Inklusion

„Wir wollen unseren Horizont erweitern“

Larissa Timkova, Fotoarchiv des Museums

Das junge Museum „Omsker Kunst“ nimmt als eines der ersten Museen der Region am internationalen Programm „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ teil. Im Kulturzentrum fanden mehrere Workshops zu den Themen Inklusion, Schaffung von Barrierefreiheit in kulturellen Einrichtungen und Arbeit mit Menschen mit Behinderung statt. Wir sprachen mit der Leiterin des Museums, Larissa Timkova, darüber, welche Hoffnungen und Pläne die Mitarbeiter:innen mit ihrer Teilnahme an diesem großen internationalen Projekt verbinden.

–Warum haben Sie sich dazu entschlossen, am Programm INKuLtur teilzunehmen?

– Es gibt zwei Gründe für unsere Teilnahme am Projekt INKuLtur. Ungeachtet seiner 30-jährigen Geschichte ist unser Museum eines der jüngsten Museen in Omsk. Mit seinem Umzug in ein neues Gebäude im März 2018 erhielt es die Möglichkeit, seine Räume für Besucher:innen zu öffnen und aktiv zu werden. Unser junges Team entdeckt nun alle Bereiche der Museumsarbeit für sich, und dazu gehört auch die Arbeit mit Besucher:innen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen körperlichen Möglichkeiten und Schwierigkeiten. Da uns selbst das nötige Wissen fehlt, weil das Museum über lange Zeit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war, müssen wir von den Erfahrungen anderer Einrichtungen und Fachleute lernen. Der zweite Grund ist, dass Menschen mit Behinderungen auf uns zugekommen sind, weil sie in uns Partner und Verbündete sehen, die nicht nur bereit sind, sie in ihre Arbeit zu integrieren, sondern sie auch ihre eigenen Kunstwerke in den Museumsräumen ausstellen lassen. Dieser Austausch erfordert eine angemessene Kommunikation, und darin müssen wir uns beständig weiterbilden.

– Inwieweit ist die Schaffung einer inklusiven Umgebung für Omsk ein aktuelles Thema?

Es ist aktuell, so wie für jede andere Stadt auch. Unser Umfeld wird immer aggressiver und gefühlloser. Die Zahl der Menschen mit physischen und psychischen Problemen wächst und damit auch die Zahl der Museumsbesucher:innen mit besonderen Bedürfnissen. Die Mitarbeiter:innen von Museen müssen lernen, sie zu verstehen und ihnen eine angenehme und gut zugängliche Umgebung zu schaffen, so wie für alle anderen Besuchergruppen auch.

– Haben Sie Besucher:innen mit Behinderungen? Welche Vorzüge bietet Ihr Museum diesen Menschen im Vergleich zu anderen Orten?

Gegenüber der Mehrzahl der anderen Omsker Kultureinrichtungen haben wir nur einen Vorteil für mobilitätseingeschränkte Besucher:innen: einen Aufzug, mit dem man sich bequem durch das Museum bewegen kann. Ansonsten können wir noch nicht von einem größeren Komfort als bei anderen sprechen, denn wir können noch nicht allen Besucher:innen gute Bedingungen bieten. Es gibt noch viel zu tun, wir stehen erst am Anfang, aber im Unterschied zu den großen Museen haben wir, da wir mit zeitgenössischen Künstler:innen und Werken arbeiten, mehr Freiheit und Komfort in der künstlerischen Kommunikation.

– Das Museum befindet sich in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Wie schwer ist es, dieses an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen anzupassen? Was ist noch zu tun?

Im Unterschied zu anderen Museen, die schon lange in historischen Gebäuden untergebracht sind, in denen die Umbauten noch anstehen, wofür wiederum die Exponate in andere, bedarfsgerechte Räumlichkeiten verlagert werden müssen, ist unser Gebäude bereits restauriert und hat sowohl einen Aufzug als auch eine Rampe. Die übrige technische Ausstattung für Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen ist nur noch eine finanzielle Frage und erfordert keine bauliche Umgestaltung des Gebäudes mehr. Unser Haus stammt aus dem Jahr 1823, es wurde als Kasernenunterkunft gebaut und hat große Räume, die nicht mit architektonischen Elementen überfrachtet sind und in denen genügend Platz ist, um sich auch im Rollstuhl gut darin bewegen zu können.

– Was werden Sie im Rahmen Ihrer Teilnahme am Programm INKuLtur aktiv tun und umsetzen?

In erster Linie ist es für uns ein Bildungsprojekt, mit dem wir unseren Horizont erweitern und uns Wissen aneignen wollen, das uns bei der Arbeit mit besonderen Besuchergruppen noch fehlt. Die Räumlichkeiten des Museums sowie die Zufahrtswege und Eingänge werden von Fachleuten dahingehend geprüft, ob sie für Menschen mit Behinderungen bequem nutzbar sind. So erhalten wir professionelle Tipps, was Menschen mit Behinderungen in unserem Museum noch brauchen.

– Welche Kenntnisse und praktischen Erfahrungen zu diesem Thema benötigen Ihre Mitarbeiter:innen?

Sie brauchen Kenntnisse für die Professionalisierung ihrer Arbeit in diesem Bereich und darin, wie die Ausstellungen einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden können, inwieweit die Ausstellungen technisch angepasst oder ggf. auch neukonzipiert werden müssen. Sie müssen lernen, wie besondere Ausstellungsprojekte für einzelne Besucher:innengruppen entwickelt werden können. Und sie müssen sich mit der Terminologie dieser Thematik vertraut machen und lernen, welche Besonderheiten es in der Kommunikation mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen gibt.

– Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der Umsetzung des Projektes in Ihrem Museum?

Wir hoffen, dass wir dаdurch den eingeschränkten Horizont unserer eigenen Arbeit erweitern können.

 

Das Programm „INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe“ wird vom DRA e. V. gemeinsam mit Partnern aus Deutschland, Russland und der Ukraine und mithilfe der finanziellen Unterstützung der Europäischen Union in Russland und des Auswärtigen Amtes umgesetzt.

 

„Für den Inhalt dieser Publikation ist der DRA e. V. verantwortlich. Sie spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Europäischen Union und des Auswärtigen Amtes wider.“

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