Erste Hospitationsreise in die Ukraine: Zum Erfahrungsaustausch effektiver Strategien für die Integration von Binnenvertriebenen und Geflüchteten

Die Integration von Binnenvertriebenen und Geflüchteten ist heutzutage ein drängendes Thema in vielen Ländern, in denen ein militärischer Konflikt stattfindet oder stattfand. Seit Kriegsbeginn im Osten der Ukraine vor mittlerweile drei Jahren ist diese Frage für die ukrainische Gesellschaft und Bevölkerung von besonderer Brisanz. Für den Integrationsprozess spielen insbesondere zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich im Wesentlichen um die humanitären und psychosozialen Belange der Betroffenen kümmern, eine zentrale Rolle. Sowohl in der Ukraine als auch in den anderen postsowjetischen Konfliktregionen haben NGOs bereits viel Erfahrung im Bereich der Integration von Binnenvertriebenen erworben. Sie entwickeln innovative und effektive Methoden zur Moderation des oftmals spannungsreichen Kontaktes zwischen  den Geflüchteten und den aufnehmenden Gesellschaften.

Diese wertvollen Erfahrungen und Kenntnisse im Bereich der Integration aus 4 verschiedenen Konfliktregionen konnten nun ausgetauscht werden: An der ersten von drei Hospitationsreisen in die Ukraine von 22. bis 28. Mai 2017, zum Thema „Effektive Strategien der Integration von Binnenvertriebenen und Geflüchteten“ , nahmen 20 Vertreter_Innen unterschiedlicher zivilgesellschaftlicher Organisationen aus der Ukraine, Russland, Armenien, Georgien und dem Nordkaukasus teil. Die zentralen Ziele der Hospitationsreisen sind zum einen der Austausch und die Analyse effektiver Ansätze und Methoden zur Integration von Binnenvertriebenen und Geflüchteten, die auf den Erfahrungen der Teilnehmenden basieren, sowie zum anderen die gemeinsame Erarbeitung neuer Integrationskonzepte für die einzelnen Länder sowie möglicher zukünftiger Kooperationen.

Während der 7-tägigen Hospitationsreise durch mehrere Gebiete der Ukraine hatten die Teilnehmer_Innen die Gelegenheit, verschiedene ukrainische zivilgesellschaftliche Organisationen kennenzulernen. Diese präsentierten ihren erfolgreichen Projekte zur Integration von IDP und diskutierten mit den ausländischen Gästen mögliche Lösungsansätze für aktuelle Probleme. Insgesamt wurden während der Bildungsreise 11 zivilgesellschaftliche Organisationen in 5 Städten in der Charkiwer-,  Donezker und Tscherkassy-Region, Odessa und dem Kyiver Gebiet besucht, alles Gebiete, die in den letzten drei Jahren die höchste Zahl an Binnenvertriebenen aufgenommen haben.

Vertreter_Innen der ukrainischen NGOs haben den Gästen ihre Organisation gezeigt und ihre aktuellen Aktivitäten im Bereich der Integration von IDPs wie beispielsweise die Organisation von humanitärer Hilfe (Lebensmittel, Kleidung, Medikamente) für Binnenvertriebene und Menschen, die im Kriegsgebiet leben, die Organisation von psychosozialer Unterstützung, juristischer Hilfe  Unterstützung bei der Arbeitssuche und beruflicher Neuorientierung sowie die Organisation  kultureller und  bildungspolitischer Veranstaltungen .

Die Hospitationsreise wurde mit dem Besuch der Stadt Kyiv abgerundet –die seit Kriegsbeginn eine große Zahl an Binnenvertriebenen aufgenommen hat. Hier haben die Teilnehmenden drei weitere zivilgesellschaftliche Organisationen besucht, es wurde ein Evaluationsabend durchgeführt und die Teilnehmenden konnten die gesammelten Erfahrungen in der Integrationsarbeit und der Unterstützung von Binnenvertriebenen und Geflüchteten ausführlich untereinander austauschen. Dabei waren die ausländischen Gäste besonders vom außergewöhnlichen Engagement der Aktivist_Innen- und Volontäre beeindruckt, die sich – trotz der wenigen Jahre ihres Schaffens – mit einer bedeutsamen Anzahl an sozialen und humanitären Kriegsfolgeproblemen auseinandersetzen und diese regulieren. Doch blieben den Gästen die psychischen Auswirkungen dieses Engagements nicht unbemerkt: Neben der allgemeinen Müdigkeit kämpfen die ukrainischen Mitarbeiter_Innen und Volontäre mit Burn-Out-Symptomen, da sie sich seit drei Jahren ununterbrochen im Einsatz befinden.

Es ist daher besonders wichtig, solche Treffen auf internationaler Ebene fortzusetzen, um die ukrainischen Kollegen durch  Erfahrungsaustausch  effektiver Strategien bei der Integration von Binnenvertriebenen und Geflüchteten unterstützen zu können. Zwei weitere Hospitationsreisen finden nach Georgien und Armenien statt, so dass auch die Vertreter_Innen der ukrainischen NGOs die Möglichkeit haben werden, die Arbeit im Bereich der Integration von Binnenvertriebenen und Geflüchteten  in anderen Länder kennenzulernen. Dank dieser gegenseitigen Bereicherung können die Teilnehmenden unserer Hospitationsreise so neue Projektideen zur Lösung von Integrationsproblemen in ihren eigenen Ländern generieren.

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