"Sie war für alle, um die sie sich sorgte, mit denen sie arbeitete, ein Licht", - Wir sind erschüttert und trauern um Margarete von der Borch

Unsere langjährige Freundin, Wegbegleiterin, Projektpartnerin, Margarete von der Borchst ist gestern, am 7. März, im Alter von nur 53 Jahren nach langer Krankheit in Holzhausen /Westfalen gestorben.  Margarete war, gemeinsam mit Maria Ostrovskaya, die Gründerin, Ideengeberin, über viele Jahre der menschliche und auch organisatorische Rückhalt für die St. Petersburger Behindertenhilfe-NGO "Perspektivy", die seit 1994 zu einer der größten, fortschrittlichsten und renommiertesten Organisationen in diesem Bereich herangewachsen ist, beständig unterstützt vom deutschen Perspektiven e.V., den sie geleitet hat. Margarete war eine in seltener Weise großherzige, kluge Frau, die durch viele schwierige Situationen sich immer bewahrt hat. Sie war für alle, um die sie sich sorgte, mit denen sie arbeitete, ein Licht. Sie hat etwas von ungeheurem Wert geschaffen, das sie nun überleben muss und wird - Fürsorge für Behinderte, eine starke Organisation in Russland und auch eine besondere bilaterale Geschichte.

Anfang der 90er, als auch der DRA seine Arbeit vor allem im sozialen Bereich in St. Petersburg begann, hatte sich Margarete von der Borch zuerst um Straßenkinder in der Stadt gekümmert. Nach einem Besuch im sog. Psychoneurologischen Internat für schwerst behinderte Kinder in Pavlovsk begannen sie und Maria Ostrovskaya, sich um diese weggesperrten, auf oft ärmlichste Weise nur medizinisch, aber nicht fördernd versorgten Kinder zu kümmern. Sie bauten in dem Heim aktive Rehabilitation und Beschäftigung für die HeimbewohnerInnen auf. Viele Freiwillige haben sich daran beteiligt, auch solche, die hernach in ganz anderen Berufen bekannt wurden wie der langjährige, engagierte Moskau-Korresondent von Spiegel-Online, Benjamin Bidder. Oft kamen die Freiwilligen - vor allem in den 90ern und 2000ern - auch über den DRA dorthin.

Später, als die schwerstbehinderten Kinder älter wurden und ins Erwachsenenheim Peterhof umgesiedelt worden, schufen "Perspektivy" auch dort eine unterstützende Betreuung - oft, könnte man sagen, kamen sie erst so in ein eigenes Leben. Weitere Jahre später kamen Elterninitativen der Behinderten hinzu, in denen Betroffene sich gegenseitig halfen, diie zu eigenen Vereinen wurden, und nach 2010 schließlich offene Tageseinrichtungen für die Schwerstbehinderten, ein Novum in der russischen Behinderten-Betreuung.

Mit mehreren gemeinsamen Projekten hat auch der DRA "Perspektivy" dabei helfen können, u.a. seit 2005 ein Haus für die Behinderte einzurichten (mit EU-Förderung), seit 2009 mit Beistand von Aktion Mensch und Brot für die Welt, die Ausbildung der in Pavlovsk beschäftigten Hilfspflegerinnen (Sanitarki) zu verbessern, eine Quarantänestation einzurichten, die nicht nur ein Durchschleuse- und Sicherungsort ist, sondern Beschäftigung erlaubt. 
(Zur Arbeit des DRA mit "Perspektivy" siehe hier.

Die Entwicklung neuer Standards und Praktiken in der Behindetenarbeit verlief nicht immer ohne Konflikte, die Zusammenarbeit der sowjetisch gesprägten, stark geschlossenen und regulierten Heime mit den selbstständigen NGOs, deren idealistischen Ansätzen, Freiwilligen, brachte Bewegung, allmählich neue Vorstellungen von einem menschenwürdigen, individuellen, zugewandten Umgang mit den Behinderten, aber auch Widerstand bis in föderale Kreise hinein. Eine der Direktorinnen des Heims in Pavlovsk musste ihren Posten verlassen, weil öffentlich wurde, dass noch immer Kinder schlecht behandelt, ans Bett gebunden, zu wenig und geringwertig ernährt wurden.

Der Perspektiven e.V. (www.perspektiven-verein.de) unterstützt die Arbeit von Perspektivy in St. Petersburg weiter. Nicht zuletzt vereint er viele ehemalige Freiwillige. Ihn zu unterstützen und damit die Arbeit für die Behinderten in St. Petersburg, diese Menschenwürde in Praxis zu ermöglichen, das wäre das beste, was man jetzt für Margarete tun kann. Wir laden Sie sehr herzlich dazu ein, das zu tun. Einmal oder am besten für lange.

https://perspektiven-verein.de/index.php/uebersicht.html

Ein Nachruf aus ihrer Heimatregion, der Margaretes Leben und Wirken, aber auch einige private Umstände - sie stammte aus einer adligen Familie - schildert Westfallen-Blatt.

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