„Transition Dialogue“: Differenzierte Aufarbeitung der Erlebnisse und Folgen der Transformationsprozesse in Mittel-/Osteuropa nach 1989 in sieben Ländern

Zahlreiche heutige Entwicklungen und auch Verwerfungen in Mittel- und Osteuropa sind ohne die persönlichen und kollektiven Erfahrungen und teilweise Traumata der postsozialistischen „Nachwende“-Zeit kaum zu verstehen. Viele Menschen in diesen Ländern haben damals auch negative Erfahrungen mit der in Aussicht gestellten Demokratie gemacht – weil sie nicht überall verwirklicht wurde oder weil zu ihr auch krisenhafte und/oder als ungerecht empfundene Erlebnisse gehörten, die es heute erschweren, etliche der Betroffenen für das demokratische Modell zu gewinnen. Zugleich waren die Geschehnisse und sind die Erinnerungen und Narrative zu dieser Zeit in den betroffenen Ländern äußerst unterschiedlich. 

Wie lässt sich diese Zeit differenziert betrachten und vermitteln? Was kann damit für die heutigen Gesellschaften in ganz Europa und für künftige Zeiten starker Veränderungen gelernt werden? Einen Beitrag zu dieser differenzierten Aufarbeitung der Transformationszeit nach 1989 in Deutschland sowie in weiteren sechs Ländern Mittel- und Osteuropas zu leisten, ist Ziel des gemeinsamen Projekts von DRA und Sofia Platform (Bulgarien) „Transition Dialogue 2019-2021 – Wandel demokratisch bewältigen“, das Ende Mai begonnen hat. Es knüpft an das Projekt „Transition Dialogue - Mapping a Generation in Transition” von 2018 an und wird wie dieses von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. 

Durchgeführt wird „Transition Dialogue“ in Kooperation mit weiteren Partnern in Polen, Russland, der Ukraine, Kroatien und Lettland. Zu den postsozialistischen Transformationsprozessen in diesen Ländern sowie (Ost-)Deutschland wird das seitens des DRA von Alexander Formozov und Nora Korte koordinierte Projektteam bis Ende 2021 international einsetzbare Materialien für die politische Bildung erstellen und verbreiten. Dazu werden Stimmen von Zeitzeug/innen hörbar gemacht und internationale Dialoge von Vertreter/innen der politischen Bildung, der Lehre und der Forschung initiiert. Bisherige Diskurse der formalen und der non-formalen Bildung zu dieser Epoche werden einbezogen und Erinnerungen und Narrative durch die Verknüpfung west-, mittel- und osteuropäischer Perspektiven in einen europäischen Kontext gesetzt. Die Projektergebnisse, darunter eine Handreichung für den Schulunterricht, werden von lokalen Projektpartnern mit Lehrenden an Schulen erprobt, online zugänglich gemacht und auf internationalen Fachkonferenzen vorgestellt. 

Eine Pauschalisierungen entgegenwirkende Aufarbeitung der Transformationszeit versteht das Projekt letztlich als eine der Voraussetzungen für eine bessere europäische Verständigung und eine Stärkung heutiger Demokratiefähigkeit in den jeweiligen Ländern und Regionen. Das Projektteam ist an einer Kooperation mit Expert/innen an Hochschulen und weiteren Expert/innen interessiert. Entsprechende Anfragen richten Sie bitte an alexander.formozov@austausch.org.

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