DRA Newsletter August/September 2017

 

Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

was sagen die wichtigsten deutschen Parteien in ihren Wahlprogrammen zu Osteuropa? Zum Teil recht wenig. Dabei kommt einer kompetenten Osteuropapolitik, die die Rechte und Interessen der Menschen stets im Auge behält, gerade heute entscheidende Bedeutung zu. Lesen Sie in diesem Newsletter die Kernaussagen der Parteien und unseren Kommentar zu dieser Frage.

Und: Bitte vormerken! Am 8. November lädt der DRA zum 22. Mal alle Interessierten zu den jährlichen „Herbstgesprächen“. Im Mittelpunkt steht dieses Mal die Frage, wie die demokratischen Institutionen in Mittel- und Osteuropa im Kontext erstarkender nationalistischer, autoritärer und rechtspopulistischer Diskurse geschützt werden können und was politische Bildung dazu heute leisten kann und muss.

Einen Beitrag zur Weiterentwicklung der politischen Jugendbildung und –partizipation leistet in der Ukraine, Russland, Georgien und teilweise Deutschland das DRA-Projekt „Mehr bewegen!“, über das wir dieses Mal erneut berichten. Weitere Beiträge gelten dem 25. Jubiläum unserer langjährigen Partnerorganisation NRO (DRA) St. Petersburg, unserer Beteiligung an der OSZE-Menschenrechtskonferenz, einem Öffentlichen Abend unseres Fußball-Projektes zur WM 2018 in Russland am 19. September und anderem mehr.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung!

Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

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Inhalt

1) Bundestagswahl: Was sagen die Parteien zu Osteuropa?

Der DRA hat eine Übersicht über die Osteuropa bezogenen Aussagen in den Wahlprogrammen der stärksten Parteien erstellt. Vielen Dank an Belinda Nüssel für die Recherche! 

2) Kommentar zur Bundestagswahl: Für eine Rückkehr zum ambitionierten Realismus in der Osteuropa-Politik – konkrete Angebote an die russische Bevölkerung notwendig

Mit der anstehenden Bundestagswahl wird auch erneut eine Entscheidung über die Osteuropa-Politik in der Bundesrepublik getroffen, und für die gemeinsame Zukunft in Europa ist das eine der bedeutsamsten Fragen überhaupt. Die vom DRA erstellte Übersicht über die auf Osteuropa bezogenen Aussagen in den Wahlprogrammen der stärksten Parteien (siehe oben) zeigt, dass dieser Teil der Außen- und Europapolitik nur einen ernüchternd und unangemessen geringen Platz in den langen Texten erhalten hat. Zugleich spiegeln viele dieser Aussagen Unsicherheit wider. Sie gilt der Frage, wie man aus den Anspannungen, die in den Beziehungen mit Russland seit der Annexion der Krim und dem Kriegsbeginn in der Ostukraine bestehen, heraus gelangen könnte, ohne dabei die Rechte und legitimen Interessen von Russlands Nachbarn, vor allem der Ukraine, zu verletzen.

Unter den heutigen Bedingungen der Präsidentschaft Vladimir Putins und des von ihm zusammengefügten oligarchischen und personalisierten Politik-, Wirtschafts-, Medien- und Militärsystems ist die Antwort leider recht schlicht: Man kann nicht heraus gelangen. Man muss die Zeit sinnvoll nutzen, bis die entscheidenden Personen oder/und die Politik im Lande wechseln. Konkret erfordert dies, täglich darauf hinzuarbeiten, dass einerseits die Konflikte nicht weiter eskalieren und dass andererseits möglichst viele Angebote an die Menschen in Russland bestehen, damit es zumindest auf dieser Ebene viele Begegnungen, Kontakte und Kenntnis voneinander gibt, bis eine nachfolgende Generation in der Politik ein anderes Verständnis von der Souveränität der Nachbarländer, von den Rechten der eigenen Bürger/innen und dem Wert internationaler Integration und Normen haben wird – nicht als Teil der Verhandlungsmasse im globalen Konkurrenzkampf, sondern als unverzichtbare humanitäre Grundlage von Gesellschaften.

Dies heißt auch für die Zeit nach dem 24. September: Eine Akzeptanz völkerrechtswidriger Schritte ist unzulässig und zerstört das Rechtssystem, und eine Politik, die es für gebrauchsfähigen Realismus hält, die Normverletzung zu legitimieren, schafft eine neue Realität, in der die Normen abgeschafft sind. Dies gilt für die Schritte der russischen Führung ab 2014 gegen die Ukraine wie für viele der sowjetischen Führung im 20. Jahrhundert. Es gilt freilich auch für viele auf Seiten der USA, beginnend schon gleich nach dem 2. Weltkrieg, und später der NATO. Während daher kein Anlass besteht, die Kritik an der Invasion der russischen Sicherheitskräfte abzuschwächen oder zu relativieren, gibt es zahlreiche Gründe, endlich auch mehr Selbstkritik an diversen westlichen Invasionen zu üben.

Bei der wünschenswerten Verbesserung der „Beziehungen zu Russland“ – wobei stets zu differenzieren ist zwischen der Regierung und verschiedenen Teilen der Bevölkerung – geht es nicht einfach, wie im Wahlkampf vielfach behauptet, um den Willen zum Frieden als Mittel zur Verhinderung eines – undenkbaren – neuen Krieges. Die Aufgabe liegt auch jetzt schon in der Überwindung eines realen Krieges. Und zu den Kernfragen gehört dabei nicht allein, wie die Ukraine die Souveränität über ihre Donbass-Gebiete wieder erhalten kann und wie dann genau eine Amnestie aussehen kann, die Versöhnung ermöglicht, ohne die Rechtsbelange zu zerstören. Sondern dazu gehört auch, ob Präsident Putin und seine Mitstreiter/innen tatsächlich dereinst eine Generalabsolution erhalten können und was dies hieße.

Die Außenpolitik der EU und der Bundesrepublik hat inzwischen noch zahlreiche Möglichkeiten, für die Annäherung zwischen den eigenen Bürger/innen und den Menschen in Russland tatsächlich etwas zu tun. Da sollte endlich die Visafreiheit durchgesetzt werden, die dringender denn je geworden ist, seit die russische Führung auf europäische Feindbilder setzt und die EU mit ihrem Visa-Informationssystem und obligatorischen Fingerabdrücken weitere Erschwernisse eingeführt hat. Da sollte der Besorgnis erregende Plan der EU gestoppt werden, zugunsten des neuen „European Solidarity Corps“ den Europäischen Freiwilligendienst (EVS) abzuschaffen, der Tausenden jungen Erwachsenen aus der EU bzw. osteuropäischen Nachbarländern wechselseitig tiefe Einblicke in die andere Gesellschaft ermöglicht und so oft lebenslange Verbundenheit gestiftet hat – die Ausschließung der Nicht-EU-Länder aus dem neuen Programm wird gewaltigen Schaden anrichten. Weiterhin – und sogar in erheblich größerem Umfang – besteht die Aufgabe, als echte politische Investition in die Zukunft die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit zwischen den EU-Ländern und den verschiedenen Gesellschaften im postsowjetischen Raum zu unterstützen – einschließlich einer vielfältigen (Wieder-)Vernetzung der osteuropäischen Gesellschaften, so wie es mit dem Förderprogramm des Auswärtigen Amtes begonnen worden ist, leider erst 2014, als die politischen Umstände diese Kooperation schon deutlich erschwert hatten. Eine künftige Osteuropa-Politik sollte ambitioniert, aktiv und stringent, doch realistisch, frei von Verklärung wie von Vereinfachung gestaltet werden, mit gleicher Aufmerksamkeit für kleinere wie größere Länder und mit bürgernaher Unterstützung auch für gefährdete Demokratien in der östlichen EU, die deutsche Osteuropa-Politik dabei obligatorisch integriert in die der anderen europäischen Länder – erst recht, wo diese fallweise der Bundesregierung eine Initiativrolle antragen.

Das in die Jahre gekommene Bild eines gemeinsamen europäischen Hauses bleibt unersetzlich – sofern es weiter dafür steht, die Grundsätze von Demokratie, Toleranz, Rechtssicherheit mit den Gedanken von Interesse, Austausch und Annäherung zu verbinden. Nicht zuletzt braucht es dafür in allen Ländern auch starke Akteure, und dies nicht nur in der Zivilgesellschaft, sondern in allen Sphären der Gesellschaft. Im neuen Bundestag sollten, nach dem Abschied vieler Abgeordneter, die sich jahrelang für die Beziehungen mit Osteuropa engagiert haben, ab dem Herbst entsprechende Interessen und Kompetenz zielgerichtet wieder verstärkt werden.

3) Vormerken! 8./9. November, Berlin: „Herbstgespräche“ zu Chancen und Grenzen politischer Bildung in Mittel- und Osteuropa im Umfeld von Nationalismen und Autoritarismus

Am 8. und 9. November veranstaltet der DRA e.V. zum 22. Mal die jährlichen „Herbstgespräche“. Das Thema der Tagung lautet dieses Mal: „Mehr Aufklärung – mehr Demokratie? Chancen und Grenzen politischer Bildung in Mittel- und Osteuropa“.

Am Mittwoch, dem 8. November, 14:30 – ca. 20.00 Uhr, findet dazu eine öffentliche Konferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin statt. Gefragt wird u. a.: Wie kann die europäische Zivilgesellschaft auf die wachsenden gesellschaftlichen Spannungen, auf Rechtspopulismus, nationalistische Diskurse und erstarkende autoritäre Staaten reagieren? Wie die demokratischen Institutionen schützen? Welche Formen und Methoden des politischen Wertediskurses benötigen wir, um das Zusammenleben in Einwanderungsgesellschaften zu gestalten? Welche Aufgaben und Instrumente bietet die politische Bildung dabei, und wie lässt sich verhindern, dass sie stets nur dieselben erreicht? Wie kann Medienkompetenz im Zeitalter von „FakeNews“ und „alternativen Fakten“ vermittelt werden? Diese und andere Fragen werden Vertreter/innen von NGOs, EU-Institutionen und Bildungseinrichtungen aus Deutschland, der Ukraine und Russland, Polen und Frankreich mit dem Publikum diskutieren. Im Anschluss erwartet die Teilnehmer/innen ein Empfang, bei dem sie die Gespräche in informeller Atmosphäre fortsetzen können.

Die Teilnahme ist kostenlos. Das Programm, weitere Informationen und den Link zur Anmeldung finden Sie in Kürze auf unserer Website www.austausch.org.

Am 9. November wird ferner ein engerer Kreis von Fachexpert/innen die Themen des Vortages aufgreifen und bei einem Runden Tisch speziell über die Chancen und Grenzen politischer Bildung in Ländern mit autoritären Regimen oder gefährdeten Demokratien diskutieren, um neue Wege, Lösungsansätze und Kooperationen herauszuarbeiten.

Unterstützt werden die „Herbstgespräche“ auch in diesem Jahr von der Heinrich-Böll-Stiftung, der ZEIT-Stiftung und der Evangelischen Akademie Berlin.

4) NRO St. Petersburg: „Herbstgespräche“ auch in Russland und Feier zum 25-jährigen Bestehen am 30. September

Erstmals findet – organisiert vom NRO (DRA) St. Petersburg – in diesem Jahr am 30. September auch in St. Petersburg eine "Herbstgespräche"-Konferenz statt. Anlass ist das 25-jährige Jubiläum des NRO, das am gleichen Abend gefeiert wird.

Unter dem Oberthema der Petersburger „Herbstgespräche“-Konferenz "Wie verändert sich Europa?" wird im Treffpunkt an der Kasanskaja 7 von 13-19 Uhr u.a. diskutiert, wie sich Verständnis und Praxis der multikulturellen Gesellschaft, der Diskurs zur europäischen Idee sowie die Zivilgesellschaft und der Bürgeraktivismus im europäischen Raum derzeit entwickeln. Dazu hat der NRO Diskutant/innen aus Deutschland, den Niederlanden, Polen, Ungarn, Belgien, Frankreich und weiteren europäischen Ländern eingeladen. Wer an der Konferenz teilnehmen oder auch bei der Jubiläumsfeier dabei sein möchte, schreibe bitte eine E-Mail an nro@obmen.org. Die Konferenz wird von der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert und vom Polnischen und Niederländischen Kulturinstitut in St. Petersburg unterstützt.

Der NRO wurde ebenso wie der DRA/Berlin 1992 gegründet, und zwar zunächst als dessen Filiale. Seit 1999 ist er eine unabhängige russische Organisation. Aus Berlin senden wir unsere Gratulation zum Jubiläum und unsere besten Wünsche für die Zukunft an die ständige Partnerorganisation, der wir freundschaftlich verbunden sind. Wir verdanken den Petersburger Kolleg/innen viel – und wissen, dass sie unter weit schwierigeren Bedingungen aktiv sind.

Der NRO und der DRA haben im Laufe der Jahre in zahlreichen Programmen und Projekten zusammengearbeitet, darunter bei der Freiwilligenvermittlung, im Schüleraustausch, im Bereich Umwelt und Klimaschutz, bei der mehrjährigen Seminarreihe EU Study Weeks. Der NRO wurde von Rudi Piwko (DRA) aus Berlin und vor Ort u.a. von Stefanie Schiffer und Frank Fabel aufgebaut. Geleitet wurde er später u.a. von Stephan Malerius, Hanno Gundert, Astrid Schorn und zuletzt von Aigul Sembaeva, die derzeit als Humboldt-Stipendiatin in Berlin ist.

Nach mehrjährigem Druck und ständigen Überprüfungen durch die Staatsanwaltschaft auf Basis des NGO-"Agentengesetzes“ beschloss die Mitgliedschaft des NRO 2016 die Auflösung als Vereinsstruktur. Der NRO arbeitet derzeit, wie zahlreiche NGOs in Russland, auf Basis einer formal kommerziellen Struktur weiterhin als Non-Profit-Organisation. Er bietet weiterhin u.a. Projekte (z.B. kürzlich „Comixs gegen Diskriminierung“), Bildungsformate (z.B. Sommerschule zu Freiheit und Bürgeraktivismus 2016) und Bildungsreisen nach Petersburg, Freiwilligen- und Schülervermittlung sowie Veranstaltungen zu zivilgesellschaftlichen und kulturellen Themen an. Die Leitung liegt seit 2016 in den Händen von Elena Belokurova, Politologin, langjähriges NRO-Vorstandsmitglied und Expertin für europäische Kooperation und Zivilgesellschaft. Sie ist zugleich Mitglied im Vorstand des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums (CSF) und Redaktionsleiterin von dessen "Bericht zur Lage der Zivilgesellschaft".

 

5) Bericht zur Rolle der Zivilgesellschaft bei Bearbeitung des Donbass-Konflikts: Präsentation am 15. September bei der OSZE in Warschau durch den DRA und die Civic Solidarity Plattform

Anfang September veröffentlichte  der DRA den Bericht „Stärkung des Einflusses der Zivilgesellschaft im Donbass“, der auf Englisch HIER, auf Russisch HIER abrufbar ist. Er bietet eine Bestandaufnahme zu ausgewählten Aspekten des zivilgesellschaftlichen Engagements hinsichtlich des Donbass-Konflikts sowie Empfehlungen von NGO-Vertreter/innen aus der Ukraine, Russland und anderen europäischen Ländern zur Stärkung der Rolle der Zivilgesellschaft im Prozess der Konfliktbearbeitung.

Der Bericht fußt auf den umfangreichen Ergebnissen des strategischen Seminars, das der DRA im Juni in Warschau im Rahmen seines Projekts „Dialog für Verständigung und Recht: Europäische NGOs gemeinsam für Konfliktbewältigung im Donbass“ organisierte – in Kooperation mit dem OSZE-weiten Menschenrechtsnetzwerk Civic Solidarity Platform (CSP) und mit Unterstützung des OSZE-Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte (engl.: ODIHR). Die Publikation thematisiert u.a. zwei sich überschneidende Herausforderungen, die das zivilgesellschaftliche Engagement zum Donbass-Konflikt prägen: zum einen die stetig wachsende Kluft zwischen den Zivilgesellschaften der Ukraine und Russlands, zum anderen die Schwierigkeiten bei der Interaktion von zwei unterschiedlichen Ansätzen – dem des Menschenrechtsschutzes, der die Re-Etablierung des Rechts an erster Stelle sieht, und dem der Friedensarbeit, die auf eine breite Einbeziehung aller Konfliktseiten in Dialogformate setzt, eingeschlossen die Täter. Die präsentierten Schlussfolgerungen bestätigen die Notwendigkeit einer stärkeren NGO-Kooperation zur Konfliktbewältigung im Donbass-Konflikt im europäischen Format und tragen zur Entwicklung einer gemeinsamen zivilgesellschaftlichen Strategie bei.

Öffentlich vorgestellt wurde der Bericht am 15. September bei einem Side-Event zur weltgrößten Menschenrechtskonferenz HDIM in Warschau (11.-22.9.). Die Veranstaltung mit dem Titel „Stärkung des zivilgesellschaftlichen Einflusses bei der Konfliktbewältigung im Donbass-“ wurde vom DRA ebenfalls in Kooperation mit der CSP und mit Unterstützung von ODIHR sowie des französischen und deutschen Außenministeriums organisiert.

6) Donnerstag, 21.9., 18.30 Uhr, in Berlin: „Mehr bewegen!“ - Podiumsdiskussion zu Jugendbildung in Osteuropa – M18-Workshops in Georgien, neue Website

Das Team des großen DRA-Projekts „Mehr bewegen!“ lädt sehr herzlich zu einer Podiumsdiskussion am 21. September, 18:30 Uhr, in der Landeszentrale für politische Bildung (Hardenbergstraße 22-24) ein. Unter dem Titel „Interesse oder Verdrossenheit? – Politische Jugendbildung in Mittel- und Osteuropa“ werden Expert/innen aus Deutschland, Russland, Georgien und der Ukraine Jugendwahlen als Instrument der politischen Bildung diskutieren und aktuelle Formen der Jugendbeteiligung in ihren Ländern analysieren. Wir freuen uns auf Ihr Kommen! (Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich; die Veranstaltung wird gedolmetscht).

Am 22./23. September folgt das zweite Arbeitstreffen der Expert/innen, die im Rahmen des Projekts ein mehrsprachiges Handbuch zur non-formalen zivilgesellschaftlichen Jugendbildung erstellen. Im November wird das Handbuch zum ersten Mal einem breiteren Publikum präsentiert.

In Tbilissi und Kutaissi leitete unsere Projektpartnerin in Georgien, Inga Paichadze (SIQA-Landesverband georgischer Bildungsinitiativen) zusammen mit Nora Korte (DRA) Anfang September je einen Workshop für künftige Koordinator/innen des Projekts „Mehr bewegen!“ Sie werden Anfang Oktober zusammen mit Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Regionen Georgiens M18-Wahlen (M18: „Mensche 18“, deutsch: „Unter 18“) durchführen.

Ab September wird sich das Projekt außerdem mit seinem neuen Logo und einer überarbeiteten Internetseite präsentieren. Wir laden herzlich dazu ein, HIER mehr über unsere Arbeit zu erfahren oder Kontakt mit uns aufzunehmen. "Mehr bewegen!" wird vom Auswärtigen Amt, von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin gefördert.

 

7) Studienreise nach Deutschland zu Fundraising für NGO-Multiplikator/innen aus Belarus und Russland

Eine Bildungsreise nach Deutschland für NGO-Mitarbeiter/innen aus Osteuropa steht auch in diesem Jahr auf dem Programm des Projekts „Independent Resources for Civil Society!“ (Förderung: Auswärtiges Amt), das der DRA zusammen mit dem CRNO aus St. Petersburg und der NGO „Soziale Projekte“ aus Gomel durchführt.

Die Fahrt ist Teil eine Projektmoduls zur Schulung von NGO-Multiplikator/innen, die ihre vertieften Kenntnisse zu Fundraising-Möglichkeiten, Projektmanagement und anderem mehr anschließend mit Fortbildungen und Beratungen an NGOs und Bürgerinitiativen in ihren Heimatregionen weitergeben werden. Die aus Russland und dieses Mal auch aus Belarus stammenden Teilnehmerinnen haben sich bereits im Mai auf der vom CRNO in St. Petersburg veranstalteten Konferenz „Weiße Nächte des Fundraisings“ kennen gelernt und im Juli ein Seminar in der Nähe von Gomel (Belarus) sowie darüber hinaus zwei Webinare absolviert.

In Berlin und Hamburg werden sie Ende Oktober ihre gemeinsame Beschäftigung mit dem Schwerpunktthema „Fundraising für NGOs und Bürgerinitiativen in Russland und Belarus“ fortsetzen, entsprechende Workshops besuchen und die Arbeitsweisen deutscher NGOs kennen lernen. Darüber hinaus werden sie die Ergebnisse erster eigener Ansätze und strukturelle Unterschiede zwischen Russland und Belarus diskutieren. Noch in diesem Jahr werden in einem Abschluss-Webinar die erarbeiteten Ergebnisse zusammengeführt und Pläne für die Zukunft über den Projektzeitraum hinaus entworfen.

Wir sind schon jetzt gespannt darauf, welche Beiträge zur Professionalisierung der lokalen zivilgesellschaftlichen Akteure in Russland und Belarus die Schulung ermöglichen wird. Wer sich ebenso für den Inhalt des Programms begeistern kann und den DRA bei der Durchführung der Bildungsreise unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf betterplace.org tun. Vielen Dank im Voraus!

 

8) Dmitrij Travin und Robert Kindler sprachen über autoritäre Modernisierung in Russland – weitere Veranstaltung am 5.10. mit Leiter des GULAG-Museums Moskau

Was ist autoritäre Modernisierung? Was bedeutet sie für die Gesellschaft, für Bürgerinnen und Bürger? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Sowjetunion und dem heutigen Russland in den Versuchen, das Land zu entwickeln? Diesen Fragen gingen der Historiker Robert Kindler (Humboldt Universität zu Berlin) und der Wirtschaftswissenschaftler Dmitrij Travin (Europäische Universität Sankt-Petersburg) am 13. September 2017 in Berlin nach. Die Diskussion fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Oktoberrevolution und ihre Folgen: Rückblicke auf die Gegenwart“ statt, die von der AG Geschichte des DRA organisiert und von der Stiftung Aufarbeitung gefördert wird.

Kindler und Travin waren sich einig in der Feststellung, dass der Begriff der Modernisierung nicht einfach zu fassen ist. Der Wirtschaftswissenschaftler Travin hob die mörderische Kehrseite von Stalins Modernisierungsversuchen hervor, die Millionen Menschen das Leben kostete sowie und einen Großteil der Reformen in den 1990er Jahren nötig machten. Auch Robert Kindler betonte, dass die sowjetische Modernisierung trotz gewisser Errungenschaften – wie einem höheren Bildungsniveau und gestiegener Industrialisierung –, insgesamt zu hohe Kosten verursachte, wie dem Verlust traditioneller Eliten, Repressionen und der Forderung von absoluter Loyalität gegenüber dem Staat.

Aufgrund des Sieges der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg und individueller wie kollektiver Erinnerungen an viele Industrieanlagen und Betriebe aus der Sowjetzeit, die im gesellschaftlichen Gedächtnis sehr eng mit Stalin verbunden seien, werde Stalin von der russischen Gesellschaft noch immer sehr positiv bewertet, sagte Kindler.

Beide Experten waren sich daher einig, dass die Modernisierungsbemühungen im heutigen Russland einen autoritären Charakter hätten wie einst die sowjetischen. Dmitrij Travin stellte die These auf, dass die Regierung und der Präsident in die Entwicklung der Sicherheitskräfte investierten, da dort schnelle Ergebnisse zu erzielen seien – und sie zudem als Machtressource dienten. Dringend benötigte Bildungsinvestitionen würden hingegen vernachlässigt. Auch Robert Kindler unterstrich, dass die autoritäre Modernisierung in Russland nicht an tatsächlicher wirtschaftlicher Entwicklung ausgerichtet werde, sondern dem politischen Machterhalt und der unmittelbaren gesellschaftlichen Stabilisierung diene.

Travin und Kindler prognostizierten dementsprechend wenig positive Aussichten für Russland. Erst mit dem Rechtsstaat würden Wirtschaftswachstum und nachhaltige Modernisierung möglich. Travin sagte daher für die kommende Zeit weitere wirtschaftliche Stagnation, eine verschärfte autoritäre Politik sowie die anhaltende Auswanderung hochqualifizierter Fachkräfte aus Russland vorher. Details zur Diskussion und den Argumenten finden Sie HIER.

Die nächste Veranstaltung der AG Geschichte findet am 5. Oktober 2017, 19 Uhr, statt, im Robert-Havemann-Saal im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin statt. Thema ist dann die heutige Erinnerung an die Stalinistischen Repressionen in Russland, Gast ist der Leiter des staatlichen GULAG-Museums Moskau, Roman Romanov.

9) Bis zum 27. September bewerben: “EVS Level Up“ – Schulung zur Arbeit im Europäischen Freiwilligendienst

Die österreichische Jugendorganisation GEMMA verwirklicht vom 25. November bis 2. Dezember 2017 in Velden am Wörthersee (Österreich) in Kooperation mit dem DRA und 9 weiteren europäischen Organisationen das Training „EVS Level Up“ zur Arbeit im Europäischen Freiwilligendienst (EVS). Dafür sucht der DRA als Entsendeorganisation drei Koordinator/innen des EVS bzw. Aktive aus der Freiwilligenarbeit, die von der Expertise anderer Koordinator/innen aus verschiedenen länderspezifischen Kontexten profitieren möchten. 30 Teilnehmer/innen aus Deutschland, Österreich, Bulgarien, Tschechien, Zypern, Estland, Ungarn, Italien, Litauen, Spanien und Polen werden sich bei dem Training mit Hilfe interkultureller und non-formeller Arbeitspraktiken mit der Frage befassen, was der EVS zur sozialen Partizipation in unseren Gesellschaften beitragen kann. Weitere Themen der Schulung sind: Rechte und Pflichten von Freiwilligen und Organisationen, Konfliktmanagement und Kommunikation zwischen den beteiligten Organisationen innerhalb des EVS. Die Arbeitssprache ist Englisch.  Die Übernachtung im Hostel, drei Mahlzeiten am Tag sowie eine Reiseerstattung von maximal 275 Euro werden übernommen. Die Teilnahmegebühr beträgt 70 Euro. Die Anforderungen sind: gutes Englisch, Interesse an der Freiwilligenarbeit, Erfahrung als Koordinator/in bzw. Teilnehmer/in im Europäischen Freiwilligendienst und die aktive Mitarbeit während der Schulung (8 Std./Tag).

Bewerbungen sind bis zum 20. September auf Englisch über dieses Formular möglich. Das Programm der Schulung ist hier abrufbar. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Philine Bickhardt.

Das Projekt wird im Rahmen des EU-Programms Erasmus+ als Mobilitätsmaßnahme für Fachkräfte der Jugendarbeit finanziert.

10) Vor der Fussball-WM in Russland 2018: Medienmonitoring und Seminar zu Fankultur in Osteuropa mit öffentlichem Abend am 19. September; neue Website www.fankurve-ost.de

Vom 14.-21. September begrüßt das Team des DRA-Projekts "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft – WM 2018 in Russland" erneut 15 Teilnehmer/innen aus Russland, der Ukraine und Belarus zu einem Seminar in Berlin. Wie in den vergangenen drei Jahren erhalten die Gäste aus Osteuropa Gelegenheit, anhand der deutschen Fußball-Fankultur und ihrer zahlreichen Akteure eine Offene Gesellschaft kennen zu lernen und zu erleben.

Ein fester Programmpunkt ist auch der „Offene Abend“ im Fanprojekt Berlin: Am 19. September werden die Teilnehmer/innen hier zur Situation in ihren Heimatländern im Hinblick auf die Fußball-WM 2018 in Russland berichten. Zu der Veranstaltung sind alle Interessierten herzlich eingeladen (Fanprojekt Berlin, Ludwig-Jahn-Sportpark, Berlin-Prenzlauer Berg; 18 Uhr) (Anmeldung HIER; die Veranstaltung wird gedolmetscht).

Das vielfältige Programm umfasst außerdem u.a. Treffen mit Vertreter/innen der Polizei, die für die Sicherheit rund um die Bundesligapartien in Berlin verantwortlich sind, und mit engagierten Fans des Berliner Bundesligisten Hertha BSC. Vorgesehen ist auch ein Vortrag von Robert Claus von der KoFas (Kompetenzgruppe Fangruppen & Sport Bezogene Soziale Arbeit), die zahlreiche Bundesligavereine und die DFL (Deutsche Fußball Liga) berät. Und da zu so einem Seminar unbedingt auch das Stadionerlebnis gehört, geht es auch zu zwei Bundesligapartien: Am 16. September sind die Seminarteilnehmer/innen von RB Leipzig zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach eingeladen, und am 21. September sind sie Gäste von Hertha BSC beim Spiel gegen Bayer Leverkusen.

in Kürze geht auch die Internetseite des Projekts online! Unter der Adresse "fankurve-ost.de" werden dort nicht nur Informationen zum Projekt und aktuelle Termine zu finden sein, sondern auch Texte von Seminarteilnehmer/innen zur Fußball-WM in Russland 2018. Das Herzstück der Internetseite bildet jedoch das Medien-Monitoring, das lesenswerte Artikel aus Belarus, der Ukraine und Russland zur Fußball-WM 2018 und zur Situation der Gesellschaften in Bezug auf den Fußball in deutscher Übersetzung zusammenstellt. Dazu kommen ergänzend die interessantesten Beiträge aus deutschsprachigen Medien zum Thema. Das Medien-Monitoring geht auch als Newsletter an Redaktionen, Verbände und weitere Interessierte und wird ein differenziertes Bild über die gesellschaftspolitischen Themen, Fan-Diskurse und weitere Hintergründe rund um die WM in Russland vermitteln. Der Newsletter wird auf „fankurve-ost.de“ zu bestellen sein.

Die Organisatoren des Seminars danken an dieser Stelle allen Referent/innen, Gesprächspartner/innen sowie den beiden Bundesligaklubs Hertha BSC und RB Leipzig für deren Hilfe und Unterstützung. Besonderer Dank gilt dem Fanprojekt Berlin, der das Seminar seit Jahren unterstützt, und dem Auswärtigen Amt für die finanzielle Förderung.

11) Umweltschutz im urbanen Raum: Workshop beim Forum „Europe Lab 2017“, Rundtischgespräch in Moskau

Das Team des DRA-Programms „Umwelt- und Klimaschutz in Osteuropa“ (Förderung: Brot für die Welt) führte vom 27.-30. Juli in Danzig gemeinsam mit Kolleginnen vom Russisch-Deutschen Büro für Umweltinformation (RNEI) und der internationalen Klimaschutzorganisation 350.org den Workshop „Urban Space: Get ready for Climate Change“ („Städtischer Raum: Zeit für Klimawandel“) durch. Die Veranstaltung gehörte zum Programmangebot des Europe Lab 2017. Dieses Forum für Nachwuchskräfte wird von dem noch bis Ende des Jahres beim DRA angesiedelten EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) in Kooperation mit zahlreichen Partnern organisiert (Förderung: EU).

15 Teilnehmer/innen aus Russland, der Ukraine, Polen und Deutschland präsentierten und diskutierten in dem Workshop effektive Methoden, positive und negative Erfahrungen aus der Praxis sowie neue Ideen zu Umwelt- und Klimaschutzaktivitäten im städtischen Raum. Dazu kamen Übungen zum Aufbau einer Projektstrategie und der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Eingefügt wurden auch kurze Expertenbeiträge. So sprach Judith Kiss (DRA) zu intersektoralen Stadtentwicklungsprojekten in Berlin und Budapest, Angelina Davydova (RNEI) zu Kriterien nachhaltiger Stadtentwicklung, Svetlana Romanko (350.org) zu Projekten aktiver Bürger/innen für nachhaltige Stadtentwicklung in der Ukraine und Georgien. Einige Beteiligte stellten außerdem aktuelle Projekte vor mit dem Ziel, neue Kooperationspartner zu finden. Als Ergebnis konzipierten die Teilnehmer/innen Projektideen unter anderem zu den Themen Monitoring der Luftqualität (Tscheljabinsk), Ökotourismus (Altai-Gebiet) und grüne Stadtentwicklung (Kiew, Berlin, St. Petersburg).

Im Rahmen des DRA-Umwelt- und Klimaprogramms organisierte das RNEI ferner gemeinsam mit dem Climate Action Network Eastern Europe, Caucasus and Central Asia ein Rundtischgespräch beim „Klimaforum der Städte Russlands“, das am 21./22. August in Moskau stattfand. Das von Angelina Davydova (RNEI) moderierte Treffen ermöglichte zivilgesellschaftlichen Expert/innen aus Russland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan, sich über Aktivitäten von Umweltschützer/innen in Städten Russlands, der Ukraine und weiterer Länder in Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien auszutauschen. Sie sprachen außerdem über die Bedeutung urbaner Räume im globalen Kampf gegen den Klimawandel und über erfolgreiche Klimaschutzentscheidungen auf internationaler und regionaler Ebene. Angelina Davydova absolvierte im August noch weitere öffentliche Auftritte zu Umweltschutzfragen, so am 20. August beim Festival „Lebendige Straßen“ in St. Petersburg mit einem Vortrag dazu, was eine Stadt „grün“ und „ökologisch“ macht und was die Einwohner/innen dazu beitragen können, und am 27. August beim Festival „Ökologie. Ganz einfach“ im Moskauer Sokolniki-Park, wo sie die drängendsten Umweltprobleme der städtischen Ballungsräume Russlands benannte und Lösungsmöglichkeiten unter zivilgesellschaftlicher Beteiligung aufzeigte.

12) Erfahrungsaustausch in Georgien: NGOs aus vier Konfliktregionen besprachen Strategien zur Integration von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen

In dem Projekt „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“, das der DRA in Kooperation mit Partnern aus mehreren Ländern umsetzt (Förderung: Auswärtiges Amt), fand vom 24.-31. Juli eine zweite Hospitationsreise zum Thema „Integration von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen” statt. Dabei fuhren 20 Vertreter/innen von NGOs aus vier Konfliktregionen (Ukraine, Armenien, Georgien, russischer Nordkaukasus) dieses Mal nach Georgien, um vor Ort praktizierte Ansätze und Methoden kennen zu lernen. Insgesamt besuchten sie 10 NGOs in Kutaissi, Batumi, Poti, Tbilissi und Zugdidi und sprachen mit den georgischen Kolleg/innen über die Unterstützung von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen bei der Neuorientierung in der Aufnahmegesellschaft, über Formen der Dialogarbeit u.a.m.

Eindrücke vom Treffen mit der Organisation „Lasika“ in der Hafenstadt Poti, die sich für Binnenvertriebene aus Abchasien einsetzt, gibt ein Fernsehbeitrag des georgischen Lokalsenders „Die neunte Welle“. Die Leiterin des Projekts, Maria Slesazeck (DRA), die georgische Teilnehmerin Christine Kilanava von der NGO „Imedi“ und die Vertreterin des ukrainischen Hauptpartners des Projekts „Kraina Viljnih ljudej“, Nadezhda Homenko, äußern sich hier zu den Zielen der Hospitationsreise und schildern ihre Eindrücke (Sprachen des Beitrags: Georgisch, Russisch). Den Fernsehbeitrag und weitere Informationen zu den Hospitationsreisen finden Sie auf der Projektwebseite.

Die erste Hospitationsreise im Projekt zum selben Thema hatte im Mai in die Ukraine geführt, und noch im September wird die dritte und letzte Studienfahrt nach Armenien stattfinden. Auch dort werden die teilnehmenden Aktivist/innen die Arbeit von NGOs zur Integration von Binnenvertriebenen und Geflüchteten kennen lernen und zukünftige gemeinsame Projektinitiativen besprechen.

13) Städtepartnerschaft Berlin-Moskau: Jugend tanzt!

Sechs junge Tänzer/innen aus Moskau kamen im Juli auf Einladung des DRA und des Kinderrings Berlin e.V. nach Berlin, wo sie gemeinsam mit deutschen Jugendlichen eine deutsch-russische Tanzperformance erarbeiteten. Eine Woche lang tanzte, kochte und lachte die Gruppe zusammen und bereitete sich auf ihre Auftritte beim Festival „Wir – МИР“ (МИР: sprich „mir“, russ. „Frieden“) vor, das von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch zum Abschluss des Deutsch-Russischen Jugendaustauschjahres 2016/17 vom 13.-15. Juli in Berlin veranstaltet wurde.

Die vom DRA initiierte und koordinierte Begegnung wurde im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau durchgeführt.

 

14) Ausstellung zu „Different Wars“ wird nun auch in Brüssel gezeigt

Am 6. September wurde in Räumen des Europäischen Ausschusses der Regionen (Rue Belliard/Belliardstraat 101, 1040 Bruxelles/Brussel) die Ausstellung „Different Wars: National School Textbooks on WW II“ eröffnet. Die vergleichende Schau zu Darstellungen des Zweiten Weltkriegs in Schulbüchern aus Russland, Deutschland, Italien, Litauen, Polen und Tschechien wurde von der Arbeitsgruppe „Historisches Gedächtnis und Bildung“ des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums (CSF) gestaltet (Ausstellungskoordination: Kristina Smolijaninovaite). Die Schau war bisher u. a. in Straßburg, Prag, Münster, Mailand, Vilnius, Moskau, Perm und St. Petersburg zu sehen. An der AG ist auch der DRA beteiligt.

15) Porträtserie zum 25-jährigen Jubiläum des DRA – Wir stellen frühere und heutige Mitarbeiter/innen vor! Diesmal: Roman Elsner

„Mehr bewegen! - Förderung der Jugendbeteiligung in den Regionen der Ukraine, Russlands und Georgiens" heißt das DRA-Programm, das Roman Elsner leitet. Dabei geht es um vielfältige Formen der Partizipation und politischen Bildung für Kinder und Jugendliche in den drei Ländern und teilweise in Deutschland, darunter nicht zuletzt das Modell „Jugendwahlen“. Das Thema liegt Roman am Herzen: Schon das auf die Ukraine begrenzte Vorgängerprojekt hat er nicht nur betreut, sondern 2014 auch maßgeblich weiterentwickelt.

„‘Mehr bewegen!‘ passt als Titel zum Projekt, aber es passt auch gut zum DRA insgesamt“, meint der Projektleiter, der den Verein erstmals 2007 als Praktikant bei der Erstellung eines „Deutsch-Russischen Handbuchs zum Berufseinstieg“ kennen lernte. Das war gleich nach seinem Studienabschluss in Politikwissenschaft, Neuerer Geschichte und Russistik an der Universität Potsdam. Bis zum Frühsommer 2009 ging er dann als Sprachassistent des Goethe-Instituts an die Staatliche Pädagogische Universität Wolgograd. Dort sowie an der Wolgograder Akademie für Staatsdienst übernahm Roman auch Lehrveranstaltungen zu Geschichte, Politik und Landeskunde Deutschlands. „Die zwei Monate beim DRA waren mein erstes Praktikum bei einer NGO“, erzählt er. „Dabei habe ich Impulse für einen kritischeren Blick auf die offizielle russische Politik bekommen, der sich durch meinen Aufenthalt im Land noch einmal geschärft hat. Ich habe verstanden, warum der DRA bestimmte Problemfelder anspricht – wie Autoritarismus, Militarismus, Demokratiefeindlichkeit, den Umgang mit Geschichte und Minderheiten.“

Noch 2009 wurde Roman Honorarkraft und 2010 fester Mitarbeiter des DRA-Projekts „Professija.de“, dessen Zielgruppe russischsprachige Zuwanderer in Deutschland waren. Mit großem Engagement und in unzähligen Einzelberatungen unterstützte er Kleinunternehmer/innen in Leipzig, Rostock und Potsdam dabei, mit anderen Unternehmer/innen, mit Institutionen und Gremien in den Städten in Kontakt zu kommen, sich für Ausbildungsfragen zu wappnen. Seit 2011 ist Roman verantwortlich für die Bildungsreisen nach Deutschland, die der Verein für Fachkräfte aus Osteuropa organisiert, sowie für familien- und jugendpolitische Austauschmaßnahmen, die der DRA für den Berliner Senat im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin–Moskau verwirklicht - im steten Kontakt mit zahlreichen Berliner Jugend- und Fachorganisationen und mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband an der Seite.

Zum Projekt „Mehr bewegen!“, an dem als Koordinatorinnen auch Irina Bukharkina und Nora Korte beteiligt sind, betont Roman: „Dass Kindern und Jugendlichen nicht vorgegebene Meinungen eingebläut werden sollen und dass sie statt dessen lernen, eigene Standpunkte zu entwickeln, fair zu diskutieren und sich ohne Angst einzubringen – das ist extrem wichtig für Heranwachsende in jeder Gesellschaft und für die Gesellschaft insgesamt.“ Aber auch dass diese Arbeit engagierte Menschen aus der Ukraine, Russland und Georgien zusammenbringt, hebt er hervor, denn auch so lasse sich zum Abbau von Spannungen beitragen. Was ihm am DRA besonders gefällt, resümiert Roman so: „Anders als manche Akteure aus der ‚Russland-Community‘ in Deutschland redet der DRA nichts schön. Probleme bemüht er sich zu benennen – versucht aber auch, in internationaler Zusammenarbeit Teil der Lösung zu sein. Damit kann ich mich gut identifizieren.“