DRA Newsletter August-September 2019


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

ideologische Radikalisierungen unterschiedlicher Ausrichtung und die damit verbundene Gewaltbereitschaft gehören zu den schwerwiegendsten Herausforderungen heutiger Gesellschaften. Welche wirksamen Präventionsmöglichkeiten gibt es, und wie kann die internationale Zusammenarbeit auf diesem Feld verbessert werden?

Nach Ansätzen der Radikalisierungsprävention in Ost- und Westeuropa fragen die diesjährigen 24. Berliner Herbstgespräche unter dem Titel „Aussteigen aus der Gewaltspirale“. Zu der Konferenz, die am 28. November im Roten Rathaus Berlin stattfindet, laden wir Sie schon jetzt sehr herzlich ein. Weitere Einzelheiten finden Sie in unserem Newsletter.

Lesen Sie außerdem eine Stellungnahme der internationalen Zivilgesellschaftsplattform CivilM+ zur nunmehr fünfjährigen Nicht-Erfüllung des ersten Minsker Abkommens – und informieren Sie sich über die zahlreichen Aktivitäten des DRA in Russland, der Ukraine und Deutschland und an weiteren Orten Europas!

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse!

Ihr Stefan Melle und das Team des DRA

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Inhalt

1) Save the Date: Berliner Herbstgespräche zu Radikalisierungsprävention in Ost- und Westeuropa am 28.11.2019

Politisch oder religiös motivierte Gewalttaten beherrschen in regelmäßigen Abständen die mediale Berichterstattung. Die Debatten in europäischen Gesellschaften zu dieser Problematik erscheinen zunehmend polarisiert und verdeutlichen inner- und zwischengesellschaftliche Konfliktlinien. Die diesjährigen 24. Berliner Herbstgespräche, zu denen der DRA am 28. November (13.30 – 22.00 Uhr) ins Rote Rathaus Berlin (Rathausstraße 15) einlädt, fragen nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten für diese gesellschaftlichen Herausforderungen und widmen sich unter dem Titel „Aussteigen aus der Gewaltspirale“ den Erfahrungen mit Ansätzen zur Radikalisierungsprävention in Ost- und Westeuropa mit Fokus auf Russland, Deutschland und Frankreich. Die Konferenz richtet sich an Osteuropaexpert/innen, Vertreter/innen der europäischen Zivilgesellschaft sowie an ein thematisch interessiertes Publikum. In parallelen Fishbowl-Diskussionen werden sowohl aktuelle Aspekte von Radikalisierungstendenzen als auch die Möglichkeiten und Grenzen der Präventionsarbeit und die Bedarfe beteiligter Akteur/innen in den Blick genommen. Der Erfahrungsaustausch soll der grenzüberschreitenden Wissenserweiterung und dem Aufbau von Kooperationen zur Stärkung der Präventionsarbeit sowie der Formulierung gemeinsamer Strategien dienen.

Die Konferenz findet im Rahmen des neuen DRA-Projekts „Radikalisierungsprävention im Nordkaukasus stärken“ statt (siehe auch unten). Weitere Informationen zum Programm der „Berliner Herbstgespräche“ sowie den Link zur Registrierung finden Sie in Kürze auf der DRA-Website (hier). Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos. Die Veranstaltung wird durch das Auswärtige Amt, die Heinrich-Böll-Stiftung und die ZEIT-Stiftung gefördert und durch den Berliner Senat unterstützt.

2) 28.9.2019: Einladung zur Konferenz St. Petersburger Herbstgespräche zum Thema „Wie verändert sich die Bildung in Europa?“ – Begleitprogramm mit Workshops

Der DRA (NRO) St. Petersburg lädt in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Zentrum für Deutschland- und Europastudien (Staatliche Universität St. Petersburg - Universität Bielefeld), dem Goethe-Institut, dem Polnischen Institut, dem Italienischen Kulturinstitut und dem Institut français zu den dritten jährlichen Herbstgesprächen in St. Petersburg ein. Sie finden am 28. September im Berthold-Zentrum statt (Raum „Sdvig“; Graschdanskaja uliza 13-15).

Das Programm ist dem Thema "Wie verändert sich die Bildung in Europa?" gewidmet und umfasst vier Podiumsdiskussionen. Drei davon sind verschiedenen Ebenen der modernen Bildung – Schule, Hochschule und Weiterbildung – gewidmet, eine weitere der Zukunft der Bildung insgesamt. Expert/innen aus Deutschland, Russland, Frankreich, Polen, Italien und anderen europäischen Ländern werden ihre Einschätzungen zu modernen Trends in der Bildung und ihre Erfahrungen im Bildungsbereich darlegen und Publikumsfragen beantworten.

Zusätzlich zu den Diskussionen am 28. September werden vor und nach diesem Tag an verschiedenen Orten öffentliche Vorträge und Workshops unter Beteiligung geladener Gäste organisiert. Weitere Informationen unter [www.obmen.org]www.obmen.org und in den sozialen Netzwerken (Facebookvkontakte).

3) Eröffnung am Di., 17.9.: Fotoausstellung „People live here“ in Berlin zu Pipelines und Frontlinien, Kooperation und Konflikt in der Ostukraine – mit Diskussionsveranstaltung

Wasser kommt doch immer aus dem Wasserhahn? Wie fühlt es sich aber an, bei der Wasserversorgung auf einen militärischen Gegner angewiesen zu sein? In dieser Situation leben Menschen in der Ostukraine – und nicht nur dort – seit Jahren. Bewaffnete Auseinandersetzungen betreffen fast immer auch bewohnte Gebiete und führen zu angesichts der Kriegslage absurd wirkenden Problemen, etwa diesem: Wie versendet man Nebenkostenabrechnungen, wenn die Verbraucher/innen in einem von feindlichen Gruppen kontrollierten Gebiet jenseits der Frontlinie leben?

Was kann die Konfliktparteien in der Ukraine zur Zusammenarbeit beim Zugang zu Wasser und hinsichtlich weiterer Aspekte der Lage im Kriegsgebiet bewegen? Mit einer Diskussion zu dieser Thematik des Kriegsalltags wird am 17. September, 17:00 Uhr, in Berlin im Panda-Theater (Knaackstraße, kleiner Innenhof der Kulturbrauerei) die Ausstellung "People live here" des Fotografen Albert Lores eröffnet, die die tschechische NGO People in Need (PiN) erstellt hat und in Berlin gemeinsam mit dem DRA zeigt. Lores will mit der Fotoserie – entstanden in Zusammenarbeit mit NGOs, die sich im Kriegsgebiet in der Ostukraine für eine funktionierende Wasserversorgung einsetzen – verdeutlichen, was das Wasser für die Menschen an den Orten entlang der Kontaktlinie bedeutet.

Die Mitwirkenden des Podiumsgesprächs sind Dr. Sophie Lambroschini (Centre Marc Bloch, Berlin), Camilla Corradin (People in Need), Andrey Klochko (Versorgungsfirma „Voda Donbasu“) und Galina Pawlowskaya (Lehrerin, wohnhaft in einem Dorf nahe der Frontlinie).

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Die Fotoausstellung ist vom 17. September bis 17. November zu sehen (Eintritt frei).

4) Stellungnahme von CivilM+ zur Nichtumsetzung des ersten Minsker Abkommens von 2014: Ende der Gewalt und Überprüfung der Verhandlungsprozesse gefordert

Vor fünf Jahren wurde das bis heute nicht umgesetzte erste Minsker Abkommen zum Donbass-Konflikt („Minsk 1“) unterzeichnet. Lesen Sie dazu hier eine Stellungnahme der internationalen Zivilgesellschaftsplattform [www.civilmplus.org]CivilM+, deren Projektarbeit und Entwicklung der DRA im Rahmen seines Projekts „Dialog für gegenseitiges Verständnis und Recht: Europäische NGOS gemeinsam für Konfliktbewältigung im Donbass“ mit koordiniert (Förderung: Auswärtiges Amt).

Die Plattform CivilM+, der u.a. ukrainische, russische, polnische, deutsche und französische NGOs und Expert/innen angehören, fordert u.a., die Anstrengungen zur Umsetzung der Abkommen auf jene Bestimmungen der Abkommen zu konzentrieren, die menschliches Leben retten können; die unverzügliche Freilassung aller Geiseln und rechtswidrig inhaftierter Personen; die Entfernung illegaler bewaffneter Gruppen, militärischer Ausrüstung, Kämpfer und Söldner aus dem Territorium der Ukraine; ein permanentes Monitoring und eine Verifizierung durch die OSZE an der russisch-ukrainischen Staatsgrenze zu gewährleisten; die Lücken und Beschränkungen des laufenden Verhandlungsprozesses zu analysieren und eine Erneuerung dieses Prozesses zu sichern, damit es reale Fortschritte bei der Herstellung von Frieden gibt; eine verstärkte Einbindung der Zivilgesellschaft in den Friedensprozess zu gewährleisten sowie die Anstrengungen auf eine Versöhnung und Re-Integrierung der Bevölkerung zu richten.

5) Slovjansk (Ostukraine): DRA eröffnet zivilgesellschaftliches Ressourcenzentrum „Drukarnia“ und veranstaltete Fotoworkshop und Freiwilligen-Camp

Am 27./28. September eröffnet der DRA eine Repräsentanz in Slovjansk im Verwaltungsbezirk Donezk. Der Name dieses neuen zivilgesellschaftlichen Ressourcenzentrums (Civil Society Center) „Drukarnia“ leitet sich von den Räumlichkeiten in der Stadtmitte her, in denen früher einmal eine Druckerei betrieben wurde. Die wichtigsten Aufgaben des Zentrums werden darin bestehen, die Zivilgesellschaft vor Ort zu unterstützen, Aktivist/innen aus der Ostukraine mit Kolleg/innen aus Deutschland und Europa zu vernetzen und Projekte in Bereichen wie Umweltschutz, Bildung, Dialog und Geschichte zu entwickeln. Ein Bericht zur Eröffnung folgt im nächsten DRA-Newsletter.

Zwei erste Projekte des DRA in Slovansk haben im Juli und August bereits stattgefunden. So koordinierten Igor Mitchnik und Tim Bohse (beide DRA) vom 20.–27. Juli einen Workshop des deutsch-schweizerischen Fotografen Jan Zychlinski, der die Teilnehmer/innen dabei unterstützte, ihre eigene Stimme als Fotograf/innen zu finden. Eine Woche lang diskutierten und erweiterten sie ihren Blick auf die Kleinstadt Slovjansk, die heute wieder friedlich wirkt und in der es ausführlicher Gespräche mit den dort lebenden Menschen bedarf, um die tiefsitzenden Spuren zu erkennen, die der Krieg hinterlassen hat. Die Ergebnisse des PhotoVoice-Projekts wurden abschließend in der zentralen Bibliothek in Slovjansk präsentiert und waren dort noch bis zum 30. August zu sehen (vgl. hier und hier).

Vom 4.–16. August folgte ein von Tim Bohse, Igor Mitchnik und Andrej Kalikh koordiniertes Internationales Workcamp, bei dem 19 Freiwillige aus 11 Ländern bedürftige Familien in Slovjansk unterstützten, darunter Binnengeflüchtete, viele von ihnen mit zahlreichen (Adoptiv-)Kindern. Dazu kamen Begegnungen mit lokalen Aktivist/innen und mit Vertreter/innen der Stadtverwaltung sowie internationaler Organisationen. Alexej Jukov von der NGO „Schwarze Tulpe“ („Tschorny tjulpan“) zeigte den Freiwilligen in einer mehrstündigen Führung die zentralen Orte in Slovjansk, die mit der Okkupation durch die prorussischen Separatisten von April bis Juli 2014 verbunden und an denen die Spuren des Krieges nach wie vor sichtbar sind. Oksana Stupak, Leiterin des Projekts „Civic Education for Youth in East Ukraine“, informierte die internationale Gruppe darüber, wie ihre Organisation für Jugendliche der Region Foren zur politischen Bildung organisiert und ihnen Projektmanagementwissen vermittelt. Sergei Saenko von „People in Need“ und Andrey Krivchenkov von „Arche Nova“ stellten die Arbeit ihrer humanitären Organisationen vor und berichteten auch über ihr eigenes Schicksal als Binnenvertriebene: Viele, die die sich in der Region seit 2014 in humanitären Organisationen engagieren, mussten ihren Heimatort verlassen.

Über beide Veranstaltungen berichteten die lokalen Medien mit mehreren Online-Artikeln und Videoreportagen. Besondere Beachtung schenkten sie den am Camp teilnehmenden Freiwilligen aus Georgien, Moldawien und Belarus, die sich der Bevölkerung in der Ostukraine auf besondere, jeweils individuelle Weise verbunden fühlten – sei es aufgrund von Familienbeziehungen oder aufgrund vergleichbarer Kriegs- bzw. Konflikterfahrungen als Teil der eigenen Familiengeschichte. Vgl. dazu auch die Posts hierhierhierhierhier und hier.

6) Partner des DRA organisieren Veranstaltungen beim Human Dimension Implementation Meeting der OSZE in Warschau – Themen u. a. Folter, Anti-Extremismus

Das jährliche Human Dimension Implementation Meeting (HDIM) der OSZE-Mitgliedstaaten – Europas größte jährliche Konferenz zu Menschenrechten und Demokratie – findet dieses Jahr vom 16. bis 27. September in Warschau statt. Organisiert wird sie vom OSZE-Office for Democratic Institutions and Human Rights (ODIHR).

NGO-Partner des DRA führen im Rahmen des Treffens zwei Parallelveranstaltungen, sog. Side-Events, durch. So organisiert die Arbeitsgruppe „Counter-Terrorism, Anti-Extremism and Human Rights” des internationalen NGO-Bündnisses zu Menschenrechten Civic Solidarity Platform (CSP, s. auch unten) am 23. September eine Podiumsdiskussion zu "Fundamental Freedoms on Trial: The Human Rights Impact of Overly Broad Counter Terrorism and Anti-Extremism Legislation". An dem Gespräch werden sich Vertreter/innen der Organisationen Fair Trials (UK/BE), SOVA (RU) und Article 19 (UK) beteiligen. Gefragt wird nach den Auswirkungen einer die Grundrechte und Grundfreiheiten gefährdenden Antiterror- und Antiextremismus-Gesetzgebung im OSZE-Raum und den diesbezüglichen Erfahrungen zivilgesellschaftlicher Organisationen in verschiedenen Ländern. Außerdem werden Expert/innen Positiv- und Negativbeispiele zum Verhältnis zwischen der Wahrung bürgerlicher Grundrechte und der Terrorismusbekämpfung im OSZE-Raum vorstellen und jüngste Entwicklungen im legislativen Bereich erläutern.

Mit Unterstützung der NGO-Donbass-Plattform CivilM+ (vgl. Meldung oben) findet am 23. September eine Veranstaltung zum Thema Folter statt. In den Blick genommen wird dabei schwerpunktmäßig die Situation auf der Krim, im Donbass-Gebiet (auf beiden Seiten der Kontaktlinie) und in Russland (im Zusammenhang mit dem Donbass-Konflikt). Mitwirken werden das Center for Civil Liberties (UA), die Menschenrechtsgruppe Charkiv (UA), das Institut für soziale Forschung, Charkiv (UA) und das Zentrum für Psychotherapie "Forpost" (UA).

Des Weiteren wird am 21./22. September parallel zum HDIM in Warschau unter Beteiligung des DRA auch die Jahreskonferenz der Civic Solidarity Platform (CSP) abgehalten. Der DRA begleitet für die CSP insgesamt vier Arbeitsrichtungen (Liliia Ahdhomeladze, Anna Osypova).

7) Den Haag: DRA / CivilM+ / CSP organisierten Expertenseminar zu Transitional Justice in Konfliktregionen des OSZE-Raumes – Kontroverse um Entscheidung im Europarat

Am 25/26. Juni fand in Den Haag ein Expertenseminar zu Fragen der „Transitional Justice“ statt, d. h. zur juristischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung eines bewaffneten Konflikts. Die Veranstaltung wurde vom DRA (Liliia Ahdhomeladze) in Kooperation mit dem Netherlands Helsinki Committee (Den Haag) organisiert. Die Teilnehmer/innen waren Mitglieder der Zivilgesellschaftsplattformen [www.civilmplus.org]CivilM+ und der Civic Solidarity Platform (CSP). CivilM+ befasst sich mit Lösungsmöglichkeiten hinsichtlich des Konflikts in der Ostukraine (s. auch oben). CSP ist ein Zusammenschluss von Menschenrechts-NGOs im OSZE-Raum. Für beide hat der DRA Koordinierungsaufgaben übernommen.

Die erste von drei Podiumsdiskussionen im Rahmen des Seminars thematisierte juristische und dialogorientierte Ansätze zu einer Transitional Justice in Konfliktregionen. Safi van´t Land (Impunity Watch) sprach dabei zu Prinzipien eines holistischen Ansatzes, während Izabela Kisić (Helsinki Committee for Human Rights in Serbia) von Erfahrungen in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens berichtete. Paata Zakareishvili schilderte seine in den 90er-Jahren in Georgien gesammelten Erfahrungen zur Dialogförderung in einer von Konflikten betroffenen Gesellschaft. Aus juristischer Perspektive erläuterte Alina Pavliuk (Ukrainian Legal Advisory Group) die Schwierigkeiten bei der Verwirklichung einer Transitional Justice in der Ukraine, insbesondere hinsichtlich der Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof.

Bei den weiteren Podiumsdiskussionen stellten die Vertreter/innen beider NGO-Plattformen ihre Arbeit vor und erkundeten die Potenziale künftiger wechselseitiger Unterstützung und Zusammenarbeit. Am zweiten Seminartag diskutierten sie in Arbeitsgruppen zu den drei Themen „Transitional Justice“, „Menschenrechte auf der Krim“ und „Russisch-Ukrainischer Menschenrechtsdialog“. In letzterer Gruppe wurde der in Straßburg parallel aufgebrandete Konflikt zwischen NGO-Vertreter/innen aus Russland einerseits und der Ukraine und weiteren Ländern andererseits besprochen, der durch die Entscheidung der europäischen Politik entstanden war, der russischen Führung die Rückkehr in die Parlamentarische Versammlung des Europarats (PACE) freizugeben, ohne irgendwelche Zugeständnisse bzgl. der Rechtsbrüche von russischer Seite einzufordern. Dies hatten etliche russische NGO-Aktivist/innen – unter Hinweis auf den so wieder eröffneten Zugang zum xy – unterstützt, ohne die Kritik von Kolleg/innen aus anderen Ländern zu berücksichtigen.

Einige Teilnehmer/innen des Seminars hatten am 27. Juni zudem Gelegenheit, sich am Internationalen Strafgerichtshof über den Status der Vorprüfung in Bezug auf die „Angeblichen Straftaten im Zusammenhang mit den ‚Maidan‘-Protesten seit dem 21. November und anderen Ereignissen in der Ukraine seit dem 20. Februar 2014“ zu informieren und sich mit Vertreter/innen des Außenministeriums der Niederlande zur aktuellen politischen Situation im Zusammenhang mit der Rückkehr der russischen Delegation in PACE auszutauschen.

8) Projekt „INKultur“: Webinare zu Inklusion in russischen Kultureinrichtungen

Das DRA-Projekt „INKuLtur - Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am kulturellen Leben“ (Förderung: Auswärtiges Amt, Aktion Mensch) hat die Dokumentation mehrerer Webinare für Mitarbeiter/innen russischer Kultureinrichtungen online zugänglich gemacht (Links im Text und s.u.).

Dazu gehören zunächst die Aufnahmen zweier allgemeiner Webinare zur Verwirklichung von Barrierefreiheit und inklusiven Maßnahmen in Museen und Theatern, die im Mai stattgefunden haben. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele schildern darin die Referent/innen Maria Sarycheva und Vlad Kolesnikov (für den Bereich „Museum“) und Alexei Schcherbakov (für den Bereich „Theater“) bestehende Barrieren, geben hilfreiche Tipps zu deren Überwindung und diskutieren den Unterschied zwischen den Begriffen „Barrierefreiheit“ und „Inklusion“.

Im Internet zugänglich sind auch vier vertiefende Webinare von Juni. Dabei führt Polina Sotova in das Thema „Blinde Menschen in Museen, Kinos und Theatern: Vermittlung, Audiodeskription und Kommunikationsspezifika“ ein (Webinar s. hier): Sie beleuchtet die praktischen Schwierigkeiten bei der Einführung umfassender Audiodeskription im Bereich Kino/Film und geht auf die zielgruppenspezifische Ansprache von Menschen mit Sehbehinderung in Museen und Theatern ein. Die Expertin Alexandra Isayeva analysiert anhand ihrer eigenen Erfahrungen und verschiedener Praxisbeispiele aus St. Petersburg die Möglichkeiten, Museen für Menschen mit Hörbehinderung zugänglicher zu gestalten (s. hier). Lada Talysina widmet sich der Einbeziehung der Zielgruppe der Menschen mit geistiger Behinderung in Kultureinrichtungen (s. hier). Sie stellt die Besonderheiten der hier erforderlichen Kommunikation dar und thematisiert die Schaffung von Anreizen für Menschen mit geistiger Behinderung, am kulturellen Leben teilzunehmen. Das vierte Webinar war dem Thema „leichte Sprache“ gewidmet, deren Verwendung Tatjana Grischan und Veronika Kovalenva (Minks) anhand vieler praktischer Beispiele, Texte und Übungen näher bringen.

Die einzelnen Webinare hatten jeweils 30 bis 80 Teilnehmer/innen. Alle Webinare sind hier online zu finden (auf Russisch und mit Übersetzung in russische Gebärdensprache). Zuständig für das Projekt im DRA sind Anja Kretzer, Kirsten Heyerhoff und Marina Grinfeld.

9) „Mitgestalten! – für gelebte Jugendpartizipation in Osteuropa“: Arbeitstreffen zur Erarbeitung eines Curriculums für Russland, Ukraine und Georgien

Im Rahmen des DRA-Projekts „Mitgestalten! – Für gelebte Jugendpartizipation in Osteuropa“ trafen sich im Juli in Berlin die Mitarbeiter/innen des DRA mit den Projektpartnern aus der Ukraine, Georgien und Russland und dem Partizipations-Experten Professor Waldemar Stange der Leuphana-Universität Lüneburg, um ein Curriculum für Jugendbeteiligung zu konzipieren.

Ziel des Projekts ist es, die Rolle von Schüler/innen und jungen Erwachsenen bei Entscheidungen und Entwicklungen ihrer Kommune zu stärken und die länderübergreifende Kooperation von NGOs und Expert/innen im Bildungsbereich in Osteuropa auszubauen. Das Curriculum wird Grundlage einer Moderatorenausbildung für lokale Partizipationsprojekte in den jeweiligen Ländern sein. Die so ausgebildeten Moderator/innen werden anschließend entsprechende Vorhaben mit Kindern und Jugendlichen umsetzen.

„Mitgestalten!“ läuft bis Ende 2020 und wird mit freundlicher Unterstützung des Auswärtiges Amtes, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Berlin, und des Paritätischen Berlin realisiert. Im DRA wird das Projekt, zu dem auch die seit 2015 aufgebaute Durchführung von „M18-Jugendwahlen“ gehört und zu dem ab 2020 auch noch armenische Partner hinzutreten werden, von Roman Elsner, Nora Korte und Syuzanna Galstyan betreut.

10) DRA-Projekt zu Radikalisierungsprävention im Nordkaukasus: Auftakttreffen der Initiativgruppe

Zur vertiefenden Bedarfserfassung, Zielabklärung und Planung kam am 24./25. Juli in Mineralnye Vody (Region Stavropol, Russland) die neunköpfige Initiativgruppe des neuen DRA-Projekts „Radikalisierungsprävention im Nordkaukasus stärken“ zusammen. Aus der Gruppe, der neben einer Vertreterin der französischen Partnerorganisation d’est (Destination est), Roman Elsner und Olga Schmidt für den DRA sowie je ein/e Vertreter/in aus sechs Regionen Russlands angehören, wird im Verlauf des Projekts ein Netzwerk von 20 Multiplikator/innen entstehen. Unter Berücksichtigung der politisch-gesellschaftlichen Kontexte vor Ort werden sie in den beteiligten russischen Regionen – d. h. in den nordkaukasischen Republiken Tschetschenien, Inguschetien, Kabardino-Balkarien, Dagestan und Nordossetien sowie in Tatarstan – bis Ende 2020 Maßnahmen zur Radikalisierungsprävention konzipieren und durchführen.

Wie der zweitägige Austausch verdeutlichte, wächst mit dem steigenden Problemdruck und –bewusstsein hinsichtlich der Gefahren, die der Gesellschaft durch einen gewaltbereiten Extremismus entstehen, gerade unter Akteur/innen der Jugendarbeit die Nachfrage nach erfolgreichen Ansätzen der Präventionsarbeit. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es daher, den internationalen Fachaustausch zu diesem Thema zu ermöglichen. Auch die diesjährigen Berliner Herbstgespräche sind im Rahmen des Projekts der Radikalisierungsprävention in Ost- und Westeuropa gewidmet (s. oben).

Wesentlich für die im Projekt gewählte Herangehensweise sind der Aufbau einer vertrauensvollen Zusammenarbeit erfahrener Fachleute in einem internationalen Netzwerk, die Meidung einer Stigmatisierung Einzelner oder gesellschaftlicher Gruppen und die Einbeziehung relevanter Akteur/innen der Jugendarbeit. Über die praktische Arbeit hinaus wird das Projekt auch weitere Stakeholder und die Öffentlichkeit in den Projektregionen gezielt über die Möglichkeiten, Grenzen und Erfolge der Präventionsarbeit informieren. Die Arbeit soll so die Basis für eine Bewältigung aktueller Probleme im Zusammenhang mit gewaltbereiten Einstellungen- und Verhaltensweisen schaffen.

11) „Transition Dialogue“ zu Narrativen über die Wendezeit ab 1989: Projektstart mit Fishbowl-Diskussion, Veranstaltungen in fünf Ländern

Zum Auftakt des neuen DRA-Projekts „Transition Dialogue 2019-2021 – Wandel demokratisch bewältigen“ fand am 30. Juli in Berlin unter dem Titel „Teaching Transition(s): Geschichte(n) des Wandels nach 1989“ eine Fishbowl-Diskussion statt. Über 50 Gäste waren dazu im Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer erschienen. Die geladenen Expert/innen aus den sieben Projektländern Bulgarien, Ukraine, Polen, Lettland, Russland, Deutschland und Kroatien diskutierten mit dem Publikum vor allem darüber, welche Narrative über die Wendezeit von Land zu Land vorherrschen und wie sie im Schulunterricht an die nachfolgende Generation vermittelt werden. Gefragt wurde dabei auch nach den „Leerstellen“ dieser Narrative: Was bleibt ungesagt? Welche Blickwinkel bleiben unberücksichtigt? Wird die Perspektive anderer betroffener Länder auf die Wendezeit dargestellt, und wenn ja, wie?

Die Veranstaltung fand im Rahmen des dreitägigen Auftakttreffens des Projekts statt, zu dem Vertreter/innen der Partnerorganisationen aus allen Projektländern sowie Expert/innen für die vorgesehenen Vergleichsanalysen zur Thematisierung der Wendezeit im Schulunterricht nach Berlin gekommen waren. Gemeinsam wurden die Projektmaßnahmen für die kommenden zweieinhalb Jahre geplant.

Von September bis Dezember sind in allen Projektländern lokale Veranstaltungen zum Thema der Wendeerfahrungen vorgesehen, wobei die Schwerpunkte jeweils unterschiedlich gesetzt werden können. Die Reihe beginnt in Russland, wo Anfang Oktober in Perm ein deutsch-russisches Zeitzeugengespräch mit dem DRA-Geschäftsführer Stefan Melle zum Mauerfall vorgesehen ist. Am 26. Oktober leitet das Projektteam in Glasgow ein Panel bei der diesjährigen NECE-Jahreskonferenz des von unserem Förderer, der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), initiierten Netzwerks für europäische politische Bildung („networking european citizenship education“, NECE). Eine Projekt-Zwischenbilanz wird am 12. November in Sofia gezogen: Am Heimatort unserer Partnerorganisation „Sofia Platform“ kommen dann alle Projektbeteiligten zu einem weiteren Arbeitstreffen und einer internationalen öffentlichen Veranstaltung zusammen.

12) AG zu Genderfragen im OSZE-Raum beim International Legal Forum in Charkiv –Wirtschaft und Gesellschaft für Menschenrechte gewinnen

Wie gelingt es demokratischen Gesellschaften, Staat und Wirtschaft in angemessener und ausgeglichener Weise auf die Wahrung der Menschenrechte zu verpflichten? Und welche Mechanismen können dazu beitragen, den Menschenrechtsschutz im Wirtschaftsbereich auch dort zu stärken, wo der Staat keine derartigen Vorgaben macht?

In der Ukraine besteht zurzeit großes Interesse an diesen Fragen. Ihnen ist auch das diesjährige Kharkiv International Legal Forum “Business and Human Rights” gewidmet, das vom 24. – 28. September stattfindet. Im Rahmen des DRA-Projekts „Stärkung der zivilgesellschaftlichen Kooperation hinsichtlich Menschenrechte, Konfliktlösung, Sicherheit und Gendergleichstellung“ (Koordination: Anna Osypova, Liliia Ahdhomeladze; Förderung: Auswärtiges Amt) wird sich die Arbeitsgruppe zur Genderfragen im OSZE-Raum der Civic Solidarity Platform an mehreren öffentlichen Diskussionen des Treffens beteiligen. Im Mittelpunkt dieser Gesprächsrunden wird das Anliegen stehen, für den postsowjetischen Raum anhand erfolgreicher internationaler Beispiele ein Modell für die Durchsetzung von Menschenrechtsstandards im Wirtschaftsleben zu entwickeln. Des Weiteren organisiert die Arbeitsgruppe vor bzw. nach dem Forum je einen Workshop für Studierende und andere Interessierte zu den Themen “Feministische Forschungsmethoden” (auf Englisch) sowie “Gender und Storytelling” (auf Russisch/Ukrainisch). Weitere Infos zu den Workshops hier (Ukrainisch).

13) DRA sucht Zimmer in Berlin für eine/n Freiwillige/n

Ab 1. Oktober 2019 nimmt der DRA in seinem Berliner Büro wieder zwei Freiwillige aus Russland bei sich auf. Der Aufenthalt findet im Rahmen des EU-Programms „Europäisches Solidaritätskorps“ statt.

Die Freiwilligen werden den DRA ein ganzes Jahr lang unterstützen. Für diesen Zeitraum suchen wir für sie passende freundliche Unterkünfte, z. B. Zimmer zur Untermiete, WG-Zimmer o. ä. (Miete bis 350,- EUR/Monat). Haben Sie einen Tipp oder könnten Sie eine/n unserer Freiwilligen bei sich aufnehmen? Dann bitten wir um Rückmeldung an liliia.ahdhomeladze@austausch.org. Dafür danken wir Ihnen schon jetzt sehr herzlich! Ggf. hilft uns auch die Bereitstellung einer Unterkunft für einen längeren Teil des Jahres.

14) Ab sofort bewerben: Praktikum als Assistenz der DRA-Geschäftsführung ab 16.12.2019 für drei Monate

Ab dem 16.12.2019 besetzt der DRA eine dreimonatige Praktikumsstelle als Assistenz der Geschäftsführung in Vollzeit (40 Std.) in seinem Berliner Büro.

Die Aufgaben umfassen die Unterstützung der Geschäftsführung und der Projektarbeit (Antragstellung, Durchführung, Abrechnung, Berichterstattung) in internationaler Kooperation mit anderen NGOs einschl. der Kommunikation mit den Partnern in Deutschland, Russland, der Ukraine, anderen Ländern; als weiteren besonderen Schwerpunkt die Mitwirkung an der Öffentlichkeitsarbeit des DRA; Recherchen und Übersetzungen; die Mitarbeit bei der Veranstaltungsorganisation; Website- und Social-Media-Pflege; Korrespondenz, Datenbank, allgemeine Bürotätigkeiten und Büro-Weiterentwicklung.

Erwartet werden Vorkenntnisse zu Russland/Osteuropa sowie Interesse an politischen und sozialen Fragen in Europa; Interesse an der Arbeit von NGOs und der internationalen Zusammenarbeit; gute PC-Kenntnisse (Word, Excel, Power Point); sehr gute Deutsch- und Russisch- sowie möglichst Englisch-Kenntnisse, Ukrainisch-Kenntnisse von Vorteil; gute kommunikative Fähigkeiten und Offenheit; aktives und selbstständiges Arbeiten; Flexibilität und Freude an der Arbeit im Team. Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit und Pflege von Websites sind von Vorteil.

Das Praktikum wird betreut und mit 350,00 Euro monatlich vergütet. Es richtet sich ausschließlich an Studierende mit gültiger Immatrikulationsbescheinigung für den gesamten Zeitraum. Ein Praktikumszeugnis wird ausgestellt. Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung (1 PDF-Dokument) bis zum 11. Oktober 2019 per E-Mail an assistenz@austausch.org.

Umfassende Informationen zu Profil und Tätigkeit des DRA hier.