DRA Newsletter April 2019

Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

am 21. April hat in der Ukraine in der Stichwahl um das Präsidentenamt mit dem Schauspieler und TV-Produzenten Wolodymyr Selenskyi ein Mann ohne jegliche politische Erfahrung haushoch gesiegt. Was bedeutet dieser Wahlausgang für das kriegs- und krisengeplagte Land? Welche Aufgaben stehen vor der ukrainischen Zivilgesellschaft, und welche außenpolitischen Impulse sollte die EU im Hinblick auf die Ukraine jetzt setzen?

Lesen Sie dazu unseren Kommentar in diesem Newsletter. Erfahren Sie auch, wen 13.000 ukrainische Kinder und Jugendliche bei simulierten Wahlen im Rahmen unseres Projekts „Mitwirkung gestalten!“ im Präsidentenamt sehen wollten, welche Fragen wir mit unserem neuen, in Nordwestrussland angesiedelten Umweltprojekt „ACCT!“ angehen und vieles mehr!

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse!

Ihr Stefan Melle und das Team des DRA

Jetzt spenden!

Besuchen Sie den DRA auf Facebook: facebook.de/DRAberlin


Inhalt

1) Kommentar: Nach der Wahl Volodymir Selenskyjs haben demokratische Zivilgesellschaft, Medien und Verwaltungen besondere Verantwortung für die Reformen in der Ukraine und im Konflikt mit dem Kreml

Der klare Sieg des Fernsehschauspielers und -produzenten Volodymyr Selenskyj bei den ukrainischen Präsidentschaftswahlen geht, darin sind Beobachter/innen sich einig, darauf zurück, dass er zu einem beträchtlichen Teil Proteststimmen von Wähler/innen erhielt, die seinem Vorgänger Petro Poroschenko keine zweite Amtszeit wünschten, weil es diesem weder gelungen war, die Korruption effektiv zu bekämpfen, noch den Lebensstandard zu heben, und weil sie ihm nicht mehr zutrauen, einen Frieden für die Ostukraine auszuhandeln und das krisengeplagte Land in eine bessere Zukunft zu führen.

Dass Selenskyj ohne ein klares politisches Programm, doch mit erkennbaren Verbindungen zu einem anderen Oligarchen, Ihor Kolomojskyj, an die Macht kam, hat zu Recht Bedenken hervorgerufen. Doch die friedliche Übergabe des Präsidentenamts im Rahmen von freien Wahlen zeigt auch, dass die Grundlagen des demokratischen Systems der Ukraine trotz eines bereits fünf Jahre andauernden Krieges funktionieren. Selenskyj wird dabei zugutegehalten, dass er einer unbelasteten und nicht mehr durch die Sowjetunion geprägten Generation angehört, dass er durch eigenes Talent und Arbeit wohlhabend ist, aber selbst kein Oligarch, und sich nicht in den Verteilungskämpfen seit den neunziger Jahren diskreditiert hat. Er orientiert sich an freiheitlichen Grundwerten, polarisiert aber weniger als Petro Poroschenko, der während seines Wahlkampfs auf die nationalkonservative Trias „Armee, Sprache, Glaube“ gesetzt hatte.

In einer Situation, in der dem neu gewählten Präsidenten jegliche Erfahrung in Politik und Institutionen fehlt und das Land zugleich vor extremen Herausforderungen steht, wächst die Bedeutung einer starken Zivilgesellschaft, unabhängiger Medien, der – im Oktober neu zu wählenden nächsten – Rada, aber auch der dezentralen Verwaltungen in Regionen und Kommunen und insgesamt einer diskursiven, demokratischen Öffentlichkeit noch einmal beträchtlich. Es wird nur gelingen, das Land zu reformieren, wenn diese gesellschaftlichen Institutionen sich gemeinsam gegenüber den Oligarchen durchsetzen, trotz deren enormen Machtressourcen vor allem vor Ort. Dies gilt angesichts der fortdauernden Okkupation der Krim und des Krieges in der Ostukraine ähnlich auch im Konflikt mit der russischen Führung.

Tim Bohse und Stefan Melle

WEITERLESEN

2) Stellenausschreibung: Stellvertretende Geschäftsführung beim DRA in Berlin – Bewerbungsschluss am 15. Mai

Der DRA e.V. sucht ab dem 1. August 2019 für sein Berliner Büro eine/n stellvertretende/n Geschäftsführer/in mit den Aufgabenschwerpunkten strategische Organisations- und Projektentwicklung, Fundraising und Finanzmanagement (Teil- oder Vollzeit: 30-40 Std./Woche nach Vereinbarung).

Die Aufgaben umfassen: Supervision und Qualitätsmanagement nationaler und internationaler Drittmittelprojekte inkl. Budgetplanung und –kontrolle; die konzeptionelle Entwicklung und Einwerbung neuer Projekte bei öffentlichen und privaten Förderern; die Unterstützung der Weiterentwicklung von Organisations- und Managementprozessen; die Vertretung der Geschäftsführung in Vertrags- und Personalfragen; die Vertretung von Geschäftsführung und Verein gegenüber Behörden, Partnern, Trägern und Mitgliedern sowie auf Fachveranstaltungen.

Wir erwarten ein abgeschlossenes Fachhochschul-/Hochschulstudium, möglichst mit Bezug zum Arbeitsfeld (Politik-/Sozialwissenschaften, internationale Beziehungen, Osteuropa-Studien o. ä.), mehrjährige Berufserfahrung in der internationalen Projektarbeit und -leitung, insbesondere in Non-Profit-Organisationen, sehr gute Kenntnisse von Methoden des internationalen Projekt-, Finanz- und Veranstaltungsmanagements, einschließlich der damit verbundenen Öffentlichkeitsarbeit und Teamführung; Erfahrungen in der Beantragung und Bewirtschaftung öffentlicher und privater Drittmittel sowie Verwendungsnachweisprüfung; Kenntnisse im Arbeits-/Vertragsrecht und in der Kooperation mit Behörden von Vorteil; Kenntnisse der politischen und zivilgesellschaftlichen Verhältnisse in den Projektländern des DRA (Mittel- und Osteuropa, Südkaukasus, Zentralasien) und der EU-Nachbarschaftspolitik; Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Projektländern des DRA und mit Partnern in Staaten mit gefährdeter Demokratie sind von Vorteil; Deutschkenntnisse auf sehr gutem bis muttersprachlichem Niveau, fließendes Englisch, gutes Russisch; Kenntnisse einer weiteren osteuropäischen Sprache von Vorteil.

Das Gehaltsniveau entspricht der üblichen Vergütung im NGO-Bereich. Die ausführliche Ausschreibung mit weiteren Details steht hier im pdf-Format zur Verfügung.

Es handelt sich um eine zunächst bis 28.02.2021 befristete Stelle. Eine Verlängerung wird angestrebt. Die Förderung der Gleichberechtigung ist für den DRA eine Selbstverständlichkeit. Wir begrüßen die Bewerbung von Menschen aller Nationen und besonders von Frauen.

Bitte senden Sie uns Ihre Unterlagen mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und Referenzen in EINEM pdf-Dokument (max. 4 MB) bis zum 15. Mai 2019 an gf@austausch.org. Die Bewerbungsgespräche finden zwischen dem 22.-24. Mai 2019 in Berlin statt. Ihr Ansprechpartner ist Stefan Melle, Geschäftsführer, Tel. 030-446680-0, gf@austausch.org.
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

3) Bewerbungsfrist endet am 7. Mai 2019! Stellenausschreibung: Leiter/in des DRA-Ressourcenzentrums in Slovjansk zur Stärkung der Zivilgesellschaft in der Ostukraine

Am künftigen Ressourcenzentrum (RZ) zur Stärkung der Zivilgesellschaft in der Ostukraine, das der DRA derzeit in Slovjansk (Gebiet Donezk) aufbaut, ist ab dem 15. Juni 2019 die Stelle als Leiter/-in zu besetzen.

Das RZ wird in Slovjansk und anderen Städten der Konfliktregion engagierte Bürger/innen und insbesondere junge Menschen dabei unterstützen, sich zu organisieren und an der Entwicklung ihrer Kommunen und der friedlichen Bearbeitung des Konflikts mitzuwirken. Geschehen wird dies v. a. durch Förderung internationaler zivilgesellschaftlicher Austausch- und Kooperationsprojekte, Bildungs- und Partizipationsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene und eine horizontale Vernetzung der Zivilgesellschaft.

Die Aufgaben umfassen den Aufbau des Büros und des Teams, die Vernetzung des RZ in der Region, die Etablierung und Steuerung lokaler und regionaler Programme und einer internationalen Integration des RZ unter Einbeziehung von Partnern aus der Westukraine, der EU und anderen Ländern, die Durchführung von Projekten zur Stärkung lokaler Initiativen und von öffentlichen Diskussionen zu Demokratie und Bürgerbeteiligung, Netzwerk- und Fundraisingaktivitäten u.a.m. Angaben zu den vorausgesetzten Qualifikationen und Berufserfahrungen sowie weitere Details finden Sie hier.

Es handelt sich um eine zunächst bis August 2020 befristete Stelle. Eine Verlängerung wird angestrebt. Die Stelle wird angemessen vergütet. Der DRA bietet ein vielseitiges und internationales Arbeitsumfeld, kompetente Mitarbeiter/innen und Raum für Eigeninitiative und Selbstverwirklichung.

Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung in EINEM PDF-Dokument (nicht größer als 2MB) an tim.bohse@austausch.org. Der Bewerbungsschluss wurde auf den 7. Mai 2019  verlängert. Die Bewerbungsgespräche finden im Zeitraum 13./14. Mai 2019 in Berlin statt. 

4) Internationales Workcamp in Slovjansk, Ukraine – Bewerbung noch bis zum 20. Mai

Vom 3. bis 16. August 2019 organisiert der DRA zusammen mit lokalen Partner NGOs in Slovjansk (Ostukraine, Gebiet Donezk) ein internationales Workcamp für junge Freiwillige. Mindestens 10 der 20–25 Teilnehmer/innen werden aus der Ukraine, die übrigen aus verschiedenen europäischen Ländern kommen. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre, die Arbeitssprachen sind Englisch, Ukrainisch und Russisch.

Slovjansk ist der Ort, an dem im April 2014 der Krieg im Donbass begonnen hat. Die sogenannte Kontaktlinie zu den nicht regierungskontrollierten „Volksrepubliken“ verläuft heute 40 Kilometer südöstlich. Anfang 2019 machten hierher geflüchtete Binnenvertriebene fast die Hälfte der Stadtbevölkerung aus. Slovjansk ist heute eine friedliche und sichere Stadt, aber dennoch beeinflusst die jüngste Vergangenheit das Leben der Einwohner/innen weiterhin stark. Im Workcamp werden wir versuchen, so viel wie möglich darüber zu erfahren, was an Friedensarbeit in der Region geleistet wird und wie die traumatische Erfahrung des Krieges überwunden werden kann.

Neben der gemeinsamen Beschäftigung mit der Geschichte und Gegenwart der Ukraine und der Donbass-Region sind als Aktivitäten geplant: die Unterstützung der vom Konflikt betroffenen Einwohner/innen und von binnenvertriebenen Familien (z.B. durch Reparaturarbeiten, Hilfe für kinderreiche Familien und für ein Kinderfamilienheim); Interviews mit Bewohner/innen der Stadt zu ihren Erfahrungen während des bewaffneten Konflikts und zum Umgang mit Konfliktfolgen; Fotoaufnahmen für eine Ausstellung über das Leben in der Region, die in Slovjansk und später vielleicht auch in Kiev, Warschau, Berlin und anderen Städten gezeigt wird; Treffen mit Expert/innen, Historiker/innen und Aktivist/innen und Gespräche über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine sowie über weitere Themen wie die Menschenrechtslage, die Umweltsituation und das Leben in den ostukrainischen “Volksrepubliken”. Dazu kommen Exkursionen und andere Freizeitaktivitäten.

Die Unterbringung erfolgt in Vier- bis Achtbettzimmern im Hostel der protestantischen Victorious Church in Slowjansk. Die Zubereitung der Mahlzeiten ist Sache der Freiwilligen selbst. Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung werden vollständig, die Kosten für die Anreise anteilig durch die Organisatoren übernommen.

Interessierte füllen bitte das folgende Bewerbungsformular auf Englisch, Ukrainisch oder Russisch aus. Bewerbungsschluss ist der 20 Mai 2019; Kontakt: slowjansk@austausch.org. Alle Details der Ausschreibung hier.

5) Berlin, 18.5.2019, 17 Uhr: Podiumsdiskussion zur Zukunft der europäischen Ostpolitik im Rahmen des Red Square-Festivals Berlin

Die Notwendigkeit einer neuen deutschen Ostpolitik ist schon seit einiger Zeit im Gespräch. In den letzten Monaten entwickelte sich der Diskurs jedoch zunehmend hin zu Forderungen nach einer neuen gesamteuropäischen Strategie im Umgang mit Osteuropa.

Im Rahmen des Red Square Festivals, das vom 17.–18. Mai in Berlin stattfindet (Initiator und Organisator: Dekabristen e.V.), veranstaltet der DRA dazu am 18. Mai 2018 um 17 Uhr in der Kulturfabrik Moabit (Lehrter Str. 35, 10557 Berlin) eine Podiumsdiskussion mit Expert/innen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Zugesagt haben bereits der Chefredakteur des Journals New Eastern Europe, Adam Reichardt (Krakow), und das Zentrum für Liberale Moderne (LibMod). Die Moderation hat Stefan Melle (DRA). Besuchen Sie das Festival – diskutieren Sie mit!

Das Red Square Festival stellt für zwei Tage Russland und Osteuropa in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Es umfasst politische Panels, Konzerte, Filmvorführungen, Ausstellungen, kulinarische Angebote und mehr. Weitere Informationen hier.

6) Neues EU-Projekt „ACCT!“: DRA und Partnerorganisationen entwickeln innovative Formate der Klimabildung für junge Menschen in Nordwestrussland

Zum Start des DRA-Projekts „ACCT! – Acting on Climate Change Together! NGOs and teachers provide innovative climate change education for young people in Russia’s North-West“ kamen am 11.–12. April in St. Petersburg der DRA und seine Partnerorganisationen aus dem Umweltbereich zu einem ersten Workshop zusammen. Ziel des Projekts ist die Entwicklung neuer Formate der Klimabildung für junge Menschen im russischen Nordwesten.

Die Region, die auch arktische Gebiete umfasst, wird von den Folgen des Klimawandels voraussichtlich erheblich betroffen sein. Das Wissen dazu ist in der Bevölkerung jedoch gering, viele in Russland – darunter offizielle Stellen – erhoffen sich durch eine wärmere Arktis sogar Vorteile. Das gilt vielfach auch für die jüngere Generation, die sich andererseits aber auch zunehmend für Umweltfragen und den eigenen ökologischen Fußabdruck interessiert. Um ein stärkeres Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen dem globalen Klimawandel und seinen regionalen Auswirkungen zu schaffen, bedarf es nicht zuletzt innovativer Bildungsformate, die gerade auch junge Menschen ansprechen, Kenntnisse über die Ursachen des Klimawandels vermitteln und erforderliche Gegenstrategien einschließlich einer klimabewussten Lebensweise aufzeigen.

Der DRA, das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU, Berlin) und ihre russischen Partner wie das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation (RNEI), Green Movement 42 (Archangelsk) und die St. Petersburger Polytechnische Universität haben sich zusammengetan, um kreative Bildungsformate zum Thema Klimawandel zu schaffen sowie regional anzupassen und zu etablieren. Deren Entwicklung wird im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein. Danach sind eine Testphase und Fortbildungen für Trainer/innen vorgesehen, damit die Formate schließlich an Schulen, Hochschulen und im außerschulischen Bereich eingesetzt werden können.

Dem „ACCT!“-Workshop in St. Petersburg ging am 10. April ein Kick-off-Seminar voraus. Dazu hatte die EU-Delegation in Moskau alle vier Projekte eingeladen, die derzeit über das neue  EU-Programm „Awareness in Climate Change Among Youth of the Northern Dimension Regions“ gefördert werden. Zu den anderen Projektträger gehören neben dem DRA das Centre for Independent Social Research (CISR) aus St. Petersburg, das Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie und der WWF Deutschland, jeweils mit russischen Partnern.

Das Projekt „ACCT!“ wurde im DRA von der Leiterin des Klima- und Umweltschutzprogramms Judith Kiss entwickelt. Sie befindet sich derzeit in Elternzeit. Ihre Vertretung hat seit dem 1. April 2019 Björn Ecklundt übernommen, der zuvor viele Jahre im Bereich Internationale Klimaschutzpolitik der Heinrich-Böll-Stiftung tätig war. Er betreut auch „ACCT!“, gemeinsam mit Diana Neverovska, die zuvor im DRA-Projekt „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ (s. u.) mitgewirkt hat.

7) Sozialunternehmertum in Deutschland und Russland: Veranstaltungen des NRO (DRA) St. Petersburg auf der 16. Deutschen Woche

Im Rahmen der 16. Deutschen Woche, die vom 3.-10. April in St. Petersburg stattfand (Veranstalter: Deutsches Generalkonsulat, Goethe-Institut, AHK und DAAD), hat der DRA (NRO) St. Petersburg zusammen mit der Bildungsplattform Trava vier Veranstaltungen zum sozialen Unternehmertum durchgeführt.

Aus Berlin und Umgebung waren dazu Constance Röhle von der Sozialbrauerei „Quartiermeister“, Maria Randina von der vegan/vegetarischen mobilen Volx-/Aktionsküche „Fläming Kitchen“ und Ana Lichtwer von den Second-Hand-Läden „Komm & Sieh“ der Berliner Stadtmission gekommen. Die drei Sozialunternehmerinnen boten jeweils einen Workshop zu ihrem Spezialgebiet an. Außerdem beteiligten sie sich an einer gemeinsamen Diskussion, in deren Rahmen sie die Produkte ihrer Unternehmen präsentierten und sich mit Akteur/innen der Petersburger Zivilgesellschaft über das soziale Unternehmertum austauschten. Aktiv und kontrovers diskutiert wurden von den rund 100 Teilnehmer/innen der vier Veranstaltungen u. a. typische Schwierigkeiten der Akteur/innen wie auch funktionierende Lösungsansätze in Deutschland und deren jeweilige Vergleichbarkeit mit der Situation in Russland, mögliche Finanzquellen für Sozialunternehmen, der Umgang mit eventuellen Gewinnen und anderes mehr. In den Workshops kamen als weitere Themen u. a. Upcycling und Wastecooking zur Sprache.

8) DRA organisierte Studienreise für 40 Pädagog/innen aus Belarus zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Für 40 Lehrer/innen, Schuldirektor/innen und Vertreter/innen weiterer Bildungseinrichtungen aus Minsk organisierte der DRA vom 26. bis 29. März in Berlin und Brandenburg ein weiteres Mal eine Studienreise zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Hauptanliegen der Teilnehmer/innen war es, sich mit deutschen Kolleg/innen zu modernen Bildungskonzepten und -methoden in den Bereichen Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung auszutauschen. Besucht wurden dazu Schulen sowie staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen, die Kindern und Jugendlichen Anliegen wie etwa einen bewussten Energiekonsum, naturnahe Lebensmittelproduktion, gesundheitsbewusste Ernährung oder rohstoffsparende Mülltrennung und Recycling nahebringen und die dazu auch eigene Lernmaterialien entwickeln. Der Fachaustausch galt darüber hinaus auch allgemeineren Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Kinder- und Jugendarbeit in Belarus und Deutschland. Er wurde von der Koordinatorin des DRA-Programms Bildungsreisen, Anna Emelyanov, organisiert und vom Paritätischen Berlin und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie unterstützt.

9) Civic Solidarity: Aktivitäten im Projekt zur Stärkung der NGO-Kooperation im OSZE-Raum – Publikationen zur Lage von Frauen in der Ukraine und Georgien

Im Rahmen des Projekts “Stärkung der zivilgesellschaftlichen Kooperation im OSZE-Raum” (Förderung: Auswärtiges Amt), das der DRA für das internationale NGO-Netzwerk Civic Solidarity Platform (CSP) koordiniert, wurden vor kurzem zwei neue Fachpublikationen vorgelegt.

Der Bericht „Women and Displacement in Ukraine“ der ukrainischen NGO Public Alternative basiert auf Feldforschung und einer Sekundärerhebung zur Einhaltung der Menschenrechte weiblicher Binnenflüchtlinge in dem Land. Nachzulesen sind darin ein Monitoring von Gerichtsurteilen zu Anliegen dieser Frauen, eine Analyse staatlicher und lokaler Programme zu ihrer spezifischen Unterstützung sowie die Ergebnisse von Interviews mit weiblichen Binnenflüchtlingen und mit internationalen und lokalen Organisationen in den Gebieten von Donezk und Luhansk.

Die zweite Veröffentlichung mit dem Titel „Through the Eyes of Women“ gibt eine Übersicht über Fragen und Probleme, mit denen sich von militärischen Konflikten betroffene georgische Frauen täglich konfrontiert sehen. Die Broschüre wurde von der georgischen NGO Consent (Tbilissi) erstellt.

Beide Publikationen wurden in Kooperation mit der CSP-Arbeitsgruppe zu Frauen- und Genderfragen im OSZE-Raumvorbereitet und sind online abrufbar (Ukraine-Bericht: English hier, Ukrainisch hier; Georgien-Bericht: Englisch hier, Georgisch hier).

In Bratislava führten Fair Trials und SOVA, die zu den Partnerorganisationen des DRA in der CSP Arbeitsgruppe zum Verhältnis von Terrorismus und Extremismusbekämpfung und Menschenrechten gehören, Ende März ein Side-Event zur OSZE Antiterrorismus-Konferenz durch. Dabei wurden u. a. die wichtigsten Positionen des Policy Paper zu dieser Thematik vorgestellt, das im Rahmen des Projekts im letzten Jahr veröffentlicht wurde.

Neu ist der von der Berner NGO Swisspeace und der Austrian Helsinki Assocziation (Wien) koordinierte Aufbau einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von MenschenrechtIer/innen und Friedensaktivist/innen. Er geht auf einen Workshop zurück, an dem im November 2018 in der „Friedensburg“ in Schlaining (Österreich) Vertreter/innen beider Engagementbereiche sowie der OSZE teilnahmen und an den sich Nachbereitungstreffen anschlossen. Hauptanliegen der Arbeitsgruppe sind die Förderung von Menschenrechten und Demokratie als essentielle Voraussetzung für nachhaltigen Frieden, die Unterstützung und Verbreitung von zivilgesellschaftlicher Kooperation in Konfliktregionen im OSZE-Raum sowie die Vernetzung und Kooperation zwischen der Zivilgesellschaft und relevanten Stakeholders wie OSZE und UNO.

10) Projekt „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ erfolgreich abgeschlossen – zahlreiche Publikationen online nutzbar, Fortsetzung vorgesehen

Am 31. März endete das internationale DRA-Projekt „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“. Es wurde ab August 2016 gemeinsam mit dem ukrainischen Hauptpartner „Kraina vilnych ljudej“ und zehn weiteren Partnerorganisationen aus der Ukraine, Russland, Georgien, Armenien und Deutschland realisiert und umfasste zahlreiche Maßnahmen in den sechs Arbeitsbereichen: Bearbeitung von kriegsbedingten Traumata, Strategien gegen häusliche Gewalt als Kriegsfolge, Dialog- und Friedensarbeit mittels Forumtheater, Bewältigung konfliktbedingter Diskriminierungen, Integration von Binnenvertriebenen und soziales Unternehmertum in der Konfliktnachsorge.

Alle Ergebnisse wurden bei einem Abschlusstreffen in Kiev (23./24.11.2018) von über 70 Partnern und Teilnehmer/innen aus der Ukraine, Russland, Georgien, Armenien und Deutschland vorgestellt. Genauere Informationen zu der Veranstaltung sind hier, eine Videodokumentation der Präsentationen ist hier online abrufbar.

Insgesamt wurden mit fünf Schulungsprogrammen und drei internationalen Hospitationsreisen 91 Multiplikator/innen und Fachkräfte der Zivilgesellschaft aus allen Regionen der Ukraine sowie teilweise aus Russland, Armenien und Georgien aus- und weitergebildet. Mehrere der dabei berücksichtigten Methoden der Konfliktnachsorge wurden in der Ukraine erstmals vermittelt, darunter insbesondere die klinische Supervision, in der 18 Teilnehmer/innen ausgebildet wurden. Unter Nutzung ihrer neu erworbenen Kompetenzen verwirklichten die Multiplikator/innen und Fachkräfte insgesamt 28 Kleinprojekte zur Dialoginitiierung und der Reduktion kriegsbedingter Folgekonflikte (Materalien hier, Videos hier) und führten mehr als 400 kostenlose klinische Supervisionen für Mitarbeiter/innen der psychosozialen Hilfe in der Ukraine durch. Auf Grundlage öffentlicher Ausschreibungen wurden ferner in der Ukraine vier überregionale Informationskampagnen realisiert, mit denen traumatherapeutische Hilfe destigmatisiert und Sozialunternehmertum als Instrument der Konfliktnachsorge popularisiert wurden. Insgesamt nahmen an allen geförderten Kleinprojekten und Infokampagnen über 3.800 Menschen teil und wurden über die sozialen Netzwerke und andere Internetressourcen mehr als 4.279.500 Menschen erreicht.

Zwei Konferenzen und ein Rundtischgespräch gaben über 280 Expert/innen aus mehr als zehn Ländern, darunter neun Konfliktregionen Ost- und Südosteuropas einschließlich des Kaukasus, die Möglichkeit, wertvolle Arbeitserfahrungen auszutauschen und sich zu vernetzen. Darüber hinaus wurden Publikationen erstellt, so ein Methodenbuch zur Antidiskriminierungsarbeit in Konfliktregionen (Ukrainisch, Russisch, Englisch, siehe hier), ein weiteres zur Dialogarbeit mittels Forumtheater (Russisch, siehe hier) und eine viersprachige Informationsbroschüre zu erfolgreichen Praktiken der Integration von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen in der Ukraine, Armenien, Georgien und dem russischen Kaukasus (siehe hier). Alle Videos und anderweitigen Materialien, die im Rahmen des Projekts sowie des Vorgängerprojekts entstanden sind, sind hier bzw. hier zu finden.

Das Projekt wurde vom Auswärtigen Amt gefördert. Das Folgeprojekt ist bereits in Planung und wird voraussichtlich im Herbst 2019 beginnen.

Für die erfolgreiche Durchführung des Projekts bedanken wir uns sehr herzlich bei der DRA-Projektleiterin Maria Slesazeck und ihrem Team (Yevgenia Kozmenko, Diana Neverovska) sowie bei allen Projektpartnern!

11) Diskussion in Bratislava zur Lage an der Frontlinie in der Ostukraine: Leben in einer alltäglich gewordenen Hölle

Über den komplizierten Alltag an der Frontlinie in der Ostukraine und die Schwierigkeiten des Wiederaufbaus in Ortschaften wie Slovjansk, Kramatorsk und Severodonezk berichteten Olena Lunova (Menschenrechtszentrum Zmina, Kiev), Oleksandra Dvoretska (Vostok SOS, Kiev/Severodonezk) und Tim Bohse (DRA, Berlin) am 4. April bei einer Veranstaltung des DRA in Bratislava, die gemeinsam mit der Slowakischen Gesellschaft für Auswärtige Politik vorbereitet worden war und von Samuel Goda (SGAP) moderiert wurde.

Die Kämpfe in der Ostukraine gehen ins sechste Jahr, an einzelnen Abschnitten der Kontaktlinie finden militärische Auseinandersetzungen faktisch ununterbrochen statt. Besonders in kleinen, abgeschnitten gelegenen Siedlungen leben die Bewohner/innen in einer alltäglich gewordenen Hölle aus Beschuss, Minengefahr und unzulänglicher Versorgung mit dem Lebensnotwendigen; weitere Informationen siehe in dem hier zugänglichen aktuellen Monitoring-Bericht von DRA und VostokSOS.

Die Referent/innen informierten über ihre Monitoring-Arbeit zur Menschenrechtssituation in der Ostukraine und thematisierten auch die russische Verantwortung für den Beginn des Krieges sowie Moskaus Kontrolle über die sog. „Volksrepubliken Donezk/Luhansk“. Im Mittelpunkt stand die Arbeit ukrainischer Menschenrechtsorganisationen, die sich für solche Anliegen wie Rentenauszahlungen an Ukrainer/innen in den nichtregierungskontrollierten Gebieten des Donbass, eine unaufwendige Anerkennung von Personaldokumenten (z. B. Geburtsurkunden, Zeugnisse) und einfachere Prozeduren zur Überquerung der Kontaktlinie einsetzen. Sie fordern außerdem auch ein stärkeres Engagement des ukrainischen Staates für die Freilassung von willkürlich festgehaltenen Gefangenen in den „Volksrepubliken“.

Bei einem anschließenden Treffen im Außenministerium der Slowakei appellierten die Referent/innen an die Verantwortung des Landes, das derzeit den Vorsitz der OSZE innehat, sich fortlaufend über alle diplomatischen Kanäle für eine Beilegung des Konflikts und den Schutz der Menschen- und Bürgerrechte zu engagieren. Die Slowakei hat die Verbesserung der humanitären Lage in der Konfliktregion in der Ostukraine zu einer ihrer Prioritäten während ihres OSZE-Vorsitzes erklärt.

Die Menschenrechts-Monitoring des DRA in der Ostukraine wird im Rahmen des Projekts „Dialog für Verständigung und Recht – europäische NGOs gemeinsam für Konfliktbewältigung im Donbass“ vom Auswärtigen Amt gefördert.

12) Russisch-ukrainischer Konflikt: Wie kann die Zivilgesellschaft zur Gefangenenfreilassung beitragen? – Rundtischgespräch in Kiev

Mitglieder der internationalen NGO-Plattform CivilM+, die der DRA koordiniert, organisierten am 12. März in Kiev einen Runden Tisch zum Thema „Vereinte Bemühungen zur Freilassung der Gefangenen im Kontext des russisch-ukrainischen bewaffneten Konflikts. Was kann die Zivilgesellschaft tun?“ 25 Vertreter/innen ukrainischer, russischer und westeuropäischer Menschenrechtsorganisationen sowie Journalist/innen, Expert/innen und eine Vertreterin des Ombudsfrau-Office bei der Regierung der Ukraine erarbeiteten in diesem Rahmen eine umfassende Bestandaufnahme des Problems.

So berichteten u.a. ukrainische Menschenrechtler/innen über die Ergebnisse ihrer internationalen Advocacy-Kampagne zur Freilassung politischer Häftlinge aus Gefängnissen in den sog. „Volksrepubliken Donezk/Luhansk“ (2016-2019). Die Teilnehmer/innen aus Russland präsentierten ihr Engagement zur Unterstützung ukrainischer Gefangener in russischen Haftanstalten, einschließlich jener Marinesoldaten, die im Kontext der Asov-Krise von russischer Seite festgesetzt wurden.

Im zweiten Teil des Treffens wurde diskutiert, inwiefern zivilgesellschaftliche Akteur/innen aus verschiedenen Ländern gemeinsam zur Freilassung der Gefangenen beitragen könnten. Dafür – so die Teilnehmer/innen – müssten zum einen die westeuropäischen Regierungen auf die Situation der Gefangenen und damit verbundene Rechtswidrigkeiten regelmäßig aufmerksam gemacht werden. Zudem müssten die Verhandlungen über die Freilassung der Gefangenen vorangetrieben werden – u. a. durch Informationskampagnen und politische Kontaktarbeit. Besprochen wurden auch mögliche Potentiale einer eigenständigen und außerhalb des Minsker Prozesses stehenden Plattform unter Leitung eines unabhängigen Vermittlerteams. Für die nächste Zukunft wurde die Abfassung eines gemeinsamen Grundsatzpapiers und die Gründung einer internationalen Arbeitsgruppe zum Thema geplant. Die vorerst letzte erfolgreiche Vermittlung in der Freilassung von Menschen, die infolge des Konflikts gefangen gehalten werden, fand im Dezember 2017 statt. Allerdings wurden im April 2019 rund 60 Gefängnisinsassen aus den sog. „Volksrepubliken Donezk/Luhansk“ in die Ukraine überstellt, die dort bereits seit der Zeit vor dem Krieg normale Haftstrafen verbüßen.

Der Runde Tisch wurde von Yuliya Erner (DRA), Valeriy Novikov (Menschenrechtszentrum Alternativa, Kiev/Luhansk) und Oleksandra Matviychuk (Center for Civil Liberties, Kiev) organisiert. Die Konfliktlösungsarbeit des DRA und von CivilM+ in der Ostukraine wird im Rahmen des Projekts „Dialog für Verständigung und Recht – europäische NGOs gemeinsam für Konfliktbewältigung im Donbass“ vom Auswärtigen Amt gefördert.

13) Projekt zur politischen Jugendbildung „Mitwirkung gestalten!“: 13.000 ukrainische Kinder und Jugendliche wählten „ihren“ Präsidenten

Über 13.000 Kinder und Jugendliche in 15 Regionen der Ukraine haben im Rahmen des neuen DRA-Projekts "Mitwirkung gestalten!“ an den ersten landesweiten M18-Wahlen teilgenommen (d.h. an simulierten, an reale Wahlgänge gekoppelten Jugendwahlen für Menschen unter 18 Jahren).
 
Unter dem Slogan „Ich wähle den Präsidenten der Ukraine!" gaben die jungen Teilnehmer/innen in 91 simulierten Wahllokalen zwischen dem 15. und 23. März 2019 ihr Votum ab. Abgestimmt wurde nicht nach den konkreten Kandidat/innen auf Wahlplakaten, sondern nach Inhalten. In allen 15 Regionen bereiteten Pädagog/innen die Kinder und Jugendlichen in und außerhalb der Schule auf den Urnengang vor und führten zahlreiche Workshops zur politischen Bildung durch. Methodisch konnten sie dabei auf die Anregungen eines im Vorgängerprojekt „Mehr bewegen!“ erstellten Handbuches zurückgreifen. Gemeinsam wurden die Programme der zehn Präsidentschaftskandidat/innen analysiert, die in der Zeit vor den Wahlen die besten Umfragewerte aufwiesen. Die dazugehörigen Kandidat/innen wurden dabei lediglich mit A, B, C etc. bezeichnet. Auch die verschiedenen Ideologien und Strömungen hinter den Programmen wurden genauer betrachtet und diskutiert.

Auf dem „Stimmzettel“ entschieden sich die jungen Wähler/innen zwischen den anonymisierten Wahlprogrammen. Den Sieg trug bei ihnen der Präsidentschaftskandidat unter dem Buchstaben „B“ davon, der 22 Prozent der Stimmen erhielt. Wie nachträglich bekanntgegeben wurde, verbarg sich dahinter der Sieger der tatsächlichen Präsidentschaftswahl vom 21. April – Wolodymyr Selenskyj.
 
Die 15 Regionen der Ukraine, in denen die M18-Wahlen stattfand, waren Dnipro, Donezk, Schytomyr, Saporischschja, Ivano-Frankivsk, die Stadt Kiev, das Kiever Gebiet, Kirovograd, Lugansk, Mykolaiv, Odessa, Rivne, Sumy, Tscherkassy und Tschernivtsi. Das Projekt wird von Roman Elsner und Nora Korte koordiniert und vom Auswärtigen Amt gefördert.

14) „Unabhängige Ressourcen für die Zivilgesellschaft!“ – Methodentraining in Gomel für Multiplikator/innen aus Russland und Belarus zu Fundraising und sozialen Projekten

Für 12 angehende Multiplikator/innen der Zivilgesellschaft aus Russland und Belarus fand im Rahmen des DRA-Weiterbildungsprojekts für NGOs „Unabhängige Ressourcen für die Zivilgesellschaft!“ in der ersten Aprilwoche in der Nähe von Gomel ein Methodentraining statt. Durchgeführt wurde der mehrtägige Workshop von erfahrenen Trainer/innen aus St. Petersburg. Er fand im ehemaligen Sanatorium „Maschinostroitel“ statt, das zu Sowjetzeiten den Arbeiter/innen der Landmaschinenfabrik „GomSelMasch“ als Kur- und Erholungsort diente.

In kollegialer Atmosphäre erprobte sich die Gruppe, die im aktuellen Projekt bereits zum zweiten Mal zusammenkam, in der Konzipierung und Durchführung eigener Workshops. Ziel war es, die Kompetenzen der Teilnehmer/innen so zu stärken, dass sie künftig in ihren jeweiligen Heimatregionen erfolgreiche Veranstaltungen zu solchen Themen wie Fundraising und weiteren Finanzfragen oder der Umsetzung sozialer Projekte verwirklichen können – so vor allem für NGO-Mitarbeiter/innen, andere zivilgesellschaftlich Engagierte, angehende Sozialunternehmer/innen.

Als weiterer Schritt wird im Mai eine Studienreise nach Berlin folgen. Hier werden sich die russischen und belarussischen Programmteilnehmer/innen über die Strukturen und Finanzierungsmöglichkeiten des zivilgesellschaftlichen Engagements in Deutschland informieren und weitere methodische Einheiten absolvieren. Zum Ende der Projektlaufzeit steht Mitte Juni auch noch der Besuch der „Weißen Nächten des Fundraisings“ an, die in diesem Jahr ausnahmsweise nicht in St. Petersburg, sondern in Samara stattfinden. Die Teilnahme an dieser Großveranstaltung für NGOs ist – wie der Berlin-Aufenthalt – im aktuellen Projekt und seinen Vorläufern schon zur Tradition geworden. Das Multiplikator/innenprogramm wird aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert.

15) INKuLtur: Expertentreffen in Berlin zu Inklusionsstrategien von Kultureinrichtungen – Erfahrungsaustausch in Theatern und Museen

Im Rahmen des DRA-Projektes INKuLtur - Förderung des Zugangs zu Kulturangeboten für Menschen mit Behinderung hat ein zweites Treffen der Expertenruppe stattgefunden, die ein Konzept zur Barrierfreiheit in russischen Kiltureinrichtungen erarbeitet. 

Nach einem Auftakttreffen in Pskov im Oktober 2018 und einer ersten Arbeitsphase mit Recherchen, Analysen und Expertenberatungen standen dieses Mal (11.-14.2.) die Auseinandersetzung mit Praxisbeispielen in Berlin und der Erfahrungsaustausch mit dortigen Kolleg/innen im Mittelpunkt. So wurden etwa die Sophiensaele besucht, die zusammen mit sieben anderen Berliner Institutionen im Rahmen des Programms „Making a Difference!“ fortlaufend darauf hinarbeiten, die Zugänglichkeit ihrer Einrichtungen für alle Interessierte weiter zu erhöhen. Weitere Eindrücke sammelten die Expert/innen im inklusiv arbeitenden Theater Thikwa und in der Berlinischen Galerie, in der das Thema einer inklusiven Kunstvermittlung mit Kathrin Kaptain und Andreas Krüger aus der Vermittlungsabteilung dieses Museums sowie mit Katrin Dinges von der Berliner Initiative diskutiert wurde. Am letzten Tag traf sich die Gruppe im Deutsch-Russischen Museum Karlshorst mit Julia Franke, die von Erfahrungen berichtete, die sie als Kuratorin der inklusiven Ausstellung „100 Jahre Oktoberrevolution“ im Deutschen Historischen Museum (2017) sammeln konnte.

Ein weiteres Thema des Arbeitstreffens waren die Inklusionslabel, die im Rahmen des Konzeptes erarbeitet und im Herbst in einer ersten Testphase an ausgewählte Kultureinrichtungen der Pilotregion Jekaterinburg vergeben werden sollen.

Ständige Mitglieder der Expertengruppe sind Andrej Afonin (Leiter des integrativen Theaterstudios „Krug II“, Moskau), Julia Galagusova (Professorin an der Pädagogische Universität Jekaterinburg), Vlad Kolesnikov (Gehörlosen-Sonderpädagoge und Kurator für Zugänglichkeitsprogramme am Staatlichen Historischen Museum in Moskau) und Karina Chupina (Beraterin des Europarats zu Behindertenrechtsaspekten, Berlin/St. Petersburg).

Das nächste Treffen findet im Juni in St. Petersburg statt. Das Konzept wird bis Ende September 2019 fertig gestellt und dann an Kultureinrichtungen in Russland übergeben, die barrierefreie und inklusive Strukturen aufbauen wollen. Fotos vom Expertentreffen hier.

Das Projekt „INKuLtur“ wird vom Auswärtigen Amt und von der Aktion Mensch gefördert.

16) Bis zum 15. Mai bewerben: Neue Stipendien im Hospitationsprogramm des DRA und der Marion-Dönhoff-Stiftung in Deutschland

Junge Menschen aus Russland, Belarus, der Ukraine, Estland, Lettland oder Litauen, die sich in ihrer Heimat gesellschaftlich, sozial oder ökologisch engagieren, können sich noch bis zum 15. Mai auf einen von fünf Plätzen im aktuellen, von der Marion Dönhoff-Stiftung geförderten Hospitationsprogramm des DRA bewerben (siehe auch hier). Die Stipendiat/innen werden drei Monate lang in einer gemeinnützigen Organisation in Berlin mitwirken (bis zu ca. 30-35 Stunden/Woche). Die Organisationen werden gemäß den Interessen und Vorkenntnissen der Stipendiat/innen ausgewählt. Dazu kommt die Teilnahme an einem umfangreichen Begleitprogramm zu Geschichte, Gesellschaft, Drittem Sektor, Politik und Kultur in Deutschland und ein gemeinsames, durch den DRA betreutes Projekt der Hospitant/innen im zivilgesellschaftlichen Bereich.

Möchtest Du wissen, wie der Nichtregierungssektor in Deutschland funktioniert und welche gesellschaftlichen Debatten dort geführt werden? Bist Du an ökologischen oder bürgerrechtlichen Themen, an Kinder- und Jugendarbeit, sozialem Engagement oder internationaler Konfliktbearbeitung interessiert? Verfügst du über ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Teamfähigkeit, und sprichst Du gut Deutsch? Dann wäre so ein Stipendium der Marion-Dönhoff-Stiftung genau das Richtige für Dich!

Jedes Stipendium beinhaltet eine Reisekostenpauschale nach Berlin und zurück (bis max. 350 Euro pro Person), evtl. Visumskosten (außer für Visa-Expressverfahren) und eine Unterkunft in Berlin (gemeinsame Wohnung für die Hospitant/innen), dazu ein monatliches Taschengeld (300 Euro), eine Monatsfahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr in Berlin sowie eine Krankenversicherung.

Block I des aktuellen Programms findet vom 1. September–30. November 2019 statt (drei Plätze). Block II folgt vom 1. Dezember 2019 – 28. Februar 2020 (drei Plätze, einer davon vorgesehen für eine/n der Hospitant/innen aus Block I).

Die Bewerbungsunterlagen müssen auf Deutsch verfasst sein. Sie umfassen einen ausgefüllten Bewerbungsbogen mit Passfoto, einen Lebenslauf und ein ein- bis zweiseitiges Motivationsschreiben, in dem Du erläuterst, weshalb Du Dich für das Hospitationsprogramm interessierst, was Du davon erwartest und was Dich für das Programm befähigt. Deine Bewerbung (als EIN PDF-Dokument) schickst Du bitte per E-Mail bis zum 15. Mai 2019 unter doenhoff-stipendium@austausch.org an die Projektleiterin Maria Mutjewa. Die Auswahl der Teilnehmer/innen folgt im Mai-Juni.
Wir freuen uns auf Deine Bewerbung!

17) Kurzmeldungen zu Projekten und Aktivitäten, Kommentare, Hinweise des DRA

Einladung: Am 9. Mai, 19 Uhr, diskutieren im EuropaPunkt Bremen (Am Markt 20) Susan Stewart (Stiftung Wissenschaft und Politik), Stefan Melle (DRA) sowie Eduard Klein und Prof. Heiko Pleines (beide Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen) über die Lage in der Ukraine „Im großen Wahljahr“ und über „Alte Probleme, neue Lösungen“ – zum Krieg mit Russland, zu politischen Schritten bzgl. Korruption, Reformen und EU-Annäherung. Veranstalter: Forschungsstelle Osteuropa (siehe hier).

Für den Boris-Nemtsov-Preis 2019, der am 12. Juni in Bonn vergeben wird, sind nun aus 35 Kandidat/innen fünf in der Endauswahl, u.a. der Video-Blogger Mikhail Svetov, der Politiker Alexej Navalnyj und der Leiter von Memorial Grozny, Oyub Titiev. Die Ergebnisliste siehe hier. Welche 3 Kandidat/innen der DRA nominiert hatte, steht hier.

Der polnische Publizist Sławomir Sierakowski, Gründer des linken Netzwerks „Krytyka Polityczna“, sprach am 27. März bei einer Veranstaltung des DRA über die Wurzeln des Rechtspopulismus in Polen, seinen Blick auf Europa sowie auf das Verhältnis zu Russland; mehr dazu hier.

Das beim DRA angesiedelte internationale Fußball-Fankultur-Projekt „Fankurve Ost“ beging am 3. April sein fünfjähriges Bestehen – wir gratulieren! Tags darauf begann ein weiteres Seminar zur „Fußball-Fankultur in der offenen Gesellschaft“; mehr zu beiden Veranstaltungen hier. Den Newsletter „Doppelpass und Grätsche“ des Projekts gibt es weiterhin hier.