB) gewonnen. Das Projekt startet voraussichtlich am 1. Februar und wendet sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene muslimischen oder jüdischen Glaubens, die in Berlin leben und zumeist eine ausländische Staatsbürgerschaft haben. Einbezogen werden aber auch interessierte Gleichaltrige, die dem christlichen, einem weiteren oder keinem Bekenntnis anhängen. Vorgesehen sind u.a. gegenseitige Gemeindebesuche, Workshops, gemeinsame Freiwilligen- und Videoaktionen sowie öffentliche Abschlusspräsentationen. Die Leitung übernimmt Andrea Gotzes (DRA). In Berlin leben nach unterschiedlichen Angaben 250.000 bis 300.000 Muslime. In der Jüdischen Gemeinde der Stadt haben rund 70 Prozent der Mitglieder einen Migrationshintergrund, die meisten von ihnen kamen aus Russland und der Ukraine.

5) Gedenken an Ende der Leningrader Blockade: DRA unterstützt Bundestag bei Jugendreise

Die jährliche internationale Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages führt im Januar 2014 nach St. Petersburg. Anlass ist der 70. Jahrestag der Befreiung Leningrads von der Blockade. Der DRA St. Petersburg ist bei der Reise mitverantwortlich für die Organisation vor Ort. Etwa 80 Jugendliche aus Deutschland, Frankreich, Polen, Russland und anderen Ländern werden sich vom 21. Januar an intensiv mit der Geschichte der 872 Tage währenden Blockade durch die deutsche Wehrmacht und ihren Verbündeten, während der rund eine Million Menschen vor allem an Hunger starben, befassen. Sie besuchen Gedenkstätten und sprechen mit Überlebenden und Historikern. Weitere Themen sind die Ermordung der Juden in der Sowjetunion durch die faschistischen Besatzer und die staatliche und zivilgesellschaftliche Erinnerungskultur im heutigen Russland. Nach der Rückkehr nach Berlin nehmen die Jugendlichen am 27. Januar an der offiziellen Gedenkstunde zum Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Deutschen Bundestag teil – das KZ Auschwitz wurde am 27.1.1945 befreit, genau ein Jahr nach dem Ende der Blockade Leningrads. Die Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages findet seit 1997 an wechselnden Orten statt, Schirmherr ist der Präsident des Bundestages, Norbert Lammert. Im Januar 2013 stand in Kiev die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in der Ukraine im Mittelpunkt.

6) Reset für Städtepartnerschaft Berlin-Moskau

Die Städtepartnerschaft Berlin-Moskau soll neu belebt und intensiviert werden. Das haben hochrangige Vertreter_innen beider Stadtverwaltungen bei einem offiziellen Treffen am 11. Dezember in Berlin beschlossen. Bei einem Runden Tisch im Roten Rathaus verabredete man, einen Masterplan für die nächsten drei Jahre zu entwickeln, der fast alle Fachbereiche betreffen wird. Beide Seiten betonten das hohe Potenzial, das die Partnerschaft besäße. Seit dem 20-jährigen Jubiläum 2011 hatte es eine Stagnation in den Beziehungen und auch spürbares Desinteresse von Moskauer Seite gegeben. Eine der Ausnahmen bildet der seit 2011 von Roman Elsner (DRA) koordinierte Jugend- und Fachkräfteaustausch. Ein bereits fertiger Maßnahmenplan für 2014 wurde im Rahmen des Delegationsbesuchs von der zuständigen Staatssekretärin für Jugend und Familie der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Sigrid Klebba, und ihrem russischen Kollegen, dem stellvertretenden Leiter des Moskauer Departments für Kultur, Vladimir Filippov, unterzeichnet. Vorgesehen sind im nächsten Jahr Jugendbegegnungen, ein Fachkräfteaustausch und die Teilnahme an Jugendforen in beiden Städten.

7) Neue RNEI-Website mit Informationen zur Umweltschutzarbeit in Russland

Gebündeltes Expertenwissen, internationale Nachrichten und eine multimediale Dokumentation von Veranstaltungen bietet seit Dezember die neue Website des Russisch-Deutschen Büros für Umweltinformationen (RNEI). Mit einer klaren Aufteilung in Umweltnachrichten und Materialien zum Downloaden wird die Seite besonders userfreundlich, das neu eingerichtete Glossar hilft bei der Erläuterung von Fachvokabular. Die Mediathek bietet erstmals auch Videodokumentationen über Seminare und Diskussionen sowie Vorträge und Interviews. Zum kostenlosen Herunterladen stehen Studien, Dossiers und Monitorings bereit. Umfangreicher als bisher werden die seit 2009 durchgeführten vielfältigen RNEI-Projekte u.a. zur Journalistenbildung, zu Klimaschutz und Menschenrechten, zur Bürgerbeteiligung in Umweltfragen und zur Stadtentwicklung dargestellt. Und natürlich gibt es die neue RNEI-Seite auf Russisch und auf Deutsch. Das RNEI stellt u.a. Informationen über Umweltprobleme bereit, vernetzt Fachleute und Aktivist/innen und bietet Fortbildungen an. Diese Arbeit wird gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und das Diakonisches Werk der EKD.

8) Ausschreibung: DRA vergibt zwei Praktikumsstellen

Der Deutsch-Russische Austausch vergibt Anfang 2014 zwei Vollzeit-Praktikumsstellen. Die erste Stelle ist bei dem Umweltprojekt „Verantwortung für Klimaschutz und Menschenrechte in Russland stärken“ angesiedelt. Kernbestandteile des Projekts sind Veranstaltungen zu Klima- und Umweltthemen in Russland und Deutschland, die Herausgabe von Publikationen sowie der Internetauftritt des Russisch-Deutschen Büros für Umweltinformation. Die zweite Praktikumsstelle umfasst die Assistenz im Bereich Projekt- und Büroleitung des DRA mit direkter Zuarbeit für die Geschäftsführung. Beide Stellen sind ab 1. Februar oder auch früher zu besetzen. Vorausgesetzt werden jeweils unter anderem sehr gute Deutsch- und Russischkenntnisse, ein Interesse an Russland und Osteuropa, an politischen und sozialen Fragen sowie an der Arbeit von NGOs und internationaler Zusammenarbeit. Bewerbungsschluss ist der 6. Januar 2014.

9) Ausschreibung: bilaterales Jugendaustauschprojekt Berlin-Perm zum Thema „Grüne Stadt“

Vom 23. März bis zum 1. April 2014 findet in Perm das deutsch-russische Jugendaustauschprojekt „Grüne Stadt. Umweltengagement für Veränderungen“ („Green city – Ecoactivism for change“) statt. Veranstalter sind die BUNDjugend Berlin und die Stiftung für Kultur- und Naturerbe „Obwinskaja Rosa“ (Perm). Organisatorin ist die Dönhoff-Stipendiatin des DRA, Zoia Kashafutdinova. Geplant sind u.a. das Kennenlernen von Permer Umweltinitiativen, eine Veranstaltung zur ökologischen Jugendbewegung in Deutschland, Workshops zu Fragen der Stadtökologie, des Managements von Stadtentwicklungsvorhaben sowie die Initiierung eigener Projekte. Die NGO „Obwinskaja Rosa" befasst sich mit Umweltbildung, der Pflege städtischer Naturschutzgebiete und mit Umweltfragen in der Stadtplanung bis hin zur Propagierung von Mülltrennung. Sie kooperiert dabei mit Hochschulen in der Stadt und Region Perm. Die Teilnehmer/innen sollen 18-26 Jahre alt, möglichst aus Berlin kommen und gut Englisch sprechen. Weitere Informationen HIER bzw. HIER, Anmeldung bitte bei zoia@bundjugend-berlin.de bis 15. Januar 2014. Das Programm der Dönhoff-Stipendiaten des DRA ist in diesem Jahr mit der Arbeit des Russisch-Deutschen Büros für Umweltinformation (RNEI) verbunden, zu dessen Themen zurzeit die ökologische Stadtumgestaltung in Perm und im Leningrader Gebiet sowie die Entwicklung von Umweltinitiativen in diesen Regionen gehören. Es wird von der Marion Dönhoff-Stiftung, Brot für die Welt und der Stiftung DBU gefördert.

10) Aktion Sühnezeichen: Reisen in die Zivilgesellschaft von Russland und Belarus

Außergewöhnliche Begegnungen mit politisch und sozial engagierten Menschen vor Ort bieten im nächsten Jahr zwei Studienreisen der Organisation Aktion Sühnezeichen-Friedensdienst (ASF) nach Russland und Belarus. Die Teilnehmer/innen erhalten dort Informationen aus erster Hand – von Schriftstellern, Bürgerrechtlern, Politikern und Freiwilligen. Auf dem Programm stehen außerdem Besuche von Kulturorten und Gedenkstätten. In St. Petersburg besuchen Reiseleiter und DRA-Mitglied Werner Falk und seine Reisegruppe unter anderem das dortige Büro des DRA. Die Aktion Sühnezeichen-Freiwilligendienst ist langjähriger Partner des DRA und seit 20 Jahren in Russland und Belarus aktiv. Die Fahrt nach Russland findet statt vom 5.4. bis zum 12.4.2014, die Reise nach Belarus vom 3.6. bis zum 15.6.2014. Anmeldeschluss ist der 14.2. Mehr Informationen HIER