Finnissage und Präsentation des Katalogs der Fotoausstellung "Aus Spiegeln beschoß uns das Licht" von Dmitry Vyshemirsky

Am 25.November in Berlin: Finnissage und Präsentation des Katalogs der Fotoausstellung "Aus Spiegeln beschoß uns das Licht" von Dmitry Vyshemirsky (Berlin/Kaliningrad) zu Gedichten von Johannes Bobrowski aus Anlass von dessem 100. Geburtstag. Herausgeber des Buches ist der DRA, erschienen ist es im Anthea-Verlag, Kuratorinnen des Projekt waren Brigitte Graf (Programm/Texte) und Alexandra Goloborodko (Layout). 
Einen herzlichen Dank an sie und an die Förderer (ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, namentlich Prof. Michael Göring, Marcella Christiani und Frauke Hamann) und das Bezirksamt / Kulturamt Lichtenberg sowie alle Partner, u.a. der J.Bobrowski-Verein, der Art-interWall-e.V., die Stiftung WÖB.

Im Künstlergespräch zur Finissage mit der ebenfalls aus Kalinigrad stammenden Soziologin Olga Sezneva (Universität Amsterdam) sprach Dmitry Vyshemirsky über seine selbstgestellte Aufgabe, den Bruch und die geschichtlichen Tiefenhorizonte aus den Überresten des früheren Gebiets Königsberg, das seit 1945 zur Sowjetunion gehörte, ins Bild zu setzen - in einer "visuellen Poesie", die der sprachlichen von Johannes Bobrowski entspricht, dem im früheren ostpreußischen Tilsit (heute Sovietsk) geborenen (ost-)deutschen Schriftsteller. "Am Anfang war das Wort - auch für mich", so Vyshemirsky und bezog sich nicht zuletzt auf das Evangelium, "in dem viele Fragen schon beantwortet sind, die ich in Bezug auf Königsberg-Kaliningrad wieder stelle".

Olga Sezneva erzählte vom Schweigen auch in der eigenen Familie - eine deutsche, eicherne Standuhr gehörte zum Familienerbe, seit ihre Großeltern gleich nach der sowjetischen Übernahme nach dem II. Weltkrieg, der Niederlage der deutschen Wehrmachdt und Nationalsozialisten, in die Stadt übergesiedelt wurden. Warum? Wie kam sie in die neuen Hände? Vieles wurde 1945 ff. in den verlassenen Häusern einfach vorgefunden, anderes damals auch mit Gewalt übernommen, sagt Sezneva. Lange sei es in der sowjetischen Parteipolitik zur Stadt vor allem um die Auslöschung der gewesenen Geschichte gegangen. Austilgung, Umbau, Neubau, das sozialistische Gesicht. Heute sei der Moment, um auch die Gewalt in der Übernahme zu thematisieren. Darin sei Königsberg-Kaliningrad eine "endlose" Stadt" - in der Aufgabe, sich ihrer selbst, ihrer Identität zu versichern durch offene Aufarbeitung der eigenen Erinnerung.

Einer der Zuhörer des Abends war der Schriftsteller Ulrich Grasnick. Er erzählte hernach, wie auch das Andenken an J. Bobrowski kaum erhalten wurde. Dessen Hausstand und bekanntes Künstlerzimmer, von Gerhard Wolf beschrieben, gelangte nach der Wende, als Bobrowskis früheres Wohnhaus - eine Villa in Berlin-Friedrichshagen - teuer verwertet wurde, nach Litauen: zurück in dortige Familienhände. Wieder auf einst ostpreußischem Gebiet.

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