Der DRA protestiert gegen den neuerlichen gewaltsamen Übergriff auf eine Veranstaltung von Memorial in Moskau

Gestern abend überfiel die nationalistische Bewegung SERB die geschlossene Diskussionsvorführung des Films "Feiertag" (russ. Праздник") über eine Familien-Silvesterfeier während der Leningrader Blockade des Regissseurs Aleksej Krasovskij. Die Gruppe bezeichnete die Veranstaltung u.a. als "Vaterlandsverrat", die Polizei drängte sie nach einer halben Stunde aus den Räumen von Memorial. Einmal mehr geht es um die "richtige" geschichtliche Erinnerung - der Film wurde von diversen "patriotischen" Gruppen und Politikern, auch von der Regierungspartei Edinaja Rossija, noch vor seiner Fertigstellung angegriffen, weil er als Komödie figuriert und das zum Teil skurrile Familienfest vor dem Hintergrund der mörderischen Blockade der Stadt durch die deutschen Faschisten als falsche Perspektive hinstellen (Details: www.kinopoisk.ru/article/3273897/). Der Plot zeigt diesen Hintergrund freilich ungeschönt (vgl. auf russ.: http://kinosliva.net/6821-prazdnik-film-2018.html). Der Film wurde schließlich vom Regisseur ohne staatliche Registrierung für den Kino-Betrieb auf youtube zugänglich gemacht und dort bereits von mehr als 1 Mio Menschen gesehen.

SERB hat bereits mehrfach auch den Schüler-Geschichts-Wettbewerb von Memorial angegriffen und wird auch verdächtigt, einen Überfall auf den Oppositionspolitiker Alexey Navalnyj organisiert zu haben. SERB ist seit März 2014 aktiv und begann als "South Easth Radical Block" mit der Besetzung der Oblast-Verwaltung in der ukrainischen Großstadt Charkiv im Zuge des Beginns des Krieges in der Ostukraine vor fast fünf Jahren durch die Invasion russischer Truppen und Freischärler im Verbund mit der lokalen Anti-Maidan-Bewegung. Inzwischen bezeichnet sich SERB als "Russische Befreiungsbewegung". 

Der DRA ruft die russischen Behörden dazu auf, die ungestörte Durchführung von Veranstaltungen und damit verbunden die Gewährleistung der Meinungsfreiheit auch zu Kontroversen über Geschichtsbilder zu gewährleisten.

Das Memorial-Zentrum für Information und Aufklärung (NIPC) war gerade vergangene Woche wider Erwarten nach einer sog. "außerplanmäßigen Überprüfung" durch das Justizministerium der Registrierung als sog. ausländischer Agent nach dem 2012 erlassenen russischen Gesetz über "NGOs als ausländische Agenten" entgangen. Memorial meldete, "anders als befürchtet, ist es nicht – wie zuvor in vielen anderen Fällen - zu einer Registrierung als „Agent“ gekommen. 
Es wurden lediglich einige Bestimmungen in der noch aus dem Jahre 1996 stammenden Satzung beanstandet, die nicht mehr der heutigen Gesetzgebung entsprechen. 
Die erforderlichen Satzungsänderungen (und die obligatorische Umregistrierung) werden in der nächsten Zeit vorgenommen." (vgl. www.memorial.de/index.php/7706-moskauer-memorial-verband)

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