Slovjansk (Ostukraine): DRA eröffnet zivilgesellschaftliches Ressourcenzentrum „Drukarnia“ und veranstaltete Fotoworkshop und Freiwilligen-Camp

Am 27./28. September eröffnet der DRA eine Repräsentanz in Slovjansk im Verwaltungsbezirk Donezk. Der Name dieses neuen zivilgesellschaftlichen Ressourcenzentrums (Civil Society Center) „Drukarnia“ leitet sich von den Räumlichkeiten in der Stadtmitte her, in denen früher einmal eine Druckerei betrieben wurde. Die wichtigsten Aufgaben des Zentrums werden darin bestehen, die Zivilgesellschaft vor Ort zu unterstützen, Aktivist/innen aus der Ostukraine mit Kolleg/innen aus Deutschland und Europa zu vernetzen und Projekte in Bereichen wie Umweltschutz, Bildung, Dialog und Geschichte zu entwickeln. 

Zwei erste Projekte des DRA in Slovansk haben im Juli und August bereits stattgefunden. So koordinierten Igor Mitchnik und Tim Bohse (beide DRA) vom 20.–27. Juli einen Workshop des deutsch-schweizerischen Fotografen Jan Zychlinski, der die Teilnehmer/innen dabei unterstützte, ihre eigene Stimme als Fotograf/innen zu finden. Eine Woche lang diskutierten und erweiterten sie ihren Blick auf die Kleinstadt Slovjansk, die heute wieder friedlich wirkt und in der es ausführlicher Gespräche mit den dort lebenden Menschen bedarf, um die tiefsitzenden Spuren zu erkennen, die der Krieg hinterlassen hat. Die Ergebnisse des PhotoVoice-Projekts wurden abschließend in der zentralen Bibliothek in Slovjansk präsentiert und waren dort noch bis zum 30. August zu sehen (vgl. hier und hier).

Vom 4.–16. August folgte ein von Tim Bohse, Igor Mitchnik und Andrej Kalikh koordiniertes Internationales Workcamp, bei dem 19 Freiwillige aus 11 Ländern bedürftige Familien in Slovjansk unterstützten, darunter Binnengeflüchtete, viele von ihnen mit zahlreichen (Adoptiv-)Kindern. Dazu kamen Begegnungen mit lokalen Aktivist/innen und mit Vertreter/innen der Stadtverwaltung sowie internationaler Organisationen. Alexej Jukov von der NGO „Schwarze Tulpe“ („Tschorny tjulpan“) zeigte den Freiwilligen in einer mehrstündigen Führung die zentralen Orte in Slovjansk, die mit der Okkupation durch die prorussischen Separatisten von April bis Juli 2014 verbunden und an denen die Spuren des Krieges nach wie vor sichtbar sind. Oksana Stupak, Leiterin des Projekts „Civic Education for Youth in East Ukraine“, informierte die internationale Gruppe darüber, wie ihre Organisation für Jugendliche der Region Foren zur politischen Bildung organisiert und ihnen Projektmanagementwissen vermittelt. Sergei Saenko von „People in Need“ und Andrey Krivchenkov von „Arche Nova“ stellten die Arbeit ihrer humanitären Organisationen vor und berichteten auch über ihr eigenes Schicksal als Binnenvertriebene: Viele, die die sich in der Region seit 2014 in humanitären Organisationen engagieren, mussten ihren Heimatort verlassen.

Über beide Veranstaltungen berichteten die lokalen Medien mit mehreren Online-Artikeln und Videoreportagen. Besondere Beachtung schenkten sie den am Camp teilnehmenden Freiwilligen aus Georgien, Moldawien und Belarus, die sich der Bevölkerung in der Ostukraine auf besondere, jeweils individuelle Weise verbunden fühlten – sei es aufgrund von Familienbeziehungen oder aufgrund vergleichbarer Kriegs- bzw. Konflikterfahrungen als Teil der eigenen Familiengeschichte. Vgl. dazu auch die Posts hierhierhierhierhier und hier.

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