DRA Newsletter Dezember 2012


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder Fördermitgliedschaft! Der Verein finanziert sich ausschließlich durch projektgebundene Zuwendungen, Mitgliedsbeiträge und private Spenden. Ohne Ihre Unterstützung ist unsere Arbeit unmöglich. Herzlichen Dank!    

Jetzt spenden!

Besuchen Sie den DRA auf Facebook: facebook.de/DRAberlin


Inhalt

1) Verständigung in einer offenen Gesellschaft – Wünsche zum Jahreswechsel

Für die russische Gesellschaft und die Beziehungen Russlands mit Deutschland und den anderen europäischen Ländern war 2012 ein schwieriges, sogar enttäuschendes Jahr. Die Impulse zu einer offeneren Gesellschaft sind von der Führung des Landes nicht aufgenommen worden, im Gegenteil – in der Abkapselung sucht sie ihre Zukunft, in der Monopolisierung des öffentlichen Raumes, in der Abwehr anderer politischer Kräfte. Es war symbolisch, dass sich die Behörden im Dezember nicht mehr herbeiließen, einen „Marsch für die Freiheit“ zu genehmigen – trotzdem setzen sich viele Menschen weiter öffentlich für die Verfassungsrechte und einen echten Pluralismus ein. Wir wünschen uns allen in Europa und in der Welt, dass 2013 kein Jahr eskalierender Konflikte und Auseinandersetzungen wird. Wir wünschen uns allen, dass es gelingt, in Deutschland, in Russland, in den Euro-Krisenländern und an vielen weiteren Orten einen sozialen Zusammenhalt (wieder) herzustellen, der auf Weltoffenheit, Bildung, Kreativität, sozialem Ausgleich, auf verantwortungsvollem Umgang mit Ressourcen und einer demokratischen Verständigung mit den vielen verschiedenen Minderheiten beruht – und in dem immer mehr Bürger/innen Raum für ihre Beteiligung erstreiten und erhalten. Demokratie ist nie und nirgends selbstverständlich, nie und nirgends frei von Mängeln und Gefährdung. Darüber sollten wir alle offen sprechen und für Verbesserung im eigenen Land und in der internationalen Kooperation aktiv eintreten. Der DRA wird dazu auch weiter möglichst viel beitragen. Unser herzlicher Dank gilt allen Freunden, Unterstützern und Zuwendungsgebern, die unsere Arbeit auch 2012 erst möglich gemacht haben. Wir wünschen Ihnen frohe Feiertage und Glück und Gesundheit für das neue Jahr und uns allen ein friedliches 2013! Die Mitarbeiter_innen und der Vorstand des DRA.

2) Neues Visa-Verfahren gestartet – Kosten senken, Verbesserungen ausweiten

Im Visa-Verkehr zwischen Deutschland und Russland werden Visa-Anträge künftig auch von Service-Zentren entgegengenommen. Die ersten russischen Zentren in Berlin und Hamburg haben ihre Arbeit am 20. bzw. 23. November begonnen (vgl. HIER), der externe Visaservice für das deutsche Konsulat in Moskau soll am 14. Januar starten (siehe HIER). Weitere Zentren in anderen Großstädten Russlands sollen folgen. Damit werden endlich die zum Teil unhaltbaren Bedingungen in den Konsulaten verbessert sowie die aufwändigen Anreisen dorthin für einige Regionen überflüssig, wie dies der DRA und andere NGOs seit langem gefordert haben, zum Beispiel im gemeinsamen Positionspapier an den Bundestags-Visa-Ausschuss 2011. Jetzt gilt es zu verhindern, dass die Visa-Kosten durch hohe Firmengebühren steigen. Auch stehen viele weitere Fortschritte noch aus, etwa die Möglichkeit zur elektronischen Dokumentenzusendung oder zu Langzeitvisa für Freiwilligendienste in Russland. Vor dem EU-Russland-Gipfel morgen in Moskau blockieren beide Seiten: Russland verlangt eine kurzfristige Visa-Freiheit ausgerechnet für rund 15.000 Inhaber besonderer staatlicher Dienstpässe, anstatt einen breiten Zugang der Bevölkerung zu praktischen Verbesserungen zu verfolgen. Die EU fordert vor Visa-Erleichterungen die Gewährleistung demokratischer Standards und den Schutz vor Korruption. Dies hat die EU-Kommission bei Gesprächen mit Vertretern des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums, darunter Stefan Melle vom DRA, diese Woche noch einmal bekräftigt. Obwohl diese Bedingungen angesichts der innenpolitischen Entwicklung in Russland nachvollziehbar scheinen, ist es gerade jetzt notwendig, die konkreten Beziehungen zwischen den Menschen durch offene Reisewege zu fördern – und damit auch die Erfahrung, dass Russland nicht von Feinden umgeben ist, wie es die russische Führung mit Gesetzen und Kampagnen derzeit verstärkt suggeriert.

3) Einladung zu erster „EU Study Week“ 8.-10.2013 Februar in Volgograd

Vom 8. – 10. Februar 2013 findet im südrussischen Volgograd die erste einer Reihe neuer „EU Study Weeks“ statt, die der DRA Berlin – wie schon einmal 2007/08 – in Kooperation mit Mitarbeitern des DRA St. Petersburg im Auftrag der EU-Delegation in Moskau durchführt. Dafür sind 30 Teilnehmerplätze zu vergeben. Bewerben können sich dieses Mal Studierende höherer Fachsemester und Doktorand_innen aus den Gebieten Volgograd, Astrachan, Rostov, Krasnodar, Stavropol, Kalmykien sowie aus den Republiken des Nordkaukasus. Auf dem Programm stehen Themen wie die Grundlagen des politischen Systems der EU, Fragen der künftigen Entwicklung Europas und Russlands, die Beziehungen der EU und Russlands im Bereich der Regulierung von Migration sowie Geschichte, Mechanismen, Ergebnisse und Grenzen der zivilgesellschaftlichen Kooperation zwischen Ländern der EU und Russland, aber auch die Bedeutung des an die EU verliehenen Friedensnobelpreises für Russland. Außerdem wird ein Simulationsspiel zum Thema „Verhandlungen zu Visafragen“ durchgeführt. Die EU-Delegation in Russland wird u.a. durch ihren Leiter, Botschafter Fernando Valenzuela, vertreten sein. Ein Repräsentant der Stadtverwaltung von Wolgograd ist eingeladen, über die Außenbeziehungen des Gebiets Wolgograd zu berichten. Aigul Sembaeva, Elena Belokurova und Elena Razumovskaia vom DRA/St. Petersburg werden interaktive Vorlesungen halten und das Simulationsspiel moderieren. Information und Anmeldung HIER.

4) Menschen wie Bücher lesen: Bibliothek der besonderen Art in Petersburg

Eine „Lebende Bibliothek“ organisierte der DRA St. Petersburg am 9. Dezember in den Räumen der freien Kunstinitiative „Fakel“ im Petersburger Stadtteil Frunse. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine neue Form der Kommunikation, die in Kopenhagen entwickelt und bereits rund um die Welt (so in Russland bisher in Moskau, Voronesch, Tomsk und Perm) aufgegriffen wurde: Die „Bücher“ dieser besonderen „Bibliothek“ sind Menschen, die bereit sind, sich den Gästen vorzustellen. Von ihnen werden sie ausgewählt und – in Form individueller Gespräche – „gelesen“. Bei der DRA-Veranstaltung, zu der rund 60 Menschen kamen, waren je nach Interesse näher kennen zu lernen: ein Anhalter, ein Arbeitsmigrant, eine orthodox Gläubige, ein HIV-Positiver, eine Muslimin, ein Punk, ein Vegetarier, eine Feministin, ein Mensch mit Behinderung, ein ausländischer Student, ein Beau, ein Polizist. Die Menschen sind verschieden, und es lohnt sich, jedem vorurteilsfrei zu begegnen: Dies anschaulich zu vermitteln, ist Ziel jeder „Lebenden Bibliothek“. Gefördert wurde die besondere Begegnung über das Programm Matra des niederländischen Konsulats und vom Komitee für Sozialpolitik der Stadt St. Petersburg. Die nächste derartige Veranstaltung plant der DRA im Rahmen der Aktionswoche „STOPRASSISM“ im März. Weitere Informationen HIER, im sozialen Netzwerk vkontakte.

5) Jetzt bewerben: Projektstipendien des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland

Noch bis zum 15.1.2013 können sich Nichtregierungsorganisationen aus der EU oder Russland für ein neues Austausch- und Kooperationsprogramm des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland (Civil Society Forum/CSF) bewerben. Bei dem Programm „Youth Exchange“ ist vorgesehen, dass sich je ein/e junge/r Mitarbeiter/in (auch: Praktikant/in, aktive/r Freiwillige/r) von insgesamt je drei NGOs aus Russland bzw. der EU vier bis max. 12 Wochen lang in einer Partnerorganisation der jeweils anderen Region aufhält und dort ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Organisationen entwickelt. Ziel des von der EU-Kommission geförderten Programms sind die Intensivierung der zivilgesellschaftlichen Kontakte zwischen der EU und Russland sowie neue Partnerprojekte. Es steht nur Mitgliedsorganisationen des CSF offen, eine kurzfristige Aufnahme ist aber bei Interesse am Forum möglich. Einzelheiten zu Teilnahmebedingungen und Ablauf HIER.

6) RNEI: Heute und morgen Veranstaltungen zur Auswertung des UN-Klimagipfels

Die Leiterin des Russisch-Deutschen Büros für Umweltinformation (RNEI), Angelina Davydova, berichtet heute Abend in der St. Petersburger Higher School of Management (Volchovskij per. 3, off. 209) über die jüngsten UN-Klimaverhandlungen in Doha (Katar) und die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls (auf Englisch). Veranstalter ist das Netzwerk Green Camp. Morgen folgt ein Experten-Rundtisch im Büro von WWF Russland mit Beteiligung von RIA Novosti und RNEI in Moskau. Die russische Regierung hatte beim Schlussplenum der UN-Klimaverhandlungen dem ohnehin schwachen Kompromiss in einem Extravotum widersprochen und sich so erneut ihrer Verantwortung für den globalen Klimaschutz entzogen – wie zahlreiche andere Länder auch, die auf kurzfristige wirtschaftliche Vorteile nicht verzichten wollen. In Doha hatten das RNEI und das Programm „Brot für die Welt“ des Ev. Werks für Diakonie und Entwicklung für eine Gruppe deutscher Bundestagsabgeordneter Zusammenkünfte mit Vertreter_innen unabhängiger russischer und ukrainischer Umweltorganisationen organisiert. Erläutert wurden Aspekte wie: Wie steht es um die Klimapolitik und die ökologische Lage in diesen Ländern? Wie aktiv ist die dortige Zivilgesellschaft in Umweltfragen, und welche Perspektiven einer internationalen Zusammenarbeit gibt es auf diesem Gebiet? Vor dem und während des gesamten Gipfels unterstützte das RNEI die Arbeit mehrerer russischer NGO-Vertreter_innen, die sich in Doha mit der offiziellen Delegation ihres Landes sowie mit Kolleg_innen aus aller Welt austauschten. Angelina Davydova berichtete in verschiedenen Medien vom Gipfel. Das RNEI erstellte auch ein täglich aktualisiertes Dossier zum UN-Gipfel v.a. aus russischen und deutschen Medien, das weiterhin HIER zugänglich ist. Erfasst sind dort auch Hintergrundartikel, die im Newsletter russischer Umwelt-NGOs „Mensche dvuch“ („Zwei Grad weniger“) erschienen. Etliche davon verfasste die Ökologin und Dönhoff-Stipendiatin des DRA, Vilena Valeyeva, die ebenfalls direkt aus Doha berichtete. Die Arbeit des RNEI wird durch das Programm „Brot für die Welt“ gefördert.

7) Junges Berlin, Moskau, Paris im Gespräch – Treffen beim 12. Berliner Jugendforum

„Stärke deine Peers – Jugendpartizipation in europäischen Metropolen“ war der Titel einer moderierten Diskussionsrunde von Jugendlichen aus Berlin, Moskau und Paris beim 12. Berliner Jugendforum im Abgeordnetenhaus von Berlin am 24. November. Dabei schilderten die Teilnehmer_innen einander die in ihrer jeweiligen Stadt angebotenen Formen einer politischen Beteiligung von Jugendlichen und deren Umsetzung in die Praxis. Wie können junge Menschen die lokale Politik beeinflussen, sich organisieren und bessere Rahmenbedingungen für mehr Mitbestimmung schaffen? Welche Modellprojekte gibt es dazu für sie? Zu diesen und weiteren Fragen wurden Erfahrungen und Praxistipps ausgetauscht sowie gemeinsame Ziele, Wünsche und Strategien formuliert. Mit der Koordinierung der Reise der Moskauer Delegation zum Berliner Jugendforum hatte auf deutscher Seite die Senatsverwaltung wie im Vorjahr den DRA beauftragt. Die Programmgestaltung und –betreuung erfolgte durch die landesweite Koordinierungsstelle für Kinder- und Jugendpolitik und –beteiligung in Berlin.

8) Berliner Jugendliche und Senatsverwaltung beim Jugendforum in Moskau

Jugendliche der BUNDJugend, von Plato e. V., vom Kinder- und Jugendrat des Stadtteils Marzahn-NordWest und vom Jugendzentrum Betonia des Kinderring Berlin e. V. besuchten vom 7. – 10. 12. in Moskau das internationale Jugendforum „Cities for Youth“. Die Teilnahme erfolgte im Rahmen der als Teil der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau praktizierten Kooperation zwischen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und dem Moskauer Departement für Familien- und Jugendpolitik. Eröffnet wurde das Forum von der Leiterin der Moskauer Behörde Julia Grimalskaja und der in der Berliner Senatsverwaltung zuständigen Referentin Sarah Hildebrandt. Beide unterzeichneten anschließend einen Maßnahmeplan zur familien- und jugendpolitischen Zusammenarbeit für 2013, der verschiedene Projekte des Fachkräfte- und Jugendaustauschs vorsieht. Der DRA hat die Erstellung dieses Plans und den Besuch in Moskau in Abstimmung mit beiden Seiten betreut. Im Zentrum des Jugendforums stand die Frage, wie Städte für Jugendliche attraktiver gestaltet werden können. Dazu bot es vier Sektionen: Bildung und Wissenschaft, Ökologie und gesünderes Leben, Infrastruktur und städtische Umgebung, soziokulturelle Jugendveranstaltungen. Jennifer Hübner (Jugendzentrum Betonia) trat mit einem Fachreferat auf, während der Jugendbildungsreferent der BUNDjugend Berlin, Björn Obmann, eine Diskussion dazu moderierte, wie jugendliche Stadtbewohner zum Schutz ihrer Umwelt aktiv werden könnten. Die am Thema sehr interessierten jungen Teilnehmer_innen nannten den Spaß an Aktionen und eine Verbesserung der Situation vor Ort als motivierende Faktoren, sahen aber zugleich die Verantwortung für die Lösung drängender Probleme primär bei den zuständigen offiziellen Strukturen und schätzten ihre eigenen Einflussmöglichkeiten sehr gering ein.

9) Jungparlamentarier aus der Region Chanty-Mansijsk besuchten Berlin

Mitglieder des Jugendparlaments des Autonomen Kreises der Chanten und Mansen/Jugra sowie Mitarbeiter des Gouverneurs dieser Verwaltungsregion in Westsibirien kamen vom 3. – 8.12. zu einer Studienreise nach Berlin und Leipzig, die der DRA für sie organisiert hatte. Schwerpunktthemen des umfangreichen Besuchsprogramms waren den Wünschen der Gäste gemäß Aspekte der Jugendpolitik, Jungunternehmertum, Toleranzförderung und Integrationspolitik. Sie trafen daher mit Vertretern der Jugendparlamente und Jugendpolitik in Berlin und Leipzig zusammen, darunter Björn Eggert, jugendpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Der Migrantenbeauftragte der Stadt Leipzig, Stojan Gugutschkow, erläuterte ihnen die Situation von Migranten in Leipzig und die strikten deutschen Regelungen zur Zuwanderung, die er als wesentliche Ursache dafür anführte, dass heute kaum qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland kämen. Mit Vertretern der IHK und den Wirtschaftsjunioren der Stadt Leipzig sowie der Vereinigung deutscher und russischer Ökonomen in Berlin (dialog e. V.) sprach die Delegation aus Sibirien über die Situation junger Unternehmer_innen in Deutschland und über künftige Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch. Beide Seiten erklärten ihr Interesse an konkreten Kooperationen bereits ab 2013.

10) DRA bei Panel in Warschau zu Kooperation Polen–Russland–Deutschland

Zum Begleitprogramm des Russischen Filmfestivals „Sputnik“ in Warschau gehörte am 24.11. eine Podiumsdiskussion zum Thema „Polen, Deutschland, Russland - Wie gestaltet man im Bewusstsein einer schwierigen Vergangenheit die Zukunft?” Organisatoren der Veranstaltung waren die polnische Osteuropa-Zeitschrift „Nowa Europa Wschodnia“ und die Warschauer Stiftung „Fundacja Edukacja dla Demokracji“. Dabei wurde zunächst der Film „Róża” von Wojciech Smarzowski (2011) über die dramatischen Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die Bevölkerung in Masuren im Jahr 1945 gezeigt. In der Diskussion (Moderation: Dominik Mosiczuk, Kreisau-Initiative Berlin) erörterten Anastasia Gontariewa (Moskauer Schule für Politische Studien), Katarzyna Syska (Universität Krakau) und Tim Bohse (DRA Berlin), ob sich Polen, Russen und Deutsche auch heute noch mit den problematischen Ereignissen ihrer gemeinsamen Geschichte befassen müssen, damit die Zivilgesellschaften ihrer Länder stärker zusammenwachsen – wobei erfahrungsgemäß aufgrund abweichender nationaler Perspektiven die Thematisierung der Geschichte immer noch Gräben aufreißen kann. Bi-nationale Institutionen, so die Podiumsgäste, könnten Menschen nur dann grenzübergreifend verbinden, wenn sie „von unten“ entstanden seien und auf vertrauensvollen persönlichen Kontakten beruhten. Diese hätten ihrerseits nur dann Bestand, wenn sie durch eine Phase der Auseinandersetzung mit schwierigen Themen gegangen seien.

11) Vielfältiges Programm zum Thema Freiwilligenarbeit in Petersburg

Den Internationalen Freiwilligentag am 5. 12. beging der DRA St. Petersburg mit einer Veranstaltung, die die drei eigenen derzeitigen Freiwilligen organisierten. Die zahlreichen Gäste tauschten sich dort – u. a. in Form eines „Speed Dating“ – über eigene Erfahrungen in der Freiwilligenarbeit aus oder ließen sich darüber informieren und dafür begeistern. Kinder- und Jugendprojekte, Sprachkurse für Senioren, ökologische Arbeit, Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit: In den lebhaften Gesprächen der anwesenden Freiwilligen im Alter von 14 bis 70 Jahren und der anderen Gäste wurde deutlich, in wie vielen thematischen Bereichen und Formen ein solches Engagement möglich ist und was Menschen dazu motiviert. Lebhafte Berichte der anwesenden Freiwilligen im Alter von 14 bis 70 Jahren aus Kinder- und Jugendprojekten, aus Sprachkursen für Senioren, ökologischer Arbeit, Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit veranschaulichten, in wie vielen thematischen Bereichen und Formen ein solches Engagement möglich ist und was Menschen dazu motiviert. Das DRA-Team erläuterte auch die im Rahmen des EU-Freiwilligenprogramms European Voluntary Service (EVS) möglichen Auslandsaufenthalte. Außerdem wurden in einer „Volunteer Rallye“ zahlreiche Projekte vorgestellt, in denen zusätzliche Freiwillige als Mitstreiter_innen willkommen wären, darunter solche des DRA SPb. (NRO Antistamp, Bridge it!, HUMANLIBARY) wie auch solche anderer Organisationen (z.B. Greenpeace, Kinderarche Hermitage, „Koffer guter Taten“) und die Bewegung „Мusora.Bolshe.Net“ („Der.Müll.ist.weg“).

12) 20 Jahre DRA – Teil IX: 2008-2009

Zu Jahresbeginn 2008 startet der DRA seinen Deutsch-Russischen Schüleraustausch, der Jugendlichen Schulbesuche und Sozialpraktika im jeweils anderen Land ermöglicht. Zugleich beginnt ein mit der Partnerorganisation Perspektivy durchgeführtes Projekt zur modellhaften Umgestaltung einer Station des Psychoneurologischen Internats Nr. 3 in Peterhof bei St. Petersburg. Im Februar endet das gemeinsam mit europäischen Partnern verwirklichte dreijährige EU-Projekt „Civic Education Ukraine“ zur Förderung der politischen Bildung. Im Auftrag der EU-Delegation in Moskau werden im Laufe des Jahres wie im Vorjahr EU Study Schools für Studierende und Postgraduierte durchgeführt, so in Pskov, Kasan, Tomsk, Rostov und Moskau (Team: Elena Belokurova, Angelina Davydova, Markus Kaiser). Der DRA SPb. beteiligt sich im selben Monat in Moskau an dem Umweltfestival „EkoTschaschka“. Im April beginnt die DRA-Fortbildungsreihe „QuInta“ für russischsprachige Migrantenorganisationen (Leitung: Bettina Bofinger, Förderer: Robert Bosch Stiftung). Der DRA Spb. nimmt im Mai am „Baltic Sea NGO Forum“ in Riga teil. Der DRA Berlin bezieht im Juni sein neues Büro in der Badstraße 44. Die Deutsch-Russischen Herbstgespräche widmen sich 2008 dem Thema „Annäherung oder Entfremdung? – Einfluss der Geschichtspolitik auf das Verhältnis EU-Russland“. Im Dezember wird in Kurtat (Nordossetien) das von DRA und Memorial aufgebaute Berufsbildungszentrum offiziell eingeweiht, die Ziele sind ein Werben für interethnische Toleranz und die Schaffung von Erwerbsperspektiven (unterstützt von Renovabis und Diakonischem Werk). Die 2005 gegründete gGmbH Europäischer Austausch wird 2008 selbstständig. Sowohl 2008 als auch 2009 organisiert der DRA erneut mit Förderung des Auswärtigen Amtes je einen deutsch-russischen Journalistenaustausch, beteiligt sind u.a. ARD, FAZ, Süddeutsche, NTW, Kommersant. Die Freiwilligenvermittlung zwischen Osteuropa und Deutschland wird fortgesetzt. In Gomel (Belarus) berät der DRA beim Aufbau einer Freiwilligenagentur (unterstützt von der EU und der Stiftung EVZ). Im Februar 2009 hält Stefan Melle für den DRA das Impulsreferat zur zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit auf der großen Konferenz „Neues Russland?“ des Regierungsbeauftragten Andreas Schockenhoff. Zur selben Zeit übernimmt der DRA Bln. das Fachaustauschprogramm mit der russischen Teilrepublik Udmurtien zu Freiwilligen-, Jugend- und Sozialarbeit vom Paritäter Berlin, der Partner bleibt, Förderer ist die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch. Für Journalist_innen aus Moskau und mehreren russischen Regionen bietet der DRA gemeinsam mit russischen Umwelt-NGOs, der Deutschen Welle und der Heinrich Böll Stiftung ab März ein Weiterbildungsprogramm zu ökologischen Fragen an (Förderer: Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Diakonie). Der DRA SPb. entwickelt unter Führung von Astrid Schorn Projekte zum Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die von der Stadt St. Petersburg mitgetragen werden. Im Juli beginnt das dreijährige DRA-Programm „Professija.DE – Deutsch-Russische Unternehmen engagiert für Integration und Ausbildung“ im Rahmen des Bundesprogramms Xenos. Die Deutsch-Russischen Herbstgespräche 2009 befassen sich unter dem Titel „Brauchen wir neue Gesellschaftsverträge?“" mit den Charakteristika eines gesellschaftsübergreifenden Konsens und den künftigen Herausforderungen an eine nachhaltige Politik (Partner: Ev. Akademie Berlin, H.-Böll-Stiftung). – Der Schlussteil X der Chronik folgt im Newsletter Januar.