Projekt „Transition Dialogue“ wirkt an internationalen Debatten über Narrative zur Nachwendezeit mit – Veranstaltungen in Perm, Sofia, Kiev, Glasgow

Welche Erinnerungen verbinden die Menschen in verschiedenen Ländern Ost- und Mitteleuropas mit der Wendezeit und dem Jahrzehnt danach? Wie sehen heutige Einschätzungen und Narrative der Epoche aus? Das DRA-Projekt „Transition Dialogue 2019-2021 – Wandel demokratisch bewältigen“ ging diesen Themen u. a. mit öffentlichen Veranstaltungen nach, so jüngst in Perm, Kiev, Sofia und Glasgow.

Ein vielschichtiges Bild dazu erstellten unsere Partner in Perm (darunter die Expert/innen Andrei Suslov, Maria Gorbach, Tatiana Margolina, Svetlana Makovetskaya und Robert Latypov) mit ihren Veranstaltungen unter dem Titel "Unsere 90er" am 4./5. Oktober, an der auch der DRA-Geschäftsführer Stefan Melle als Podiumsgast teilnahm. Die Formate reichten von einer Flash-Ausstellung mit privaten Erinnerungsstücken aus den 90ern über Zeitzeugengespräche und Vorträge bis zu öffentlichen Debatten, darunter auch eine Schülerdiskussion zu der Frage, welche Aspekte der 90er Jahre in Russland heute gewichtiger scheinen – die größere Freiheit und das verbesserte Warenangebot oder eher Armut, Kriminalität, wilde Privatisierung? Eine Abstimmung im Publikum ergab ein leichtes Übergewicht für eine Positivwertung. Mehr Informationen finden Sie hier.

Im Rahmen des Projekts veranstalteten auch unser Kooperationspartner Congress of Cultural Activists und Olena Pravylo in Kiev spannende Diskussionen. So befassten sich am 7. Oktober Schulbuchautor/innen, Pädagog/innen und Wissenschaftler/innen in einem Fachgespräch mit der unzureichenden Berücksichtigung der Transformationszeit im Schulunterricht, die den Trägern der informellen Bildung eine besondere Verantwortung auferlegt. Eine in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsprojekt „Battle of memories“ veranstaltete öffentliche Diskussion am 13. Oktober im Honchar-Museum galt dem Austausch zu persönlichen Erinnerungen von Menschen unterschiedlicher Berufs- und Altersgruppen und der Frage, wie viel aus der sowjetischen Vergangenheit in der heutigen Ukraine noch zu finden ist. Dabei wurde deutlich, dass die Transformation für viele kein abgeschlossenes Kapitel ist und erst mit dem Frieden im Donbass beendet sein wird.

Über seinen Förderer, die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), ist das Projekt „Transition Dialogue“ in das Eastern European Network for Civic Education (EENCE) und in das Networking European Citizenship Education (NECE) eingebunden. Nora Korte (DRA) stellte es beim diesjährigen EENCE Summit in Batumi (4. – 6. Oktober) vor. Bei der NECE-Jahreskonferenz in Glasgow (26-28. Oktober) veranstaltete das internationale Projektteam zudem ein Panel zu Ursachen des Populismus in Osteuropa. Beteiligt waren u.a. Louisa Slavkova (SofiaPlatform, Bulgarien) und Stefan Melle (DRA). Die kontroverse Diskussion der internationalen Expert/innen drehte sich v. a. um die Rolle ökonomischer Unterschiede und sozialer Ungleichheit zwischen „West“ und „Ost“ sowie innerhalb von Transformationsländern als mögliche Ursache für Frustration und das Erstarken des Populismus; Videomitschnitt hier.

Eine weitere öffentliche Veranstaltung von „Transition Dialogue“ fand am 12. November in Sofia statt, dem Sitz unserer Partnerorganisation Sofia Platform. Den Rahmen bildete ein internationales Arbeitstreffen des Projekts. Dabei wurde die Debatte über die 90er Jahre, die auch in Bulgarien von wirtschaftlicher und sozialer Erosion, der Neubildung von Institutionen, aber auch viel Kriminalität geprägt waren, in Form eines StandUp-Comedy-Programms von vier bulgarischen Schauspieler/innen geführt – mit großem Erfolg beim überwiegend jungen Publikum im Club „Book Shop“.

Aktuelle Nachrichten zum Projekt gibt es auch auf Facebook.

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