DRA Newsletter August 2008


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Zum Krieg zwischen Georgien und Russland

Der DRA ist tief betroffen vom Krieg zwischen Georgien und Russland und der überstürzten Aufkündigung mühsam aufgebauter Kooperationsmechanismen zwischen Russland und den westlichen Bündnissen. Die Gewalt ist Folge der persönlichen Kompromissunfähigkeit führender Politiker und des Festhaltens an unannehmbaren Mustern aus dem Kalten Krieg, die die Durchsetzung von Machtpositionen höher stellen als das Leben von Menschen. Der Angriff durch Georgien und die anschließenden militärischen Auseinandersetzungen, für deren Vorbereitung beide Seiten Verantwortung tragen, bedeuten ein dramatisches Versagen von politischer Vernunft und humanitärem Selbstverständnis. Der DRA kritisiert die rigide Abkehr Russlands von wichtigen Foren der internationalen Diplomatie. Auch die Anerkennung der Unabhängigkeit von Südossetien und Abchasien durch Russland ist ein falsches, weil provozierendes Signal in einer Situation, in der es dringend der Deeskalation und Dialogbereitschaft aller Beteiligten bedarf. Die westliche Staatengemeinschaft ist aufgerufen, kritisch zu reflektieren, wo eigene Entscheidungen in Bezug auf das Kosovo und versäumte Chancen, tatsächlich ein gemeinsames Sicherheitssystem mit Russland zu entwickeln, zur Zuspitzung beigetragen haben. Dies darf die russische Führung jedoch nicht dazu missbrauchen, um widerrechtlich militärische, personelle oder territoriale Ansprüche gegen andere Staaten durchzusetzen.
Vorrang vor allen Debatten über staatliche Souveränität, Autonomie und Integration muss das Ziel haben, im Kaukasus ein friedliches und tolerantes Zusammenleben zu ermöglichen. Den einzigen Weg zur langfristigen Überwindung der ethnischen und politischen Barrieren sieht der DRA in der Entwicklung weltoffener, rechtsstaatlicher Bürgergesellschaften, für die Multikulturalität eine Selbstverständlichkeit ist und die stark genug sind, egozentrische Gewaltpolitik auch ihrer eigenen Eliten zu verhindern. Für diese Perspektive steht der DRA mit seiner partnerschaftlichen Projektarbeit in zahlreichen Regionen Russlands, darunter in Nordossetien, auch künftig ein. Wir rufen alle dazu auf, bei der weiteren direkten Annäherung der Menschen mitzuhelfen – denn langfristig führt nur sie zu stabilen, freundschaftlichen, gleichberechtigten und demokratischen Beziehungen auch auf der Ebene der Regierungen.

2) 15.9.: Podiumsdiskussion in Berlin zur Lage im Nordkaukasus

Der Krieg um Südossetien hat erneut die Labilität der Kaukasusregion vor Augen geführt. Auch die nordkaukasischen Republiken innerhalb Russlands sind von einer friedlichen und demokratischen Entwicklung noch weit entfernt. Die aktuelle politische und soziale Situation und die Perspektiven dieser Region, zu der u.a. die Republiken Tschetschenien, Nordossetien und Inguschetien gehören, sind Thema einer Podiumsdiskussion, die der DRA in Kooperation mit Amnesty International und der Stiftung Haus der Demokratie veranstaltet. Die Frage „Stabilisierung durch zivilgesellschaftliche Kooperation im Nordkaukasus?“ wird dabei im Mittelpunkt stehen. Teilnehmen werden Peter Franck (Amnesty International), Reinhard Weißhuhn (Referent der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne für Außenpolitik und Ostmitteleuropa) und Oleg Orlov (Memorial Moskau, angefragt). Die Diskussion findet am 15. September um 19 Uhr im Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin statt (Greifswalder Straße 4). Dort ist auch noch bis zum 19. September die Fotoausstellung des DRA zum Nordkaukasus „Zwischen Wiederaufbau und Kriegserbe“ zu sehen; die Aufnahmen stammen von Günter Nooke, dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, und Reinhard Weißhuhn.

3) DRA berät Regierung Udmurtiens

In der westlich des Urals gelegenen russischen Teilrepublik Udmurtien wird der DRA Berlin die Regierung künftig bei der Entwicklung der Freiwilligenarbeit beraten. Dies hat der Verein mit dem zuständigen Staatlichen Komitee für Jugendangelegenheiten von Udmurtien im Juli in der Hauptstadt Ischewsk vereinbart. Vorgesehen sind u.a. die Einrichtung geregelter Freiwilligendienste in Anlehnung an das Freiwillige Soziale bzw. Ökologische Jahr in Deutschland, der Aufbau einer Freiwilligenagentur für soziale Organisationen in Ischewsk, deren internationale Vernetzung sowie ein jährlicher Austausch von Freiwilligen zwischen Deutschland und Udmurtien. Das Jugendkomitee Udmurtiens will die Freiwilligenarbeit im Sozial-, Gesundheits- und Jugendbereich künftig auch finanziell unterstützen. Darüber hinaus sollen für den Austausch mit Deutschland in beiden Ländern Unternehmensstipendien eingeworben werden. Bereits begonnen wurde mit der Ausarbeitung juristischer Grundlagen für den gesamten Bereich des bürgerschaftlichen Engagements in Udmurtien. Nach Ischewsk waren für den DRA der Geschäftsführer Stefan Melle und der Mitarbeiter Holger Löbell gereist. Die gemeinsam mit Vertreter_innen weiterer Berliner Organisationen unternommene Fahrt erfolgte im Rahmen eines deutsch-udmurtischen Fachkräfteaustauschs zu Fragen der Jugendhilfe, den der Berliner Paritätische Wohlfahrtsverband bereits seit zehn Jahren organisiert.

4) Bewerbung für DRA-Schüleraustausch 2009 ab sofort möglich

Nach erfolgreichen Anfängen geht das DRA-Schüleraustauschprogramm in sein zweites Jahr. Schüler_innen, die im Zeitraum April-Mai 2009 ein drei- bis vierwöchiges Sozialpraktikum in St. Petersburg oder Umgebung absolvieren möchten, können sich dafür bis zum 30. November 2008 bewerben. Wer am dreimonatigen Austausch mit Schulbesuch von September bis November 2009 teilnehmen möchte, muss die Unterlagen bis zum 31. Januar 2009 eingereicht haben. Die Bewerbung kann per E-Mail oder per Post erfolgen. Sie sollte ein Motivationsschreiben sowie einen Lebenslauf mit Foto umfassen. Die Vermittlung der Praktika und Schulbesuche in Russland ist kostenpflichtig. Weitere Informationen unter www.austausch.org/schueleraustausch.

5) Die Ostsee bewegen! Umwelt- und Filmfestival in Petersburg

Durch Kulturerlebnisse und offene Debatten die junge Generation für Umweltfragen zu gewinnen – dieses Ziel hatte sich das internationale Festival „Moving Baltic Sea“ vom 22.-24. August in Petersburg gesetzt. Der DRA St. Petersburg, die Umweltschutzorganisation „Keep St. Petersburg Tidy“ und der Berliner Filmverein Moviemiento organisierten dafür ein facettenreiches Programm. Fast 1.000 Gäste sahen u.a. Kurzfilme zu den Themen „Nachdenken über das Wasser“ und „Nuancen in Grün“ und beteiligten sich an Seminaren und Trainings zu Umweltfragen, aber auch in den Bereichen Literatur und Bildende Kunst. Beim Abschlusskonzert spielte die auch in Deutschland bekannte Rockband MarkscheiderKunst. Parallel zu den Veranstaltungen entstanden die Beiträge zu dem weiteren Kurzfilmwettbewerb „Ein Film in 48 Stunden“. Mit dem Festival in Petersburg endete eine sechswöchige Segelschifftour von KünstlerInnen und UmweltschützerInnen, die zuvor auch in den Ostseestädten Rostock, Danzig, Kaliningrad, Riga und Narva angelegt und zusammen mit dortigen Organisatoren ähnliche Festivals auf die Beine gestellt hatten. Das Projekt wurde von der EU-Kommission sowie in St. Petersburg vom Jugenddezernat der Stadt gefördert (http://obmen.org/culture/mbs, www.movingbalticsea.org; www.lovis.de).

6) StipendiatInnen der Dönhöff-Stiftung in Berlin

Seit Juli 2008 und bis zum Januar 2009 betreut der DRA erneut vier Stipendiat_innen der Marion-Dönhoff-Stiftung während ihres halbjährigen Freiwilligendienstes in Berlin. Die Programmteilnehmer_innen wurden aus über 80 Bewerber_innen ausgewählt und kommen dieses Mal aus Russland und Belarus. Alle vier sind seit vielen Jahren ehrenamtlich aktiv. Anna Pitschugina aus Tomsk wirkt in Berlin in der Russland-Koordinationsgruppe von Amnesty International mit, Alexander Klimowskich aus Ischewsk beim Kinder- und Jugendzentrum der Caritas „Magdalena“. Lija Lutsenko aus Kasan absolviert ihren Dienst bei der Naturschutzjugend (NAJU) im Naturschutzbund Deutschland e.V., Ludmila Asipienka aus Minsk arbeitet bei der Vereinigung belorussischer Studenten Lahoda e.V. und beim DRA selbst. Die Marion-Dönhoff-Stiftung ermöglicht es dem DRA, die Freiwilligen intensiv zu betreuen. Dies schließt ein umfangreiches Programm zur politischen Bildung ein, in das die Stipendiat_innen auch eigene Vorstellungen einbringen können und sollen.