Menschenrechte

"Hauptsache es wird Frieden" - Podiumsdiskussion über den Donbass

"Drei Dinge haben bewirkt, dass in Donezk die Separatisten an die Macht kamen und im nahen Dnipropetrowsk nicht, obwohl beide Städte sehr sowjetisch geprägt waren", sagte der ukrainische Historiker Andrij Portnov, derzeit Gastprofessor an der Humboldt Universität Berlin. "Die Eliten in Dnipropetrowsk waren auf der Seite Kiews, es gab einige ukrainische Medien - und keine direkte Grenze zu Russland." Als Quelle von Waffen, Unsicherheit, Gewalt und verweigerter Souveränität kehrte die ungeschützte Grenze noch mehrfach wieder in der von n-ost, dem DRA und der Rosa-Luxemburg Stiftung unterstützten Podiumsdiskussion "FILMRISS - Was wir über den Krieg in der Ukraine nicht wissen wollen", die am 1. Oktober in der Kapelle der Versöhnung der Berliner Mauergedenkstätte Bernauer Straße stattfand.

Die Grenzfrage ist auch Streitpunkt der Politiker in Kiew jetzt kurz vor den Kommunalwahlen - wenn sie das Minsk-II-Abkommen erfüllen, aber die Kontrolle über die Grenze zu Russland nicht zurückerlangen, würde dies die Besetzungen durch die Separatisten zementieren, sagen viele in der Rada. Vor Ort haben viele Menschen andere Prioritäten, berichtete Vera Jastrebova, Juristin des "Public Work Control Center" der von Separatisten Anfang 2015 blutig eroberten Kleinstadt Debalzevo: vor allem Erschöpfung und wachsende soziale Not. "Die Leute sagen: Hauptsache, es wird Frieden. Denn es geht jeden Tag ums Überleben" - solange geschossen wird, solange Sozialtransfers eingestellt sind, solange die Armut wächst.

Hinzu tritt die Diskriminierung von Flüchtlingen aus den besetzten Gebieten in anderen Regionen der Ukraine. "Wer offiziell in Donezk wohnt, hat dort auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen", sagt Vera Jastrebova. Einzelne Zuhörer bestätigen die Risse in der innerukrainischen Gemeinschaft leider gleich auf ihre Weise - mit Pauschalvorwürfen, wonach Donbass-Flüchtlinge im Westen des Landes zu viel erwarteten und sich zu wenig integrierten.

Der Berliner Journalist Moritz Gathmann, der als Reporter für den "Spiegel" vor Ort war, hält es weiter für notwendig, für das Verständnis des Konflikts auch die Kulturgeschichte der Region zu berücksichtigen.

Doch Yevgenia Belorusets, die Initiatorin des Abends - organisiert anlässlich ihrer Ausstellung "Versöhnung, die wir verpasst haben" mit Fotos aus dem Bergarbeitermilieu der Ostukraine -, beharrte noch einmal auf einem klaren Befund: Den Krieg hätte es ohne die russische Regierung nicht gegeben, und ohne sie wäre er auch längst vorbei.

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