Der DRA plant mit kirgisischen Partnern Projekte zur Verbesserung der Luftqualität in Bischkek

Die Hauptstadt Kirgistans hat ein ernstes Problem mit Luftverschmutzung, vor allem verursacht durch einen schadstoffbelasteten Stadtverkehr. Die PKW-Dichte in Bischkek ist mit ca. 640 pro 1000 Einwohnern eine der höchsten weltweit (Deutschland hat eine PKW-Dichte von 550 pro 1000 Einwohner), dieselbetriebene Minibusse (Marschrutka) ersetzen eine fehlendes ÖPNV-System, die Bevölkerung leidet unter zunehmenden Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen.

Zur Herausarbeitung und Umsetzung von Lösungsansätzen sind viele Akteursgruppen gefragt: Nichtregierungsorganisationen, Forscher, Behörden, politische Akteure sowie Bürgerinnen und Bürger. Was genau Umweltorganisationen tun können und müssen, mit wem, wann und wie – dies war Thema zweier Begegnungen zwischen dem DRA und der kirgisischen Umweltorganisation MoveGreen - МувГрин.

Die Begegnungen fanden im September 2018 in Bischkek sowie in Berlin statt und wurden im Rahmen des Перспективы для молодежи Twinning Programm der GIZMitOst e.V. durchgeführt. Mit dem Twinning-Programm erhielten der DRA und MoveGreen auch die Möglichkeit, sich intensiv zu den Tätigkeiten der jeweiligen Organisationen auszutauschen, erste gemeinsame Projektmaßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Bischkek umzusetzen sowie daraus resultierende Kooperationsvorhaben zu entwickeln.

Beim Besuch der DRA-Mitarbeiterin Judith Kiss in Bischkek stand in Gesprächen mit Vertreter/-innen von Nichtregierungsorganisationen, Behörden und Forschungseinrichtungen die Luftverschmutzung in der Hauptstadt im Mittelpunkt. 
Es wurde deutlich, dass es an Studien sowie statistischen Daten zur Emissionsmenge und zu den genauen Quellen von Luftverschmutzung mangelt, aber auch an strategischen Luftreinhalteplänen seitens der Behörden. 
Ein attraktiver, klimaschonender und flächendeckender öffentlicher Personennahverkehr und eine Fahrradinfrastruktur würden dringend benötigt, ebenso eine stärkere Aufklärung und Umweltbildung der Bevölkerung. 
Die Arbeit von MoveGreen richtet sich deshalb unter anderem auf die Bereitstellung von Messdaten zur Feinstaubbelastung mithilfe eines Bürgermonitoringsystems und auf das Lobbyieren für Luftreinhaltemaßnahmen. 
Der DRA hatte im Rahmen seines Besuchs auch zwei Experten eingeladen: Zum einen hielt András Lukács von der ungarischen NGO The Clean Air Action Group einen Vortrag zu beispielhaften Luftreinhalteprojekten weltweit und gab Empfehlungen zu Maßnahmen, die in Bischkek zu schnellen und effektiven Resultaten führen könnten (beispielsweise die Einführung eines separaten Busstreifens oder eine vehemente Förderung des Bus- und Trolleybusverkehrs).

Die Präsentation von András Lukács kann man hier herunterladen. 

Zum anderen gab Rajko Zschiegener von der Bürgerinitiative zur Luftschadstoffmessung Luftdaten interessierten Bürgerinnen und Bürgern Bischkeks eine Einweisung in den Bau einer Heimwerk-Messstation zur Messung von Feinstaub. Die gesammelten Daten der aufgestellten Bürger-Messstationen werden auf einer Online-Karte veröffentlicht.

Beim Gegenbesuch der MoveGreen-Mitarbeiterin Altynai Amantur-kyzy in Berlin standen der Erfahrungsaustausch mit deutschen Umweltverbänden und Behörden, die zu Luftreinhaltung arbeiten, im Vordergrund. So traf Frau Amantur Vertreter/-innen des BUND BerlinDeutsche Umwelthilfe, des ADFC, der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, des Umweltbundesamtes.

Nun gilt es, Projekte zu Verbesserung der Bischkeker Luft herauszuarbeiten, die verschiedene lokale Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft dabei unterstützt, Lösungen zu entwickeln und umzusetzen, auch mithilfe von Maßnahmen des internationalen Fach- und Erfahrungsaustausches.

Zurück