DRA Newsletter Dezember 2008


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Filmpräsentation im Rahmen des Festivals „ueber Macht“

Der DRA, die Heinrich Böll Stiftung und die Berliner Russland-Gruppe von Amnesty International laden für den 17. Januar 2009 zu einer Filmvorführung in das Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Gezeigt wird die Dokumentation „Für Gott, Zar und Vaterland“ von Nino Kirtadze (D/F 2007) über eine offiziell christliche, tatsächlich stark nationalistisch ausgerichtete „Klostergemeinschaft“ in der Nähe von Moskau. Rigide beherrscht wird sie von Michail Morosov, dem beste Beziehungen zum Geheimdienst und zur Führungsspitze der Streitkräfte, der Partei Putins und der orthodoxen Kirche nachgesagt werden. Morosov predigt das Weltbild „einer gottgegebenen Hierarchie, in der die einen dazu da sind zu herrschen, und die anderen dazu, zu gehorchen. Demokratie steht darin für Chaos und ist ein Schimpfwort. So krass der Einzelfall sein mag – er wirft die Frage auf, wie typisch er für die Stimmungslage im heutigen Russland ist“ (Pressetext zum Film). Nach der Vorführung findet eine von Stefan Melle (DRA) moderierte Diskussion statt. Die Podiumsgäste sind Maria Sannikova, langjährige Mitarbeiterin des Moskauer „Zentrums für die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten“, und Andreas Umland, Dozent der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Experte für Nationalismus in Russland. Im Laufe des Abends können sich Interessierte außerdem über die Arbeit der drei beteiligten Organisationen informieren. Die Veranstaltung ist Teil des diesjährigen bundesweiten Dokumentarfilmfestivals „ueber Macht“ der „Aktion Mensch“, das nach dem Start in Berlin in über 120 Städten gastieren wird. Die Vorstellung beginnt um 21.00 Uhr. Ort: Zeughauskino (DHM, Unter den Linden 2, 10117 Berlin [Eingang: Spreeseite]; Eintritt: 5 €, ermäßigt, auch für Schulen: 2,50 €). www.ueber-macht.de

2) Offizielle Einweihungsfeier für Bildungszentrum in Nordossetien

Am 18. Dezember wurde im Prigorodnyj-Bezirk von Nordossetien offiziell das Berufsbildungszentrum zur Unterstützung von Kleinunternehmen eingeweiht, das die russische Menschenrechtsorganisation Memorial und der DRA seit dem Frühjahr gemeinsam aufgebaut haben. Das Zentrum befindet sich in der Siedlung Kurtat, 15 Kilometer östlich von Vladikavkas. Festlich begangen wurde zugleich bereits der Abschluss der ersten Kurse des Zentrums, an denen seit Anfang September nordossetische, inguschische und russische Frauen und Männer gemeinsam teilgenommen haben. Zu der Feier kamen u.a. Vertreter der Regierung Nordossetiens und des Prigorodnyj-Bezirks sowie die beiden Leiter des Projekts, Svetlana Gannuschkina (Vorstand Memorial) und Stefan Melle (DRA). Der stellvertretende Wirtschaftsminister Nordossetiens bedankte sich für den Impuls, den die Region durch die Ausbildungsangebote und die konstruktive Kooperation von NGOs und Behörden erhalte. Svetlana Gannuschkina warb dafür, das Zentrum als Ausgangspunkt einer neuen Kultur der Verständigung zwischen den Volksgruppen im Kaukasus zu nutzen. Die Kursleiterin Stephanie Weber-Tsomakaeva (DRA) sagte, Ziel des Projekts sei es, die Chance und das Rüstzeug für eine selbstständige Existenz zu geben und so auch ein Entwicklungsmodell zu vermitteln. Von den bisherigen Teilnehmern planen fünf bereits konkrete Firmengründungen, u.a. eine Näherei, eine Pilzaufzucht und einen Lebensmittelladen, in denen jeweils mehrere Arbeitsplätze entstehen sollen. Das Zentrum wird noch bis Ende 2009 vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche und vom katholischen Hilfswerk für Osteuropa, Renovabis, finanziell unterstützt. Der DRA muss einen Eigenanteil von 5.000 Euro leisten, der aus Spenden gewonnen werden soll. Nachdem infolge des Südossetien-Kriegs zahlreiche Flüchtlinge auch in den Prigorodny-Bezirk gekommen waren, nahmen einige von ihnen ebenfalls an der ersten Kursreihe teil, die den möglichen künftigen Kleinunternehmern u.a. Kenntnisse zur Businessplanung und den juristischen und buchhalterischen Grundlagen vermittelte und auch individuelle Beratungen umfasste.

3) DRA-Seminare zu EU-Russland-Beziehungen abgeschlossen

Die vorerst letzte EU Study Week des DRA zu den russisch-europäischen Beziehungen fand vom 1. – 3. Dezember in den Räumen der EU-Delegation in Moskau statt. Eingeladen waren zu diesem 9. Seminar die engagiertesten Teilnehmer_innen der vorangegangenen Study Schools in Petersburg, Petrosavodsk, Samara, Tomsk, Kasan, Rostov und Pskov. Zu den Referenten gehörte diesmal u.a. der stellvertretende französische Botschafter, der über die französische Ratspräsidentschaft in der EU und – als unmittelbar Beteiligter – von den diplomatischen Lösungsversuchen während des Georgienkriegs berichtete. Der bekannte Oppositionspolitiker Vladimir Ryschkov schilderte aktuelle Entwicklungen und Schwierigkeiten der EU–Russland-Beziehungen. Der Leiter der EU-Delegation, Marc Franco, referierte zu den jüngsten Veränderungen in diesem Verhältnis und zur Ausgangslage für das schon überfällige Partnerschafts- und Kooperationsabkommen. Die OrganisatorInnen des zweijährigen DRA-Programms waren die Politologin Elena Belokurova, der Soziologe Markus Kaiser (beide Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Staatlichen Universität St. Petersburg) sowie die Journalistin und DRA-Projektmanagerin Angelina Davydova. Finanziert wurde es von der EU-Kommission.

4) Dokumentation zur Seminarreihe „QuInta“ veröffentlicht

Mit einem Seminar zum Thema „Kooperationen und Netzwerke“ und der Vergabe von Zertifikaten endete bereits am 26. September die Fortbildungsreihe „QuInta – Qualifiziert für Integrationsarbeit“, die der DRA mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung von April bis September erfolgreich durchführte. Eine Dokumentation dazu ist ab sofort auf der DRA-Website zugänglich (s.u.). Teilgenommen haben haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter_innen von 16 Migranteninitiativen aus Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Mit sechs Seminaren zu Aspekten der Projekt- und Organisationsentwicklung wurde ein Beitrag zur weiteren Professionalisierung dieser im Integrationsbereich tätigen Organisationen geleistet. Das positive Echo in der Schlussauswertung bestätigte, dass es gelungen ist, praxisrelevante Anregungen und Kenntnisse zu vermitteln. Als Wunschthemen für weitere Fortbildungen nannten die Teilnehmer_innen u. a. vereins- und steuerrechtliche Fragen und eine nachhaltige Begleitung bei der Projektentwicklung.

5) DRA St. Petersburg organisierte großen Freiwilligenkongress

Am 5. Dezember, dem internationalen Tag des freiwilligen Engagements, fand in Petersburg auf dem Messegelände der LenExpo der internationale Kongress „Förderung des freiwilligen Engagements – für eine gesellschaftlich aktive Jugend“ statt. Auf die Beine gestellt hatte ihn der DRA St. Petersburg in Kooperation mit „Nevskij Angel“ („Engel an der Neva“) und weiteren gesellschaftlichen Organisationen sowie mit Unterstützung des städtischen Dezernats für Jugendpolitik. Die Veranstaltung, an der rund 250 Expert_innen aus 14 Ländern teilnahmen, war mit Abstand die bisher größte zu diesem Thema in St. Petersburg. In Russland ist derzeit ein neues Gesetz zur Regelung von Wohltätigkeit und gemeinnützigem Engagement in Vorbereitung. Im Gespräch sind u. a. Steuererleichterungen für gesellschaftliche Organisationen, in denen Freiwillige mitwirken, und eine Verbesserung der Kooperationsmöglichkeiten zwischen ihnen und den Behörden. Das Petersburger Dezernat für Jugendpolitik zeigt sich beim Thema Freiwilligendienste für neue Ideen sehr aufgeschlossen. Dies lässt darauf hoffen, dass es staatlicherseits nicht um die Rekrutierung kostenloser Arbeitskräfte zur Lösung sozialer Probleme geht, sondern tatsächlich um die Förderung von Partizipation durch bürgerschaftliches Engagement. Zum Rahmenprogramm des Kongresses gehörten auch eine Ausstellung zu NGOs, in denen Freiwilligendienste möglich sind, und das Spiel „Evolution“, bei dem Mannschaften möglicher künftiger Freiwilliger anhand einer eigens erstellten Karte von St. Petersburg mehr als 20 NGOs der Stadt kennen lernen konnten. Wesentlich für das Gelingen des Kongresses war die Mitwirkung der „Koalition für Freiwilligenarbeit“ (www.volonter.info), einem Netzwerk besonders aktiver Petersburger Freiwilligenorganisationen, zu denen neben anderen die Vermittlungsagentur „Freiwilligendienst“, die Obdachlosenorganisation „Nachtasyl“, der Freiwilligendienst der Staatlichen Eremitage und das „Zentrum für die Entwicklung nicht-kommerzieller Organisationen“ gehören.