INKuLtur-Podiumsgespräch in Berlin: Barrierefreiheit und Inklusion in Kultureinrichtungen?

Am 13.02.2019 fand im Rahmen des DRA-Projektes INKuLtur ein Podiumsgespräch mit russischen und deutschen Expert/innen in der Bibliothek am Luisenbad in Berlin statt. Geladen waren Gäste aus dem Sozialbereich, den Bereichen Inklusion und Kultur sowie Interessierte am deutsch-russischen Austausch.

In dem von Anja Kretzer (Projektleiterin INKuLtur) und Julia Galagusova (Pädagogische Universität Jekaterinburg) moderierten Gespräch wurde zunächst diskutiert, was Inklusion in Kultureinrichtungen bedeutet und in welchem Verhältnis die Begriffe Inklusion, Barrierefreiheit und Zugänglichkeit zueinander stehen. Anschließend sprachen die Expert/innen über Schwierigkeiten und Hürden bei der Schaffung eines inklusiven Umfelds in Kultureinrichtungen und welche Wege der Umsetzung es aus ihrer Sicht gibt.

Anne Rieger, Produktionsleiterin von „Making a Difference“, erzählte von ihren Erfahrungen aus England und den Prozessen der Umsetzung in den Sophiensaelen in Berlin. Kultureinrichtungen in Großbritannien seien sehr fortschrittlich in Bezug auf inklusive Maßnahmen, etwa bei Audiodeskriptionen, Tastführungen oder sog. Relaxed Performances. Bei letzterem werden Möglichkeiten zu individuellen Pausenzeiten gewährt, Ruhebereiche eingerichtet, auf sanfte Licht- und Tonwechsel geachtet und es dürfen Geräusche während der Vorstellung gemacht werden.

Andrej Afonin, Leiter und Regisseur des integrativen Theaterstudios „Krug II“ (Kreis II) aus Moskau, berichtete von seiner 30 Jahre langen Erfahrung im inklusiven Theaterbereich mit Menschen mit geistiger Behinderung. Als unbedingte Voraussetzung für diese Arbeit nannte er das Interesse am Menschen und den Willen, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen und zu verstehen.

Vlad Kolesnikov, Kurator für Zugänglichkeitsprogramme am Staatlichen Historischen Museum in Moskau, betonte als selber Betroffener die Wichtigkeit, Übersetzung in Gebärdensprache oder beispielsweise Führungen in Museen von gehörlosen Menschen anzubieten. Dies verändere die öffentliche Wahrnehmung in Bezug auf Menschen mit Hörbehinderung maßgeblich, so Kolesnikov.

Stefanie Wiens, Leiterin von <Platz da!> zur barrierefreien Kulturvermittlung und Prozessbegleitung für Inklusion in Berlin, betonte die Vielfältigkeit, die durch Inklusion und durch die Einbeziehung unterschiedlichster Perspektiven im Kulturbereich entsteht. Erst durch die Teilnahme von Menschen mit Behinderung werden viele Barrieren häufig erst sichtbar und die Expert/innen in eigener Sache können am besten darüber Auskunft geben, wie diese abgebaut werden sollten. Abschließend forderte Stefanie Wiens mehr Druck von Seiten der Politik hinsichtlich der Umsetzung von Barrierefreiheit und Zugänglichkeit.

Im Anschluss an das Podiumsgespräch konnte das Publikum Fragen stellen, wodurch weitere Blickwinkel und Erfahrungen geteilt wurden. Das Gespräch wurde im informellen Rahmen im Anschluss an die Veranstaltung fortgesetzt.

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